Home-
page

www.wissen-im-Netz.info

Werke

Homepage
   Literatur
      Karl Simrock
         Das Nibelungenlied
           
1. Abenteuer
            2. Abenteuer
            3. Abenteuer
            4. Abenteuer
            5. Abenteuer
            6. Abenteuer
            7. Abenteuer
            8. Abenteuer
            9. Abenteuer
            10. Abenteuer
            11. Abenteuer
            12. Abenteuer
            13. Abenteuer
            14. Abenteuer
            15. Abenteuer
            16. Abenteuer
            17. Abenteuer
            18. Abenteuer
            19. Abenteuer
            20. Abenteuer
            21. Abenteuer
            22. Abenteuer
            23. Abenteuer
            24. Abenteuer
            25. Abenteuer
            26. Abenteuer
            27. Abenteuer
            28. Abenteuer
            29. Abenteuer
            30. Abenteuer
            31. Abenteuer
            32. Abenteuer
            33. Abenteuer
            34. Abenteuer
            35. Abenteuer
            36. Abenteuer
            37. Abenteuer
            38. Abenteuer
            39. Abenteuer

23. Abenteuer

Wie Kriemhilde ihr Leid zu rächen gedachte

Unter hohen Ehren,   das ist alles wahr,
Wohnten sie beisammen   bis in das siebte Jahr.
Die Königin derweile   gebar ein Söhnelein,
Worüber König Etzel   nicht mochte fröhlicher sein. (1432)

Bis sie es erlangte   ließ sie nicht ab davon,
Die Taufe musst empfangen   König Etzels Sohn
Nach der Christen Sitte:   Ortlieb ward er genannt.
Das brachte große Freude   über Etzels ganzes Land. (1433)

Der Zucht, deren jemals   zuvor Frau Helke pflag,
Befliss sich Kriemhilde   darauf gar manchen Tag.
Es lehrte sie die Sitte   Herrat die fremde Maid;
Dei trug noch in der Stille   um Helke großes Herzeleid. (1434)

Vor Heimischen und Fremden   war sie wohlbekannt;
Es hieß, so gut und milde   hab eines Königs Land
Nie eine Frau besessen:   Das hielten sie für wahr;
Des rühmten sie die Heunen   bis an das dreizehnte Jahr. (1435)

Nun wusste sie, dass niemand   ihr feindlich sei gesinnt,
Wie heut noch Königinnen   der Fürsten Recken sind,
Und dass sie täglich mochte   zwölf Könge vor sich sehn.
Sie vergaß auch nicht des Leides,   das ihr zu Hause geschehn. (1436)

Sie gedacht auch noch der Ehren   in Nibelungenland,
Die man ihr geboten   und die ihr Hagens Hand
Mit Siegfriedens Tode   für alle Zeit benommen,
Und ob ihm das wohl jemals   noch zu Leide möchte kommen. (1437)

"Es geschäh, wenn ich den Degen   brächt in dieses Land."
Ihr träumte wohl, ihr ginge   gar manchmal an der Hand
Geiselher ihr Bruder;   sie küsst' ihn allezeit
In ihrem sanften Schlafe:   Das ward zu schmerzlichem Leid. (1438)

Ich glaube dass Kriemhilden   der böse Feind es riet,
Dass sie in guter Freundschaft   von König Gunthern schied,
Den sie zur Sühne küsste   in Burgondenland.
Aufs neu begann zu triefen   von heißen Tränen ihr Gewand. (1439)

Es lag ihr an dem Herzen,   beides, spät und früh,
Wie man mit Widerstreben   sie doch gebracht dazu,
Dass sie minnen musste   einen heidnischen Mann:
Die Not, die hatt ihr Hagen   und König Gunther angetan. (1440)

Es schwand ihr aus dem Herzen   selten dieser Mut.
Sie gedacht: "Ich bin so mächtig   und habe solches Gut,
Ich mag wohl meinen Feinden   noch schaffen Herzeleid:
Dazu wär ich dem Hagen  von Tronje gerne bereit. (1441)

"Nach den Getreuen jammert   noch oft die Seele mein:
Doch die mir Leides taten,   möcht ich bei denen sein,
So würde wohl gerochen   meines Freundes Leib!
Kaum kann ich es erwarten,"   also sprach das Königsweib. (1442)

Hold waren ihr die Degen   all in des Königs Bann,
Die Recken Kriemhildens;   das war wohlgetan.
Ihr Kämmerer war Eckwart:   Drum war er gern gesehn:
Kriemhildens Willen   konnte niemand widerstehn. (1443)

Sie gedacht auch alle Tage:   "Ich will den König bitten,
Er solle mir vergönnen   mit gütlichen Sitten,
Dass man meine Freunde   lädt in der Heunen Land."
Den argen Willen niemand   an der Königin erfand. (1444)

Als eines Nachts Kriemhilde   bei dem König lag,
Umfangen mit den Armen   hielt er sie, wie er pflag
Der edeln Frau zu kosen;   sie war ihm wie sein Leib:
Da gedachte ihrer Feinde   dieses waidliche Weib. (1445)

Sie sprach zu dem Könige:   "Viel lieber Herre mein,
Ich wollt euch gerne bitten,   möcht es mit Hulden sein,
Dass ihr mich sehen ließet,   ob ich verdient den Sold,
Dass ihr auch meinen Freunden   wäret inniglich hold." (1446)

Da sprach der reiche König,   arglos war sein Mut:
"Des sollt ihr inne werden:   Was man den Recken tut
Liebes und Gutes,   das nehm ich freudig an,
Da ich von Weibesminne   nie bessre Freunde gewann." (1447)

Da sprach die Königin wieder:   "Euch ist das wohlbewusst,
Ich habe hohe Freunde,   drum schmerzt mich der Verlust,
Dass mich die so selten   besuchen hier im Land:
Ich bin bei allen Leuten  nur als verwaiset bekannt." (1448)

Da sprach der König Etzel:   "Viel liebe Fraue mein,
Däucht es sie nicht zu ferne,   so lüd ich überrhein
Die ihr wünscht zu sehen   hieher in dieses Land."
Da freute sich die Fraue,   als ihr sein Wille ward bekannt. (1449)

Sie sprach: "Wollt ihr mir Treue   leisten, Herre mein,
So sollt ihr Boten senden   nach Wormes über Rhein:
So entbiet ich meinen Freunden   meinen Sinn und Mut:
So kommen uns zu Lande   viel Ritter edel und gut." (1450)

Er sprach: "Wenn ihr gebietet,   so lass ich es geschehn.
Ihr könntet eure Freunde   nicht so gerne sehn,
Der edeln Ute Kinder,   als ich sie sähe gern:
Es tut mir innig wehe,   dass sie so fremd uns sind und fern. (1451)

"Wenn es dir wohl gefiele,   viel liebe Fraue mein,
So wollt ich gerne senden   zu den Freunden dein
Meine Fiedelspieler   nach Burgondenland."
Die guten Spielleute,   die brachte man gleich zur Hand. (1452)

Sie kamen hin in Eile,   wo sie den König sahn
Bei der Köngin sitzen.   Da sagt' er ihnen an,
Sie sollten Boten werden   nach Burgondenland.
Auch ließ er ihnen schaffen   schönes, herrliches Gewand. (1453)

Vierundzwanzig Recken   schuf man da das Kleid.
Ihnen ward auch von dem König   gegeben der Bescheid,
Wie sie laden sollten   Gunthern und seinen Bann.
Frau Kriemhild mit ihnen   geheim zu sprechen begann. (1454)

Da sprach der reiche König:   "Nun höret, was ihr tut:
Ich entbiete meinen Freunden   alles was lieb und gut,
Und lade sie zu fahren   hieher in dieses Land:
Ich habe wohl noch selten   so liebe Gäste gekannt. (1455)

Und wenn sie meinen Willen   gesonnen sind zu tun,
Kriemhilds Verwandte,   so mögen sie nicht ruhn
Und diesen Sommer kommen   zu meiner Lustbarkeit,
Da mir so hohe Wonne   meiner Schwäger Freundschaft beut." (1456)

Da sprach der Fiedelspieler,   der stolze Schwemmelein:
"Wann soll das Hofgelage   in diesen Landen sein?
Dass wirs euern Freunden   am Rheine mögen sagen."
Da sprach der König Etzel:   "In der nächsten Sonnenwende Tagen." (1457)

"Wir tun, was ihr gebietet,"   sprach da Werbelein.
Kriemhilde ließ die Boten   zu ihrem Kämmerlein
Führen in der Stille   und besprach mit ihnen da,
Wodurch noch manchem Degen   bald wenig Liebes geschah. (1458)

Sie sprach zu beiden Boten:   "Nun verdient ihr großes Gut,
Wenn ihr mit rechter Treue   meinen Willen tut
Und sagt was ich entbiete   heim in unser Land:
Ich mach euch reich an Gute   und geb euch herrlich Gewand. (1459)

"Wen ihr von meinen Freunden   immer möget sehn,
Zu Wormes an dem Rheine,   so sollt ihrs nie gestehn,
Dass ihr mich immer sahet    betrübt in meinem Mut;
Und entbietet meine Grüße   diesen Helden kühn und gut. (1460)

Bittet sie zu leisten   was der König entbot,
Und mich dadurch zu scheiden   von aller meiner Not.
Ich scheine vor den Heunen   freundelos zu sein;
Wenn ich ein Ritter wäre,   ich käme manchmal an den Rhein. (1461)

Und sagt auch Gernoten,   dem edeln Bruder mein,
Dass ihm auf Erden niemand   holder möge sein:
Bittet, dass er mir bringe   hieher in dieses Land
Unsre besten Freunde:   So wird uns Ehre bekannt. (1462)

Und sagt auch Geiselheren,   ich mahn ihn daran,
Dass ich mit seinem Willen   nie ein Leid gewann:
Drum sähn ihn hier im Lande   gern die Augen mein;
Ich hätt ihn hier gar gerne   um die große Treue sein. (1463)

Und sagt auch meiner Mutter,   was mir für Ehr geschieht;
Und wenn von Tronje Hagen   der Reise sich entzieht,
Wer ihnen zeigen solle   die Straßen durch das Land?
Die Wege zu den Heunen   sind ihm von Jugend auf bekannt." (1464)

Es wunderte die Boten,   warum das möge sein,
Dass sie diesen Hagen   von Tronje nicht am Rhein
Weilen lassen sollten;   bald ward es ihnen Leid:
Durch ihn war manchem Degen   mit dem grimmen Tode gedräut. (1465)

Botenbrief und Siegel   ward ihnen nun gegeben;
Sie fuhren reich an Gute   und mochten herrlich leben.
Urlaub gab ihnen Etzel   und sein schönes Weib,
Ihnen war auch wohl gezieret   mit gutem Staate der Leib. (1466)

Ü   Þ

© 1999-2007 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.