Home-
page

www.wissen-im-Netz.info

Werke

Homepage
   Literatur
      Karl Simrock
         Das Nibelungenlied
           
1. Abenteuer
            2. Abenteuer
            3. Abenteuer
            4. Abenteuer
            5. Abenteuer
            6. Abenteuer
            7. Abenteuer
            8. Abenteuer
            9. Abenteuer
            10. Abenteuer
            11. Abenteuer
            12. Abenteuer
            13. Abenteuer
            14. Abenteuer
            15. Abenteuer
            16. Abenteuer
            17. Abenteuer
            18. Abenteuer
            19. Abenteuer
            20. Abenteuer
            21. Abenteuer
            22. Abenteuer
            23. Abenteuer
            24. Abenteuer
            25. Abenteuer
            26. Abenteuer
            27. Abenteuer
            28. Abenteuer
            29. Abenteuer
            30. Abenteuer
            31. Abenteuer
            32. Abenteuer
            33. Abenteuer
            34. Abenteuer
            35. Abenteuer
            36. Abenteuer
            37. Abenteuer
            38. Abenteuer
            39. Abenteuer

15. Abenteuer

Wie Siegfried verraten ward

Man sah am vierten Morgen   zweiunddreißig Mann
Hin zu Hofe reiten   da ward es kund getan
Gunther dem reichen,   es gelt ihm Krieg und Streit.
Die Lüge schuf den Frauen   großen Jammer und Leid. (901)

Sie gewannen Urlaub   an den Hof zu gehn.
Da sagten sie, sie ständen   in Lüdegers Lehn,
Den einst bezwungen hatte   Siegfriedens Hand
Und ihn als Geisel brachte   König Gunthern in das Land. (902)

Die Boten er begrüßte   und hieß sie sitzen gehn.
Einer sprach darunter:   "Herr König, lasst uns stehn,
Dass wir die Mären sagen,   die euch entboten sind:
Wohl habt ihr zu Feinden,   das wisset, mancher Mutter Kind. (903)

"Euch widersagt Lüdegast   und auch Lüdeger:
Denen schuft ihr weiland   grimmige Beschwer;
Nun wollen sie mit Heereskraft   reiten in dies Land."
Der Fürst begann zu zürnen,   als ihm die Märe ward bekannt. (904)

Man ließ die falschen Boten   zu den Herbergen gehn.
Wie mochte wohl Siegfried   der Tücke sich versehn,
Er oder anders jemand,  die man so heimlich spann?
Doch war es ihnen selber   zu großem Leide getan. (905)

Der König mit den Freunden   ging raunend ab und zu;
Herr Hagen von Tronje   ließ ihm keine Ruh.
Noch wollt es mancher wenden   in des Königs Lehn;
Doch nicht vermocht er Hagen   von seinen Räten abzustehn. (906)

Eines Tages Siegfried   die Degen raunend fand.
Da begann zu fragen   der Held von Niederland:
"Wie traurig geht der König   und die in seinem Bann?
Das helf ich immer rächen,   hat ihnen jemand Leid getan." (907)

Da sprach König Gunther:   "Wohl hab ich Herzeleid:
Lüdegast und Lüdeger   drohn mir Krieg und Streit.
Mit Heerfahrten wollen   sie reiten in mein Land."
Da sprach der kühne Degen:   "Dem soll Siegfriedens Hand (908)

Nach allen euern Ehren   mit Kräften widerstehn;
Von mir geschieht den Recken   was ihnen einst geschehn:
Ihre Burgen leg ich wüste   und dazu ihr Land
Eh ich ablasse:   Des sei mein Haupt euer Pfand. (909)

Ihr mit euern Recken   nehmt der Heimat wahr;
Lasst mich zu ihnen reiten   mit meiner Leute Schar.
Dass ich euch gerne diene,   lass ich euch wohl sehn;
Von mir soll euern Feinden,   das wisset, übel geschehn." (910)

"O wohl mir dieser Märe,"   der König sprach da so,
Als wär er seiner Hilfe   alles Ernstes froh;
Tief neigte sich in Falschheit   der ungetreue Mann.
Da sprach der Herre Siegfried:   "Lasst euch wenig Sorge nahn." (911)

Sie schickten mit den Knechten   zu der Fahrt sich an:
Siegfrieden und den seinen   ward es zum Schein getan.
Da gebot er sich zu rüsten   denen von Niederland:
Siegfriedens Recken   suchten ihr Streitgewand. (912)

Da sprach der starke Siegfried:   "Mein Vater Siegmund,
Bleibet hier im Lande:   Wir kehren bald gesund,
Wenn Gott uns Glück verleihet,   wieder an den Rhein:
Ihr sollt bei dem König   unterdessen fröhlich sein." (913)

Da wollten sie von dannen:   Die Fahnen band man an.
Da waren wohl manche   in König Gunthers Bann,
Die nicht die Märe wussten,   warum es war geschehn.
Groß Heergesinde mochte   man da bei Siegfrieden sehn. (914)

Die Panzer und die Helme   man auf die Rosse lud;
Es wollten aus dem Lande   viel starke Ritter gut.
Da ging von Tronje Hagen   hin wo er Kriemhild fand;
Er bat sie um den Urlaub;   sie wollten räumen das Land. (915)

"Wohl mir," sprach Kriemhilde,   "dass ich den Mann gewann,
Der meine lieben Freunde   so wohl beschützen kann
Wie mein Herre Siegfried   tut an den Brüdern mein:
Drum will ich hohen Mutes,"   so sprach die Königin, "sein (916)

Lieber Freund Hagen,   bedenk mir nun auch das,
Ich dien ihnen gerne,   trug ihnen niemals Hass.
Das lass mich auch genießen   an meinem lieben Mann;
Er soll es nicht entgelten   was ich Brunhilden getan. (917)

Das hat mich schon gereuet," so sprach das edle Weib,
"Auch hat er so zerbleuet   zur Strafe meinen Leib,
Dass ich es je geredet,   beschwerte seinen Mut:
Er hat es wohl gerochen,   dieser Degen kühn und gut." (918)

Da sprach er: "Ihr versöhnet   euch wohl nach wenig Tagen,
Kriemhilde, liebe Fraue,   nun sollt ihr mir sagen,
Wie ich euch dienen möge   an Siegfried euerm Herrn;
Ich gönn es niemand besser,   und tu es, Königin, gern." (919)

"Ich wär ohn alle Sorge,"   so sprach das edle Weib,
"Dass wer im Kampf ihm nähme   das Leben und den Leib;
Wenn er nicht folgen wollte   seinem Übermut,
So wär er immer sicher,   dieser Degen kühn und gut." (920)

"Wenn ihr besorget, Fraue,"   Hagen da begann,
"Dass er verwundet werde,   so vertrauet mir an,
Wie soll ich es beginnen,   dem zu widerstehn?
Ihn zu schirmen will ich immer   bei ihm reiten und gehn." (921)

"Du bist mein Verwandter,   so will ich deine sein:
Ich befehle dir auf Treue   den lieben Gatten mein;
Dass du wohl behütest   mir den lieben Mann."
Was besser wär verschwiegen   vertraute sie da ihm an. (922)

Die sprach: "Mein Mann ist tapfer,   dazu auch stark genug.
Als er den Linddrachen   an dem Berge schlug,
Da badete sich im Blute   der Degen allbereit,
Daher ihn keine Waffe   je versehren mocht im Streit. (923)

"Jedoch bin ich in Sorgen,   wenn er im Sturme steht
Und von der Helden Händen   mancher Speerwurf geht,
Dass ich dann verliere   meinen lieben Mann.
Hei! Was ich großer Sorgen   oft um Siegfried gewann! (924)

"Mein lieber Freund, ich meld es   nun auf Gnade dir,
Auf dass du deine Treue   bewähren magst an mir,
Wo man kann verwunden   meinen lieben Mann.
Das sollst du nun vernehmen:   Es ist auf Gnade getan. (925)

Als von des Drachen Wunden   floss das heiße Blut,
Da badet' in dem Blute   sich der Ritter gut:
Da fiel ihm auf die Achsel   ein Lindenblatt gar breit:
Da kann man ihn verwunden,   das schafft mir Sorgen und Leid." (926)

Da sprach von Tronje Hagen:   "So näht auf sein Gewand
Mir ein kleines Zeichen:   Daran ist mir bekannt,
Wo ich sein hüten müsste,   wenn wir in Stürmen stehn."
Sie wollte sein Leben fristen:   Auf seinen Tod wars abgesehn. (927)

Sie sprach: "Mit feiner Seide   näh ich auf sein Gewand
Insgeheim ein Kreuzchen:   Da soll, Held, deine Hand
Meinen Mann beschirmen,    wenns ins Gedränge geht,
Und wenn er in den Stürmen   dann vor seinen Feinden steht." (928)

"Das tu ich," sprach da Hagen,   "viel liebe Fraue mein."
Wohl wähnte da die Königin,   sein Frommen sollt es sein:
Da war hiemit verraten   der Kriemhilde Mann.
Urlaub nahm da Hagen:   Da ging er fröhlich hindann. (929)

* Was er erfahrne hätte?   Bat ihn sein Herr zu sagen.
"Ich will die Reise wenden,   wir wollen reiten jagen;
Wohl weiß ich nun die Märe,   wie ich ihn töten soll.
Wollt ihr die Jagd bestellen?"   "Das tu ich," sprach der König, "wohl." (930)

Des Königs Ingesinde   war froh und wohlgemut.
Gewiss, dass solche Bosheit   kein Recke wieder tut
Bis zum jüngsten Tage,   als da von ihm geschah,
Als sich seiner Treue   die schöne Königin versah. (931)

Am folgenden Morgen   mit tausend Mannen gut
Ritt der Degen Siegfried   davon mit frohem Mut:
Er wähnt', er solle rächen   seiner Freunde Leid.
So nahe ritt ihm Hagen,    dass er beschaute sein Kleid. (932)

Als er ersah das Zeichen,   da schickt' er ungesehn,
Andre Mär zu bringen,   zwei aus seinem Lehn:
In Frieden solle bleiben   König Gunthers Land;
Es habe sie Lüdeger   zu dem Könige gesandt. (933)

Wie ungerne Siegfried   abließ von dem Streit,
Eh er gerochen hatte   seiner Freunde Leid!
Kaum hielten ihn zurücke   die in Gunthers Bann.
Da ritt er zu dem König,   der ihm zu danken begann. (934)

"Nun lohn euch, Freund Siegfried,   den guten Willen Gott,
Dass ihr so gerne tatet   was ich mir wähnte Not;
Das will ich euch vergelten,   wie ich billig soll.
vor allen meinen Freunden   vertrau ich euch immer wohl. (935)

"Da wir des Heerzugs   uns so entledigt sehn,
So rat ich, dass wir Bären    und Schweine jagen gehn
Nach dem Wasgauwalde,   wie ich oft getan."
Das hatte Hagen geraten,   dieser ungetreue Mann. (936)

"Allen meinen Gästen   soll man das nun sagen,
Ich denke früh zu reiten:   Die mit mir wollen jagen,
Dass sie sich fertig halten;   die aber hier bestehn,
Kurzweilen mit den Frauen:   So sei mir Liebes geschehn." (937)

Mit herrlichen Sitten   sprach da Siegfried:
"Wenn ihr jagen reitet,   da will ich gerne mit.
So sollt ihr mir leihen   einen Jägersmann
Mit etlichen Bracken;   so reit ich mit euch in den Tann." (938)

"Wollt ihr nur einen?", fragte   der König gleich zur Hand:
"Ich leid euch, wollt ihr, viere,   denen wohlbekannt
Der Wald ist und die Steige,   wo viel Wildes ist,
Dass ihr nicht waldverwiesen   zu den Herbergen reiten müsst." (939)

Da ritt zu seinem Weibe   der Degen unverzagt.
Derweilen hatte Hagen   dem Könige gesagt,
Wie er verderben wolle   den tapferlichen Degen:
So großer Untreue   sollt ein Mann nimmer pflegen. (940)

*Als die Ungetreuen   geschaffen seinen Tod,
Da wussten sie es alle.   Geiselher und Gernot
Wollten nicht mitjagen.   Weiß nicht aus welchem Groll
sie ihn nicht gewarnet;   doch des entgalten sie voll. (941)

Ü   Þ

© 1999-2007 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.