Home-
page

www.wissen-im-Netz.info

Werke

Homepage
   Literatur
      Karl Simrock
         Das Nibelungenlied
           
1. Abenteuer
            2. Abenteuer
            3. Abenteuer
            4. Abenteuer
            5. Abenteuer
            6. Abenteuer
            7. Abenteuer
            8. Abenteuer
            9. Abenteuer
            10. Abenteuer
            11. Abenteuer
            12. Abenteuer
            13. Abenteuer
            14. Abenteuer
            15. Abenteuer
            16. Abenteuer
            17. Abenteuer
            18. Abenteuer
            19. Abenteuer
            20. Abenteuer
            21. Abenteuer
            22. Abenteuer
            23. Abenteuer
            24. Abenteuer
            25. Abenteuer
            26. Abenteuer
            27. Abenteuer
            28. Abenteuer
            29. Abenteuer
            30. Abenteuer
            31. Abenteuer
            32. Abenteuer
            33. Abenteuer
            34. Abenteuer
            35. Abenteuer
            36. Abenteuer
            37. Abenteuer
            38. Abenteuer
            39. Abenteuer

14. Abenteuer

Wie die Königinnen sich schalten

Es war vor einer Vesper   als man den Schall vernahm,
Der von manchem Recken   auf dem Hofe kam:
Sie stellten Ritterspiele   Kurzweil halber an.
Da eilten es zu schauen   der Frauen viel und mancher Mann. (838)

Da saßen beisammen   die Königinnen reich
Und gedachten zweier Recken,   die waren ohne Gleich.
Da sprach die schöne Kriemhild:   "Ich hab einen Mann:
Alle diese Reiche   wären ihm billig untertan." (839)

Da sprach Frau Brunhilde:   "Wie könnte das wohl sein?
Wenn anders niemand lebte,   als du und er allein,
So möchten ihm die Reiche   wohl zu Gebote stehn:
So lange Gunther lebet,   so kann es nimmer geschehn." (840)

Da sprach Kriemhilde wieder:   "Siehst du, wie er steht,
Wie er da so herrlich   vor allen Recken geht,
Wie der lichte Vollmond   vor den Sternen tut!
Darob mag ich wohl immer   tragen fröhlichen Mut." (841)

Da sprach Frau Brunhilde:   "Dein Mann sei noch so schön,
So waidlich und bieder,   so muss doch drüber gehn
Gunther der Recke,   der edle Bruder dein:
Der muss vor allen Königen,   das wisse du wahrlich, sein." (842)

Da sprach Kriemhilde wieder:   "So teuer ist mein Mann,
Dass er nicht unverdienet   dies Lob von mir gewann.
An gar manchen Dingen   ist seine Ehre groß:
Das glaube mir, Brunhilde,   er ist wohl Gunthers Genoss!" (843)

"Das sollst du mir, Kriemhilde,   im Argen nicht verstehn,
Es ist auch meine Rede   nicht ohne Grund geschehn:
Ich höre es beide sagen,   als ich zuerst sie sah,
Und als des Königs Willen   in meinen Spielen geschah, (844)

Und da er meine Minne   so ritterlich gewann,
Da sagt' es Siegfried selber,   er sei des Königs Mann:
Drum halt ich ihn für eigen,   ich hört es ihn gestehn."
Da sprach die schöne Kriemhild:   "So wär mir übel geschehn. (845)

Wie hätten so geworben   die edeln Brüder mein,
Dass ich des Eigenmannes   Gemahl sollte sein?
Drum will ich, Brunhilde,   gar freundlich dich bitten,
Lass mir zu Lieb die Rede   hinfort mit gütlichen Sitten." (846)

"Ich kann sie nicht lassen,"   die Königin begann;
"Wozu sollt ich entsagen   so manchem Rittersmann,
Der uns mit dem Degen   zu Dienst ist untertan?"
Die schöne Kriemhilde   da sehr zu zürnen begann. (847)

"Dem musst du wohl entsagen,   dass er in der Welt
Dir irgend Dienste leiste.   Werter ist der Held
Als mein Bruder Gunther,   der Degen unverzagt;
Erlasse mich der Dinge,   die du mir jetzo gesagt. (848)

Auch muss mich immer wundern,   wenn er dein Dienstmann ist
Und du ob uns beiden   so gewaltig bist,
Warum er dir so lange   den Zins verseßen hat?
Deines Übermutes   bin ich in Wahrheit nun satt." (849)

"Du willst dich überheben,"   sprach die Königin,
"Wohlan, ich will doch schauen,   ob man dich künftighin
So hoch in Ehren halte   als man mich selber tut."
Da waren beide Frauen   in sehr zornigem Mut. (850)

Da sprach Frau Kriemhilde:   "Das wird dir wohl bekannt:
Da du meinen Siegfried   dein eigen hast genannt,
So sollen heut die Degen   der beiden Könge sehn,
Ob vor des Königs Weibe   ich zur Kirche möge gehn. (851)

"Du musst noch heute schauen,   dass ich bin edelfrei,
Und dass mein Mann viel werter   als der deine sei;
Auch denk ich, wird mich deshalb   niemand Hochmuts zeihn.
Du sollst noch heute schauen,   wie die Eigenholdin dein (852)

Zu Hof geht vor den Helden   in Burgondenland.
Ich selbst will höher gelten,   als man je gekannt
Eine Königstochter,   die hier die Krone trug."
Unter den Frauen hob sich   da großen Neides genug. (853)

Da sprach Brunhilde wieder:   "Willst du nicht eigen sein,
So musst du dich scheiden   mit den Frauen dein
Von meinem Ingesinde,   wenn wir zum Münster gehn."
Zur Antwort gab Kriemhilde:   Das soll in Wahrheit geschehn." (854)

"Nun kleidet euch, ihr Maide,"   sprach Siegfriedens Weib,
"Ich will hier frei von Schande   behalten meinen Leib.
Lasst es heute schauen,   besitzt ihr reichen Staat:
Sie soll es noch verleugnen   was sie mir vorgehalten hat." (855)

Ihnen war das leicht zu raten;   sie suchten reiches Kleid.
Bald sah man wohlgezieret   viel Fraun und manche Maid.
Da ging mit dem Gesinde   des edeln Königs Weib;
Da ward auch wohlgezieret   der schönen Kriemhilde Leib, (856)

Mit dreiundvierzig Maiden,   die sie zum Rhein gebracht;
Die trugen lichte Zeuge,   in Arabia gemacht.
So kamen zu dem Münster   die Mägdlein wohlgetan:
Ihrer harrten vor dem Hause   die Degen in Siegfrieds Bann. (857)

Die Leute nahm es Wunder,   warum das geschah,
Dass man die Königinnen   so geschieden sah,
Und dass sie nicht zusammen   gingen so wie eh.
Das geriet noch manchem Degen   zu Sorgen und großem Weh. (858)

Da stand vor dem Münster   König Gunthers Weib:
Da fanden manche Ritter   holden Zeitvertreib
Bei den schönen Frauen,   die sie da nahmen wahr.
Da kam die schöne Kriemhild   mit mancher herrlichen Schar. (859)

Was Kleider sie getragen   eines edeln Ritters Kind,
Gegen ihr Gesinde   war alles nur ein Wind.
Sie war so reich an Güte,   dass dreißig Königsfraun
Die Pracht nicht zeigen mochten,   die an der einen war zu schaun. (860)

Was man sich wünschen möchte,   niemand konnte sagen,
Dass er so reiche Kleider   je gesehen tragen,
Als da zur Stunde trugen   ihre Mägdlein wohlgetan.
Brunhilden wars zu Leide,   sonst hätt es Kriemhild nicht getan. (861)

Nun kamen sie zusammen   vor dem Münster weit.
Die Hausfrau des Königs   in ihrem Zorn und Neid
Hieß da mit schnöden Worten   Kriemhilden stille stehn:
"Es soll vor Königsweihe   die Eigenholdin nicht gehn." (862)

Da sprach die schöne Kriemhild,   zornig war ihr Mut:
"Hättest du noch geschwiegen,   das wär dir leichtlich gut.
Du hast geschändet selber   deinen schönen Leib:
Wie mocht eines Mannes Kebse   je werden Königesweib?" (863)

"Wen willst du hier verkebsen?",   sprach des Königs Weib.
"Das tu ich dich," sprach Kriemhild:   "Deinen schönen Leib
hat Siegfried erst geminnet,   mein viel lieber Mann:
Wohl war es nicht mein Bruder,   der dir dein Magdtum abgewann. (864)

"Wo blieben deine Sinne?   Es war eine arge List,
Dass du ihn ließest minnen,   wenn er dein Dienstmann ist.
Ich höre dich," sprach Kriemhild,   "ohn alle Ursach klagen."
"In Wahrheit," sprach Brunhilde,   "was will ich doch Gunthern sagen." (865)

"Wie mag mich das gefährden?   Dich hat dein Stolz betrogen:
Du hast mich mit Reden   in deinen Dienst gezogen.
Das wisse du in Treuen,   es ist mir immer leid:
Ich bin zu trauter Freundschaft   dir nimmer wieder bereit." (866)

Da weinte Brunhilde;   Kriemhild es nicht verhing,
Vor des Königs Weibe   sie in das Münster ging
Mit ihrem Ingesinde.   Da hob sich großer Hass;
Es wurden lichte Augen   sehr getrübt davon und nass. (867)

Wie man da Gott auch diente,   was man immer sang,
Es währte Brunhilden   die Weile viel zu lang,
Denn ihr war allzutrübe   der Sinn und auch der Mut:
Das musste bald entgelten   mancher Degen kühn und gut. (868)

Brunhild mit ihren Frauen   ging vor das Münster stehn.
Sie dacht: "Ich muss von Kriemhild   noch mehr zu hören sehn,
Wes mich so laut geziehn hat   das wortscharfe Weib:
Und hat er sichs gerühmet,   es geht ihm warhlich an den Leib!" (869)

Da kam die edle Kriemhild   mit manchem kühnen Mann.
Da sprach die edle Brunhild:   "Nun haltet wieder an;
Ihr wolltet mich verkebsen:   Lasst uns Beweise sehn.
Mir ist von euern Reden,   das wisset, übel geschehn." (870)

Da sprach Frau Kriemhilde:   Was ließt ihr mich nicht gehn?
Ich bezeug es mitdem Golde,   das an meiner Hand zu sehn.
Das brachte mir Siegfried,   als er bei euch lag."
Nie erlebte Brunhild   wohl einen leidigern Tag. (871)

Sie sprach: "Dies Gold, das edle,   wurde mir gestohlen
Und ist mir lange Jahre   freventlich verhohlen:
Ich komme nun dahinter,   wer es mir hat genommen."
Die Frauen waren beide   in großen Unmut gekommen. (872)

Da sprach wieder Kriemhild:   "Ich will nicht sein der Dieb;
Du hättest schweigen sollen,   wär dir Ehre lieb:
Ich bezeug es mit dem Gürtel,   den ich umgetan,
Ich habe nicht gelogen:   Wohl wurde Siegfried dein Mann." (873)

Aus Seide von Ninnive   sie eine Borte trug
Besetzt mit Edelsteinen,   die war wohl schön genug.
Als Brunhild sie erblickte,   zu weinen hub sie an.
Das musste Gunther wissen,   und alle die ihm untertan. (874)

Da sprach die Königstochter:   "Nun sendet mir hierher
Den König vom Rheine:   Erfahren soll es der,
Wie hier seine Schwester   höhnte meinen Leib:
Sie sagt vor allen Leuten,   ich sei Siegfriedens Weib." (875)

Der König kam mit Recken:   Als er weinen sah
Brunhilde seine Traute,   gar gütlich sprach er da:
"Sagt mir, liebe Fraue,   ist euch ein Leid geschehn?"
Sie sprach zu dem Könige:   "Ich muss unfröhlich hier stehn. (876)

"Aller meiner Ehre   will die Schwester dein
Gerne mich berauben;   dir soll geklaget sein,
Sie sagt: Ich sei die Kebse   von Siegfried ihrem Mann."
Da sprach König Gunther:   "So hat sie übel getan." (877)

"Sie trägt hier meinen Gürtel,   den ich längst verloren,
Und mein Gold das rote.   Dass ich je ward geboren
Muss ich sehr beklagen.   Entlädst du König hehr
Mich nicht der großen Schande,   so minn ich dich nimmer mehr." (878)

Da sprach König Gunther:   "Lasst Siegfried zu uns gehn.
Hat er sichs gerühmet,   so muss ers eingestehn,
Oder muss es leugnen,   der Held aus Niederland."
Da ward der kühne Siegfried   bald hin zu ihnen gesandt. (879)

Als Siegfried der Degen   die Unmutvollen sah,
Und von dem Grund nicht wusste,   balde sprach er da:
"Was weinen diese Frauen?   Das macht mir doch bekannt:
Oder wessentwillen   habt ihr Herrn nach mir gesandt?" (880)

Da sprach König Gunther:   "Groß Herzleid sind ich hier.
Eine Märe sagte   meine Frau Brunhilde mir:
Du hast dich gerühmet,   du wärst ihr erster Mann;
So spricht dein Weib Kriemhilde:   Hast du Degen das getan?" (881)

"Niemals," sprach da Siegfried;   "und hat sie das gesagt,
Nicht eher will ich ruhen,   bis sie es schwer beklagt;
Auch will ich es erhärten   vor deinem ganzen Bann
Mit meinen hohen Eiden,   dass ich die Rede nicht getan." (882)

Da sprach der Fürst vom Rheine:   "Wohlan, das zeige mir:
Der Eid, den du geboten,   geschieht der gleich allhier,
Aller falschen Dinge   lass ich dich ledig gehn."
Man sah in einem Ringe   die von Burgonden stehn. (883)

Da bot der kühne Siegfried   zum Eide bin die Hand.
Da sprach der reiche König:   "Jetzt hab ich wohl erkannt,
Dass ihr hieran unschuldig;   ihr sollt des ledig gehn:
Des euch zieh Kriemhilde,   es ist nicht von euch geschehen." (884)

Da sprach wieder Siegfried:   "Und kommt es ihr zu Gut,
Dass deinem schönen Weibe   sie so betrübt den Mut,
Das wäre mir wahrlich   aus der Maßen leid."
Da blickten zueinander   die Ritter kühn udn allbereit. (885)

"Man soll so Frauen ziehen,"   sprach Siegfried der Degen,
"Dass sie üppge Reden   lassen unterwegen;
Verbiet es deinem Weibe,   ich will es meinem tun.
Solchen Übermutes   in Wahrheit schäm ich mich nun." (886)

Viel schöne Frauen wurden   durch Reden schon entzweit.
Da zeigte Brunhilde   solche Traurigkeit,
Dass es erbarmen musste   die in Gunthers Bann:
Da kam von Tronje Hagen   zu der Königin heran. (887)

Er fragte was ihr wäre,   weil er sie weinend fand;
Sie sagt' ihm die Märe.   Er gelobt' ihr gleich zur Hand,
Dass es büßen solle   der Kriemhilde Mann,
Oder amn treff ihn nimmer   unter Fröhlichen an. (888)

Über die Rede kamen   Ortwein und Gernot,
Allda die Helden rieten   zu Siegfriedens Tod.
Dazu kam auch Geiselher,   der schöne Ute Kind.
Als er die Rede hörte,   sprach der Getreue geschwind: (889)

"Weh, ihr guten Recken,   warum tut ihr das?
Siegfried ja verdiente   niemals solchen Hass,
Dass er darum verlieren   Leben sollt und Leib:
Auch sind es viel Dinge,   um die wohl zürnet ein Weib." (890)

"Sollen wir Gäuche ziehen?",   sprach Hagen dagegen,
"Das brächte wenig Ehre   solchen guten Degen.
Dass er sich rühmen durfte   der lieben Frauen mein,
cih will des Todes sterben oder es muss gerochen sein." (891)

Da sprach der König selber:   "Er hat uns nichts getan
Außer Lieb und Ehre:   So leb er denn fortan.
Was sollt ich denn dem Recken   hegen solchen Hass?
Er zeigt uns immer Treue,   gar williglich tat er das." (892)

Da begann von Metze   der Degen Ortwein:
"Wohl kann ihm hier nicht helfen   die große Stärke sein.
Erlaubt es mir mein Herre,   ich tu ihm alles Leid."
Da waren ihm die Helden   ohne Grund zu schaden bereit. (893)

Dem folgte dennoch niemand,   außer dass Hagen
Alle Tage pflegte   zu Gunthern zu sagen:
"Wenn Siegfried nicht mehr lebte,   ihm würden untertan
Manches Königs Lande."   Da fing der Held zu trauern an. (894)

Da ließ man es bewenden   und ging dem Kampfspiel nach.
Hei! Was man starker Schäfte   vor dem Münster brach
Vor Siegfriedens Weibe   bis an den Saal hinan!
Darüber kam in Unmut   mancher Held in Gunthers Bann. (895)

Der König sprach: "Lasst fahren   den mordlichen Zorn.
Er ist uns zu Ehren   und zum Heil geborn:
Auch ist so stark und grimmig   der wunderkühne Mann,
Wenn ers inne würde,   so dürfte niemand ihm nahn." (896)

"Nicht doch," sprach Hagen,   "da dürft ihr ruhig sein:
Wir leiten in der Stille   alles sorglich ein.
Brunhildens Weinen   soll ihm werden leid:
Immer sei ihm Hagen   zu Hass und Schaden bereit." (897)

Da sprach König Gunther: "Wie möchte das geschehn?"
Zur Antwort gab ihm Hagen:   "Das sollt ihr bald verstehn:
Wir lassen Boten reiten   her in dieses Land,
Uns offnen Krieg zu künden,   die hier niemand sind bekannt. (898)

"Dann sagt ihr vor den Gästen,   ihr wollt mit euerm Lehn
Euch zur Heerfahrt rüsten. Sieht er das geschehn,
So verspricht er euch zu helfen;   dann gehts ihm an den Leib,
Erfahr ich nur die Märe   von des kühnen Recken Weib." (899)

Der König folgte leider   seines Dienstmanns Rat
So huben an zu sinnen   Auf Untreu und Verrat,
Eh es wer erkannte,   die Ritter auserkoren:
Durch zweier Frauen Zürnen   ging da mancher Held verloren. (900)

Ü   Þ

© 1999-2007 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.