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         Das kleine Heldenbuch
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            III. Hörn. Siegfried
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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               Wolfdietrich
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Zwölftes Abenteuer

Wie Wolfdietrich die Kaiserin zum Gemahl gewann

Da stand bei der Pforten   ein edler Graf erkannt,
Der war von Piterne;   Wildung war er genannt.
Der hörte die Märe,   das glaubet sicherlich,
Die Würme hätt erschlagen   der Held Wolfdieterich.

Da ritt er nach dem Berge   fünfhunderten gesellt,
Und schnitt den toten Würmern   die Häupter ab, der Held.
Zween edle Ritter   wollt er bezwungen haben,
Dass sie sprechen sollten,   die Würme hätt er erschlagen.

Da wollten ihm nicht beistehn   die zween mit ihrem Wort.
Da stahl der eine Ritter   sich von dem Grafen fort:
Zu Wolfdieterichen   kam er in den Tann;
Unter einer grünen Linde   fand er den kühnen Mann.

Als er Wolfdieterichen   nur von ferne sah,
Nun mögt ihr gerne hören,   wie sprach der Ritter da:
"Heißet ihr Wolfdieterich?   Das sollt ihr mir sagen:
Ein Graf hat sich der Tat gerühmt,   die Würme hat er erschlagen."

Als nun Wolfdietrich   die Rede vernahm,
Den Grafen wollt er suchen   alsbald in dem Tann.
Vor dem wilden Berge   fänd er ihn sicherlich.
Da eilte nach dem Grafen   der treue Wolfdieterich.

Als er nur den Grafen   aus der Ferne sah,
Gerne mögt ihr hören,   wie sprach der treue da:
"Saget ihr, ihr hättet,   Herr Graf, die Würm erschlagen?"
"Ja, ich stritt mit dem alten   wohl gen dreien Tagen

Vor dem wilden Berge,   das glaubet sicherlich.
Nun trabet, kühner Degen,   und sagt bescheidentlich,
Wenn ihr kommt gen Garten,   die Würm hätt ich erschlagen:
So geb ich euch ein gutes Ross,   das euch wohl heim mag tragen."

"Mir träumte noch immer,"   sprach Wolfdieterich,
"Ein reicher König wäre   mein Vater sicherlich.
Du wärst mein eigen besser,   als ich dein Untertan:
Willst du mit Lug gewinnen   die Fraue wohlgetan?"

Darob begann zu zürnen   der edle Graf erkannt;
Auch standen ihm zur Seite   die Mannen allesamt.
Da wurde Wolfdietrich   bestanden härtiglich
Von all des Grafen Mannen:   Der Kampf ward fürchterlich.

Er trat mit seinem Rücken   vor eine Steinwand:
Rose, sein gutes Schwert,   nahm er in die Hand,
Und schlug alsbald dem Grafen   fünfzig aus seinem Bann.
Dann bat er Gott den Guten,   dass er ihm helfe hindann.

Da wandte sich gen Garten   der edle Graf erkannt;
Die Kaiserin, die spähend   dort an der Zinne stand,
Sie sprach: "Herr Gott vom Himmel,   was hab ich dir getan?
Der mein Knecht gewesen,   soll ich den nehmen zum Mann?"

Da der Graf von Piterne   zu dem Hofe kam,
Er sprach: "Mir haben die Würme   erschlagen fünfzig Mann;
Kaum mocht ich selbst sie zwingen,   das glaubet sicherlich."
Die Rede hört' ein Ritter,   hieß der schöne Heinrich.

Der sprach: "Den Wurm schlug niemand   als Wolfdieterich;
Darauf will ich euch bestehen,   das wisset sicherlich.
Ihr hättet, Graf, die Würme   nicht anzusehn getraut."
"Was zeiht ihr mich," sprach zürnend   der edle Graf überlaut.

"Wer mit seinen Augen   den Streit hätt angesehn,
Wie mir mit den wilden   Würmen wär geschehn -
Ich stund in großen Nöten,   davon wär viel zu sagen,
Bis ich in dem Berge   all die Würme hatt erschlagen."

Da gab man dem Grafen   die Fraue wohlgetan.
Nun war der Wirt Wolfdieterichs   der treue Waldmann:
Als der vernahm die Märe,   das glaubet sicherlich,
Er hub sich gen dem Walde   zu dem treuen Wolfdieterich.

Als nun Wolfdietrich   die Kunde vernahm,
Noch spät desselben Abends   kam er zur Burg heran.
Da bat er den Pförtner:   "Lass mich herein."
Der sprach: "Herr, das kann nicht   ohne meinen Meister sein."

Dieser Red erzürnte   Wolfdieterich zumal.
Da stieß er auf die Pforte   und trat in den Saal.
Da teilt' er die Speise   mit einem fremden Mann:
Nicht draußen wollt er sitzen,   darum griff ers also an.

Er sprach: "Du sollst nicht zürnen,   lieber Geselle mein,
Dass hier will ein Edelmann   dein Tischgenosse sein;
So ich je Gut gewinne,   auf die Treue mein,
Mit dir und schönen Leuten   muss das geteilet sein."

Die Frau hub einen Becher,   sandt ihn Wolfdietrich hin.
Der trank daraus und gab ihn   seinem Nachbarn hin.
Dann zog er von der Rechten   Ortnitens Fingerlein:
Er warf es in den Becher   und sandt es der Frauen sein.

Als die edle Kaiserin   das Fingerlein ersah,
Nun mögt ihr gerne hören,   wie sprach die Fraue da:
"Weh mir armen Weibe,   dass ich je ins Leben kam!
Dies Fingerlein war Ortnit,   meinem geliebten Mann.

"Der Held verlor das Leben,"   sprach die Kaiserin hehr.
"Ich erseh ihn zu Garten   lebendig nimmermehr."
"Es muss mich immer reuen,"   sprach der Graf erkannt.
"Frau, lasst euer Weinen,   und gehn wir schlafen zuhand."

Alsbald rief die Kaiserin   Wolfdieterich heran:
"Wer gab euch das Fingerlein,   tugendreicher Mann?"
"Das tat im Walde einer,   das glaubet sicherlich:
Der ist geheißen   der treue Wolfdieterich."

Sie sprach: "Kühner Degen,   gebt euch kund bei Zeit,
Wenn je euch lieb geworden   ist ein wertes Weib.
Heißt ihr Wolfdietrich?   Das sei mir kund getan,
Wenn je euch lieb geworden   sind eure treuen elf Mann."

Da sprach in seinen Züchten   der Held Wolfdieterich:
"Ihr sollt nicht länger fragen,   Herrin minnniglich.
Edle Königstochter,   es sei euch kund getan:
Mit diesem Schwert gerochen   hab ich euern lieben Mann."

Einen Mantel Palmatseiden   trug Wolfdieterich;
Den nahm von der Schulter   der Degen tugendlich.
Hundert Knäufe standen   darauf von lichtem Gold:
"Das nimm, Tischgenosse,   von mir an und sei mir hold."

Als die Herren alle   die reiche Gabe sahn,
Nun mögt ihr gerne hören,   wie sie huben zu ihm an:
"Habt ihr die Würm erschlagen,"   sprach der Graf erkannt,
"So lasst euch eure Zeichen   hier schauen gleich zur Hand."

Dawider sprach Wolfdietrich:   "Das kann nicht geschehn,
Graf von Piterne,   lasst eure Zeichen sehn."
Hinwider sprach Graf Wildung:   "Das will ich nicht versagen."
Die Wurmhäupter ließ er   da alsbald zur Stelle tragen.

Sie trugen hin die Häupter   vor die Königin.
Da begann Wolfdieterich,   der Held, aus kühnem Sinn:
"Nun geht herzu, ihr Frauen,   ihr Herren männiglich:
Wer sah je ohne Zungen   Häupter? Das ist wunderlich."

Da griff er nach den Zungen   und fand sie allzumal,
Die zeigt' er der Königin   und ihren Herrn im Saal.
Da stritten alle wider ihn,   das will ich euch sagen:
Man zieh ihn, als hätt er   den Kaiser Ortnit erschlagen.

Da kehrt' er den Rücken   wider eine Wand,
Rose, sein gutes Schwert,   nahm er in die Hand.
Da musst er grimmig streiten,   das will ich euch sagen.
Er sprach: "Hätt ich den Löwen,   den ich zur Burg hab getragen!"

Als die edle Kaiserin   die Rede vernahm,
Da ließ heraus den Löwen   die Herrin wohlgetan.
Da sprang der wilde Löwe   durch die Burg sofort,
Da sah er seinen lieben Herrn   in großen Nöten dort.

Er sprang ihm zur Seite   und half ihm als ein Mann;
Mit dem Wedel strich er nach ihm,   mit den Augen lacht' er ihn an.
Eine Flucht ward in dem Saale,   das will ich euch sagen:
Der Graf ward gefangen   und das Haupt ihm abgeschlagen.

Ü   Þ

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