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      Karl Simrock
         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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               Wolfdietrich
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Elftes Abenteuer

Wie Wolfdietrich einem andern Löwen gegen einen Serpant beistand und ihn der Kaiserin trug

Nun kehrte von dem Steine   der treue Wolfdietrich
Gen einem schönen Berge,   das wisset sicherlich:
Darein hatt er getragen   zum Lager Laub und Gras,
Als er vor einem Winter   darin geborgen saß.

Er nahm das Schwert und legt' es   vor dem Berg auf einen Stamm:
"Rose, ich will dich nimmer,"   sprach der kühne Mann,
"Ich träfe denn in Griechenland   meine treuen elf Mann,
Oder einen wilden Löwen   in großen Nöten an."

Bis an den vierten Morgen   saß der Getreue da
Aller Welt verborgen   und dass ihn niemand sah;
Essens und Trinkens   der Held auch nimmer pflag,
Außer Laub und Wurzeln,   so lang als er da lag.

Damit wollt er büßen,   der Degen wonnesam,
Alle die Sünde,   die er wider Gott getan.
Darauf am vierten Morgen   hörte der kühne Mann
Einen wilden Löwen brüllen   da draußen in dem Tann.

Als des Löwen Stimme   Wolfdieterich vernahm,
Sein Schwert Rose nahm er   und ging in den Tann.
Nach des Löwen Stimme   ging er durch den Wald,
Und fliss sich der Reise   als sonder Aufenthalt.

Er hätt ihn gern ergangen,   der tugendreiche Mann;
Doch trug ihn seine Straße   fern von ihm hindann.
Sein Ross war ihm verdorben,   zu Fuße musst er gehn:
Da sah der kühne Degen   eine schöne Linde stehn.

Als er da ruhen wollte,   kam ein wilder Mann
Und stahl ihm sein gutes Schwert   und trug es in den Tann.
Als er darnach erwachte   und sein Schwert nicht sah,
Nun mögt ihr gerne hören,   wie er sprach, der Kühne, da:

"Ach reicher Gott vom Himmel,   was hab ich dir getan,
Dass ich keine Gnade   um dich verdienen kann?
Fänd ich einen wilden Löwen   stehn in großer Not,
Und möcht ihm nicht helfen,   bei ihm so läg ich tot,

Wenn ich gesehen hätte   wie er sein Ende nahm.
Nun berate Gott in Griechenland   meine treuen elf Mann,
Und den Herzog Berchtung,   den lieben Meister mein;
Ach Gott, lass meine Seele   dir befohlen sein."

Diese Rede hörte   allda der wilde Mann;
Er sprach: "Kühner Degen,   noch weile hier im Tann,
So hast du meine Treue,   ich bin dir untertan.
Wohl kenn ich dich, Wolfdietrich,   du bist ein kühner Mann;

Du bist von Griechenlanden   ein Degen lobesam:
Dein gutes Schwert nimm wieder,   du tugendreicher Mann.
Deine Sorge hat ein Ende,   das wisse, unverwandt:
Dreizehn Königreiche   soll erstreiten deine Hand.

Siehst du dort im Walde   den wonniglichen Berg?
Da gehorcht mir zu fünfhundert   manch wildes Gezwerg,
Und zweenundsiebzig Riesen   gar gewaltiglich:
Damit will ich dir dienen,   wenn du willst, Wolfdieterich."

Da dankt' er ihm der Güte;   das Schwert er wieder nahm,
Und wandte sich gen Garten,   der tugendreiche Mann.
Einen wilden Löwen traf er,   eh er gen Garten kam,
Vor einem Serpanten   in großen Nöten an.

Als da von fern Wolfdietrich   den wilden Löwen sah,
Nun mögt ihr gerne hören   wie sprach der Treue da:
"Löwe, mein Geselle,   tritt an den Rücken mein,
Ich will dein Notgeselle   bis an mein Ende sein."

Rose, das gute Schwert,   nahm er in die Hand
Und schlugs mit vollen Kräften   auf den Serpant.
Das Tier erschrak des Schlages   und sprang von ihm hindann;
Wolfdietrich den getreuen   blies es mit Feuer an.

Nie zu so großen Nöten   gekommen war er eh:
Vor Glut musst er sich senken   in einen tiefen See.
Da hatte sich Wolfdietrich   den Serpant recht besehn:
Er sprach: "Von allen Leuten   kann ich allein dich bestehn."

Da sprang er aus dem Wasser   und lief dem Tiere nach:
Er gab ihm mit dem Schwerte   manchen schweren Schlag.
Wolfdietrich den getreuen   blies es mit Feuer an,
Dass der Wald und die Heide   umher zu lohen begann.

Zu so großen Nöten   kam der Held nicht mehr:
Wie mitten auf dem Roste   stand der Degen hehr.
Er mochte nicht entweichen   des heißen Feuers Grimm;
Die lichten Harnischringe,   um den Leib erglühten sie ihm.

Doch half ihm Gott der gute,   dass er das Tier erschlug,
Und St. Pankrazien Heiltum,   das er bei sich trug,
Dass er anch dem Brande   gesund von dannen kam.
Da wandt aus dem Walde   sich der unverzagte Mann.

Da nahm auf die Arme   der Held den wilden Leun
Und trug ihn gen Garten,   auf die Treue mein.
Nun kam er mit dem Leuen   gen Garten in den Graben:
Da hört' er noch den Wächter   mit der edeln Frauen klagen.

Sie sprach: "Ach Gott vom Himmel,   was hab ich dir getan?
Dass ich verlieren musste   den viel geliebten Mann,
Das muss mich ewig reuen!",   sprach das werte Weib:
"Ei! Wer mir raten wollte,  wie ich verderbte den Leib!"

Sie sprach. "Was soll mir ferner   solch ein weites Land?
Über dreizehn Königreiche   war ich Frau genannt:
Die hab ich Gott gegeben,   der den Tod am Kreuz gewann,
Dass er sich erbarme   über meinen lieben Mann,

Den mir die wilden Würme   in den Berg getragen.
Ach, Herr Gott vom Himmel,   wann hör ich auf zu klagen?"
Sie sprach: "Kaiser Ortnit,   soll ich dich nie mehr sehn,
Mir armen Frau, wie möchte   mir denn übler sein geschehn?"

In eine Kapelle   nun gingen sie hindann:
Da stand ein Bild gegossen   nach St. Amasian.
Als die edle Kaiserin   das Bildnis ersah,
Nun mögt ihr gerne hören,   wie sie sprach, die Fraue, da:

"Wie nun, heilig Bildnis,   Herr St. Amasian!
Ich empfahl auf Treue   dir meinen lieben Mann;
Den hast du mir verlassen,"   sprach die Fraue hehr:
"Du ungetreuer Amasian,   ich vertraue dir nicht mehr.

Ich gab dir Lehn und Eigen,"   hub sie wieder an,
"Ich opferte dir täglich   drei Gulden, Amasian:
Das tat ich, dass du wolltest   mir gewogen sein,
Du ungetreuer Trügner   mir hütetest den Herren mein."

Das erschien ihr vor dem Altar   St. Amasian
Gleich einem alten Herren,   weiße Kleider trug er an:
Die waren, wisset sicher,   weiß wie der Schnee;
Er sprach: "Edle Kaiserin,   dein Weinen tut mir weh.

Wär das nun besser,   verdürbest du dich gar?
Hätt er dir folgen wollen,   noch lebt' er vierzehn Jahr."
Er sprach: "Edle Kaiserin,   lass dir die Wahrheit sagen:
Ihn hätten doch die Würme   in den Berg zuletzt getragen."

Da ließ sie eine Tafel   sich bald zur Stelle tragen,
Da stand sie und der Kaiser   gemalt, will ich euch sagen.
Als die edle Kaiserin   die beiden Bilder sah,
Sie sprach: "Du sollst nicht lachen,   es geht mir allzunah.

Du wähnst, ich stünd in Freuden,   wie ich wohl sonst getan;
Nein, verloren hab ich    meinen lieben Mann!"
Sie schlug mit einem Handschuh   ihr Bild an den Mund:
"Schäm dich, verfluchtes Bildnis!   Meine Sorge tu ich dir kund.

Wohl hab ich Grund zu klagen,   das Weinen tut mir Not:
Trost und alle Freude   sind mir gelegen tot.
Nun gnade, lieber Herre,   Gott der Seele dein:
So lang du warst am Leben,   durft ich mit Freuden sein.

Und ist, dass deine Seele   nun in Nöten sei,
So mache, Gott vom Himmel,   sie aller Sorgen frei,
Und lass meine Seele   dafür zu Pfande stehn:
Das lass, Gott vom Himmel,   bei deiner Mutter geschehn.

Süße Königin Maria,   Mutter, reine Maid,
Lass dich heut erbarmen   mein großes Herzeleid.
Einer armen Frauen Klage   lass dir zu Herzen gehn:
Um deines Kindes willen   überhöre nicht ihr Flehn."

Da trat an die Zinnen   die Kaiserin heran,
Gar jämmerlich beklagte   sie ihren lieben Mann.
"Bedächt ich nicht die Seele,   von der Zinne würf ich mich."
Wolfdietrich sprach, der Treue:   "Ich fing' euch sicherlich."

Da sprach Frau Sidrat:   "Ich tu mir, Herr, kein Leid;
Doch lasst mir, edler Degen,   erfahren wer ihr seid."
Da sprach zu ihr Wolfdietrich:   "Ich will euch ehrlich sagen:
Einen wilden Löwen hab ich   zu der Burg hieher getragen.

Ich bin aus dem Walde   zu dieser Burg gekommen;
Frau, euer großes Weinen   hab ich wohl vernommen.
Heilt den wunden Löwen,   edle Herrin, mir,
Um Ortnits Seele willen,"   sprach Wolfdieterich zu ihr.

Sie mocht es kaum erwarten   bis der Tag erschien,
Mit ihren Jungfrauen   hub sie sich dahin.
Sie fand den wunden Löwen,   das wisset sicherlich:
In eine Kammer nahm ihn   die edle Frau mit sich.

Am Abend ging er wieder   in den Burggraben,
Da hört' er den Wächter   und seine Herrin klagen.
Da sprach zu ihr der Wächter:   "Viel leibe Herrin mein,
Tröstet euch im Leide   und lasst eur Weinen sein."

"Dreizehn Königreiche,   die ich verlor,
Und tausend Mark Goldes,   des Reiches Zins zuvor,
Des alles unterwanden   sich die in meinem Bann:
Nun mag ich kaum beraten   einen armen Kapellan."

Ein Stein lag vor der Pforte,   das will ich euch sagen,
Den hätt um seine Schwere   ein Wagen nicht getragen.
Den warf da Wolfdietrich   über die Zinne hin.
Da sprach in ihren Züchten   die edle Kaiserin:

"Das gleicht niemand anders   als Kaiser Ortnit:
Wenn er spät des Abends heim kam,   so weckt' er mich damit.
Bist du vielleicht verwildert   fern in einem Tann,
So lass mich nicht mehr weinen,   du tugendreicher Mann."

Da sprach von Griechenlanden   der Held Wolfdieterich:
"Ihr sollt nicht mehr weinen,   Herrin minniglich."
Er sprach: "Edle Kaiserin,   nun sei euch kund getan:
Mit meinem Schwert gerochen   hab ich euern lieben Mann."

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