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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Zehntes Abenteuer

Wie Wolfdietrich von dem Wurm in den Stein getragen Kaiser Ortnits Tod rächte

Da kam in zwölf Tagen   der kühne Weigand
Geritten ohne Sorgen   gen Lampartenland.
Da hört' er in dem Lande   allenthalben sagen,
Seinen Gesellen hötten   die Würmer in den Berg getragen.

Er ritt eines Abends   gen Garten an den Graben,
Da hört' er den Wächter   und die Herrin klagen.
Sie begann selbzwölfte   und klagt' ihr Herzeleid:
Der Frauen Not erbarmte   den Degen allbereit.

Sie sprach: "Ich ließ mich taufen   dir zu Liebe, Jungfrau rein,
Und will auch deine Dienerin   bis an mein Ende sein;
Doch hast du mir verhangen   also großen Zorn,
Alle Freude, die ich je gewann,   die hab ich ganz verlorn."

Sie sprach: "Gott vom Himmel,   wem klag ich mein Leid?
Heiland und Erlöser,   dir klag ichs alle Zeit,
Da du für uns gestorben bist,"   sprach die Fraue gut,
"Und wir von deinen Wunden   nun haben Ehr und Gut."

Da mochte nicht mehr bleiben   der tugendreiche Mann,
Von der Frauen Weinen   hub er sich hindann.
Da ritt nach den Würmen   der Held in den Wald;
Zu einer hohen Steinwand   wandt er sich alsobald.

Einen wilden Waldmann   er auf der Straße fand,
Den grüßt' in seinen Züchten   der Degen auserkannt.
Er sprach zu dem Waldner:   "Weist du Bescheid im Wald?
Kannst du mir nicht zeigen   dieser Würmer Aufenthalt?"

Da gab der wilde Waldmann Bescheid ihm allzuhand:
"Seht ihr dort im Walde   die hohe Steinwand?
Dahin sollt ihr reiten,   das will ich euch sagen:
Darein ward Kaiser Ortnit   von den Würmen getragen."

Da ritt dahin geschwinde   der Degen lobesam,
Wo der getreue Kaiser   um Leib und Leben kam.
Er rief vor dem Berge,   dem Helden ziemt' es wohl:
"Wurm, bist du darinnen,   so komm hervor aus dem Hohl."

"Dein wartet vor dem Steine   ein werter Schildmann hier,
Weil du den werten Kaiser   in den Berg trugst mit dir.
Du entgiltst mir den Kaiser,   das will ich dir sagen,
Oder du musst noch heute   in den Berg mich selber tragen."

Der Wurm war nicht im Steine,   er war in dem Wald,
Den Jungen Speise holen:   Da erzürnt' er alsobald
Und eilt' ihm nach geschwinde,   der tugendreiche Mann:
Er ritt nach dem Wurme   allein hinaus in den Tann.

Er ritt ihm nach im Walde   bis an den dritten Tag,
Dass ihm sein Ross, das gute,   vor Müde gar erlag.
Da musst er niedersteigen,   der tugendreiche Mann;
Das Ross ließ er laufen   und weiden in dem Tann.

Auf den Schild ließ sich nieder  der Degen lobesam,
Eine kleine Weile ruhen   wollt er sich im Tann.
Da hört' er in dem Walde   einen freislichen Sturm:
Da stritt ein wilder Löwe   mit einem grimmen Wurm.

Als da Wolfdietrich   den Löwen vernahm,
Zu seinem Rosse  eitle   der tugendreiche Mann.
Da ritt er schnell, er hätte   schneller nicht vermocht,
Hin wo der wilde Löwe   mit dem Wurm im Sturme focht.

Er führt' in seinem Schilde   einen Löwen, der war rot:
Hier sah er einen wilden   nun stehn in großer Not.
Als nun Wolfdietrich   den Löwen streiten sah,
Nun mögt ihr gerne hören,   wie er sprach, der Treue, da:

"Löwe, mein Geselle,    dass ich dir nicht helfen mag,
Daran so hab ich heute   einen leidigen Tag.
Doch begehr an mir Genade,   so helf ich dir aus Not,
Oder will dich nicht mehr führen   in meinem Schilde rot."

Wie wild auch war der Löwe,  die Furcht macht' ihn zahm:
Mit seinen scharfen Augen   blickt' er den Fürsten an.
Der winkt' ihm mit den Augen,   das nahm der Löwe wahr:
Er sprang von dem Wurme   zu dem kühnen Helden dar.

Den Schild begann zu fassen   der Degen lobesam:
"Nun berate Gott in Griechenland    meine treuen elf Mann,
Und den Herzog Berchtung,   den lieben Meister mein;
Herr Gott, lass meine Seele   dir befohlen sein."

Da rannt' ihn an der Lindwurm   und war ihm überlegen:
Mit dem Schweif in drei Stücke   schlug er den Schild dem Degen.
Auf den Wurm warf das eine   der tugendreiche Held,
Und begann sein Schwert zu fassen;   er hätt ihn gerne gefällt.

Er schlug es dem Wurme   mit Gewalt auf das Dach,
Dass ihm aus dem Halse   ein feurger Nebel brach
Und ihm das Haupt erglühte,   das sag ich euch führwahr:
Er konnt ihn nicht verwunden   nur so dünn als ein Haar.

Seine Haut war ihm von Horne   zu hart, und über das
Von einer Spannen Dicke,   licht wie Spiegelglas.
Er war auf jeder Seite   zwölf Ellen lang,
Auf vierundzwanzig Füßen   gar freislich war sein Gang.

Der Schläge, der geschwinden   führte der kühne Mann
Viel auf den Wurm, den wilden,   dass Feuer von ihm drann.
Da stritt bis auf den Abend   mit ihm der kühne Mann,
Dass der Schweiß ihm durch dir Ringe   über die Brünne rann.

Als der Leu den Helden   nun ermüden sah,
Vor dem Fürsten sprang er   dem Wurm entgegen da.
Zu kratzen und zu beißen   hub er den Lindwurm an:
So hätt er gern geholfen   dem auserwählten Mann.

Da sprang der Tugendreiche   hinweg aus dem Sturm,
Und stritt der Löwe wieder   mit dem freislichen Wurm.
Er trieb es so lange   bis ihm die Kraft entwich:
Ach, wie der wilde Löwe   vor dem starken Wurme schlich!

Eine laute Stimme ließ er,   die scholl durch den Tann;
Das tat er deswegen,   wie ich vermelden kann:
Wär sein Geselle nahe,   dass er es hört' alsbald
Und ihm und dem Helden   zu Hilfe käm aus dem Wald.

Als der Leu ermüdet war   und das sein Herr ersah,
Nun mögt ihr gerne hören   wie sprach der treue da:
"Löwe, mein Geselle,   tritt an den Rücken mein:
Ich will bis an mein Ende   dein Notgeselle sein."

Sein Schwert in beiden Händen   der Tugendreiche trug,
Das er mit vollen Kräften   auf den Lindwurm schlug.
Er schlug ihm ins Gehörne   so ungefügen Schlag,
Dass sein Schwert in drei Stücken   vor ihm am Boden lag.

Er sah die Wehr zerbrochen,   groß war sein Ungemach.
Nun mögt ihr gerne hören   wie der Getreue sprach:
"Ei, reicher Gott vom Himmel,   was hab ich dir getan,
Dass ich keine Gnade   um dich verdienen kann?

Löwe, mein Geselle,   dass ich dir nicht helfen mag,
Daran so hab ich heute   einen leidigen Tag.
Doch seh ich getreulich    dein Ende hier mit an."
Da säumte sich nicht lange   der Wurm, er fuhr heran,

Nahm in den Mund den Löwen   und in den Schweif den Herrn;
Er war beiden Meister,   und alle Hoffnung fern.
Mit Gewalt trug er sie   im Sturm in sein Hohl;
Das war von manchem Ritter,   den er erlegt hatte, voll.

Den wilden Löwen warf er   vor seiner Jungen Schar:
Die zerrten ihn zum Spiele,   das sag ich euch fürwahr.
Sie saugten ihm das Blut aus   und nagten sein Gebein:
Da musst um ihn in Trauer    erst der Tugendreiche sein.

Die jungen Würmer gellten   in des Hungers Grimm.
Der ungeheure Valand   streckte den Schweif nach ihm,
Und schlug auf das Helmband   den Degen hochgemut,
Dass ihm zu beiden Ohren   entspritzte rotes Blut.

Er schlang sich um den Helden,   das sag ich euch fürwahr,
Und warf ihn ohne Säumen   vor seiner Jugnen schar.
Sie hätten ihn gewonnen gern,   das wisset sicherlich,
Doch nicht entblößen konnten sie   den getreuen Wolfdieterich.

Wie das geschehen mochte   will ich euch sagen:
Ein Hemd von Palmatseide   pflegt' er zu tragen,
Von zweiundsiebzig Stücken;   das fristet' ihm sein Leben,
Das ihm Frau Siegeminne   zu Troje hatte gegeben.

St. Pankrazien Heiligtum   war verwirkt darein,
Das half ihm bei den Würmen,   dass er genas, allein.
Sie saugten an den Ringen,   das glaubet sicherlich,
Und mochten nicht gewinnen   den getreuen Wolfdieterich.

Die Jungen gellten lauter   vor Hunger nach der Kost:
Da hub sich der Alte   in den Tann nach dem Ross.
Er fand es bei dem Baume,   schlangs in den Schweif hinein,
Und trug es in die Höhle   zu seinen Jungen herein.

Die spielten miteinander   gar unbescheidentlich,
Dass schier verloren hätte   sein Leben Wolfdietrich.
Da wählte der Alte   unter den Toten all,
Welcher am schwersten wöge   der jungen Brut zum Ball.

Da wählt' er unter ihnen   bis an den mitten Tag:
Da kam er an die Stelle,   wo der getreue lag.
Auf zuckte bald der grimme   den tugendreichen Mann;
Es war ein ungefüges Spiel,   das allda mit ihm begann.

Sie warfen sich einander   den getreuen Wolfdietrich;
Schier wär es um sein Leben   geschehen sicherlich.
Alsbald von den Jungen   hub sich der Alte fort,
Sich vor den Stein zu legen:   In der Sonne schlief er dort.

Das hätte sich nimmer   der grimme Wurm gedacht,
Dass die Jungen zu bezwingen   der Held gewänne Macht.
Gern sah der Tugendreiche,   dass er sich fort begab:
In großen Unkräften   zur Erde griff er hinab;

Den Schweiß vom Gebeine   nahm der kühne Mann,
Und hob ihn zu dem Munde,   davon er Kraft gewann.
Bald fand er eine Quelle,   die in der Höhle rann;
Da nahm die Sorg ein Ende   dem tugendreichen Mann.

Da fuhr er fort zu suchen,   der kühne Weigand,
Bis er Rose, das gute Schwert,    in einer Scheibe fand.
Auf dem Knaufe schien ein Stein,   der glänzte wie der Tag;
St. Pankrazius Heiltum   darin verschmiedet lag.

Einen Schild auch fand er,   dicht wie eine Wand,
Dabei Ortnits Gebeine   und all sein Streitgewand:
Eine starke Brünne war es,   aus köstlichem Geschmeid;
Die legt' um seine Glieder   der Degen kühn im Streit.

All seine große Sorge   alsbald ein Ende nahm:
"Nun berate Gott in Griechenland   meine treuen elf Mann,
Und den Herzog Berchtung,   den lieben Meister mein;
Ach Gott, lass meine Seele   dir befohlen sein!"

Da suchte noch ferner   der kühne Weigand,
Bis er einen guten Helm   in dem Blute liegen fand.
Ein Stein schien von dem Helmhut,   der glänzte wunderklar;
Ein Haupt lag darinne,   das Kaiser Ortnitens war.

Die Zähren aus den Augen   liefen ihm in den Mund;
Mehr als zehnmal küsst' ers,   so tot, aus Herzensgrund:
"Ortnit, mein Geselle,   du kraftreicher Degen!
Geruhe, Gott vom Himmel,   seiner Seele dort zu pflegen.

Erbarme dich der Seele,   ihm blieb nicht mehr der Leib;
Auch zu Lamparten   über sein treues Weib.
Und berate mir in Griechenland   die treuen elf Mann,
Und dieses wilden Löwen   nimm dich in Gnaden an."

Da sprang empor mit Freuden   der kühne Weigand,
Rose, das gute Waffen,   nahm er in die Hand.
Er schlugs mit beiden Händen   mit Kraft auf einen Stein,
Dass um und um das Feuer   in der Höhle warf den Schein.

Er griff ihm nach der Schärfe   mit seiner edeln Hand,
Weder Mal noch Scharte   er an der Schneide fand.
"Hab ich nach solchem Schlage   dich ganz getroffen an,
So getrau ich mich zu trösten   noch meine treuen elf Mann."

Bei des Schwertes Glänzen   blickt' er die Jungen an,
Nun hört, wie da gesprochen   der tugendreiche Mann.
"Ihr Würme schlaft zu lange,   ich will euch bestehn:
Ich geb euch meine Treue,   es muss euch an das Leben gehn."

Mit den freislichen Würmen   stritt da der kühne Mann,
Dass der Schweiß ihm aus den ringen   über die Brünne rann.
Er zwang zuletzt die Jungen   mit manchem zorngen Schlag;
Das verschlief der Alte,   der vor dem Steine lag.

Da eilt' er hin geschwinde   wo er den Alten sah,
Nun mögt ihr gerne hören,   wie er sprach, der Treue, da:
"Alter Wurm, du schläfst zu lang,   ich will dich bestehen,
Du hast mein Wort zu Pfande,   es muss dir an dein Leben gehn."

Auf den grimmen Lindwurm   schlug er mächtiglich;
Doch über manchen Toten   fiel Wolfdieterich.
ich weiß nicht wie dem Degen   der Wurm so nahe kam,
Dass ihn das Ungetüm ergriff   und in den Rachen nahm.

Doch entriss sich ihm geschwinde   der kühne Weigand,
Rose, sein gutes Schwert,   nahm er in die Hand:
Er schlug dem wilden Wurme   die Weichen entzwei;
So machte sich der Kühne   von dem Ungeheuer frei.

Da hat er in dem Berge   die Würmer all erschlagen;
Denen schnitt er aus die Zungen,   das will ich euch sagen.
Dann eilt' er hin geschwinde   wo das Gebeine lag
Ortnits; aus dem Berge   trug ers an den lichten Tag.

Er legt' es vor dem Steine   nieder auf das Land.
Ein Fingerlein von Golde   er bei dem Schilde fand:
Ortnit wars gewesen,   dem kraftreichen Degen;
Ihm hatt es Frau Sidrat   zur Gemahlschaft gegeben.

Da begrub ihn vor dem Steine   der tugendreiche Mann,
Und stand bei dem Steine   und schrieb soviel daran,
Wer an die Stelle käme,   es sei Mann oder Weib,
Dass er ersehen mochte,   da läge des Treuen Leib.

Ü   Þ

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