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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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               9. Abenteuer
            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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               Wolfdietrich
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                  14. Abenteuer

Neuntes Abenteuer

Wie Wolfdietrich mit den Heiden Belian Messer warf

Die Nacht nahm ein Ende,   es kam der lichte Tag,
Hin ging der stolze Heide,   wo seine Tochter lag:
"Nun sage, liebe Tochter,   auf die Treue dein,
Will der werte Christ   nun dein Geliebter sein?"

Da sprach zu ihm die Jungfrau:   "Nein, lieber Vater mein,
Er hat dir nicht geminnet   die liebe Tochter dein."
Da sprach in großem Zorne   der heidnische Mann:
"Ich geb ihm meine Treue,   um sein Leben ists getan."

Da wappnete sich balde   der Degen lobesam:
"Nun berate Gott in Griechenland   meine treuen elf Mann,
Dazu den Herzog Berchtung,   den lieben Meister mein,
Und lass dir Gott vom Himmel   meine Seel empfohlen sein!"

Er gürtete das Schwert um   und nahm den Schild zur Hand.
Da ging er nach dem Hofe,   wo er manchen Dienstmann fand.
Da sprach der stolze Heide:   "Lasst mir mein Recht geschehn!"
Da fragt' ihn Wolfdietrich:   "Worin soll das bestehn?"

"Ich werfe nach euch Messer,   nach mir werft ihr dann."
Empor zum Himmel blickte   der tugendreiche Mann.
Da ward ein Kreis geschlossen   von manchem Heidenmann;
Sechs Messer und zwei Trittstühl   trug man ihm auf den Plan.

Als sie nun werfen sollten,   das wisset sicherlich,
Da sprach wohl gezogen   der Held Wolfdieterich:
"Herr Wirt, das mir gefalle,   das Messer hätt ich gern."
"Hab dir die Wahl darunter,"   sprach der Heide zu dem Herrn.

Einen Stuhl und drei Messer   gab man ihm in die Hand.
Der Heide sprach: "Zu leide   hat dein Gott dich hergesandt."
Zwei kleiner Schilde   brachte man heran,
Die waren einer Spanne breit,   wie ich vermelden kann.

Da gab man den einen   dem auserwählten Degen,
Und ließ einen breiten Schild   zu seinem Stuhle legen.
"Zieh ab die Rüstung," sprach er   zu dem Helden ausersehn,
"Drei Würfe musst du   mir im Hemde bestehn.

"Und weichst du von dem Stuhle   eines Haares breit,
So geht es dir ans Leben,   des hast du Sicherheit."
Da zog er von dem Leibe   all sein Gewand
Und legt' es zu dem Stuhle   bei sich nieder auf das Land.

"Soll ich in dieser Veste   nun sterben," hub er an,
"So berate Gott in Griechenland   meine treuen elf Mann
Und den Herzog Berchtung,   den lieben Meister mein.
Herr Gott, lass meine Seele   dir befohlen sein!"

Da begann Wolfdietrich   zu dem heidnischen Mann:
"Herr Wirt, ihr habt euch heute   ein Recht genommen an,
Das müsst ihr fahren lassen,   soll es billig sein:
Nun zieh von deinem Leibe   die lichte Brünne dein."

Laut begann zu lachen   der König Belian.
Nun war zu den Zeiten   das Recht noch so getan,
Was ein Mann gelobte,   dabei so bleib er stehn;
So sollt es noch heute   in allen Landen geschehn.

Da musst er von dem Leibe   ziehn der Brünnen Schein,
Und stand vor Wolfdietrich   in einem Hemd allein.
"Weist du, werter Christe,"   sprach der Heidenmann,
"Was ich zu Rechte   in meinem Lande gewann?

"Wer kommt zu meinem Hause,   das sag ich dir fürwahr,
Der lässt den Wirt werfen   zuerst immerdar.
siehst du wohl die Häupter   an meinen Zinnen dort?
Noch eine Zinn ist ledig:   Die füllt das deine sofort."

Da sprach Wolfdietrich wieder   zu dem Heidenmann:
"Wie steht es um den einen,   der dich besiegen kann?
Vor dem sollst du dich hüten,"   sprach der Degen gut,
"Dass du nicht entgeltest   deinen großen Übermut."

"So kühn weiß ich keinen,"   sprach der Heidenmann,
"Der mit Messerwerfen   mir obsiegen kann;
Nur bei den wilden Griechen,   da wächst ein junger Degen,
Von dem soll ich verlieren   meinen Leib und mein Leben.

Bist du derselbe,   so mach es mir bekannt,
So geb ich dir zu eigen   die Burg und das Land."
Da sprach Wolfdietrich wieder:   "Ich sagte dir, ich bin
Von der alten Troje   der König Pilgerin."

Da sprangen auf die Stühle   die unverzagten Degen.
Nun hätte sich der Grieche   des Lebens schier begeben.
Er sprach: "Gott vom Himmel,   gnadenreicher Christ,
Hilf mir von hinnen,   wenn mir nichts besseres ist."

Da hob das erste Messer   der Heide hoch empor:
"Nun hüte deines Scheitels,   das sag ich dir zuvor."
Auf den Unverzagten   warf er es mit Grimm:
Seines Haars zwei Locken   von dem Scheitel warf er ihm.

Verfehlt des ersten Wurfes   hatte der Heidenmann:
"Lieber Gott Machmet,   nun steh mir bei fortan
Wie du mir in Nöten   noch tatest immerdar,
Dass ich die Ehre wahre;   du gabst sie mir fürwahr."

Er hob das andre Messer   in der Hand empor:
"Nun hüte deines Herzens,   das sag ich dir zuvor."
Wolfdietrich sprach: "Nun pflege   der Gott in Gnaden mein,
Dem mein Leib und meine Seele   empfohlen sollen sein."

Der Heide sprach: "Nun schirme   dich, Degen ausersehn."
Wolfdietrich sah das Messer   von dem Heiden gehn;
Da hub er Arm und Achsel,   und ließ es drunter her.
Verfehlt war auch der zweite Wurf;   da schrie der Heide sehr:

"Du willst mich heut verlassen,"   rief der Heide da,
"Du mein Gott Machmet,   was mir noch nie geschah:
Zweier Würfe fehlt ich   nimmer noch zuvor."
Er nahm das dritte Messer:   "Nun sieh am Gürtel dich vor."

Mit Dräun wollt er ihn schrecken,   den Degen ausersehn,
Dass ihm beim dritten Wurfe   noch wär ein Heil geschehn.
Da wankte Wolfdietrich,   ihm brach vom Stuhl ein Bein;
Doch hielt er sich aufrecht,   der edle Held, auf den zwein.

Der Heide sah ihn schwanken   auf dem Trittstuhl dort.
Er sprach: "Du musst dein Leben   lassen hier sofort.
Es ist um dich ergangen,   werter Christenmann,
Es sei denn, dass mir Machmet   nicht helfen wolle fortan."

Er sprach: "Er soll dich lassen,   der ein Betrüger ist.
Nun komme mir zu Hilfe   mein Vater Jesu Christ,
Der für uns am Kreuze   gelitten hat den Tod:
Der soll mir heute helfen   aus Angst und großer Not."

"Wie stark sei dein Glaube,"   sprach der Heidenmann,
"So weiß ich doch dass Machmet   deinen Gott bezwingen kann.
Du kommst zu deutschen Reichen   sicher nimmermehr:
Deinem Gott wohl magst du klagen,   dass du je kamst hieher."

"Mein Gott lebt noch, hoff ich,"   sprach Wolfdieterich.
"Der ist mild der Gnaden   so überflüssiglich,
Dass er keinem Christen   lässt ein Leid geschehn:
Zu ihm bis an mein Ende   will ich in Vertrauen flehn."

Da rief der Heide wieder   in zorniger Gier:
"Du musst dein Leben lassen   auf dem Stuhle hier,
Mich wolle denn verlassen   Machmet mein Gott.
Lieber Gott Machmet,   nun mach mich nicht zu Spott."

Da sprach und gab ihm Antwort   der unverzagte Mann:
"Deinen Gott Machmet   ruf ich nimmer an,
Ich trau auf meinen Schöpfer,   den reichen Jesu Christ,
Und auf seine Mutter,   die uns allen gnädig ist."

Auch das dritte Messer   verwarf der Heidenmann;
Wo hatte sich gehütet   der Degen lobesam.
Wolfdieterich der Kühne   hoch auf dem Stuhle sprang:
In die Erde fuhr das Messer   ihm zwischen den Füßen spannenlang.

Drei Würfe nun bestanden   hatte Wolfdietrich,
Und war nicht wund geworden,   der Degen tugendlich.
Er hob empor die Hände   zu derselben Frist;
Er sprach: "Herr, lass dir danken,   du gnadenreicher Christ."

Da sprach der stolze Heide:   "Wer lehrte dich den Sprung?
Den kann auf Erden niemand,   als Herzog Berchtung.
Bist du Wolfdietrich?   Das mache mir bekannt,
So geb ich dir zu eigen   die Burg und auch das Land.

Berchtung war mein Geselle   wohl zweiundzwanzig Jahr;
Seinetwillen lass ich   das Leben dir fürwahr."
Da sprach in seinen Züchten  der Degen lobesam:
"Wer ist Herzog Berchtung?   Von dem ich nie vernahm."

Da sprach noch Wolfdietrich:   "Ich sagte dir, ich bin
Von der alten Troje   der König Pilgerin,
Und bin um deinetwillen   gekommen auf den Plan:
du musst mir heut entgelten   so manchen Christenmann."

Da stand des Heiden Tochter   an einem Fensterlein;
Sie sprach in großem Leide:   "Lieber Vater mein,
Unser Gott Machmet   lässt heut uns in der Not:
O weh, lieber Vater,   welch Leid ist uns gedroht!"

Da hub der stolze Heide   zu seiner Tochter an:
"Du bist, die mich tötet,   das sei dir kund getan.
Hättest du den Schlummertrank   zu trinken ihm gegeben,
So hätt ich heut ihm obgesiegt,   es wär geschehn um sein Leben."

Da begann Wolfdietrich:   "In Freuden steh ich hier:
Mein Gott Jesus Christus   ließ noch nie von mir,
Er und seine Mutter   half mir stets aus Not:
Dein Gott ist ein Teufel   und fällt mit dir in den Kot."

"Bist du Wolfdietrich,   das sage mir an:
Burg, Land und Leute   mach ich dir untertan
Und gebe dir die Tochter;   die Taufe nehm ich an,
Nur lasse mich beim Leben,   du tugendreicher Mann."

"Was sagst du hier von Wölfen?   Die laufen in dem Holz:
Ich bin von alten Trojen   ein Ritter also stolz.
In drei Würfen musst du   mir auf dem Stuhle stehn:
Dem rechten Aug, dem linken Fuß,   der einem muss Leid geschehn."

Der Heide sprach in Sorgen:   "O weh der großen Not!
Hüt ich mich unten,   so bin ich oben tot.
Ich steh in deinen Gnaden,"   sprach der Heidenmann,
"Lieber Gott Machmet,   steh mir bei hier auf dem Plan!"

Da warf ihm Wolfdietrich   den ersten Messergruß:
Er sah ihm nach den Augen   und meinte seinen Fuß.
Er warf ihm das Messer   durch den Fuß bis an das Heft:
"Wer lehrte so mich werfen,   du böser Götzenknecht?

"Willst du hören, wer ich sei?   So wisse sicherlich:
Ich bin aus Griechenlande   der Held Wolfdieterich:
Du musst mir heut entgelten   auf dem Stuhle hier
Manchen edeln Christen,   der verderbt ward von dir."

Er hob das andre Messer   in der Hand empor.
Er sprach: "Bei deinem Scheitel   sieh dich nun vor."
Er warf es nach dem Heiden   ingrimmig, dass es klang,
Und mitten durch den Bucklerschild   und durch den Scheitel ihm drang.

Die weite Burg erschallte   von des Heiden Schrei:
"Lieber Gott Machmet,"   rief er, "Nun steh mir bei!
Hilfst du mir nicht balde,   es muss mein Ende sein.
O weh, liebe Tochter,   was vergossest du den Wein!"

Da lief die schöne Jungfrau   dahin allzuhand,
Wo sie ihren lieben Gott   Machmet stehen fand.
Sie trug ihn zur Stelle,   die Jungfrau ausersehn,
Wo sie ihren Vater sah   in großen Nöten stehn.

"Machmet," sprach sie, "lieber Gott,   nun hilf dem Vater mein;
Und hilfst du ihm nicht balde,   es muss sein Ende sein."
Wolfdietrich sprach zu ihnen   gar ohne arge List:
"Mich dünkt, eur Gott Machmet,   dass er entschlafen ist!"

Er hob das dritte Messer   in der Hand empor.
Er sprach: "Bei dem Herzen   sieh dich nun vor.
Dahin will ich dich werfen,   heidnischer Mann:
Verloren geb ich noch das Spiel,   wenn ichs nicht treffen kann."

Da warf im dritten Wurfe   nach ihm Wolfdieterich:
Er zielt' ihm nach dem Herzen   und warf behendiglich.
Er traf auch ins Herze   den heidnischen Mann,
Dass er vom Stuhl herab fiel   und da sein Ende nahm.

So geschah dem Heiden    mit Wolfdieterich.
Da stand in dem Ringe,   das glaubet sicherlich,
So mancher stolze Heide   aus des Königs Bann,
Die hätten ihren Herren   gern gerochen an dem Mann.

Sie griffen zu den Schwertern   und liefen ihn an,
Sie wollten Wolfdieterich   verderben auf dem Plan.
Da sprang er von dem Stuhle   nieder auf das Land,
Sein gutes Schwert entblößt' er   und nahm es in die Hand.

Er sprach: "Und soll mich heute   so große Not besahn,
So berate Gott in Griechenland   meine treuen elf Mann,
Und den Herzog Berchtung,   den lieben Meister mein,
Herr Gott, lass meine Seele   dir wohl befohlen sein!"

Aus großem Ungemache   half Gott ihm gnädig da.
Nun höret, welch ein Zeichen   an dem Herrn geschah:
Er schlug alleine fünfzig   von des Heiden Bann;
Die andern flohen alle   vor ihm hinweg von dem Plan.

Sie sprachen einhellig:   "Er hat einen starken Gott,
Der ihm wohl mag helfen   aus Angst und großer Not.
Wir sollen um ihn bitten   den getreun Wolfdieterich."
Da gingen sie alle    zu ihm geselliglich,

Und fielen zu Füßen   dem Fürsten lobesam:
"Wir bitten dich, Wolfdietrich,   du tugendreicher Mann,
Dass du uns lässest taufen,   Degen ausersehn:
So mag uns gleiche Gnade   von deinem Gotte geschehn."

Er sprach, er tät es gerne,   der tugendreiche Mann:
"Doch hab ich weder Pfaffen   hier noch Kapellan."
Im Augenblicke sah er   auf dem Hofe nahn
Einen werten Pfaffen   und einen Kapellan.

Er sprach: "Liebe Herren,   darum will ich euch bitten,
Dass ihr die Helden taufet   nach christlichen Sitten."
Sie sprachen: "Gerne tun wir   das hier zu dieser Stund,
Wollen sie an ihn glauben,   der an dem Kreuz ward wund,

Und an seine Mutter   zumal, die reine Maid,
Die einem jeden Sünder   wohl wenden mag sein Leid."
Sie sprachen alle willig   dazu: "Wir tun es gern."
Da baten sie zu Paten   Wolfdieterich den Herrn.

Da lehrte sie den Glauben   der Held Wolfdieterich,
Und das Ave Maria,   das glaubet sicherlich.
Sie wurden gute Christen   zumal, wie er gebot,
Und wollten an ihn glauben,   der am Kreuz erlitt den Tod.

Da mochte man der Heiden   vierhundert taufen sehn.
Da ging des Heiden Tochter   in eine Kammer flehn.
Sie zaubert' um die Veste   einen wilden See;
Das tat dem getreuen   Wolfdieterich noch weh.

Da auf sein Ross gesessen   war Wolfdieterich,
Urlaub wollt er nehmen   und reiten schnelliglich:
Da sah er um die Veste   ein wildes Wasser gehn;
Nun hört wie er da klagte,   der Degen ausersehn:

"Ach süßer Name Jesus,   was hatt ich mir gedacht!
Wer hat dies wilde Wasser   um die Burg hieher gebracht?
Da ich zu dieser Veste   ritt gestern Abend spät,
Mit Blumen war die Heide   wonniglich übersät.

"Soll ich nun sterben," dachte   der Degen ausersehn,
"So soll es nicht alleine   über mich ergehn.
Wollt ihr mit mir von hinnen,   edle Königin?"
Sie sprach: "Ich tu es gerne;"   da kam und küsste sie ihn.

Vor sich zu Rosse nahm er   das Mägdelein ausersehn.
Eine Glasbrücke sah er   über das Wasser gehn.
Als mitten auf die Brücke   kam der Degen gut,
Da sank vorn und hinten   die Brücke nieder in die Flut.

Zu so großen Nöten  noch kam er nimmermehr:
Er mocht auf der Brücke   weder hin noch her.
Sie ward zu einer Elster   und flog zur Veste fort;
Ihn ließ sie alleine   in den großen Nöten dort.

Sie saß auf einer Zinne   und sah zurück nach ihm;
Nun mögt ihr gerne hören   wie sie sprach im Grimm:
"Du verruchter Christe,   du entgiltst den Vater mein;
Es muss hier im Wasser   dein letztes Ende sein."

Noch sprach zu dem Helden   die Jungfrau wohlgetan:
"Steh ab von deinem Glauben   und bete Machmet an;
Alle diese Reiche   mach ich dir untertan,
Und will dich mit Freuden   nehmen zu meinem Mann."

Da sprach in seinen Züchten   der tugendliche Mann,
"Magst du selbst, Unselge,   Machmeten rufen an,
Wie viel du zu ihm flehest,   doch hilft er nimmer dir;
Gott und seine Mutter,   die reine, helfen mir!"

Er sprach: "Was möcht es frommen,   wär ich hier tausend Jahr?
So muss ich Leib und Leben    setzen in Gefahr."
Sein Ross, das gute, nahm er   zwischen beide Sporn
Und sprang von der Brücke   herab in großem Zorn.

Er fiel in Wundertiefe   hinab auf einen Grund.
Da sah der edle Degen   zu derselben Stund
Gar eine breite Heide   sah er vor sich stehn,
Mit einem hohen Berge,   der war schrecklich anzusehn.

Vor demselben Berge   der Held zwölf Teufel fand,
Ein Schwert und einen Kolben   trug jeder in der Hand.
Dei bestunden ihn ingrimmig   und taten ihm viel Leid:
Er kam all sein Leben   nicht in so fährlichen Streit.

Nun merket, ob der Zauber   nicht übel war genug:
Ihrer wurden vierundzwanzig,   als er die zwölf erschlug;
So mehrte sich ihm ferner   noch die verruchte Schar:
Ihrer wurden zweiundsiebzig;   doch entschlug er ihrer sich gar.

Nun will ich euch bescheiden,   wie ihm das gelang:
Von Gott in seinem Herzen   tat er keinen Wank,
Er mahnt' ihn gar emsiglich,   der tugendreiche Mann;
Der Schweiß ihm durch die Ringe   über die Brünne rann.

Der Berg und die Heide   waren stählern gar.
Er mahnt' um seien Hilfe   den Herren immerdar;
Doch hielt die glatte Bergwand   so lang den Kühnen auf,
Dass er am dritten Morgen   erst völlig kam hinauf.

Als er zuletzt hinauf kam  nach langem Aufenthalt,
Da sah er um den Berg gehn   einen brennenden Wald.
Da musste bald sich wenden   der treue Wolfdietrich,
Von der Hitze musst er kehren,   das wisset sicherlich.

Er sprach: "Verzagtes Herze,   was willst du nun tun?
Du hast doch nie geworben   nach weltlichem Ruhm."
Wo der Wald am stärksten brann,   da eilt' er hinan,
Und wandte sich nicht wieder,   bis der Zauber ein Ende nahm.

Ü   Þ

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