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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Achtes Abenteuer

Wie Wolfdietrich bei des Heiden Tochter in der Kemenate war

Da so verlor der Kaiser   Leben und Leib,
Da klagte noch zu Troje   Wolfdieterich sein Weib.
Das Kreuz an ihrem Grabe   nahm der König hehr;
Um ihrer Seele willen   fuhr der Held über Meer.

Einen alten Waller   nahm der Held zu sich;
Den hatt er an dem Hofe   gehalten würdiglich.
Zum heiligen Gabe führt' er   ihn jetzt mit sich hindann:
Da legten sie ihre Opfer,   wie ich vermelden kann.

Da nun der Tugendreiche   von dannen wieder schied,
Da starb ihm sein Waller,   so meldet uns das Lied.
Er sprach: "Gott vom Himmel,   was hab ich dir getan,
Dass ich keine Gnade   bei dir erwerben kann!"

Mit Leide schifft' er wieder   über des Meeres Flut.
Auf eine sichre Straße    kam der König gut.
Da ritt er Holz und Heide,   der Degen lobesan;
An dem zwölften Morgen   kam er zu Pludenz auf den Plan.

Da hört' er Märe sagen   von einem Heidenmann,
Der mit Messerwerfen   stets den Sieg gewann.
Eine schöne Tochter hatt er   und saß in Falkeneis:
An manchem werten Ritter   hatt er erstritten den Preis.

Als Wolfdieterichen   die Märe ward bekannt,
Zu Troje ließ er fahren   die Burg und das Land.
Gen Falkeneis zu reiten   begann Wolfdieterich;
Zehn Tage ritt der Kühne,   das wisset sicherlich.

Darauf am elften Morgen   kam der kühne Mann
Geritten ohne Sorgen   vor einem grünen Tann
Auf eine breite Heide,   der Degen ausersehn:
Da sah er vor den Augen   eine schöne Veste stehn.

Mit dreißig festen Türmen   die Burg umschlossen war,
Die Mauerzinnen glänzten   wie der Tag so klar.
Da sah er an der Zinne   fünfhundert Häupter stehn
Und blickt' empor zum Himmel,   der werte Fürst ausersehn.

Er sprach: "Dies mag die Burg sein,   von der ich vernahm.
Nun berate Gott in Griechenland   meine treuen elf Mann!"
Da stieg er von dem Rosse   hernieder auf das Land,
Gar jämmerlich zu klagen   begann der kühne Weigand:

"Wie haben mich vertrieben   die lieben Brüder mein!
Nun wollt ich, dass in Griechenland   die Burg sollte sein,
Und darauf in Freuden   meine treuen elf Mann:
Darüber sollte nimmer   meinem Herzen Sorge nahn."

Sein Ross war geschwinde,   dem gürtet' er aufs neu
Und schwang sich in den Sattel   vermessen, sonder Scheu.
Zum Burggraben sprengte   der Degen lobesam.
Der Heide mit der Tochter   trat an ein Fenster heran.

Da zuerst die Jungfrau   den Helden reiten sah,
Das mögt ihr gerne hören,   wie sie sprach zum Vater da.
Sie sprach: "Lieber Vater,   das sei dir kund getan:
Draußen vor dem Walde   reitet ein Christenmann.

"Ich seh ihn so gebahren,"   sprach die Köngin gut,
"Er führt in seinem Herzen   eines kühnen Helden Mut.
Nun reitet ihm entgegen   mit einer schönen Schar,
Ihn höfisch zu empfangen:   Das rat ich euch fürwahr."

Er sprach: "Ich tu es gerne,   liebe Tochter mein:
Ich will mit ihm teilen   mein Brot und meinen Wein."
Da ritt er ihm entgegen   mit hundert Rossen wohl,
Und empfing den Fürsten   wie man edle Gäste soll.

Er sprach: "Du werter Christe,   willkommen sollst du sein,
Ich will mit dir teilen   mein Brot und meinen Wein
Meinem Gott zu Liebe,"   sprach der Heidenmann,
"Der Mahmet ist geheißen;   den rieft ihr billig an."

Da sprach zu ihm Wolfdietrich   ohn alle arge List:
"Ich weiß nicht, Herr Heide,   wer euer Mahmet ist;
Deinen Wein will ich trinken   und essen dein Brot
Zu meines Gottes Ehre,   der am Kreuz erlitt den Tod."

Da nahm die schöne Jungfrau   den Helden bei der Hand
Und hieß ihn bei sich sitzen   an einer Tafel Rand.
Sie hieß einen Kämmerer   einen Sessel tragen dar:
Da saß sie ihm genüber   und nahm sein fleißig wahr.

Das tat darum alleine   die edle Jungfrau hehr,
Von Christen und von Heiden   gefiel kein Mann ihr mehr.
Da saß und gedachte   bei sich Wolfdieterich:
"Ich sah von Christenfrauen    keine noch so minniglich."

Da sprach die schöne Jungfrau:   "Lieber Vater mein,
Lasst den werten Christen   meinen Tischgenossen sein."
Er gewährt' ihr gerne   wes sie ihn freundlich bat.
Da brachte man der Speise   den beiden vollen Rat.

Man pflag ihrer gütlich   mit Wild und auch mit Zahm.
"Esst wacker nun, mein Vater   wird euch darum nicht gram."
Er sprach: "Mit Trank und Speise   nehme sich ein Ziel,
Wer Kurzweil will haben   mit Fraun und Federspiel."

"Bei aller Frauen Ehre   sag mir den Namen dein:
Das bringt in kurzen Stunden   den Dank von uns dir ein."
Er sprach: "Ich tu es gerne,   edle Königin:
Ich bin von alten Trojen   der König Pilgerin."

"Meine Sorge hat ein Ende,"   sprach die Jungfrau gut.
"Ich wähnt', ihr wärt von Griechenland   ein König hochgemut,
Wolfdieterich geheißen:   Der ist ein junger Mann,
Der allein mit Messerwerfen   den Vater mir besiegen kann."

Ihr gab mit Züchten Antwort   der Held Wolfdieterich:
"Ihr sollt mein nicht spotten,   Jungfrau minniglich;
Des sollt ihr mich erlassen,"   sprach der kühne Mann,
"Bitt ich euch aus der Maßen:   Ich hab euch nichts zu Leid getan."

Da sprach wohl gezogen   die Jungfrau wohlgetan:
"Eur hab ich nicht gespottet,   tugendhafter Mann.
Das sollt ihr mir glauben,   Ritter unverzagt,
Sicherlich, ich hab euch   die ganze Wahrheit gesagt."

Bei der Hand nahm sie den Helden   und führt' ihn in den Saal,
Der war von Marmelsteinen   und glänzend überall.
Darin stand eine Linde   von lauterm Golde gar,
Die von dem grimmen Heiden   dahin gezaubert war.

Zweiundsiebzig Äste   nahm er an ihr wahr;
Die Vögel, die da saßen,   die waren golden gar,
Gebildet so mit Listen,   sie waren innen hohl:
Wenn sie der Wind durchwehte,   ihre Stimmen sangen wohl.

Als nach dem Mahl die Tische   wurden hingetragen:
Da sprach der stolze Heide:   "Ich muss euch wider sagen,
Ich will euch Frieden bannen   von den Herrn in meinem Lehn.
Ihr sollt Messer mit mir werfen:   Das wird euch an das Leben gehn."

Da sprach die schöne Jungfrau:   "Nein, lieber Vater mein,
Willst du nicht an mir brechen   die große Treue dein.
Eh ihm ein Leid geschähe,   wollt ich die Tauf empfahn,
Und wollte seinem Gotte   werden untertan."

Da sprach der Heide wieder:   "Liebe Tochter mein,
So soll der werte Christe   in Frieden bei mir sein.
Hörst dus, werter Christe,"   sprach der Heidenmann,
"Du sollst Glück und Segen   bei meiner Tochter empfahn.

Die Burg mit Land und Leuten   mach ich dir untertan,
Und gebe dir die Tochter,   die ist so wonnesam.
Sie ist auch sonder Zweifel   die allerschönste Maid,
Die du noch sahst mit Augen;   ihre Huld ist dir bereit."

Da sprach zu dem Heiden    der Degen ausersehn:
"Herr Wirt, was Gastrecht heißet,   das lasst an mir ergehn."
Da sprach zu ihm der Heide:   "Es gebreche nichts daran."
"Wohlan, so tu ichs gerne,"   sprach der auserwählte Mann.

In eine Kammer wies man sie,   die war wundersam.
Der Heid ein Zaubertrinken   in seine Hände nahm.
Da sprach er zu dem Gaste:   "Nimm, werter Christe, hier,
Nimm dies Schlaftrinken   zu deinem Bette mit dir."

Da sprach zu dem Heiden   die Jungfrau ausersehn:
"Vater, deine Untreu   mag heute nicht ergehn."
Sie riss ihm geschwinde   das Trinken aus der Hand:
Hinter das Bette   warf sie es an die Wand.

Da sprach der stolze Heide:   "Liebe Tochter mein,
Du sollst heunte fröhlich   bei diesem Manne sein.
Und sage mir die Märe,   wenn es beginnt zu tagen,
Ob dich der werte Christe   zur Liebsten wolle haben."

Da zog sie von dem Leibe   all ihr Gewand
Und legt' es vor dem Bette   nieder allzuhand.
Sie hatt auf dem Haupte   ein Gebäude, das war reich,
Damit sich immer zierte   die schöne Magd ohne Gleich.

Sie saß zu ihm aufs Bette   und sprach: "Du werter Degen,
Nun hab ich dir behalten   die Ehr und auch das Leben.
Und hättest du getrunken,   du tugendreicher Held,
So hätte dich mein Vater   mit Messerwerfen gefällt.

Meine Sorge hat ein Ende,"   sprach sie und freute sich,
"Heunt liegt in meinen Armen   ein Ritter tugendlich,
Einer der schönsten,   die je ein Weib gewann."
Da begann sie erst und blickte   Wolfdietrichen lieblich an.

"Schauet, werter Ritter,   ob ein Mangel an mir sei,
Tugend und Ehre   wohnen mir noch bei.
Nun nimm, werter Ritter,   und herze meinen Leib,
Wenn je dir lieb geworden   ist ein schönes Weib."

Da stand vor ihm aus Bette   die Köngin hochgemut,
Ihre schönen Brüstlein legte   sie auf den Fürsten gut;
Weiß waren ihre Hände,   verdeckt war ihre Scham,
Sie sprach: "Werter Ritter,   sieh die Zier der Frauen an.

Lass dir wohl gefallen    meinen schönen Leib,
Wenn je dir lieb geworden   ist ein wertes Weib.
Und willst du mich nicht minnen,   das sollst du mir sagen,
So will ich allen werten   Frauen über dich klagen."

Er sprach: "Ich tät es gerne;   wie steht der Glaube dein?
Willst du an Jesum glauben,   den lieben Herren mein,
Und auch an unsre Fraue,"   sprach der kühne Mann,
"Meinen Leib und meine Seele   mach ich dir untertan."

"Wüst ich, wer dein Gott wäre,"   sprach die schöne Magd,
"Oder wär mir Kunde   von deinem Gott gesagt,
So ließ' ich mich taufen,"   sprach die Königin.
Da sprach zu ihr Wolfdietrich:   "So sag ich dir von ihm.

Sieh, einer reinen Jungfrau   Schoß hat ihn getragen;
Die ist genannt Maria,   das will ich dir sagen,
Und war eine Jüdin,   das sag ich dir fürwahr;
Ihr verkündet' es ein Engel,   eh sie zum Heil ihn uns gebar."

Sie sprach: "An die du glaubest,   ist eine Unholdin,
Sie hat den Trug gebreitet   über die Erde hin.
Sie will dich betrügen,   du tugendreicher Mann:
Steh ab von deinem Glauben   und rufe Machmeten an."

"Ich will an den glauben,   der mich erschaffen hat,
Er ist geheißen Jesus;   es geschah nach seinem Rat.
Auf seine Gnade bau ich,   dass er mich nicht verlässt:
Ich bin sein Handgebilde,   darum vertrau ich ihm fest."

Noch sprach er: "Du Unselge,   warum schiltst du die,
Die Sünde begangen   hat all ihr Leben nie?
Sie ist eine heilige   gnadenreiche Maid,
Sie kann jeden Sünder   wohl trösten in seinem Leib."

Nun sah erst Wolfdietrich,   wie hold sie war und schön,
In ihren Sorgen sah er sie    gar leiblich vor sich stehn.
Ihre klaren Wänglein   leuchteten ihn an
Wie die lichte Rose,   die sich erst hat aufgetan.

"Nun lass von deinem Glauben,   und bekenne meinen Gott;
Dein Gott ist ein Gütel,   das glaube sonder Spott.
Er kann mit allen Sinnen   nicht wandeln Brot und Wein;
Dein Gott gegen meinen   mag nur ein Trugbild sein."

Sie sprach: "Wes du mich nötigst,   das lass ich nicht ergehn,
Mir ist von meinem Gotte   so viel zulieb geschehn.
Dein Gott ist unsichtbar,   und ist ein trüglich Spiel;
Mein Gott ist so beschaffen,   ich mag ihn sehn, wann ich will."

Zuletzt überredete   sie den getreuen Degen,
Dass er sich musste   zu ihr ins Bette legen.
Er nahm sein Schwert, das bloße;   und legt' es zwischen sie:
Er sprach: "Wer sich rühret,   der verwundet sich hie."

Sie nahm es beim Gehilze   und warf es fern hindann.
Sie sprach: "Nun lebet freundlich   mit mir, lieber Mann."
Sie griff ihm behende   nach seiner weißen Hand,
Und legte sie dem Helden,   wo sie ihre Brüstlein fand.

Ihr weißes Bein erhob sie   und legt' es über ihn.
Er sprach: "Nun lasst das Scherzen,   edle Königin.
Eh ich euch minnte,   auf die Treue mein,
Eh wollt ich ohne Frauen   bis an mein Ende sein."

Ü   Þ

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