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            VII. Hugdietrich

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Siebtes Abenteuer

Wie Kaiser Ortnit von dem Wurm das Leben verlor

Da sprang er bald zu Rosse,   der tugendreiche Mann,
Und kam zu einem Pfade,   der trug ihn durch den Tann.
So ritt der edle Degen   wohl eine Meile weit.
Da vernahm der edle Kaiser   wohl zu derselben Zeit

Vor sich in dem Walde   einen freislichen Sturm:
Da stritt ein wilder Helfant   mit einem grimmen Wurm.
Ein Helfentier im Schilde   führt' er, das war rot.
Dem Tier im Schild zu Liebe   er dem wilden Hilfe bot.

Er sprang von seinem Rosse,   das Schwert zur Hand er nahm,
Mit unverzagtem Mute   den Wurm lief er an.
In kurzer Weile schlug er   ihm tiefer Wunden drei.
Der Wurm floh von dannen:   Da war der Helfant frei.

"Wie nun?", sprach der Kaiser,   "willst du zu Walde gehn,
Helfant, oder treulich   mir hier zu Seite stehn?
So führ ich dich gen Garten,"   sprach der Kaiser hehr,
"Dass der Wurm, der wilde,   dir nicht schaden möge mehr."

Da neigt' es mit dem Haupte   sich vor dem werten Herrn.
Er sprach: "Ich seh wohl, Helfant,   bei mir verbliebst du gern."
Da schwang sich zu Rosse   der tugendreiche Mann:
Gen Garten wollt er führen   das Helfentier aus dem Tann.

Er kam zu einer Linde,   die verzaubert war:
Da wurden nass die Augen   der schönen Sidrat gar.
Sie war mit solchen Listen   gemacht, will ich euch sagen:
Wer entschlief darunter,   der schlief zu dreien Tagen.

Er trat von seinem Rosse   nieder auf den Plan,
Als er die Erde rührte,   fiel der Schlaf ihn an.
"O weh, Schlaf, du benimmst mir   Leben und Leib,
Dazu Land und Leute   und auch mein schönes Weib."

Als der werte Kaiser   zur Erde nieder kam,
Alsbald war entschlafen   der tugendreiche Mann.
Ihm zur Seite lag sein Bracke,   dazu das Helfentier.
Da kam der wilde Lindwurm   heran mit mordlicher Gier.

Als der wilde Helfant   den Lindwurm kommen sah,
Wider ihn zu streiten   auffuhr es eilends da:
Da ward zwischen beiden   ein heißer Streit getan.
Alsbald sprang der Bracke   auf den Herren lobesam:

Er kratzt' ihn auf den Brüsten,   er wälzt' ihn hin und her:
Seinen Herrn zu wecken,   das war sein Begehr.
Der Schlaf hatt ihn begriffen,   er lag, als wär er tot;
So kam er von dem Wurme   in Angst und mordliche Not.

Er mocht ihn nicht erwecken,    das wisset sicherlich.
Da wandte von dem Wurme   auch der Helfant sich
Und stieß den Herrn: Er wurde   wohl dreimal umgekehrt.
Gern hätt er wecken wollen   den edeln Kaiser wert.

Er mocht ihn nicht erwecken:   Da wandt er sich hindann
Zornigen Mutes   von dem kühnen Mann.
In grimmigem Eifer   lief er auf den Wurm,
Dass von ihm sprühte Feuer:   Da ward ein freislicher Sturm.

Das Ross begann zu scharren,   zu wiehern nach dem Herrn.
Es stieß seinen Herren   und möcht ihn wecken gern;
Doch war er fest entschlafen   und nicht erweckt' es ihn.
Das ward zu großem Leide   bald der edeln Kaiserin.

Der Wurm war im Zorne:   Der Helfant kam zu Fall,
Und brach das Herz im Leibe:   Da entstieß er einen Schall,
Dass zu widerhallen   Berg und Tal begann.
Der Bracke riss und zerrte   wieder an dem kühnen Mann.

Als an dem Helefant   der Wurm den Sieg gewann,
Da kehrt' er nach der Linde,   wo er den Kaiser nahm:
Bis an die Schulter schlang er   den Herrn in seinen Kragen:
Er wollt ihn seinen Jungen   zu einer Speise tragen.

Des ward er nicht inne,   der Kaiser lobesam;
Erst vor der Lind erwachte   der streitkühne Mann.
Da faltet' er die Hände:   "O weh der großen Not!
Hilf mir, Gott vom Himmel,   oder ich finde hier den Tod."

Da griff er in dem Wurme   zur Seite nach dem Schwert:
Als er den Arm bewegte,   der hehre Kaiser wert,
Da lief der Wurm an einen Stein   und stieß den kühnen Degen,
Dass er zerbrechen musste:   Der edle Held war erlegen.

Er trug ihn gewaltig   über Berg und Tal,
Er legt' ihn seinen Jungen vor,   die hatten großen Schall.
Also ward der Kaiser   in den Berg getragen,
Er ward der Würme Speise,   das will ich euch sagen.

Da also ward verloren   der Kaiser tugendlich,
Das wurde bald vermeldet,   das wisset sicherlich.
Heim gen Garten kehrte   sein Ross mit dem Hund:
Da ward die üble Märe   der edeln Kaiserin kund.

Da klagte sie ihr Ungemach:   Ihr war groß Leid geschehn,
Dass sie den werten Kaiser   mit Augen je gesehn.
Um ihren Herren weinte   sie bis ins vierte Jahr;
Also tut noch manche;   jedoch nicht alle fürwahr.

Ü   Þ

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