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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Sechstes Abenteuer

Wie Kaiser Ortnit mit dem Riesen Velle kämpfte und mit seinem Weibe Rütze

Da fuhr er in Freuden   mit der schönen Frauen gut
Hin zu der alten Troje   über des Meeres Flut.
Da ward er wohl empfangen   von manchem werten Mann
Und auch von schönen Frauen,   die waren wohlgetan.

Da verblieb er bei der Frauen   wohl ein halbes Jahr,
Bis Gott über sie gebot,   das sag ich euch fürwahr.
Sie lag an ihrem Ende:   Wie schön die Frau verschied!
Da starb Frau Siegeminne,   so kündet uns das Lied.

Da nun Frau Siegeminne   erlegen war im Tod,
Darnach in kurzen Zeiten   kam Ortnit in Not.
Zwei arge Würme sandte   sein Schwäher ihm ins Land;
Auch hatt er ihm ein übel Weib   und einen Riesen gesandt.

Velle hieß der Riese,   ungefüge war sein Leib,
Und schrecklich im Zorne   Frau Rütze, sein Weib.
Die wilden Würme trugen sie   bei Garten in den Tann:
Davon verlor der Kaiser   sein Leben, der kühne Mann.

Die jungen Würme lagen   in des Waldes Schoß:
Als sie erwuchsen, wurden   sie ungefüg und groß.
Dem Volk zu großem Schaden   gingen sie aus dem Wald.
Niemand war im Lande,   der ihrer hätte Gewalt.

Da begannen sie dem Kaiser   so viel davon zu klagen,
Wie ihm die Würme   täten großen Schaden
An viel der werten Ritter   und manchem kühnen Mann:
Das wollte nicht vertragen   mehr der Kaiser lobesam.

Da ging er vor die Fraue   stehen tugendlich,
Er sprach: "Edle Kaiserin,   Urlaubs gewähret mich,
Dass ich gen Walde reite   und löse das Erbe mein:
Ich mag es nicht erleiden,   soll mein Volk verderbet sein."

Da begann heiß zu weinen   die edle Kaiserin:
"Du sollst daheim verbleiben,   so lieb als ich dir bin.
Du kennst nicht wohl die Würme,   gar freislich ist ihr Streit,
Und kennst nicht wohl den Riesen   und das ungefüge Weib."

Da sprach zu ihr in Züchten   der Kaiser lobesam:
"Wie lang ließ' ich verderben   so manchen Biedermann?
Ich bestünd auf Gottes Hilfe   wohl hundert Mann allein:
Wie ließ' ich dann die Leute   in so großen Nöten sein?"

Sie sprach: "Lieber Herre,   ich hör euch drauf bestehn,
Ihr wollt es nicht entbehren,   ihr wollt die Würme sehn;
So muss ichs euch vergönnen   und muss euch Urlaub geben:
Nun frist euch Gott vom Himmel   euer junges wertes Leben!"

Seinen guten Harnisch   ließ er da vor sich tragen;
Da wappnet' ihn die Kaiserin,   das will ich euch sagen.
Ihn halste lang und küsste   die Kaiserin hehr.
Sie sprach: "Mir sagt mein Herze,   ich erseh dich nimmermehr."

Sein Ross ließ aus dem Stalle   der werte Kaiser ziehn,
Den Schild mit goldnen Spangen   trug man ihm dahin;
Man reichte dem Fürsten   ein Horn von Golde rot,
Und einen guten Leithund   man ihm am Seile bot.

Er saß zu Ross und wandte   sich zu der Frauen hin:
"Ich fahr mit deinen Hulden,   viel edle Kaiserin.
Geschiehts, dass mich die Würme   bezwingen in dem Tann,
So sollst du dir zum Herren   nehmen einen Biedermann,

Der nach mir die Würme   Mut hat zu bestehn."
Da begann heiß zu weinen   die Herrin ausersehn.
"Ich weiß aber keinen   so kühn und ritterlich,
Es sei denn mein Geselle,   der treue Wolfdieterich;

Der trägt in seinem Herzen   eines wilden Löwen Mut:
Und kommt er her zu Lande,   edle Herrin gut,
Wenn ich verderben musste,   so nimm du ihn zum Mann,
Der die freislichen Würme   wohl im Streit bestehen kann."

Da küsst' er die Kaiserin   und wandte sich hindann.
Zu einem Steige kam er,   der trug ihn in den Tann
Unter eine grüne Linde.   Vom Rosse sprang er bald:
Da war zu allen Zeiten   des grimmen Riesen Aufenthalt.

Sein Horn von rotem Golde   blies der Kaiser gut.
Das vernahm der Riese Velle,   gar zornig war sein Mut.
Mit einer Stahlstange   hub er sich durch den Tann:
Da traf er Kaiser Ortnit   unter den Linden an.

Da sprach der Ungefüge:   "Du armer kleiner Wicht,
Wie durftest du mich wecken?   Fürwahr, das frommt dir nicht.
Du schlugst zu Montabauer   den lieben Oheim mein:
Nun hab ich dich gefunden,   es muss dein Ende sein."

Da sprach der Kaiser Ortnit,   der kühne Degen hehr:
"Du Ungeheur, was brachte   dich in den Wald hieher?
Ich will in meinem Reiche   vor dir wohl Frieden haben,
Und will hier zur Stunde   dir gar mannlich wider sagen."

Da schuf dem starken Riesen   die Rede großen Zorn;
Der reiche Kaiser hätte   das Leben schier verlorn.
Gar hoch erhub die Stande   der ungefüge Mann
Und schlug der Linden Äste   vor ihm nieder auf den Plan.

Wie bald der Kaiser Ortnit   von der Linde sprang!
Mit seinem Schwerte Rose    er auf den Riesen drang
Und schlug ihm ab die Stange,   als ob sie bleiern wär.
Des freut' in seinem Herzen   sich Ortnit der Kaiser hehr.

Wie blad der Riese Velle   hinter sich sprang!
ein Schwert zuckt' er jählings,   das war zwölf Ellen lang.
Er schlug den Kaiser nieder,   der ungefüge Mann:
Dem Landesherren hätt er   da gern den Tod getan.

Laut begann zu rufen   der ungefüge Mann.
Alsbald vernahms Frau Rütze,   die da lief im Tann.
Eine Eisenstange nahm sie  und lief alsbald heran:
Da kam das ungefüge Weib   zu ihrem großen Mann.

Da begann sie laut zu rufen:   "Was ist dir geschehn?
Hat dir jemand Leid getan?   Das sollst du mir gestehn."
Er sprach: "Den Kaiser hab ich   hier zu Tod geschlagen:
Nun will ich Kaiser werden:   Du sollst die Krone tragen."

Da gedacht in seinem Mute   Ortnit, der werte Mann:
"Wenn ich mich irgend rühre,   so ists um mich getan.
So will ich stille liegen,"   dacht er in seinem Sinn,
"Bis Eines von den Zweien   aus dem Walde ging dahin."

Ein Bracke lief im Walde,  der hub zu belfen an;
Als das vernahm Frau Rütze,   sie lief alsbald hindann.
Sie wähnt', es wär ein Jäger,   der wollte sie bestehn:
Da eilte sie der Stimme   durch die Wilde nachzugehn.

Wie bald Kaiser Ortnit   empor vom Boden sprang!
Dass sein Schwert Rose   ihm in der Hand erklang.
Da sprang von den Linden   der unverzagte Mann,
Und lief zum andern Male   den großen Riesen an.

Da sprach der Ungefüge:   "Bist du noch genesen?
Nun wollt ich doch wähnen,   es wär dein Tod gewesen.
Doch kann dir deine Mannheit   nicht verfahen wider mich:
Noch heut mit meinen Händen   zu Tod erschlag ich dich."

Das Schwert mit beiden Händen   der starke Riese trug.
Wie so gar ingrimmig   er nach dem Kaiser schlug!
Dass ihm entweichen musste   der unverzagte Mann;
Er schlug die Lindenäste   vor ihm nieder auf den Plan.

Wie bald der reiche Kaiser   von der Linde sprang!
Mit seinem guten Schwerte   er auf den Riesen drang.
Er schlug ihm nach dem Niederkleid   einen schnellen Schlag,
Dass ihm der Untergürtel   alsbald vor den Füßen lag.

Da trat der Riese Velle   nach dem edeln Herrn:
Er hätt ihn getroffen   mit dem Fuße gern.
Der Kaiser war behende   und schlug das Bein ihm ab
Als wärs ein Schwamm gewesen:   Seine Mannheit ihm das gab.

Da hinkte zu der Linde   der ungefüge Mann,
Und griff mit beiden Händen   nach des Baumes Stamm.
Der Kaiser sprach: "Das reut mich,   verschnitt ich dich mehr;
Ist dir ein Bein gewachsen   aufs neu, das schmerzt mich sehr.

Doch versuch ich es noch einmal,"   sprach der kühne Mann.
Mit zornigem Mute   lief er den Reisen an.
Er schlug ihm ab das andre Bein   mit seiner edeln Hand,
Dass er nicht mehr mochte stehn:   Da fiel er hin auf das Land

Und entstieß einen lauten   ungefügen Schall,
Dass Wald und Gebirge   gab starken Widerhall.
Da das Frau Rütze hörte,   und dass es wär ihr Mann,
Sie vergaß der Eisenstange:   Einen jungen Baum sie nahm,

Den riss sie aus der Erde,   das will ich euch sagen;
Vor seiner Schwere hätt ihn   ein Wagen nicht getragen.
Den Wipfel und die Äste   ließ sie hängen dran;
Sie schwang ihn auf die Achsel   und hub sich eilends hindann.

Ob ihrem Manne stehend   traf sie den Kaiser an:
Da verfehlte sie des Kaisers   und traf ihren Mann,
Dass von dem Schlag zu tosen   begann der Wald umher:
Sie hätt ihn gern erschlagen,   den edeln Kaiser hehr.

Da sprach in seinen Züchten   der Degen kühn im Streit:
"Wer gab dir solche Kräfte,   du ungefüges Weib!
Milder Gott vom Himmel,   ich steh in großer Not:
Ohne deine heilge Güte   erlieg ich hier im Tod."

Als sie den Mann getroffen   sah von ihrem Schlag,
Da erschrak sie, dass sie hinter sich   auf dem Boden lag.
Wie bald Kaiser Ortnit   ihr da näher trat:
Sein Schwert in den Händen   war er der Riesin genaht.

Er schlug das Haupt ihr nieder,   der unverzagte Mann.
Da hub sie mit den Beinen   um sich zu schlagen an.
Sie traf ihn mit dem Fuße   und stieß ihn, dass der Held
Nieder auf den Boden   von ihrer Kraft ward gefällt.

Wie bald Kaiser Ortnit   wieder vom Boden sprang!
Dass ihm sein Schwert, das gute,   in der Hand erklang.
Er sprach: "Wärst du am Leben,    meine Sorge würde groß.
So arg ward nie ein Teufel,   du wärest wohl sein Genoss."

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