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      Karl Simrock
         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            II. Alphart
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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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               Wolfdietrich
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Fünftes Abenteuer

Wie der alte Drasian bezwungen ward und Frau Siegeminne befreit

Er ging Holz und Heide   sieben Tage gar
Ohne Trank und Speise,   das sag ich euch fürwahr,
Als der Wurzeln und des Laubes,   die er im Walde fand;
Dazu des grünen Krautes   sucht' er sich allerhand.

Da fiel den kühnen Degen   zuletzt Ermüdung an;
Er kam zu einem Steine,   da ruhte sich der Mann.
Es war ein schöner Marmel,   weiß und wonnesam;
Unter dem Marmelsteine   ein kühler Brunnen rann.

An seiner Quelle wuchsen   edler Wurzeln viel;
Der Geruch der Kräuter   war seines Herzens Spiel.
Hoch und breit zu schauen   war derselbe Stein;
Da legte Siegeminne   dort sich in ein Fensterlein:

Das ging aus der Veste,   wo sie gefangen war.
Recht zu seinem Heile   fügt' es sich fürwahr,
Dass sie aus dem Fenster   schaute zu der Zeit,
Eh er schied von dannen,   der Degen kühn im Streit.

Sie schaute nach dem Walde   und sah den Brunnen an:
Da lag auf dem Steine   der wallende Mann.
Da kam zu ihr gegangen   der alte Drasian.
Sie sprach: "Lieber Herre,   wollt ihr meine Huld empfahn,

So bringt mir den Waller   dort auf dem Steine breit:
So will ich bei euch liegen."   Er sprach: "Das wär wohl Zeit."
Da ging aus der Veste   der alte Drasian,
Da fand er Wolfdietrich,   und weckte den kühnen Mann.

Er sprach: "Willst du gemächlich   in meiner Herberg sein,
Ich will dich gut bewirten,   so magst du wohl gedeihn."
Da sprach zu ihm Wolfdietrich:   "Das tut mir Not fürwahr:
Ich wills um dich verdienen,   der Hunger zwingt mich gar.

Nun ist mancher Tag vergangen,   dass ich keinen Wirt gewann."
"So geh mit mir von hinnen,"   sprach da Drasian.
Mit sich auf die Veste   führt' er ihn tugendlich,
Und setzt' ihn an ein Feuer,   das brannte lustiglich.

Mit gutem Gemache   saß nun Wolfdietrich da;
Wie bald der edle Degen   in der Veste um sich sah
Und alles wohl beschaute;   da sah der kühne Mann
Einen schönen Umhang,   davon er Freuden gewann.

Der war ihm mit der Frauen   aus dem Zelt genommen.
Er gedacht: "Ich bin zum Heile   in diese Burg gekommen."
Wie bald von dem Feuer   sprang Wolfdieterich!
So gern den schönen Umhang betrachtet hätt er sich.

Da sprach der alte Heide:   "Dir sollte lieber sein,
In Gemach zu sitzen   bei des Feuers Schein
Als hier umher zu schauen."   Da sprach der kühne Mann:
"Man schaut manch Ding aus Neugier:   So hab auch ich getan."

Er sprach: "Seltsamer Märe   hab ich viel vernommen,
Die kürzlich in den Landen   erst sind ausgekommen."
Da sprach der alte Heide:   "Was solls für Märe sein?
Magst du vor Untreuen   nicht schweigen bei des Feuers Schein?"

Gar balde sprach Wolfdietrich:   "Es ist um uns getan,
Da der Kaiser Ortnit    bezwingt so manchen Mann."
Solcher Märe sagt' er   viel in kurzer Zeit.
Da saß wohl gezogen   in ganzer Würdigkeit

Da sprach der alte Drasian:   "Wir wollen schlafen gehn."
So sprach er in Freuden;   ihm war groß Heil geschehn.
Die Zwerge nahmen Urlaub;   er griff sie bei der Hand.
Wie blad da Wolfdietrich   der rauen Kutte sich entwand!

Sein Schwert aus den Palmen   brach der kühne Mann:
"Zu lang ist hier gewesen   die Fraue wohlgetan,
Sie muss mit mir von hinnen:   Ihr ungetreuer Mann,
Ihr stahlt sie mir schändlich,   da ihr sie führtet hindann."

Da sprach der alte Heide:   "Nimmst du dich ihrer an,
Wollt ich darum verzagen,   das wär nicht wohl getan.
Wir wollen um sie streiten,   und wer den Sieg behält,
Dem sei die schöne Fraue   und was ich nahm aus dem Zelt."

Dieser Rede wurde Wolfdietrich freudenreich.
Drei gute Brünnen brachte   man dem Wirt sogleich:
Die hieß er vor Wolfdietrich   tragen auf den Saal.
Der Wirt sprach: "Nimm dir eine,   ich lasse dir die Wahl."

Die eine alt und rostig   und weiter Ringe gar;
Die beiden andern sah man   licht und silberklar.
die balde sprang Wolfdietrich   zu der alten hin.
Der Heide sprach im Leide:   "Wer gab dir das in den Sinn?"

Da eile sich zu waffnen   der alte Drasian;
Wolfdietrichen waffnete   die Fraue wohlgetan.
Sie strickt' ihm die Riemen,   die Herrin minniglich:
Des freute sich im Herzen   der treue Wolfdieterich.

Da sprangen sie zusammen,   die Helden ausersehn:
Da sah man große Wunder   von ihrer Hand geschehn.
Je einer schlug den andern   wohl dreimal auf das Land;
Zum vierten fiel Wolfdietrich,   dieser Degen auserkannt.

"Gott, willst du mich verlassen!",   die Königin begann.
Da rief er unsern Herren   in seinem Herzen an.
Er sprach: "Gott im Himmel,   nun stehe du mir bei,
Und gib mir auch in Griechenland   meine elf Dienstmannen frei."

Der wilden Zwerge waren   viel auf den Saal gekommen;
Sie hätten Wolfdietrichen   das Leben gern genommen:
sie warfen und schossen   auf den liegenden Mann;
Doch half ihm Gott vom Himmel,   dass er den Sieg noch gewann.

Wie balde Wolfdietrich   da vom Boden sprang!
Sein gutes Schwert ihm wieder   an der Hand erklang.
Er sprach: "Nun wehrt euch, Drasian!   Es geht euch an den Leib:
Wie durftet ihr es wagen,   dass ihr mir stahlet mein Weib?"

Sein Schwert zu beiden Händen   der Held Wolfdietrich nahm
Mit unverzagtem Mute   lief er den Alten an.
Er spaltet' ihm die Achsel   bis auf den Gürtel hin:
Da fiel er zur Erden,   der Tod war sein Gewinn.

Da der Hausherr also   erlegen war im Tod,
Von dannen flohn die Zwerge,   sie zwang dazu die Not,
Und bargen in den Winkeln   sich vor dem kühnen Mann.
Wolfdietrich und die Königin   huben bald sich hindann.

Sie sprach: "Die Zwerge haben   mir viel zu Leid getan."
"Des sollen sie entgelten,"   sprach der kühne Mann.
Alsbald nahm Wolfdietrich   einen Feuerbrand:
Da ward in kurzer Weile   die Burg mit ihnen verbrannt.

Wolfdietrich und die Königin   fuhren bald hindann,
Auf einem schmalen Steige   gingen sie durch den Tann.
Sie kehrten in fünf Tagen   zu dem Waldner in den Tann,
von dem in sieben Tagen   gegangen war der kühne Mann.

"Nun sage, mein Geselle   wohin ist er gekommen?"
Da wies er ihm die Straße,   die der Held genommen.
Da folgt' ihm mit der Frauen   der kühne Weigand:
Darnach in kurzen Zeiten   er Kaiser Ortniten fand.

Nun mögt ihr gerne hören,   wie sprach der Kaiser da,
Als er Wolfdietrichen   nur von ferne sah:
"Trauter Gesell, willkommen;   gern hab ich dich ersehn:
Mir möcht auf dieser Erden   nicht Lieberes sein geschehn!"

"Nun lohn dir Gott, der milde,"   sprach der kühne Mann.
"Wie bist du schwarz geworden?   Was hast du getan?
Wenn du mich gesucht hast,   so ist mir Leid geschehn;
Du konntest mich nicht finden,   weder hören noch sehn."

Da sprach Kaiser Ortnit   zu ihm gezogenlich:
"Wolfdieterich, Geselle,   das wisse sicherlich,
Eh ich die Eide bräche,    die ich dir geschworen,
Hätt ich tausend Leben,   die gäb ich eher verloren.

Ich fand vor einem Berge   einen großen Riesen stehn,
Den musst ich ohne Maßen   lang im Streit bestehn.
Mit einer Eisenstangen   lief er mich oftmals an;
Doch half mir Gott vom Himmel,   dass ich den Sieg noch gewann.

Das geschah vor einem Berge,   der war innen hohl;
Der wilden Leut und Zwerge   stak er übervoll.
Da zündeten sie Schwefel,   Pech dazu und Harz:
Von dem übeln Dampfe   bin ich geworden so schwarz.

Sie nannten ihren Herren   den Heiden Drasian,
Dem dieser Berg gehörte:   Das ward mir kund getan."
Da wandte sich gen Garten   die Gesellen ausersehn:
Da fanden sie Frau Sidrat   an einer Zinne stehn.

Die Hatte die erwartet   viel leide Tage lang,
Mit fröhlichem Herzen   sie den Herrn entgegen sprang.
Entgegen lief sie ihnen   mit ihrer Jungfrau Schar:
Sie kam in großer Eile,   das sag ich euch fürwahr.

Entgegen kam den Herren   die Königin zuhand
Über den Hof geschwinde,   wo sie Wolfdietrich fand.
Sie empfing ihn wohl gezogen,   den unverzagten Mann.
Sie sprach: "Wo ist mein Herre,   wo habt ihr ihn hingetan?"

Er sprach: "Liebe Herrin,   kennt ihr ihn nicht mehr?
So nehmt euch dort den schwarzen,   den liebt ihr doch gar sehr,
Der ist eur Herr, der Kaiser."   Da hub Frau Sibrat an:
"Wie ist er schwarz geworden,   seit wir uns nicht mehr sahn?"

Sie gingen auf die Veste   miteinander allzumal,
Und wurden wohl empfangen   von schöner Frauen Zahl
Mit gar großen Ehren:   Willkommen hieß sie ihn
Mit Frau Siegeminnen,   die edle Kaiserin.

Da blieben sie zu Garten   wohl vierzehn Tage gar.
Er sprach: "Ich muss von hinnen,   das sag ich euch fürwahr.
Nun gib uns Urlaub, Ortnit,   lieber Geselle mein,
Ich mag von meinem Lande   nicht länger geschieden sein."

"Verhüt es Gott vom Himmel,"   sprach der Kaiser hehr:
"Ich muss dich bei mir haben,   Wolfdieterich, noch mehr.
Wolltest du so balde   schon von mir hindann,
Des überwänd ich nimmer,"   so sprach der kühne Mann.

"Ich mag nicht länger bleiben,"   sprach Wolfdieterich,
"Es steht schlimm in meinem Lande,   das wisse sicherlich.
Es steht hier drum nicht besser,   weil du bist aus gewesen:
Wie sollten denn die Meinen   ohne mich so lang genesen?

Ein Jahr schier ist vergangen,   seit ich von Hause schied,
Seitdem bin ich gewandert,   wie mir der Sinn es riet,
Bis ich gefundne habe   die liebe Herrin mein:
Nun muss ich heim zu Lande:   Das lass mit Hulden sein."

Er schied von dem Gesellen   und der edeln Kaiserin
Und wandte mit der Frauen   sich nach dem Meere hin.
Er hätt ihn gerne länger   behalten sicherlich:
Wenn er den Freund erschaute,   so freute der Kaiser sich.

Ü   Þ

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