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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Drittes Abenteuer

Wie Wolfdietrich Kaiser Ortnit zum Gesellen gewann

Darnach hielt er Hochzeit   mit der Frauen wohlgetan;
Jedoch gedacht er immer   der elf getreuen Mann.
Eines Nachts da kam es   ihm in Sinn und Mut,
Wie er mit Kaiser Ortnit   sollt streiten, dem Degen gut.

Da sprach zu ihr Wolfdietrich:   "Liebe Fraue mein,
Nun helft mir zu den Wünschen,   so lieb ich euch mag sein,
Dass ich mit Ortnit streiten   mag, dem kühnen Mann.
Ach reicher Gott vom Himmel,   dass ich ihn nicht bezwingen kann!"

Sie sprach: "Lieber Herre,   was tat er euch zu Leid,
Dass ihr ihn so gerne   bestehen wollt im Streit?"
Er sprach: "Liebe Herrin,   ich sag euch fürwahr,
Er wollt uns Zins entzwingen,   da ich ein Kindlein noch war.

Seiner Grafen zwölfe sandt er   in meines Vaters Land:
Sein Reich sollt er ihm zinsen,   das tat man mir bekannt.
Da ließ ich ihm entbieten,   wär ich zum Mann gediehn,
So käm ich gen Garten:   Da bestehen wollt ich ihn.

Nun bin ich erwachsen   und ward zu einem Mann,
So will ich ihn zu Garten   bestehen, wenn ich kann.
Sein Geselle will ich werden,   wenn mir erliegt der Held.
Dazu sllt ihr mir raten,   schöne Frau, wenn euch gefällt."

"Wollt ihr denn, ich steure   euch gerne zu der Not,
Dass ihr vor Kaiser Ortnit   nicht gewinnt den Tod."
Da ließ sie ihn bereiten   ein Schiff gar wundersam
Mit Greifengefieder,   des sah man viel daran.

Auch ließ sie dem Herren   tragen in den Kiel
St. Georgen Hemde,   das hatte Kräfte viel:
St. Pankrazienheiltum   darin versiegelt lag.
Das half ihm in Streite,   es frommt' ihm manchen Tag.

Da spannt' er auf die Segel,   der kühne Degen gut:
Sie fuhren mit Freuden   über Luft und Flut.
Da er nun kam zu Lande,   gen Garten wandt er sich,
Unter einer Linde   vom Rosse sprang Wolfdieterich.

Um dieselbe Linde   war es so bestellt,
Zur Kurzweil darunter   legte sich kein Held,
Er wäre denn zum Streite   gekommen in das Land.
So war Wolfdietrich heute,   dieser kühne Weigand.

Oben auf der Linde   sangen Vögelein:
Wie möchte seine Freude   darunter größer sein?
Als er die Stimmen hörte,   den freudenreichen Scahll,
Er freute sich der Wonne:   So lieblich sang die Nachtigall

Da sang ein jeder Vogel   in eigner Stimme klar,
Dass davon Wolfdieterich   von Herzen fröhlich war;
Von dem süßen Schalle   entschlief der kühne Mann.
Da kam auf eine Zinne   der Kaiser Ortnit heran.

Da stand nicht alleine   der werte Kaiser gut,
Frau Sidrat ihm zur Seite,   die gab ihm hohen Mut.
Sie sprach zu ihm: "Nun schaue   die Linde, kühner Degen;
Nie sah ich noch da liegen   einen Helden so verwegen."

Er sprach: "Liebe Herrin,   es geht ihm an den Leib
Gar bald von meinen Händen,   das wisse, schönes Weib.
Als wär das Land sein eigen,   so schallt der Held und tut:
Nah ei seinem Herzen   wohnt wohl großer Übermut."

Da sprach zu ihm Frau Sidrat:   "Nein, lieber Herre mein,
Er mag wohl ermüdet   und weit gefahren sein.
Gönnt ihm seine Ruhe,   er ist ein kühner Degen:
Ein Verzagter dürfte nimmer    sich unter die Linde legen."

Er sprach: "Liebe Herrin,   ich glaub, ihr seid ihm hold.
Ihm frommt doch nicht sein Silber   noch sein rotes Gold,
Das durch die Brünn ihm scheinet   und durch des Helmes Hut.
Er muss mit mir streiten,   wär er noch so hochgemut."

Sie sprach: "Lieber Herre,   wie wär ich ihm hold?
Ich ersah ihn nie mit Augen,   wie ich wohl schwören wollt.
Doch rat ich euch in Treuen,   ihr sollt ihn nicht bestehn."
Da sprach der Kaiser Ortnit:   "Dem mag er nimmer entgehn."

Er sprach: "Kampf soll er finden,   in Treun, von meiner Hand.
Er fährt mit solchem Schalle   als gehört' ihm all das Land,
Das ich bisher behalten   vor manchem werten Mann,
Er soll mein Reich mir lassen,   so ichs befrieden kann."

Da sprachen zu ihm alle   die Herren in seinem Lehn:
"Sollen wir mit euch, Herre,   zu der Linde gehn?"
"Nein," sprach der Kaiser,   "ich lass euch all daheim,
Ich will ihn bestehen   mir zu hohem Preis allein."

Seine guten Harnischringe    hieß er zur Stelle tragen.
Ihn wappnete die Kaiserin,   das will ich euch sagen.
Einen Schaft, gar großen,   nahm er in die Hand;
Da ging er zu der Linde,   wo er Wolfdietrichen fand.

Auf die Brust stieß ihn   der Kaiser hochgemut:
Auf sprang Wolfdietrich,   zornig war sein Mut.
"Ihr wecktet mich nicht  also,   wärt ihr tugendreich;
Ihr heischt mich ungefüge:   Das ist höfscher Zucht nicht gleich."

"Ihr seid Streits unerlassen,   Streit beut euch meine Hand.
Ihr fahrt mit solchem Schalle   als gehört' euch all das Land:
Bisher hab ichs behalten   vor manchem werten Mann,
Ihr sollt mein Reich mir lassen,   wenn ichs befrieden kann." -

"So stricket mir die Riemen,   seid ihr ein Biedermann,
Ich weiß euch wohl der Kühnheit,   die mich bestehen kann.
Von eurer Kraft und Mannheit   hab ich so viel vernommen,
Dass ich mit euch zu streiten   her zu Lande bin gekommen."

"Ihr seid des unerlassen,   Degen hochgemut."
Er band Wolfdieterichen   zu Haupt des Helmes Hut
Und strickt' ihm die Riemen   mit der eignen Hand.
Ihnen kam da nachgeschlichen   die Kaiserin zuhand.

Wer hier den andern zwänge,   das wüsste sie gern;
Da griffen sie zum Streite,   die beiden edeln Herrn.
Noch wurden sie nicht inne   der Frauen, zu der Zeit,
Als sie die Schilde fassten,   die Helden kühn im Streit.

Sie standen voreinander,   einer sah den andern an;
Nun mögt ihr gerne hören   wie der Kaiser da begann.
Er sprach: "Kühner Degen,   deinen Namen melde mir,
Dass ich dich mög erkennen;   keine Schande bringt es dir."

Dawider sprach Wolfdietrich:   "Die Zagheit ziemte schlecht,
Sollt ich so bald dir sagen   Namen und Geschlecht,
Oder wer mein Vater wäre,   und wo ich ward geborn.
Was habt ihr das zu fragen?   Damit reizt ihr mich zum Zorn."

"Mich dünkt an den Gebärden,   ihr seht so ritterlich,
Ihr seid aus Griechenlanden   der kühne Wolfdietrich.
Was ich von euch vernommen hab,   das dünkt mich gut und schön."
"So wehr dich, Kaiser Ortnit,   der Wolf will dich bestehn."

Da sprangen sie zusammen,   die Helden tugendsam.
Da wurden große Wunder   von beider Hand getan:
Je einer schlug den andern   dreimal auf das Land;
Jetzt zum vierten Male   fiel Wolfdietrich in den Sand.

Da rief er im Herzen   Gott vom Himmel an:
"Nun berate, Herr, in Griechenland   meine elf getreuen Mann,
Dazu Herzog Berchtung,   den lieben Meister mein;
Ach Gott lass meine Seele   dir befohlen sein."

Wie bald da Wolfdietrich   auf die Füße sprang
Und ihm sein Schwert, das gute   in der Hand erklang!
"Nun wehrt euch, Kaiser Ortnit:   Eh sich beschließt der Tag,
So wird euch wohl vergolten   dieser ungefüge Schlag."

Sein Schwert zu beiden Händen   Wolfdietrich nahm,
Mit unverzagtem Mute lief er den Kaiser an.
Er schlug ihm nach dem Haupte   einen so geschwinden Schlag,
Dass der Kaiser Ortnit   vor ihm am Boden da lag

Und zu derselben Stunde   nicht hörte mehr noch sah;
Er war auch stumm geworden,   kein Wörtlein sprach er da.
Das Blut ihm aus den Ohren   und aus dem Munde drang.
Wie bald da die Kaiserin   ihrem Herrn zu Hilfe sprang!

Sie sprach: "Lieber Herre,   was hab ich euch getan,
Dass ihr mir verderbtet   meinen lieben Mann?
Nun bringt mir bald des Brunnens,   so lab ich den Herren mein."
Da sprach zu ihr Wolfdietrich:   "Wo mag das Wasser sein?"

"Wendet, Herr, euch balde   von der Linde hin zu Tal,
Und fördert euch her wieder   zu uns auf das Wall,
Dass ich den Herrn erlabe;   mir zu Liebe soll es sein."
Er sprach: "Ich tue es gerne,   viel liebe Herrin mein!"

Hinging da Wolfdietrich   durch den finstern Tann;
In seinen Helm, den festen,   er des Wassers nahm.
Zur Linde kehrt' er wieder,   wo er sie beide fand.
Da labten sie mit Züchten   Ortniten gleich zur Hand.

Da nahm Wolfdieterichen   Frau Sidrat bei der Hand,
Unter die Linde führte sie   den kühnen Weigand.
Da sprach zu ihm die Kaiserin:   "Herr Wolfdieterich,
Ich bitt um eine Gabe,   der gewähren sollt ihr mich."

Er sprach: "Liebe Herrin,   ich wills euch nicht versagen,
Mag es an den Ehren   mir nicht bringen Schaden.
Mag man mir es deuten   als wär ich verzagt,
So leist ich es nimmer,   das sei euch, Frau, gesagt."

Wieder sprach die Kaiserin:   "Nein, lieber Herre mein,
Ein Verzagter mögt ihr   darum vor niemand sein.
Ein König und ein Kaiser,   zwei Helden tugendsam,
Verderbtet ihr einander,   das wär nicht wohlgetan."

Hinwieder ging die Kaiserin,   wo sie den Herren fand.
Da hatte sich wieder    der kühne Held ermannt.
Sie sprach: "Kaiser Ortnit,   lieber Herre mein,
Ich bitt um eine Gabe:   Sagt mir dazu nicht nein."

Er sprach: "Liebe Herrin,   ich wills euch nicht versagen,
Mag es an den Ehren   mir nicht bringen Schaden.
Im Übermute sucht' ich   so lang Gefahr und Streit:
Eh ich wider Ehre täte,   verlör ich Leben und Leib."

Da sprach die schöne Fraue:   "Lieber Herre mein,
Es mag an deinen Ehren   dir nicht zum Schaden sein.
Ein König und ein Kaiser,   zwei Helden tugendsam,
Verderbtet ihr einander,   das wär nicht wohlgetan."

Sie nahm den Kaiser bei der Hand,   er sollte mit ihr gehn.
Da fand sie Wolfdieterich   unter der Linde stehn.
Sie sprach: "Ihr Herren beide,   es sei euch nicht leid,
Euer jedweder   muss mir schwören einen Eid,

Dass ihr Gesellen bleibet   solang euch währt das Leben,
Und stets einander helfet:  Den Rat will ich euch geben.
So lebt nicht in dem Lande   der euch bestehen kann:
Ihr seid zwei wunderkühne   Degen hehr und wonnesam."

Da folgten den Frauen   die zween Gesellen gut:
Sie schwuren zusammen,   die Fürsten hochgemut,
Was einen beträfe,   dieweil er wär am Leben,
Der andre sollt es rächen;   den Rat hatte sie gegeben.

Da nahm Kaiser Ortnit   Wolfdietrich bei der Hand
Und führte gen Garten   den kühnen Weigand.
Da wurde schön empfangen   der edle König hehr
Von des Kaisers Hofgesind:   Sie kamen alle daher

Und gingen wohl gezogen   vor seine Tafel stehn
Und dienten zu Tische   dem Degen ausersehn.
Da saßen sie zu Tische   und hatten Freuden viel,
Pfeifen und Posaunen   und Speis und Trank ohne Ziel.

Da verblieb er zu Garten   wohl ein halbes Jahr,
dass er nicht oft gedachte   an seien Fraue klar,
Die er zur alten Troje   gelassen hinter sich;
Es verlangte Siegeminnen   nach dem Degen tugendlich.

Die blieben beieinander   die zween Gesellen gut,
Bis in die vierte Woche,   die Fürsten hochgemut.
Da sprach Wolfdietrich endlich:   "Ich will von hinnen fahren,
Ortnit, lieber Geselle,   Gott möge dich bewahren."

Da sprach wohl gezogen   Ortnit der Kaiser gut:
"Warum willst du von hinnen,    Geselle hochgemut?
Kam dir etwa Kunde   von der Frauen dein
Oder von deinem Lande,   dass du nötig wärst daheim?"

Da sprach zu ihm Wolfdietrich,   der tugendreiche Mann:
"Nein, lieber Geselle,   nicht Recht hab ich getan:
Ich breche meine Treue   der lieben Frauen mein;
Ich sollte lange wieder   in meinem Lande sein."

Urlaub nahm von dannen   der edle König gut.
Da wandt er bald sich wieder   über des Meeres Flut.
Da fand er seine Fraue   an dem Gestade stehn;
Sie war ihm nachgefahren   und verlangte sehr ihn zu sehn.

Ü   Þ

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