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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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               Wolfdietrich
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Zweites Abenteuer

Wie die raue Els im Jungbrunnen badete

Sie blieben in dem Tale   bis sie befiel die Nacht.
Da begann Wolfdietrich:   "Ihr habt genug gewacht,
Ihr Herren legt euch schlafen;   ich will der Schildwacht pflegen."
"Behüte Gott," sprach Hache,   dieser wunderkühne Degen.

Da sprach Herzog Berchtung:   "Lieber Herre mein,
Warum willst du uns dienen,   sind wir nicht alle dein?
Ich mit meinen Söhnen,   ich wache was ich kann:
Ihr sollt euch schlafen legen,   ihr seid ein müder Mann."

Antwort gab Wolfdietrich,   ein kühner Degen hehr:
"Ich fürchte nun, ich diene   euer keinem nimmermehr.
Lasst mich euch heunte dienen,   das ist der Wille mein.
Wollte Gott vom Himmel,   es sollte nur länger sein!"

Da sprach Herzog Berchtung:   "Ein rau Weib stellt euch nach:
Wie wollt ihr euch bewahren   vor ihr bis an den Tag?
Sie ist euch nachgegangen   bis in das dritte Jahr:
Sie hätt euch gern zum Manne,   das sag ich euch fürwahr."

Da gab Wolfdietrich Antwort:   "Wie kann ich mich da wahren?
Lieber komm es in der Jugend,   was mir Leids soll widerfahren,
Als dass es mir gespart sei   ins Alter hinein.
Ich muss viel Drangsal leiden,   es mag nicht anders sein."

Da legten sie sich schlafen   die elf getreuen Mann;
Zu wachen Herzog Berchtung   bis Mitternacht begann.
Da wollte nicht mehr schlafen   Wolfdieterich, dass Ruh
Sein treuer Meister fände   gegen den Morgen zu.

Da nun entschlief der Meister,   da kam dem Feuer nah
Das raue Weib gegangen,   und sah den Fürsten da.
Sie ging auf allen Vieren,   nicht anders denn ein Bär.
Er sprach: "Bist du geheuer?   Welcher Teufel trug dich her?"

Da sprach die raue Else:   "Geheuer bin ich gar.
Nun minne mich, Wolfdietrich,   du wirst der Sorgen bar.
Ich gebe dir ein Königreich,   dazu ein weites Land,
Dass es für eigen diene,   Herr, deiner fürstlichen Hand."

"So ist mir nicht zu Sinne,"   sprach Wolfdieterich,
"Dass ich dich Teufel minne,   das glaube sicherlich.
Du sollst zur Hölle fahren,   da bist du doch zu Haus.
Mich müht ohne Maßen   dein ungefüger Saus."

Vor Zorn nahm sie Zauber   und warf ihn auf den Mann,
Davon sich Wolfdietrich   nicht wohl mehr sein besann.
Wie bald sie ihm sein gutes Schwert,   dazu sein Fohlen nahm:
Bevor er kam zu Sinne   war es hinweg in dem Tann.

Als er nun kam zu Sinne,   da griff er nach dem Schwert,
Sich und die Seinen hätt er   den Zauber abgewehrt:
Als er das Schwert nicht wieder fand,   da ging der kühne Mann
Und suchte nach dem Fohlen:   Da war das auch mit hindann.

Wolfdieterich gedachte:   "Was soll ich hier bestehn?
Und erwachen die getreuen   Elf in meinem Lehn,
So will sein Schwert mir Herbrand   für das meine geben:
Er meint ich wär ein Zager;   in Schanden muss ich leben."

Da ging nach dem Weibe   Wolfdietrich in den Tann.
Da war gemacht mit Zauber   ein Weg, auf den er kam.
Er lief des Nachts zwölf Meilen,   der kühne Weigand,
bis er die raue Else   unter einem Brunnen fand.

"Willst du mich noch nicht minnen,   Wolfdieterich?"
"Du Teufelin, du üble,   wie wollt ich minnen dich?"
Nun gib mir balde wieder   mein Schwert und mein Fohlen,
Das du mir böslich   heute Nacht hast gestohlen."

Sie sprach: "Nun leg dich schlafen,   du bist ein müder Mann,
Und lass mich dir scheiteln   deine Locken wonnesam."
"Schlaf bei dir der Teufel!",   sprach der kühne Degen.
"Wie sollt ich Gemaches   bei dir rauem Weibe pflegen?"

Vor Zorn nahm sie Zauber   und warf ihn auf den Mann,
Es behing ihm an dem Herzen;   Schlaf fiel ihn an,
Dass er niedersinken   musst auf den grünen Plan.
Da verschnitt sie die Nägel   dem tugendreichen Mann.

Sie nahm ihm von der Schläfe   der Locken zwo hindann,
Zu einem Thoren machte sie   den tugendreichen Mann,
Dass er im Wald besinnungslos   umlief ein halbes Jahr:
Von der Erde nahm er Speise,   das sag ich euch fürwahr.

Da erwachte Herzog Berchtung,   der treue Mann, zuhand.
Er erschrak vor Leide,   als er den Herrn nicht fand.
"O weh, mein Herr Wolfdietrich,   wohin bist du gekommen!
Die raue Else, fürcht ich,   hat dich uns benommen."

Da sprach sein Sohn Hache:   "Lieber Vater mein,
Nun rate was das Beste   deinen Söhnen möge sein,
Da sich unser keiner   selber raten kann."
"So will ich euch raten:",   so sprach der greise Mann.

"Wir müssen uns behelfen   wie uns zwingt die Not
Bis wir hören ob am Leben   unser Herr ist oder tot.
Wohl auf denn, meine Söhne,   nun greift das Unrecht an,
Und tretet bei den Griechen   in der beiden Könige Bann.

Schwört ihnen Eide -   hier hebt sich Herzeleid.
Wie ihr die Eide haltet,   geb ich euch Bescheid:
"Wenn ihr euern Herren   seht mit Augen an,
Wollt ihr der Eide ledig sein,"   so sprach der kühne Mann.

Da nahm Stab und Tasche   Berchtung der kühne Degen.
Er sprach zu seinen Söhnen:   "Gott mög euer pflegen."
Mit Klagen und mit Weinen   er von den Kindern schied
Und suchte seinen Herren,   wie ihm seine Treue riet.

Da taten die Jungen   des Alten Gebot:
Sie kehrten aus dem Walde,   sie zwang dazu die Not,
Und ritten zu den Königen   und nahmen Dienste an;
Sie tatens doch nicht gerne,   diese Helden lobesam.

Da wollte Herzog Berchtung   von des Meeres Flut
Bis zur alten Troje   mit traurigem Mut,
Wo er die raue Else   vor einem Münster fand.
Da grüßte sie ihn tugendlich,   die wilde Frau, zuhand.

Da sprach Herzog Berchtung:   "Liebe Fraue mein,
Ich bät euch so gerne,   möcht es euer Wille sein,
Dass ihr den Herrn mir zeigtet,   den ihr mir habt genommen.
Ach meines lieben Herren!   Wohin ist er gekommen!"

Da sprach die raue Else:   "Ich hab ihn nicht gesehn:
Wie dürft ihr mich des zeihen!   Euch mag wohl Leid geschehn."
"Ach," sprach er, "liebe Fraue,   ich weiß doch, im Wald,
Ihr seid ihm nachgegangen:   Darin verlor ich ihn bald.

Nun ists um meine Freude   erst völliglich getan:
Ach meines lieben Herren!",   so sprach der kühne Mann.
"Lieber Gott vom Himmel,   wie soll mir nun geschehn,
Und soll ich meinen Herren   nicht mehr lebendig ersehn!"

Da wallte Herzog Berchtung   durch all die Heidenschaft
Mit traurigem Mute   (Leibs hatt er wohl die Kraft)
Über Berg und über Tal:   Als er den Herrn nicht fand,
Vor Leid wär schier verdorben   dieser kühne Weigand.

Traurig schifft' er wieder   über die wilde See,
Da fand er seine Söhne   im Hof der Könge gehn.
Er wurde schön empfangen;   viel Leid war ihm geschehn.
Sie sprachen: "Habt ihr nirgend   Wolfdieterichen gesehn?"

"Nein," sprach der Alte,   "ich sorg, er ist tot:
Das Herz in meinem Leibe   leidet Angst und Not."
"Ach großer Gott im Himmel,   wie soll uns dann geschehn!
Sollen wir unsern Herren   denn nimmer wieder sehn?"

Die beiden Könge kamen   daher mit falschem Mut,
Der eine hieß Boge,   der andre Wachsmuth.
Sie grüßten Meister Berchtung,   da sie ihn sahen stehn:
"Nun saget, lieber Meister,   was ist mit euerm Herrn geschehn?"

Antwort gab mit Züchten   der altgreise Mann:
"Des bin ich so unwissend   wie nimmer bisheran.
Ich habe meinen Herren   so wunderlich verloren,
Nun mög es Gott erbarmen,   dass ich je ward geboren."

Da sprach König Boge:   "Du sollst dich sein begeben:
Willst du unser beider   mit solcher Treue pflegen,
Wie du Wolfdietrich   hast bisher getan,
Das Land und die Burgen   mach ich dir untertan."

"Ich muss mich sein begeben,   denn ich weiß nicht wo er ist;
Wenn ich jedoch den Fürsten   irgend zu finden wüsst,
Ich striche tausend Meilen   wohl nach dem Herren mein:
Den befahl mir euer Vater   noch vor dem Ende sein.

Jedoch will ich euch schwören,"   sprach da Berchtung,
Dass ich euch treulich diene   mit meinen Söhnen jung;
Um Recht oder Unrecht   kümmern wir uns nicht,
Es sei denn, dass noch lebe   unser Herr Wolfdieterich.

Kommt er noch zu Lande,   lieben Herren mein,
Wir wollen ohne Schande   der Eide ledig sein."
"Wollt ihr nicht anders dingen,   so heißen wir euch fahn."
Sie hießen Ketten bringen   und schlossen sie daran.

Um die Treue, die sie hatten   zu Wolfdieterich,
Wurden sie gefangen,   die Helden tugendlich.
Man schlug je zwei zusammen   an Blöcken ungeschlacht,
Dass sie Schildwacht halten mussten   auf der Mauer Tag und Nacht.

Derweil lief Wolfdieterich   wohl ein halbes Jahr
Wild umher im Walde,   das sag ich euch fürwahr,
Bis Gott seinen Ungewinn   nicht länger wollt ertragen:
Da sandt er einen Engel   der Frauen, will ich euch sagen.

Zu der Frauen sprach der Engel:   "Was hast du getan?
Dass du willst verderben   einen so getreuen Mann.
Das widertu geschwinde,   du ungeschlachtes Weib,
Oder in dreien Tagen   nimmt dir der Donner den Leib."

Als des Engels Stimme   die raue Els vernahm,
Dass sie vom Himmel käme,   da hob sie sich hindann
Wieder nach dem Walde,   und suchte den jungen Mann.
Da fand sie Wolfdietrich   noch laufen in dem Tann

Gleich einem wilden Tiere.   Sie kam zu ihm heran
Und nahm hinweg den Zauber   von dem jungen Mann.
Da bekam er seine Sinne   wieder von dem Weib;
Doch war er noch verwildert   und schwarz an seinem Leib.

"Willst du mich nun minnen?",   sprach die Frau zuhand.
Antwort gab Wolfdietrich,   der Held von Griechenland:
"Hättet ihr die Taufe,"   sprach der kühne Degen,
So wollt ich mit euch wagen   beides, Leib und auch Leben."

"Ich gewann gar wohl die Taufe,  edles Fürstenkind,
Wenn mir deine Sinne   nicht sonst entgegen sind.
Du findest an mir Freude,   die dir wohl behagt,
Wurde gleich die Schönheit   meinem rauen Leib versagt.

Von einer Stiefmutter   ich so verzaubert bin,
Das wisset, kühner Degen,   bis einst seinen Sinn
Auf mich kehrt der Beste,   der auf der Welt mag leben:
Der seid ihr, lieber Herre,   wollt ihr die Huld mir geben."

"Mir stünden meine Sinne,"   sprach der kühne Mann,
"Wohl auf andre Dinge:   Die Getreun in meinem Bann,
Die hab ich in dem Walde   so wunderlich verloren,
Ich kann sie nie verschmerzen,"   sprach der Degen hochgeboren.

Sie sind zu deinen Brüdern,   denen haben sie geschworn
Und wurden da gefangen:   Den beiden schuf es Zorn,
Dass sie aus dem Herzen   dich ließen nimmermehr.
Die vermessnen Helden   liegen da gefangen schwer."

Er sprach: "Edle Königin,   nun saget mir fürwahr,
Und wehrt mir euch zu minnen   nicht euer raues Haar?"
Sie sprach: "Darüber sollt ihr   ohne Sorgen sein.
Ich weiß es wohl zu fügen,   ergebt ihr sonst euch darein."

Da führte sie in einen Kiel   den kühnen Degen gut,
Da fuhren sie mit Freuden   über des Meeres Flut
Hin zu der alten Troje:   Da hatte sie ein Land.
Sie sprach: "Willst du getreu sein,   so dient es gern deiner Hand."

Sie führt' ihn hin im Lande,   den Fürsten ausersehn,
Wo sie einen Jungbrunnen   vor dem Berge wusste stehn.
Der war warm zur Hälfte,   zur Hälfte war er kalt.
Da sprang sie in den Brunnen   und befahl sich Gottes Gewalt.

Da wurde sie verwandelt:   Einst raue Els genannt,
Nun hieß sie Siegeminne,   die schönst ob allem Land.
Drinnen in dem Brunnen   ließ sie die raue Haut.
Nie eines Menschen Auge   hatt ein schöner Weib erschaut.

Am Leibe wohl geschaffen   war sie überall,
Gedreht wie eine Kerze   die Hüfte hin zu Tal.
Ihre lichten Wänglein   waren rosenklar;
Von Seiden trug sie Kleider,   das sag ich euch fürwahr.

"Willst du mich nun minnen?",   fragte sie zuhand.
Antwort gab Wolfdieterich,   der Held von Griechenland:
"Ihr seid so schön geworden   und so minniglich:
Euer Leib ist gar verwandelt,   der erst einem Teufel glich."

"Darum sollst du mich minnen,   du tugendreicher Mann."
Antwort gab Wolfdieterich,   der Degen lobesam:
"Wenn ich nun selber wäre   wie vor einem Jahr,
So wollt ich gern euch minnen,   das sag ich euch fürwahr."

Da sprach Frau Siegeminne:   "Willst du sein wie du gewesen,
So spring in den Brunnen,   alsbald wirst du genesen.
So schön wirst du wieder   wie ein Kind von sieben Jahr,
Und auch dazu gar minniglich,   das sag ich dir fürwahr."

Da sprang in den Brunnen   der tugendreiche Mann.
Zu einem Bette führte   sie den Verjüngten dann.
Da legt' er sich schlafen,   der getreue Wolfdietrich,
Zu seiner schönen Frauen;   sie waren beide minniglich.

Ü   Þ

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