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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Drittes Abenteuer

Wie Hugdietrich heimfuhr

Frau Liebgart die Alte   das länger nicht verhing,
Zu ihrer schönen Tochter   auf den Turm sie ging
Zu schauen wie da lerne   ihr liebes Töchterlein.
So kam sie mit Frauen   zu ihnen beiden hinein.

Da sprach die schöne Hildburg:   "Liebe Mutter mein,
Ich bäte dich so gerne,   möcht es mit Hulden sein,
Dass du usn an die Zinne   eine Weile ließest gehn,
Ob wir Abenteuer   in der Ferne möchten erspähn."

Sie sprach: "Liebe Tochter,   ich will dirs nicht versagen."
Da ließ sie erschließen   den Turm und das Gaden;
Hilgunden und die Tochter   sie bei den Händen fing,
Mit den zwei Gespielen   sie an die Zinnen ging.

Da sahn sie eine Fahne   herfliegen auf dem Plan,
Darunter ritten stattlich   wohl zwölfhundert Mann.
Wer die Herren wären,   das war den Zwein nicht kund,
Aber bald erkannte   sie die schöne Hildegund.

"Die ich dort reiten sehe,   die sind mir wohl bekannt:
Sie hat nach mir mein Bruder   Hugdieterich gesandt.
Es ist ein reicher Herzog   von Meran geborn:
So hat mein Bruder wider mich   gelassen seinen Zorn."

Da sprach die schöne Hildburg:   "Liebe Gespiele mein,
Tu es Gott zu Liebe,   und lass die Rede sein.
Sollt ich dich verlieren   in so kurzer Stund,
Das verwänd ich nimmer,   du schöne Hildegund."

Da sprach zu ihr Hugdietrich:   "Liebe Gespiele mein,
Solltest du so lange   in fremden Landen sein
Als ich hier bin gewesen,   und schickte man nach dir,
Du freutest dich von Herzen:   Das Gleiche glaube von mir."

Es ging an den Abend,   wo man zu Essen trug;
Sie hatten aller Wirtschaft   jederzeit genug.
Da ging sich schlafen legen   die alte Köngin heim.
So tat auch Hugdietrich   mit der schönen Frauen sein.

Von schweren Gedanken   ward die Nacht ihm lang,
Und von großer Sorge,   die ihm im Herzen rang,
Wie er mit Fug entkäme   mit der Frauen sein,
und ihre Ehre hütete,   dazu ihr Kindelein.

Er sprach: "Edle Königin,   ich verhieß euch doch,
Ihr sollt zu Konstenopel   die Krone tragen noch.
Doch müsst ihr, liebe Herrin,   erst Not erleiden hier;
Das will ich euch vergüten,"   sprach Hugdieterich zu ihr.

"Wenn nun kommt die Stunde,   dass ihr zu Nöten geht
Mit unser beider Kinde,   das wir von Gott erfleht,
Den Torwart und den Wächter   nimm zu dir herein,
Der bringt dir eine Jungfrau,   die pflegt das Kindelein.

Heiß es eines Morgens   zu der Kirche tragen,
Dass ihm die Priester   die Tause nicht versagen.
Ists ein Knab, so heiß es   Dieterich nach mir,
Ist es eine Tochter,   so empfang es Namen von dir.

Ihr sollt es schön erziehen,   es sei Tochter oder Knab;
Sobald dus dann vermögest,   so komm vom Turm herab
Und bring mit dir zwei Ritter   und vier Mägdelein,
Den Wächter und den Thorwart,   dazu das Kindelein.

Und kommst du dann hinüber   in der Griechen Land,
So sorge, dass der Ritter   mit einer wird gesandt:
So reit ich dir entgegen   mit manchem werten Mann,
Und mache dich gewaltig   über alles was ich je gewann."

Sie sprach: "Lieber Herre,   dem folg ich sicherlich.
Nun tut so wohl, der Schande   überhebt mich,
Und gewinnt mir die Gevattern,   die vonnöten sind."
Auf sprang da Hugdietrich   von seinem Bette geschwind.

Er ging an die Zinnen,   wo er den Wächter fand;
Er rief ihn an ein Fenster   und nahm ihn bei der Hand:
"Seltsame Abenteuer   wollt ich dir sagen gern,
Wenn du verschwiegen   und getreu wärst deinem Herrn.

So wollt ich erschließen   mein ganzes Herz von dir;
Du solltest es genießen,   stündest du treu zu mir
Und hieltest es verschwiegen,   Wächter, zu aller Stund."
Er sprach: "Liebe Herrin,   es kommt nie vor meinen Mund."

"So lass die junge Königin   dir befohlen sein;
Und wärs, dass sie gewänne   ein kleines Kindelein,
So werde sein Gevatter   und halt es geheim."
"Schweigt, schöne Jungfrau,   was soll das für Rede sein?

Was hätt ich dann gehütet,   sollt es nun also sein,
Dass Gevatter brauchte   die liebe Herrin mein?
Und hörte diese Dinge   der König Walgund,
Vor diesen Turm erhenken   ließ' er mich gleich zur Stund."

Hugdieterich sprach: "Geschehn   ist ohne deine Schuld;
Dir soll dein Herr auch billig   lassen seine Huld.
Ich bin von Konstenopel   König Hugdieterich,
Von mir trägt das Kindlein   die Königin minniglich.

"Das sollst du verschweigen,   tugendreicher Mann.
Und kommst du zu den Griechen,   eine Grafschaft untertan
Wird dir mit Land und Leuten;   sie soll dein eigen sein;
Und bring mit dir die Herrin   und das liebe Kindelein,

Den Torwart und die Jungfrau   nimm mit dir alsdann:
Tausend Mark Goldes   mach ich dir untertan
Und eine gute Veste,   die dir beschließt das Land.
Meine königliche Treue   und Ehre hab dir zu Pfand."

So gute Verheißung   vernahm der Wächter gern,
Mit seinen beiden Händen   gelobt' er es dem Herrn.
Er freute sich der Märe,   dass er Gevatter war,
Und tat auch das Beste,   da die edle Frau gebar.

Hugdietrich ging hinwieder   wo er die Herrin fand.
"Wenn ich von hinnen reite   und räumen muss das Land,
So trug ich für dich Sorge,   viel liebe Herrin mein:
Deine Ehr ist wohl behütet   und mein kleines Kindelein."

Am Morgen Herzog Berchtung   kam auf den Hof geritten;
Sie sprangen von den Rossen   nach fürstlichen Sitten.
Sie führten von Golde   herrliches Gewand:
Da nahm man den Gästen   der Pferde Zaum aus der Hand.

Walgund der reiche König   den Herrn entgegen ging,
Wo er den Herzog Berchtung   nach höfscher Zucht empfing.
Da sprang Herzog Berchtung:   "Lieber Herre mein,
Wie gehabt sich von Griechenland   die edle Königin rein?

Seinen Zorn hat nun gelassen   ihr Bruder Hugdietrich:
Man soll ihm heim senden   die Jungfrau minniglich.
Burgen, Land und Leute   hat sie da von dem Herrn."
Da sprach der König Walgund:   "Ich gönne sie niemand gern.

Meiner Tochter hab ich sie   zum Gespiel gegeben:
Bei der will sie verbleiben   so lang ihr währt das Leben.
Das ward mir verheißen   von der schönen Jungfraun."
Da sprach Herzog Berchtung:   "Nun erlaubt mir, sie zu schaun."

Am andern Morgen ließen   sie ihn vom Turm herab.
Es geschah wohl keinem leider,   dem man trug zu Grab
Den Vater und die Mutter,   als Hildburg geschah,
Als sie nun ihr traut Gespiel   weder hörte mehr noch sah.

Als da Hugdietrich   von dem Turme ging,
Seinen Meister Berchtung   wie schön er ihn empfing!
"Nun sage, Herzog Berchtung,   auf die Treue dein,
Wie gehabt sich Hugdietrich,   der liebe Bruder mein?"

Er umfing ihn mit Armen   und raunt' ihm ins Ohr:
"Die Frau hab ich erworben,   so setzt' ich mir es vor.
Nun führe mich von hinnen   alsbald, getreuer Mann,
Sonst ist um mein Leben,   das wisse sicher, getan."

Da sprach König Walgund:   "Liebe Herrin mein,
Ihr sollt bei mir verbleiben,   lasst euer Raunen sein.
Burgen, Land und Leute   mach ich euch untertan,
Dass ihr hier bei mir verbleibet,   schöne Jungfrau wohlgetan."

Da sie gegessen hatten   und getrunken völliglich,
Da ließ sich vor den König   auf ein Knie Hugdieterich:
"Nun erlaubt mir, heimzufahren,   König auserkorn,
Da wider mich gelassen   mein Bruder hat seinen Zorn."

"Wider meinen Willen   mag ich euch hier nicht haben;
Doch ist meiner Tochter   Freude gar begraben."
Da begann Hugdietrich   zu der jungen Königin:
"Tröst dich um meinetwillen,   und tu dein Weinen hin."

Da zog sie von dem Finger   die golden Ringelein:
"Das nimm mit dir von hinnen,   traute Gespielin mein!
Du sollst es mir zu Liebe   tragen an der Hand:
So oft du nach ihm blickest,   so sei an Treue gemahnt."

Da hieß König Walgund   Gewand zur Stelle tragen,
Das war mit rotem Golde   um und um beschlagen.
Er sprach zu Hugdietrich:   "Viel edles Mägdelein,
Das tragt in euerm Lande   und gedenkt der Tochter mein."

Auch ließ er aus dem Stalle   vier schöne Pferde ziehn:
Die gab er Herzog Berchtung    und der jungen Königin.
Da nahmen sie Urlaub   und wandten sich hindann.
Sie geleitete der König   mit manchem herrlichen Mann.

Da sprach König Walgund:   "Viel edle Königin,
Ich muss hier heim verbleiben,   das nehmt mit Hulden hin."
Da sprach er zu dem König:   "Lasst euch empfohlen sein
Meine Gespielin Hildburg,   das edle Mägdelein."

Da ritt nun Hugdieterich   heim zu seinem Land,
Wo er in hohen Ehren   seine Städt und Burgen fand.
Da ritten ihm entgegen   die Mannen allzumal,
Sie empfingen ihren Herren,   wie ihre Treue befahl.

Er blieb zu Konstenopel   nun wohl ein halbes Jahr,
Und ward oft trüben Mutes,   das sag ich euch fürwahr.
So oft er anblickte   das goldne Fingerlein,
Da trauert' ihm das Herze   nach der schönen Herrin sein.

So tat auch zu Salneck   Hildburg die schöne Maid
Dort auf ihrem Turme   mit großem Herzeleid.
Ihr Haar so fein wie Seide   aus dem Haupte brach sie da,
Dass sie nun ihr traut Gespiel   weder hörte mehr noch sah.

Da sprach zu ihr der Meister:   "Liebe Herrin mein,
Tut es um Gott den guten,   und lasst eur Weinen sein
Nur jetzt bis zu der Stunde,   dass euch kam der Tag:
So helf ich euch getreulich,   so gut ich kann und vermag."

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