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      Karl Simrock
         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Zweites Abenteuer

Wie Hugdietrich auf dem Turm bei der schönen Hildburg war

Da sandte König Walgund   über all sein Land.
Zu Hofe kam geritten   manch kühner Weigand,
Herzogen und Grafen   gekleidet schön und reich;
Die Königin auch sandte   nach edeln Frauen im Reich.

Die Jungfrau ging vom Turme   am festlichen Tag:
Alsbald auf den Knien   Hugdietrich vor ihr lag.
Sie umfing ihn mit Armen   und hieß ihn willkomm sein.
Sie sprach: "Seht auf, Jungfrau,   stellt euer Knien vor mir ein."

Frau Liebgart die schöne   trat zwischen beide hin,
Mit jedem Arm umfing sie   eine Königin
Sie auf Gestühl zu führen,   das war gar wonniglich.
Da sah der Held so gerne   diese Jungfrau minniglich.

Die jungen Königinnen   ließ man beisammen sein,
Bracht ihnen gute Speise,   dazu auch klaren Wein.
Da saß der werte König   bei der Jungfrau wohlgetan;
Wohl blickten diese beiden   lieblich sich einander an.

Er reicht' ihr den Becher   und schnitt ihr das Brot,
Höfischer Züchte   er viel der Schönen bot.
Was gefiele besser   dem Herren nun als das,
Da er an dem Tische   bei der schönen Jungfrau saß?

Frau Liebgart blickte manchmal   hinüber nach dem Paar,
Ihr Gehaben und Gebahren   nahm sie fleißig wahr.
Da raunte ihrer Tochter   die Königin ins Ohr:
"Du magst Zucht von ihr erlernen;   sie tut dirs weit zuvor."

Herr Walgund der König   das länger nicht verhing,
Wie bald er zu Hofe   vor seine Gäste ging,
Die er entboten hatte   zu dem Hofgelag.
Zu seines Hofes Ehre   nahm er Schaden diesen Tag.

Ein Graf sprach  zu dem König:   "Herr, macht mir bekannt
Um eurer Tugend willen:   Wer hat euch gesandt
Die zierliche Haube?   Das ist ein stolzes Kleid."
"Das hat getan von Griechenland   eine minnigliche Maid,

Die hier als Ingesinde   meiner Tochter ist zu schaun."
Da ging wohl gezogen   der König zu den Fraun.
Da saßen beieinander   die zwo Gespielen gut:
Wer sie nun schieden wollte,   der hätte nicht weisen Mut.

Da sprach die schöne Hildburg:   "Lieber Vater mein,
Ich bäte dich so gerne,   möcht es mit Hulden sein,
Dass du auf den Turm mir ließest   die schöne Hildegund:
Da wollte sie mich lehren   was sie kann in kurzer Stund."

Da sprach König Walgund:   "Dafür wär ich ihr hold;
Ich geb ihr zum Lohne   mein Silber und mein Gold,
Und mach ihr Land und Leute,   wenn sie frein will, untertan."
"Nein," sprach da Hildegunde,   "ich will keinen Mann."

Ein Ende nahm das Hofgelag,   die Herren ritten fort.
Da nahm König Walgund   die zwo Gespielen dort,
Sie auf den Turm zu führen,   wo man sie verschloss.
Da ward Hugdietrichs Freude   bei der schönen Jungfrau groß.

Man schuf ihnen beiden   also gut Gemach,
Was sie bedurften,   dass ihnen nichts gebrach.
Der Torwart und der Wächter   mussten draußen sein;
Man reichte Trank und Speise   zu einem Fenster herein.

Da ward der Jungfrauen   Hugdieterich so hold,
Er lehrte sie zum Ersten   wie sie spinnen sollte Gold,
Darnach am Stickrahmen   bilden wundersam,
Und darauf entwerfen   Getier so wild als zahm.

Nun merkt, ob der König   nicht großer Züchte pflag,
Dass er zwölf Wochen   auf dem Turme lag,
Und sie nicht brachte inne,   dass er wär ein Mann,
Bis die starke Minne   in ihm zu völlig entbrann.

Da umfing er sie mit Armen,   gar schön er sie umschloss,
Sein Halsen und sein Küssen   das ward also groß,
Dass sich die starke Minne   nicht mehr verhehlen ließ.
Da stahl sich sein Geselle   gar schön aus seinem Verlies.

Da sprach die schöne Hildburg:   "Liebe Gespiele mein,
Was bedeutet dieses Kosen?   Sag an, was soll das sein?"
"Nun nehmt es auf zum Besten,   edle Königin,
Dass ich von Konstenopel   der König Hugdietrich bin.

Ich litt um euretwillen   viel Mühsal lange Zeit,
Und hab es gern erlitten,   viel edle schöne Maid.
Ich will dir jetzo schwören,   ich lasse nicht von dir,
Du sollst du Konstenopel   unter Krone gehn mit mir."

Da begann sie heiß zu weinen,   ihre Augen wurden rot:
"Würd es mein Vater inne,   so hätten wir den Tod."
Er versöhnte sie mit Güte:   Ihr Weinen ließ sie da:
Ihnen wurde wohl zu Mute,   und beider Wille geschah.

Da hatte Hugdietrich   die Schöne, das ist wahr,
Völliglich sechs Wochen,   dazu ein halbes Jahr,
Dass niemand sein ward inne   und niemand Argwohn fing,
Obwohl die alte Königin   oft zu ihnen beiden ging.

Da empfing die schöne Hildburg   von ihm ein Kindelein,
Salneck und Griechenland,   die wurden beide sein;
Toskana und Apulien,   Rom und Lateran,
Römisch Reich ward alles   diesem Kindlein untertan.

Als die Königstochter   des Kindes nun empfand,
Sie begann so heiß zu weinen,   dass sie die Hände wand.
Sie sprach zu ihm: "Hugdietrich,   König lobesam,
Unser beider Freude   muss ein Ende nun empfahn.

Ich empfind es, unterm Herzen   trag ich ein Kindelein,
Und müssen doch gefangen   hier oben beide sein.
Wir können nicht hinunter,   es frommt uns keine List."
Er sprach: "Sei guter Dinge,   da Gott uns nimmer vergisst.

Unser beider Leben   steht bei Gott allein,
Der wird uns hinnen helfen   und seinen Rot verleihn.
Er soll uns behüten   unser Leib und Leben,
Das er in seinen Gnaden   uns beiden hat gegeben."

Ü   Þ

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