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      Karl Simrock
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            I. Walter / Hildegunde
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            III. Hörn. Siegfried
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Neuntes Abenteuer

Da hob sich der Bracke   heim in schneller Fahrt.
Als die Königstochter   des Hundes inne ward,
Da durfte sie den Jammer   öffentlich nicht klagen;
Doch gedachte sie im Herzen:   "Mein Gemahl ist erschlagen."

Die da den Bracken sahen   und kannten seinen Brauch,
Die wähnten, nachgeritten   käm bald sein Herr ihm auch.
Der aber musste bleiben,   leider zwang ihn Not.
Sie mochten lange harren:   Er lag im Berge tot.

Sie fragten all: "Wohin ist   unser Herr gekommen?
Der Bracke kam; dem Herren   ist das Leben wohl benommen.
So mag er von der Königin   wohl verraten sein.
An seinem frühen Tode   trägt sie die Schuld allein."

"Nicht woll es Gott vom Himmel!",   sprach das schöne Weib,
"Erfahrt ihr das, so nehmt mir   Leben nur und Leib."
Die Besten sprachen wieder:   "Ist dir sein Sterben leid,
So zeig uns wo er hinritt:   Du weist davon Bescheid."

Da sprach die edle Königin:   "Das sag ich euch nicht gern:
Ihm niemand nachzusenden   gelobt ich meinem Herrn.
Jedoch dass ihr nicht zürnet,   so muss es wohl geschehn.
Wohlan, ich lass euch wissen:   Er ritt den Wurm zu bestehn."

Da begannen die Lamparter   ihren Herren zu beklagen.
Sie sprachen all: "So hat ihn   der Wurm hinweg getragen.
Wer ihn nun rächen wolle,   der hebe sich bei Zeit:
Es kommt zu den Lampartern   nie wieder ein Ortneit,

Der so kühn und bieder   der Lande möge pflegen.
Unser Trost und unsre Freude   ist uns an ihm erlegen."
Da sahen sie den Jammer,   den der Hund beging,
Dass er alle Leute   bei ihren Rockschößen fing.

Er zog sie vor die Pforte,   folgten ihm die Herrn:
Auf des Wurmes Fährte   wollt er sie weisen gern.
Zu Garten sprach ein Dienstmann:   "Er weiß ihn sicherlich:
Nun reicht mir meine Ringe:   Darein kleiden will ich mich

Und will dem Bracken folgen,   bis ich den Pfad ersah;
Wie ich den Herrn auch liebte,   dem Wurm komm ich nicht nah."
Da folgt' er dem Bracken;   die Straße kannt' er wohl:
Da wies er den Kühnen   bis nahe vor das Hohl.

Als er des Wurmes Stapfen   also blutig fand,
Nicht weiter wollt er reiten   und kehrte heim zuhand.
Da sagt' er böse Märe,   sein Herr wäre tot.
Da hub sich in dem Lande   Jammer erst und große Not.

Da litt die Königstochter   großen Jammers Pein.
von des Sohnes Tode   starb auch die Mutter sein
Vor Leid, dass sie ihn schauen   sollte nimmermehr.
Da war auch aller Freude   beraubt die Königin hehr.

So lebte sie im Jammer   bis in das dritte Jahr.
Die Lamparter nahmen   der Herrin wenig wahr.
Da verlor die lichte Farbe   die Fraue wohlgetan:
Sie gedachten sie zu zwingen,   dass sie wieder nähm einen Mann,

Der zu beschützen wisse   die Leute wie das Land,
Zu dem das weite Königreich   mit Ehren wär bewandt.
Da sprach die Königstochter:   "Ihr mögt mir keinen geben:
Der wird mein Mann alleine,   der dem Wurme nahm das Leben."

Als sie nicht folgen wollte,   verstieß man sie gar.
Von ihrem Königreiche   ließ man ihr im Jahr,
Dass sie das Leben fristete,   nur Kupfers hundert Pfund;
Das war ihr Leibgedinge:   Da ward ihr Jammer kund.

Auf der Burg zu Garten   ein Turm gemauert stund,
Der war mit goldnem Schatze   gefüllt bis auf den Grund.
Weil sie den Mann verschmähte,   waren sie ihr gram:
Er kam ihr nicht zu Gute:   Die Schlüssel man ihr nahm.

Was ihr geschah zu Leide,   getreu war doch ihr Mut,
Von der Hände Arbeit lebte sie,   wie manche Frau noch tut.
Ihr halfen, sich zu fristen,   ihre Mägdelein und Fraun:
Sie mussten fleißig wirken,   geringen Lohn zu erschaun.

In solchen Sorgen lebte   die Herrin Nacht und Tag;
Derweil war leider niemand,   der Land und Leute pflag.
Sein Teil an sich zu reißen   war jeglicher bedacht,
Des Landes Ehr und Würde   war ganz zu Nichte gemacht.

Der Markgraf von Garten   sah der Herrin Pein:
"Gar leid ist mir dein Kummer:   Frau, willst du bei mir sein?"
Da sprach die Frau mit Jammer:   "Was mir geschieht zu Leid,
Das muss ich alles dulden;   von Garten geh ich nicht weit."

Da sprach der Markgraf wieder:   "Doch erbarmt mich deine Not.
Um deinetwillen rächen   will ich des Herren Tod,
Wenn mein Sohn zuvörderst   erwachsen ist zum Mann,
Damit ich wissen möge,   wer mein Erbe soll empfahn."

Da pflegte sie der Markgraf   und auch die Markgräfin:
Sie sandten Wein und Speise   ihr nach Garten hin
Und festliche Kleider,   ihr Silber und ihr Gold;
Sie waren auch ihr Leben lang   der Frau getreulich hold.

So musst in großem Jammer   die Königin leben.
Dem einst die Königstochter   zur Ehe ward gegeben,
Als er den Wurm erschlagen,   der Ortniten zwang,
Er war noch ungeboren:   Des Helden harrte sie lang.

In Sorgen musst erwachsen   der den Wurm einst sollt erschlagen.
Ich will euch sein Geschlechte   und seinen Vater sagen:
seht, das war von Berne   Dietrichens alter Ahn.
Ortnits Aventüre   nun ihr Ende gewann.

Ü   Þ

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