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      Karl Simrock
         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            II. Alphart
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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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               9. Abenteuer
            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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               Wolfdietrich
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Siebtes Abenteuer

Wie Ortniten die Würme ins Land geschickt wurden

Versperrt saß der Heide   in seinem Saal allein;
Niemand auf der Erde   durfte bei ihm sein.
So hielt er sich verborgen   bis an den dritten Tag,
Dass er keine Freuden   in seinem Unmute pflag.

Ihn durfte niemand fragen   und niemand durft ihn sehn;
Hätt ihn wer erzürnet,   dem wäre Leid geschehn.
Zu essen und zu trinken   durft ihn niemand bitten;
Auch genoss er nicht des Schlafes.   Da kam ein Jäger geritten,

Der fragte, wo doch wäre   der liebe Herre sein.
Man sprach, er wär verschlossen   und ließe niemand ein.
Da sprach der Jäger wieder:   "Meinen Herren muss ich haben,
Und hätt er vor den Leuten   sich in die Erde vergraben."

Da wies man den Jäger   zu der Kemenate Tür:
Er sprach zu dem König:   "Herr! Nun tritt herfür.
Dein Kind ist wohlbehalten,   das darfst du nicht beklagen;
Willst du mir es danken,   ich will dir gute Märe sagen."

"Sage," sprach der Heide:   "Sind die Mären gut,
So will ich dir erfreuen   das Herz und den Mut.
Sagst du mir gute Märe,   ich gebe dir mein Gold
Und will dir all mein Leben   in Treuen bleiben hold."

"An deiner lieben Tochter   ist dir Leid geschehn:
Soll es dem Lamparter   dafür aus Leben gehn,
Und willst du mir es danken,   ich fand ein Ding nun aus,
Dass es der reiche König   entgelten soll zu Haus,

"Und ihm in kurzen Stunden   das Leben wird genommen."
Mit Freuden sprach der Heide:   "Das soll dir immer frommen."
Da schloss er auf die Kammer    und ließ den Jäger ein.
Er sprach zu dem Wildner:   "Was für ein Ding soll das sein,

Das dem Lamparter   so großen Schaden tut?
Mag er davon ersterben,   fürwahr, dein Lohn wird gut."
Er sprach: "Ich war den Hunden   so ferne nachgerannt:
Da kam ich unversehens   unter eine Felsenwand:

Einen ungeheuern Drachen   sah ich aus ihr gehn:
Mit tausend Männer Stärke   wollt ich ihn nicht bestehn;
Er hätte mich verschlugen,   das glaub ich heut noch fest:
Zu Wald ließ ich ihn schleichen   und stahl mich in sein Nest.

Wie mein Haupt, noch größer,   fand ich da ein Ei.
Ich suchte lang vergebens   und fand nicht mehr als zwei:
Sie waren ungefüge,   groß und schwer genug,
Dass ich sie mit Beschwerde   heim zu meinem Hause trug.

Die hab ich aufbehalten   in einem warmen Loch;
Die Brut drin ist lebendig:   Die Eier hab ich noch.
Ich will sie mit mir führen   gen Lampartenland,
Und will die Würme brüten   in einer Felsenwand."

Da sprach der alte Heide:   "Willst du die Eier tragen?
Wie bist du denn geheißen?   Das sollst du mir sagen."
Da sprach der weise Jäger:   "Das mach ich dir bekannt:
Ich bin geheißen Velle;   mein Weib ist Rütze genannt.

Wenn sie zu Jahren kommen,   und sie der Hunger zwingt,
So ist auf Erden wenig,   das solch ein Wurm nicht schlingt.
Über Vieh und über Leute   wird dann ihr Grimm ergehn:
So kühn ist der Kaiser,   er wird die Würme bestehn.

Erwehrt er sich des einen,   der andre zwingt ihn doch;
Wenn ihn der ergreifet,   er trägt ihn in sein Loch:
So muss er in dem Berge   verlieren das Leben."
Da sprach der arge Heide:   "So will ich dir geben

Alles was du wünschest:   Dass du den Degen stark
Verderbest mit den Würmen,   geb ich dir tausend Mark."
Da sprach derselbe Jäger:   "Das richt ich alles aus."
Des freute sich der Heide   im Herzen schon voraus.

Da sprach der weise Jäger:   "Nun weiß ich guten Rat,
Damit will ich euch dienen   und dann auch mit der Tat.
Heißet mir zwei Säumer   mit Geschmeide laden,
Dazu mit edeln Steinen,   und helft mir zu den Gestaden.

Mit Baumwoll und Seiden   füllet einen Schrein:
Darin sollen immer   die beiden Eier sein
In Hitz und in Kälte,   so nehmen sie nicht Schaden:
Mit großem Leide werden   sie blad die Christen beladen.

Du sollst auch Briefe senden   der schönen Tochter dein,
Du wollest hold dem König   und deinem Kinde sein.
Auch sollst du ihnen senden   Silber und Gold,
Damit sie beide wähnen,   du seist ihnen hold."

Er folgte seinem Rate:   Den Kiel er ihm belud
Mit Silber und mit Golde   und edeln Steinen gut.
Was der Jäger wollte,   das musste man ihm laden,
Und bald die Anker lösen   von den heidnischen Gestaden.

Auch gab er ihm Geleite   gen Lampartenland
Bis vor die Burg zu Garten,   wo er den König fand.
Hinter seinen Säumern   ritt er in Botentracht;
Doch ward die rechte Märe   dem König nicht hinterbracht.

Als der weiße Jäger   der Beste näher kam,
Da empfing ihn vor der Brücke   der Pförtner lobesam;
Doch mochte seiner Sprache   niemand kundig sein.
Ohne Ortnits Willen   ließ man niemand herein.

Da sagte man dem König,   ein Bote wär gekommen;
Sie hätten all ihr Leben   die Sprache nicht vernommen.
"Er treibt der Säumer zweie:   Die scheinen schwer zu tragen;
Was seine Rede meine,   das können wir euch nicht sagen."

"So bringet mir die Säumer    und auch den fremden Mann.
Schließet auf die Pforte   und führt mir ihn heran."
"Was sollst du bei mir werben?",   zum Boten sprach er so.
"Ich bring euch liebe Märe,   der seid ihr billig froh."

Da sagt' er ihm die Märe,   und gab ihm einen Brief.
Als den der König schaute,   mit lauter Stimm er rief:
"Ist sein Zorn gesänftigt,   so sei Gott gelobt,
Dass der arge Heide   nicht mehr so grimmig tobt."

Da wies er hin den Boten   wo die Königin saß;
Der gab den Brief der Frauen.   Als sie das Schreiben las:
"Er bringet liebe Märe,"   sprach die Köngin hehr.
"Uns entbietet hohe Dienste   mein lieber Vater hieher.

Er schickt dir seine Grüße;   du dünkst ihn mein wohl wert:
Er hat von deinen Landen,   von deiner Macht gehört.
Weil ihm der Eidam lebet,   so geht ihm Freude zu:
Er sagt, dass ihm auf Erden   niemand lieber wär als du.

Er will sich taufen lassen   und kommen in dein Land;
Nun sollst du nicht verschmähen   was er dir hat gesandt.
Wir dürfen nach dem Briefe   dem Boten wohl vertraun."
"Ich will euch," sprach der Jäger,   "seine Gaben lassen schaun."

Vier schwere Ballen   man vor den Kaiser trug:
Goldes und Gesteines   lag darin genug;
Auf edle Seide schüttete   man manches Ringelein.
Ihrem Vater dankte   die edle Königin rein.

Der Heide sprach: "Ein Ballen   liegt noch vor dir voll,
Es ist noch nicht erwachsen   was ich euch geben soll.
Edel Gesteine bringt einst,"   so sprach der Bote weis,
"Eine abrahmsche Kröte,   entstammt dem Paradies.

Ist sie erst ausgewachsen,   so bringt sie einen Stein,
So gut, dass Bessres nimmer   noch sah der Sonne Schein.
Lasst mich nun ferner sagen   was euch ist gesandt:
Ich soll euch auch erziehen   einen schönen Elefant.

Nur immer in den Bergen   ist so ein Tier gediehn:
Weist mich in eine Höhle,   da will ich ihn euch ziehn."
Da sprach der reiche Kaiser:   "Ist es so bewandt,
Zu Trient dem Bischof   befehl ich dich zuhand."

Da wies man dem Jäger   in eine Felsenwand
Oberhalb von Trient,   wo sich Gebirge fand.
Die er da pflegen sollte,   die Brut er mit sich trug:
Wes er darin bedurfte,   des gab man ihm genug.

Da blieb er in dem Berge   zwölf Monden oder mehr,
Und litt da von den Würmern   selber oft Beschwer.
Eh sie erzogen waren,   litt er oft Müh und Not:
Wie ward er von den Würmern   mit Ängsten täglich bedroht!

Schon in dem halben Jahre   wurden sie so groß,
Dass den Meiser selber   die Nachbarschaft verdross.
Er musste täglich fürchten,   sie nähmen ihm das Leben;
Ihnen wollt auch bald der Bischof   keine Speise mehr geben.

Sie achteten gar wenig   alle Tag ein Rind.
Der Bischof sprach: "Das ist ja   des Teufels Ingesind!
Der Herr ließe billig   von seinem Elefant,
Eh er ihm verschlänge   eine Stadt und ein Land!"

Da ihnen keine Speise   mehr der Jäger bot,
Sie wären schier gestorben   im Berg vor Hungersnot.
Da fielen sie vor Hunger   ihren Pfleger an.
Der lockte sie zum Lichte   froh dass er selber entrann.

Wer den Bösen ziehet,   der ist davon betrogen.
So hatt er an den Würmern   seine Feinde selbst erzogen.
Da sie sich nähren mochten,   sie hatten sein nicht acht;
Er ließ sie selber nehmen,   da er sie ans Licht gebracht.

Da wüteten die Würmer   vor Gier und Hungersqual,
Alles war verloren   in den Bergen und im Tal.
Was ihre Augen sahen,   das verschlang ihr Schlund;
Groß Leid ward der Christenheit   bald von den Würmern kund.

Sie schufen in dem Lande   so grimmige Beschwer,
Auf den Straßen gehn und reiten   mochte niemand mehr.
Bis vor die Burg zu Garten   ein Wurm das Land bezwang:
Gern wichen alle Leute,   dass sie das Ungetüm nicht schlang.

Da durften ihre Äcker   die Bauern nicht mehr sä'n,
Und durften vor dem Walde   die Weisen nicht mehr mähn.
Wer sie bestehen wollte,   der büßt' es schwer genug:
Der Wurm in die Höhle   den Übermütigen trug.

Da hörte man die Pfaffen   in den Kirchen klagen.
Da sprach der Lamparter:   "Niemand kann ihn erschlagen.
Er stirbt leider nimmer,   besteh ich nicht den Streit:
Ich muss uns von ihm lösen,"   sprach der König Ortneit

Einst war er bei der Königin   gelegen in der Nacht,
Da war in seinem Herzen   die Sorge neu erwacht.
"Misslingt mir und verlier ich   das Leben und den Leib,
Weh, wem soll ich dann lassen   das heimatlose Weib!

Dem Vater und der Mutter   entsagte sie für mich;
Wir beide sind verloren,   wenn ich sterbe, sicherlich.
So muss ich meinen Kummer   alleine leider tragen.
Meiner Fraue darf ich   von diesem Jammer nicht sagen.

Nun klag ich in Wahrheit   die Burgen noch das Land;
Nur mein Gemahl beklag ich,   die ich mir treu befand.
Ich darfs ihr nicht verkünden,   da mir der Kampf doch nah."
Von Ortnits Abenteuern   ist nun das siebente da.

Ü   Þ

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