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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Sechstes Abenteuer

Wie Ortnit die Königin entführte

Wie übeln Heiden hatt er   geäfft so säuberlich:
Da hob sich von den Zinnen   der kleine Elberich
Über Stöck und über Steine   hin wo er Ortnit fand;
Dem war sein Ross er müdet,   also hatt er es gerannt.

Noch saß der alte Heide   versperrt in seinem Haus,
Vor Zorn und vor Grimme   rauft' er den Bart sich aus:
"Dass ich dem Lamparter   die Schande muss ertragen!"
"Tut auf," rief ein Kämmrer,   "ich will euch gute Märe sagen."

"Sag an," sprach der Heide,   "sind die Mären gut."
"Ich will eur Herz erleichtern   und euern trüben Mut:
Unsre Götter beide   sind wiederum herein;
Des hat sie erbeten   die jungen Königin rein."

Im Zorne sprach der Heide:   "Ja Herr! Wo ist mein Kind?"
"Sie ist noch vor der Pforte,   wo ihre Götter sind." -
"O weh," sprach der Alte,   "wie ich unselig bin!
Wohlauf nun zu den Rossen,   meine Tochter ist dahin!"

Die da bei ihm waren,   die säumten länger nicht:
In manchen festen Panzer,   in gute Helme licht
Wurden sie gewappnet,   ihr Leib darin bewahrt:
Zwanzigtausend Heiden   in Ringen ritten geschart.

Auf schnellen Rossen setzten   sie all den Christen nach:
Das schuf dem Lamparter   bald großes Ungemach.
Der sah ihn fernher reiten   bei hellem Mondenlicht;
Sein Ross war so ermüdet,   er konnte weiter nicht.

"Nun rat uns Zwein das Beste,   lieber Elberich.
O weh, wem soll ich lassen   das Mägdlein wonniglich?
Nun müssen lichte Ringe   von Blute werden rot.
Eh ich mich von ihr schiede,   eh läg ich neben ihr tot."

Mit Züchten sprach der Kleine:   "Das hab ich nicht bedacht
Wie ich dich weiter bringe,   du flöhest dann mit Macht.
Doch weiß ich in der Nähe   einen ungefügen Bach:
Willst du hinüber weichen,   wir finden jenseits Gemach."

"Weh," sprach die Königstochter,   "es ist wohl nur dein Spott:
Wie magst du so dich fürchten?   Hilft dir denn nicht dein Gott?
Wie bin ich dem entronnen,   der mich so lang erzog?
Ists ein Gespenst gewesen,   das mich her zu dir betrog?

"Doch rat ich dir das Beste,"   sprach die Königin,
"Den sollst aus allen Kräften   meinen argen Vater fliehn:
Dein Leben ist verloren,   ergreift dich seine Hand;
Ich mag euch nicht mehr folgen,   setzt mich herab auf das Land."

Da sprach der Lamparter:   "Das tu ich nimmermehr,
Und stünd ich ganz alleine   vor deines Vaters Heer.
Von solchen Dingen sollst du   mir, schöne Magd, nicht sagen.
Eh ich von dir ließe,   lieber ließ' ich mich erschlagen."

Da wies ihn hin der Kleine   wo er das Wasser fand.
Da sprang der Lamparter   vom Sattel auf das Land.
Das Ross ließ er laufen,   es war nicht hoch genug:
Die Magd er in den Armen   über das tiefe Wasser trug.

Ferne von dem Bache   setzt' er sie ans Land,
Und nahm den Schild zum Arme,    das Schwert an die Hand:
Wie viel der Feinde kamen,   er setzte sich zur Wehr;
Hinweg ritt der Kleine   und wollt ihm bringen das Heer.

Dass sie das Wasser fanden,   das kam ihm zu Statten:
Der Heiden waren wenig noch,   die es durchwatet hatten.
Bald aber kam der Heide   im Grimm mit seiner Schar;
Seine Güte nahm Urlaub,   der vergaß er ganz und gar.

Der Zwerg dem Freund zu helfen   war schnell und unverzagt:
Er hätte gern dem Reußen   die Märe gleich gesagt;
Da war ihm allzu ferne   der König mit dem Heer:
Ortnit ward bestanden   mit gar ingrimmiger Wehr.

Vom Wasser kam der Heide   gezogen mit Gewalt:
Da schlug der Lamparter    alleine Jung und Alt.
Er musste mächtig streiten,   das er ließ man ihm nicht:
Er schlug soviel, das Wasser   dämmte schier der Leichen Schicht.

Zuletzt bezwang ihn Müde   noch also langer Schlacht;
Ihm wich aus den Armen   alle Kraft und Macht.
"Ich kann nicht ferner streiten:   o weh, wo soll ich hin!
Heran von allen Seiten   seh ich die Heiden ziehn."

Da wär der Lamparter   eines Friedens gern gewährt.
Er sprach zu den Heiden:   "Nehmet hin mein Schwert,
Ich gebe mich gefangen,   lasst ihr mir das Leben:
Auf Eure Gnad und Treue   will ich das Schwert euch übergeben."

"Nein, meiner Tochter willen   geht es dir an den Leib."
"Warum?", sprach der König,   "sie ward doch nie mein Weib."
"Alle die da leben   erretten dich nicht mehr."
Da sprach der Lamparter:   "So setz ich noch mich zur Wehr,

"Ihr sollt mein Leben gelten   so teur ich immer mag."
Da sah er Leute reiten,   vernahm der Hufe Schlag
Da sprach der Lamparter:   "Ich weiß nicht wie ich tu:
Von allen Seiten drängen   die übeln Heiden herzu."

Sein Ross durch das Wasser   schwemmte mancher Held.
Zuvorderst ritt der Reuße   und schwang sich auf das Feld,
Wo der Lamparter   der Freude gar vergaß.
"Wehr dich, Ortnit, wehr dich,"   sprach von Reußen Ilias.

Da sprach der Lamparter:   "Ich bin zu schwach zum Streit.
Ihr Helden sollt mir helfen,   da ihr geruhet seid.
Ich fand noch all mein Leben   nie größere Beschwer.
Oheim, nimm die Rose,   ich kann nicht streiten mehr."

Wohl freute sich der Reuße,   da er die Rose fand:
Er nahm dem Lamparter   das Schwert aus der Hand.
Von Christen und von Heiden   ward der Streit noch groß.
Da fiel der Lamparter   der schönen Magd in den Schoß.

Die Maid auf seine Bitte   den Helm ihm niederband:
Einen seidnen Schleier   nahm sie in die Hand.
Wohl war dem edeln Fürsten   im Streit geworden heiß:
Sie wischt ihm von den Augen   den Staub und auch den Schweiß.

Als ihn der üble Heide   im Schoß ihr liegen sah,
Daran geschah ihm leider   als ihm noch je geschah:
Aller seiner Sinne   ward er bloß und bar,
Urlaub nahm seine Güte,   der vergaß er ganz und gar.

Wohl fürchtete die Tochter   des argen Vaters Zorn;
Da sprach wohl gezogen   das Mägdlein hochgeboren:
"Nun fürcht ich erst von Herzen   den armen Vater mein:
Siegt er in dem Streite,   es muss euer Ende sein.

Er sieht euch gar ungern   auf meinem Schoße liegen:
Er martert euch zu Tode,   kann er euch besiegen."
"Ich wollt, ich wär euch näher    gelegen, schöne Maid:
Was mir darum geschähe,   das schüfe mir wenig Leid.

Uns mag noch wohl gelingen,"   sprach der König hehr:
"Ihr schaut nun wohl im Leben   Suders nimmermehr.
Ich getraue Gott vom Himmel   und den edeln Helfern mein,
Ihr sollt in Lamparten   gewaltge Königin sein."

Da sprach das schöne Mägdlein:   "Das schmerzte mich zu sehr,
Sollt ich meinen Vater   schauen nimmermehr
Und meine liebe Mutter,"   sprach die stolze Maid.
"So müsst ich es entgelten;   es wär auch Machmet leid."

Da sprach der Lamparter:   "Edle Königin,
Vater und Mutter   schlag dir aus dem Sinn:
Die will ich dir ersetzen:   Du sollst mir werden hold.
Du hast im Lamparten   auch Silber und rotes Gold."

"Um Gold will ich nicht klagen,"   sprach das Mägdelein,
"Doch müssen die mich reuen,   die um mich allein
Hier vor mir das Leben   so jämmerlich verloren.
Drum klag ich Apollen,   dass ich je ward geboren.

Was um meinetwillen   hier Mordes ist vollbracht,
Das erbarme Machmet!   Dass mein je ward gedacht,
Dass ich je ward geboren,   das sei Apollen leid!"
Also sprach mit Weinen   diese kaiserliche Maid.

Da sprach der Lamparter:   "Es wird nicht anders mehr:
Du sollst dein Weinen lassen,   Königstochter hehr.
Wird aber in dem Streite   zuletzt der Sieg noch mein,
So soll der üble Heide   fürwahr genießen dein."

Des sprach ihm Dank von Herzen   die herrliche Magd.
Sie küsst' ihn vor Liebe,   den Fürsten unverzagt.
Da mochten doch die Christen   die Heiden nicht besiegen,
So viel man sah der Toten   vor dem kühnen Reußen liegen.

Auch hatt er von dem Heiden   große Not erlitten.
Da kam der Reußenkönig   aus dem Streit geritten.
"Bereite dich, mein Neffe,   es ist wieder an der Zeit:
Ich kann nicht mehr fechten,   hebe du dich in den Streit."

Da sprach der Lamparter:   "Fürwahr, das soll sein!
Du sollst mir Heil erflehen,   liebe Herrin mein.
Ich weiß wohl was sie wollen:   Des werden sie gewährt."
Da sprach er zu dem Reußen:   "Nun gib mir wieder mein Schwert!"

Der edle Lamparter   sprang empor zuhand:
Mit unverzagtem Mute   den Helm er überband.
Da empfing die Rose wieder   der Degen lobesam:
"Man sieht mich heut noch sterben   oder rächen meinen Bann."

Da hob sich bald der Degen   hin an die Heidenschaft:
Die er erreichte, starben   vor seiner Heldenkraft.
In dem harten Sturme   fiel mancher hin zu Tal;
Doch fielen auch die Christen   vor den Heiden ohne Zahl.

Da sprach der Lamparter:   "O weh dieser Not!
Es liegen meiner Helden   viertausend wieder tot!"
Da schlug er auf die Heiden   mit wachsendem Zorn:
Es mussten vor ihm weichen   die das Banner trugen vorn.

Da sprach zu der Jungfrau   der kleine Elberich:
"Jetzt muss dein Vater sterben,   das wisse sicherlich."
Da ward um den Vater   der Jungfrau Angst so groß,
Ihr fielen von den Augen   die Zähren in den Schoß.

"Soll mein Vater sterben,   so sei es Gott geklagt.
Doch kann ichs nicht verdenken,"   so sprach die schöne Magd.
"Er mag wohl kaum genesen,   so grimmig ist sein Mut;
Auch weiß ers zu verdienen   was er ihm zu Leide tut."

Da sprach der Lamparter:   "Nun gilt es dein Leben:
Du wolltest mir nicht Frieden   auf mein Bitten geben."
Die Heiden fasst' ein Schrecken   vor seiner Hiebe Wucht.
Sie warfen hin das Banner   und nahmen jählings die Flucht.

Man sah den Lamparter   seinen Schwäher jagen;
War nicht die Jungfrau',   so hätt er ihn erschlagen.
Sie flohn gen Montabauer   und schlossen zu das Tor;
Ortnit und die seinen,   die standen alle davor.

Da waren die Heiden   vom Streiten stumm und taub;
Die Christen aber nahmen   reichlichen Raub,
Viel der lichten Ringe,   Ross und Gewand.
Da eilte der Lamparter   hin wo er die Jungfrau fand.

Da sprach der Lamparter:   "Nun wie gehabst du dich,
Herrin und Freundin?   Steh auf, und küsse mich."
Sie sprach: "Das tu ich nimmer:   Erst musst du mir sagen
Auf deine Treue, König:   Ist mir mein Vater erschlagen?"

"Ihr sollt mir hold sein," sprach er,   "viel minnigliche Maid.
Ich ließ euern Vater   genesen in dem Streit;
Wenn ihr nicht wart, ich hätt ihm   das Leben genommen."
Da sprach die Jungfrau wieder:   "So sei mir herzlich willkommen!"

Wie lieblich sie den König   mit Armen umschloss!
Dass noch ihr Vater lebte   war ihre Freude groß:
Sie küsste den Lamparter   an seinen roten Mund.
Da hbu sich von dannen   das Heer in kurzer Stund.

Die noch genesen mochten,   die führten sie hindann.
Siecher und Gesunder   hatt er kaum tausend Mann;
Sie konnten sich in Suders   nicht schützen und bewahren:
Sie mussten mit den Frauen   wohl nach den Kielen fahren.

Da führte man sie fröhlich   in Barken auf das Meer:
Da hatt er vor den Heiden   keine Sorge mehr;
Sie mochten auf dem Wasser   vor Streit wohl sicher sein.
Elberich und der Reuße   tauften ihm das Mägdelein.

Nach christlichem Glauben   man sie ins Wasser stieß;
Auf der Burg zu Garten   Frau Sidrat man sie hieß.
Eh sie zu Lande kamen,   ward ein Weib die Maid;
Vater und Mutter   vergaß sie beide nach der Zeit.

Sie schwebten auf dem Meere   wohl gegen zwanzig Tagen
Eh sie zu Lande kamen,   so hören wir sagen.
Am zwanzigsten Morgen   kamen sie gen Messin:
Da empfing ihn wohl der Heide,   willkommen hieß er ihn.

In Garten ihm entgegen   eilte Weib und Mann,
Sie empfingen wohl die Fraue   und den Kaiser lobesam.
Auch empfing mit Ehren   seine liebe Mutter ihn;
Da ward die Königstochter   eine gekrönte Kaiserin.

Da sandte der Lamparter   Boten rings ins Land
Zu Freunden und Verwandten:   denen macht' er das bekannt,
Wer da schauen wollte   das schöne Mägdelein;
Dem milden König werd er   lieb und willkommen sein.

Da kamen blad die Besten   herbei aus allem Land.
Eine große Hochzeit   hub sich da zuhand.
Es ward an dem Hofe   das Gelag so groß,
Der Fahrenden gar mancher   dieser Hochzeit wohl genoss.

Das Hofgelage währte   bis an den neunte Tag,
Dass man an dem Hofe   großer Freude pflag.
Turnieren, Stechen, Rennen,   wes nur das Herz begehrt,
Des würden sie gerne   von dem reichen Kaiser gewährt.

An dem vierten Morgen   sprach die Kaiserin:
"In großen Freuden bringen   wir, Herr, die Tage hin
So gar ohn alle Sorgen:   Das will ich dir gestehn;
Wo ist dein Gott verborgen?   Wann lässt du mich den sehn?"

Da sprach der Lamparter:   "Meinen Gott kann niemand sehn:
Wer ihn will erkennen,   muss seine Kraft erspähn.
Er gibt mir mehr des Gutes   als ich verdienen kann;
Er gab mir Gut und Ehre   und alles was ich gewann."

Sie sprach: "Lieber Herre,   mach mir ihn doch bekannt:
Eh ich dich noch gesehn   in meines Vaters Land,
Hat er um mich geworben   wie es dein Wille war,
Hat an den Hals geschlagen   meinen lieben Vater gar."

Da sprach der Lamparter:   "Königstochter hehr:
Das ist kein Gott gewesen,   Elberich hieß der:
Er weiß mehr der Listen   als ich dir sagen mag."
Sie sprach: "Sollt ich den schauen,   so hätt ich fröhlichen Tag."

Da sprach der Lamparter:   "Lieber Elberich,
Lass die Königstochter   doch heute schauen dich;
Die Ritter und die Knechte,   die lass dich alle sehn:
Mir kann zu diesen Zeiten   wenig Lieberes geschehn."

Das wollt er ihm gewähren.  Er zeigt ihm manchen Stein,
Der aus dem lichten Golde   warf sonnenhellen Schein.
Von Rubinen und Karfunkeln   war die Krone reich genug,
Die auf seinem Haupte   der kleine Elberich trug.

Da ließ das Gezwerge   sich von den Leuten schaun;
Sie sahn es alle gerne,   die Männer und die Fraun.
Aus rotem Munde sprachen   viel schöner Frauen da:
"Ich wähne, dass keine Auge   schöner Bild noch ersah."

Da sprach die Königstochter   zu ihm gezogenlich:
"Wer halb dir bei dem Wunder,   lieber Elberich,
Da du meine Götter   warfest in den Graben?
Wie du das vollbrachtest,   des muss mich Wunder haben."

Mit Züchten sprach der Kleine:   "Die Kraft hab ich wohl:
Hättest du drei Kiele   deiner Götter voll,
Ihrer setzte Keiner    sich gegen mich zur Wehr:
Mit meinen beiden Händen   würf ich sie all ins Meer."

Da sprach die Königstochter:   "So muss ichs übersehn,
Was auch meinen Göttern   von dir ist geschehn.
Auf er Burg zu Garten   sollst du bei mir sein,
So vergess ich meines Vaters   und der lieben Mutter mein."

Da sprach mit großen Züchten   der kleine Elberich:
"Dir sitzt der Lamparter   zur Seite: Sicherlich,
Es kürzt dir wohl die Weile   die Nacht und auch den Tag,
Der Vater und Mutter   dir gar wohl ersetzen mag."

Da trug der kleine Elberich   eine Harfe in den Saal:
Er rührte so geschwinde   die Saiten allzumal,
Und mit so süßem Tone,   dass ihm der Saal erscholl:
Die ihn sahn und hörten,   ihre Freude wurde voll.

Da sprach der reiche Kaiser:   "Ich wähl euch Frauen klar,
Die euch zur Seite gehen   und sitzen immerdar,
Die euch den Psalter lehren   schrieben und lesen:
So mögt ihr an der Seelen,   edle Frau, wohl genesen."

Sie sprach: "Lieber Herre,   das tut immerhin."
Christenglauben lehrte   man da die Königin:
Pfaffen und Mönche   lehrten sie Gottes Wort;
Dem heidnischen Orden   entsagte sie hinfort.

"Nun rat ich," sprach der Kleine:   "Du hast hieher geladen
So manchen fremden Waisen:   Dem ersetze seinen Schaden.
Silbers und Goldes   geb ich dir also viel,
Reich machen kannst du jeden,   der es von dir nehmen will.

Dem die Freude liegen   um deinetwillen tot,
Dem sollst du das vergüten   mit meinem Golde rot;
Die keine Kinder ließen,   gedenk an ihre Fraun."
Da mochte man getröstet   manchen Trauernden schaun.

Ross und lichte Ringe   gab der Kaiser hehr:
Froh wurde von der Gabe   der traurig war bisher.
Er gab so viel des Goldes   und also reich Gewand,
Des Königs Hofgelage   ward kund in manchem Land.

Da er seine Gabe   so mildiglich gegeben,
Da sah man die Leute   gar wonniglich leben,
Bis ihnen Urlaub gaben   Kaiser und Kaiserin.
Von Ortnits Abenteuern   ist nun das sechste hin.

Ü   Þ

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