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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Drittes Abenteuer

Wie Ortnit über Meer fuhr

"Wer gab dir all die Waffen,"   sprach die Mutter da.
Nun sagt' ihr Ortnit alles,   wie es ihm geschah.
"Ich will vor dir nicht leugnen,"   sprach das schöne Weib:
"Ich ergebe deiner Gnade   Ehre, Leben und Leib."

Mit Halsen und mit Küssen   erwarb sie seine Huld. -
Nun naht es seiner Meerfahrt.   Er erharrte mit Geduld
Auf Garten, seiner Veste,   das wechselnde Jahr.
Die ihm da helfen wollten,   die kamen alle dar.

Er befahl dem Markgrafen   die Mutter und das Land.
Ihm schwuren all die Herren.   Da schied er zuhand
Mit seinen Schargenossen   von der Königin.
Er fuhr mit seinen Holden   in den Hafen von Messin.

Da empfing ihn gütlich   der heidnische Mann.
Die Kielen lagen fertig:   Da fuhr er bald hindann.
Ihm waren auf drei Jahre   die Kiele voll geladen.
Da löste man die Anker,   sie flossen von den Gestaden.

Fröhlich fuhr von dannen   der König und sein Heer.
An dem zwölften Morgen,   da kam er über Meer.
An des Mastbaums Höhe   ein Schiffer oben trat:
Er sah die Burg zu Suders,   des Heiden oberste Stadt.

Er rief mit lauter Stimme:   "Nun mög uns wohl geschehn!
Ich habe da zu Syrien   das weite Land gesehn
Und auch die Stadt zu Suders;   sie kann nicht fern mehr sein:
Lasst uns behutsam fahren,   dass wir ohne Sorgen sei'n."

Da begann der Marner,   der ihm der Schiffe pflag:
"Leider dass ich gutes   euch jetzt nicht raten mag -
Schlägt der Wind uns näher,   so kehren wir nicht wieder." -
Er sprach zu seinen Knechten:   "Lasst gleich die Segel nieder!"

Da sprach der Lamparter:   "Ist dir kund das Land?
Sind wir recht geflossen   gen Suders an den Strand?
Und sagst du nicht die Wahrheit,   ich nehme dir das Leben;
Sonst will ich dir zu Botenbrot   zwölf goldne Spangen geben."

"Gen Syrien in den Hafen   sind wir geflossen wohl;
Doch will ich euch nicht raten,   dass man hier ankern soll.
Mich dünkt, wir sind zu nahe   getrieben schon der Stadt,
Da Suders die Veste   manche Raubgaleere hat."

Da sprach der Lamparter:   "Hier kenn ich mich nicht wohl:
Wie gern ich weiter führe,   ich weiß nicht ob ich soll.
Den ich auf der Reise   zum Meister hatt erkoren,
Und der mich lehren sollte,  den hab ich leider verloren.

Ich sollte wieder kehren:   Was hilft mich meine Fahrt?
Ich bin auf der Reise   gar übel nun bewahrt."
Mit traurigem Mute   der Held umfangen saß.
"Du musst uns nicht untrösten,"   sprach den Reußen Ilias.

Ich möcht euch gerne trösten,   weh, dass ichs nicht vermag!
Nun mög es Gott erbarmen,   dass ich erlebt den Tag.
Der mir aus den Sorgen   ein Helfer sollte sein,
Der ist mir allzu ferne,   vergessen hatt ich sein."

Da sprach der Reußenkönig:   "Du hast doch alle hier:
Die dir helfen wollten,   die siehst du auch bei dir.
Zu Sturm und zu Streite   sind sie gar wohl bewahrt:
Achtzigtausend Helden   stehen in den Ringen geschart."

"Und vergaß jedoch des Besten,"   sprach er und wandte scih
Mit Sorgen um: Zur Seite   stand ihm da Elberich.
Da ward der Lamparter   so wonnereich, so froh;
Er vergaß der Sorgen;   laut rief der König so:

"Lieber Herr und Vater,   wer hat dich hergebracht?
Nun will ich fröhlich lachen:   Das hatt ich nicht gedacht."
Er zog ihn in die Arme;   er küsst' ihn auf den Mund.
Mit Züchten sprach der Kleine:   "Es ist dir, Held, nicht kund,

Wie große Treu ich hege   zu dir: Was ist mein Lohn?
Du hast von mir gelassen;   ich ließ dich nicht, mein Sohn.
Du hattest mich vergessen,   doch nicht vergaß ich dein.
Empfang mich wie du wolltest:   Ich will doch bei dir sein."

Da sprach der Lamparter:   "Um Gott, bescheide mich:
Sag mir auf meine Treue,   wo verbargst du dich?"
Er sprach: "In der Keibe   dort auf dem Mastbaum hoch.
Ich mochte mich nicht zeigen,   versuchen wollt ich dich noch."

Da sprach der Lamparter:   "Nun sei mir willkommen:
Dass ich dich wiederhabe,   das muss mir immer frommen.
Mir war gar weh zu Mute,   weil ich dich nicht besaß."
"Wer ists, mit dem du raunest?",   sprach von Reußen Ilias.

"Du verlierst nun diese Reise   Leben nun und Leib:
Wehe sei gerufen   über das schöne Weib!
Dass ich je von ihr gesprochen,   das will ich Gott nun klagen!"
Da sprach der Lamparter:   "Ich will dir gute Märe sagen."

"Sag ihm, auf seine Treue,"   sprach der kleine Mann,
"Dass ich dir will gewinnen   das Mägdlein wohlgetan.
Sein Herz ist dir gewogen,   er trägt dir keinen Hass.
Wen ihr mich beide wisset,   desto besser dünkt mich das."

Da sprach der Lamparter:   "Oheim, komm hieher,
Du wirst mir immer danken,   ich weiß dir gute Mär.
Glaube nicht, ich habe   geraunt mit mir allein.
Willst du mehr erfahren,   so tritt hieher zu uns zwein."

Da sprach der Reußenkönig:   "Wer kann da bei dir sein?
Mit solcher Ansprache   machst du mich grau vor Pein."
Wie schwer der Lamparter   den Oheim erbat,
Dass er zu dem Kleinen   und zu dem Großen trat!

Da sprach der Schiffsführer:   "Nun gebt euch selber Rat.
Mich wundert, wie dem König   so wenig Sorge naht.
Wollt ihr mit den Heiden   streiten auf dem Meer,
So bereitet euch zum Kampfe:   Dort naht ein mächtig Heer.

"Mit griechischem Feuer   (der Streit ist uns nicht gut)
Verbrennen sie die Schiffe:   Wir müssen in die Flut."
Da standen sehr in Sorgen   die beiden Könge reich.
"Ich weiß euch wohl zu raten,"   sprach Elberich sogleich.

"Getreuer Freunde Lehre   war stets in Nöten gut."
Sich segnete der Reuße,   erschreckt war ihm der Mut.
"Wer ist, der uns die Lehre   und seine Räte beut?
Willst du dich nicht segnen,   reicher König Ortneit?

Von zweien ist es eines,   der Teufel oder Gott.
Sag an, bist du geheuer,   so leist ich dein Gebot."
Da sprach der Lamparter:   "Es ist ein wild Gezwerg;
Ihm dient in den Landen   manch Tal und mancher Berg."

Da sprach der Reußenkönig:   "Das sprichst du überlaut;
Doch kann ich es nicht glauben,   ich hab es denn geschaut."
Da sprach der Lamparter:   "Hörst du es denn nicht?" -
"Ich weiß nicht was es sein mag,   ich schau es denn von Angesicht.

"Es mag mit Zauberlisten   ein Gespenst wohl sein."
Willst du es gerne schauen,   so nimm dies Ringelein,
Und stoß es an den Finger,   so wird es dir bekannt."
Der Reuße laut erlachte,   da er den Kleinen fand.

Er sprach mit süßen Worten:   "Von wannen kommst du, Kind?
O weh, dass deine Freunde   dir doch so ferne sind!"
"Und dünk ich dich so kleine,   doch glaube mir fürwahr,
Ich trag auf meinem Rücken    mehr denn fünfhundert Jahr.

Folget meinem Rate,   das ist euch beiden gut:
Wer nach des Freundes Räten   und seiner Lehre tut,
Misslingt ihm dann, so hat er   keine Schuld daran;
Es lehrt ein Freund den andern   was er von selber nicht kann.

Ein König darf auch lügen,   gebeut des Lebens Not;
Gefüge Rede hilfet   manchem vor dem Tod.
Fragt man euch um Märe   woher ihr kommen sei't,
So sprich, du wärst ein Kaufmann,   und bätest um ihr Geleit."

Der König sprach: "Wie wenig   der Rat mir Heil verspricht!
Ich spräche gern mit ihnen,   ich kann die Sprache nicht;
Sie können nicht die meine,"   so sprach der König reich.
"So muss ich dich sie lehren,"   sprach Elberich sogleich.

Du wirst mirs immer danken:   Hier hast du einen Stein,
Der lehrt dich alle Sprachen,   wie fremd sie immer sei'n.
Wenn du ihn verborgen   trägst in deinem Mund,
Was man zu dir redet,   das ist dir alles kund."

"Wie soll ich das glauben?",   sprach König Ortneit,
"Dass Gott einem Steine   solche Kraft verleiht,
Dass man aller Völker Sprache   mag durch ihn vernehmen:
Du willst mich nur betrügen,   des solltest du dich schämen."

"Schweig," sprach der Kleine,   "du strafst mich allzuviel.
Gott tut mit Steinen   und Kräutern was er will.
Ihm ist nichts unmöglich,   das glaube sicherlich,
Er wirkt alle Wunder,"   so sprach da Elberich.

Er ließ den Stein sich geben:   Der galt wohl manches Pfund.
Da sprach der Lamparter:   "Das ist ein süßer Fund."
Da wollt ihn behalten   der edle König hehr,
bis die wilden Heiden   ihm begegneten auf dem Meer.

Als er den Stein so heimlich   verbarg in seinen Mund,
Er sprach: "Lass mich versuchen,   tu deine Kraft mir kund."
Da trat der Lamparter   hin an des Kieles Bord,
Da deucht' ihn, er vernehme   schon aller Leute Wort.

Da rief der Schiffsführer:   "O weh dieser Not!
Vierzig Raubgaleeren   seh ich mit Bannern rot.
Was sie damit auch meinen,   sie steuern auf uns her:
Wer reden kann mit ihnen,   der bescheide sie der Mär."

Die wilden Heiden schifften   schnell auf der wilden See;
Laut klangen ihre Segel,   weiß wie der Schnee,
Beiderseits der Kiele;   gern sah es Ortneit.
Da rief ein wilder Heide:   "Nun saget an, wer ihr seid."

Da sprach der Lamparter:   "Ich bin ein Kaufmann,
Der reichen Kaufschatz führet   und großes Gut gewann."
Er winkte seinen Leuten,   das Volk verbarg sich da
Mit Helmen und mit Schilden,   dass man es nicht mehr sah.

Unterm Decke bargen   sich die Herren so;
Dass er die Sprache konnte,   des waren alle froh.
Das kam ihm von dem Steine,   den ihm das Kind gegeben:
Man sah den Lamparter   in vollen Freuden leben.

"Wer hieß euch so nahe   zu dieser Veste fahren?
Ihr hättet," sprach der Heide,   "davor euch sollen wahren."
"Ich will noch näher führen   mich selber und mein Gut:
Ich weiß, die Kaufschatz bringen,   dass ihr denen doch nichts tut.

"Von Kerlingen bring ich   das köstliche Gewand,
Das ich zu kaufen   in welschen Landen fand.
Damit hab ich die Kiele   gefüllt und beladen:
Nun gebt mir Geleite,   und helft mir zu den Gestaden.

"Das schafft diesem Lande   Frommen immerdar:
Helft mir in die Mauern,   dabei ist nicht Gefahr."
"Wer solche Schätze bringet,   der soll willkommen sein,"
Sprachen da die Städter,   und fuhren wieder hinein.

Da kam der Stadtrichter   an das Gestad heran.
Da fragte sie um Märe   der mächtige Mann.
Sie sprachen: "Herr, von Kaufschatz   sind ihre Kiele voll,
Sie bitten um Geleite:   Ob man es gewähren soll?"

Er sprach: "Wer Kaufschatz führet,   dem tue niemand Zwang,
Das will ich gebieten   bei Hals und bei Strang."
So sprach der Stadtrichter:   "Ich kann sie wohl bewahren:
Dass niemand sie beschädige,   will ich selbst mit ihnen fahren."

Da hieß er sich bereiten   eine kleine Raubgaleer,
Vierzig Posauner   darin oder mehr.
Eine Fahne mit dem Kreuze   er an den Mastbaum band,
Damit die Christen sähen,   sie hätten Frieden im Land.

Da rief der Schiffsführer,   der auf dem Mastbaum stand:
"Gehabt euch wohl, da unten:   Es ist nun wohl bewandt:
Wir fließen mit den Kielen   schön in den Hafen ein:
Der Stadtmeister selber   will unser Geleite sein."

Da fuhr der Stadtrichter   vor allen Heiden her;
Viel Posaunen klangen   von seiner Raubgaleer.
Er brachte sie zum Hafen   und hieß sie willkomm sein.
Er sprach: "Wenn ihr nun wollet,   so fahrt in Barken herein."

Da blieb er auf dem Wasser   den Tag bis an die Nacht,
Bis er seine Kiele   zusammen all gebracht.
"Nun gib mir Rat und Lehre,   lieber Elberich, sogleich,
Wie wir die Stadt gewinnen,"   so sprach der König reich.

Die Pforte steht offen,   und niemand tut uns Wehr:
Wir dringen, wenn sie schlafen,   herein mit unserm Heer,
Und lassen sie's entgelten,   dass sie Heiden sind:
Wir schlagen in der Veste   sie zu Tod mit Weib und Kind."

Im Zorne sprach der Kleine:   "Wer lehrte dich die List?
So wär es gar übel,   dass du ein König bist.
Willst du ihn so erzürnen,   der dich empfangen hat,
Nicht erst ihm wider sagen,   das wär unlöbliche Tat.

Da sprach der Lamparter:   "Das muss man mir vertragen:
So zornig ist der Heide,   wer wollt ihm wider sagen?
Ich schick ihm keinen Boten   auf seine Gnade dar:
Tu ich ihm was zu Leide,   er wird es so wohl gewahr."

"In Treuen," sprach der Kleine,   "so wär die Schande dein.
Eh man dich ewig schelte,   wollt ich der Bote sein.
Gedenke doch der Ehre;   wie bist du so verzagt?
Willst du mir es danken,   so hab ich bald ihm wider sagt."

Da sprach der Lamparter:   "So wär ich immer froh.
Ich will dir wieder dienen,   fügt es sich einmal so.
Soll ich dich hier erwarten?",   sprach der König reich.
"Ich komme morgen wieder."   Da fuhr er hin sogleich.

Da ließ alsbald ihn schauen   das wilde Gezwerg,
Dass er wohl Kunde hatte   hier von Tal und Berg,
Von jeder Burg, wie ferne   sie bei den Heiden lag.
Er kam gen Montabauer,   bevor es wurde Tag.

Er setzte bei der Mauer   sich hin auf einen Stein:
Da musst er lange harren,   bis an des Tages Schein,
Wollt er die Botschaft werben,   die man ihn werben bat.
Der Heid am frühen Morgen   ob ihm an die Zinne trat.

Er dachte sich zu kühlen   da oben an der Luft:
Er hatte vor der Hitze   geräumt der Kammer Gruft.
Mit Züchten sprach der Kleine:   "Wer ists, der oben steht?
Ich bäte gern um Kunde,   wenn er es nicht verschmäht.

"Wo ist der Herr des Hauses?"   Da sprach er: "Das bin ich."
Er sah nicht den Kleinen   und fürchtete sich.
"Was ists, das zu mir redet,   das ich nicht sehen kann?"
Er sprach: "Bist du der Teufel?   Was willst du? Sage mir an."

"Nein," sprach der Kleine,   "ein Bote kam ich her:
Von Gott und meinem Meister   künd ich dir gute Mär."
"Nach deines Gottes Märe   frag ich nicht fürwahr:
Was er mag mir entbieten,   das acht ich nicht ein Haar.

Mich kümmert auch gar wenig   seine Bitte, sein Gebot.
Ich fürchte nur Apollen    und Machmet, meinen Gott.
Denen dien ich gerne,   sie gebieten mir allein."
Im Zorne sprach der Kleine:   "Wie lang willst du unselig sein?

Dass du an den nicht glaubest,   der Höh und Tiefe misst,
Und dass du ihn nicht fürchtest,   der allein gewaltig ist,
Der alles hat erschaffen,   und dich ihm selber gleich.
Machmet und Apollo,   wo ist ihr Himmelreich?"

"Es sei wo es wolle,"   der Heide sprach da so,
Mich und meine Gesellen   machen sie alle froh."
Im Zorne sprach der Kleine:   "Du bist an Witz ein Kind:
Ich bin wohl selber stärker   als alle deine Götter sind."

Da sprach der Heide wieder:   "Nun mache mir bekannt,
Was sollst du bei mir werben,   wer hat dich ausgesandt?"
Er sprach: Mich hat gesendet   zu dir der Meister mein:
Einem reichen König geben   sollst du die liebe Tochter dein."

"O weh," rief der Heide:   "Dass ich je geboren ward!"
Vor Zorn und vor Leide   rauft' er sich den Bart.
"Nie um meine Tochter   warb ein Mann, das glaubt,
Ich ließ ihm niederschlagen   zur Stelle gleich das Haupt."

Da sprach der Kleine wieder:   "Das lassen wir nun stehn:
Es hat sich oft begeben,   was nie mehr wird geschehn.
Ich sags auf meine Treue,   gibst du ihm nicht die Magd,
Mit Gewalt wird er sie nehmen:   Dir sei von ihm wider sagt."

Laut schrie der Heide,   mit Weinen sprach er da:
Dass mir so große Schande   im Leben je geschah!
Nie durfte noch auf Erden   ein Mann mir wider sagen:
Dass ich es nun muss hören,   das will ich meinen Göttern klagen.

"Das glaube wahrlich, hätt ich   dich in meiner Hand
Und wäre dein der Himmel,   ich schlüg dich um die Wand."
Einen Stein so ungefüge   stieß er in den Graben:
Damit wollt er zu Tode   den kleinen geworfen haben.

Im Zorne sprach der Kleine:   "Was hilft dir deine Wehr?
Gib ihm deine Tochter,   sonst nimmt sie dir sein Heer.
Wenn du sie ferne meinest,   so brechen sie hervor:
Er nimmt sie dir zum Trotze   und hängt dich auf vor dem Tor.

So laut schrie der Heide,   es schallte Berg und Tal,
Dazu die Burg, die weite,   von seiner Stimme Schall.
Die Heiden in der Veste   erwachten von dem Schrei:
Sie kamen all verwundert   zu schauen was da sei.

Da sprach die alte Heidin:   "Du musst von Sinnen sein."
"Nicht doch," sprach der Heide,   "man begehrt die Tochter mein.
Jetzt hat mir eine Stimme   so Frevel wider sagt,
Dass ich es nicht rächen kann,   das sei Machmet geklagt."

Die alte Heidin weinte   darüber zornesvoll:
"Nun helfet meinem Herren,   Machmet und Apoll!
Sollt ich so verlieren   mein herzliebes Kind,
Darüber müsst ich weinen,   dass meine Augen würden blind."

Da tröstete die Heidin   der heidnische Mann:
"Von Machmet und Apollo   wird uns schon Hilfe nahn.
Du sollst dich wohl gehaben,   liebe Herrin mein,
Ich will ihn bald bezwingen,   das sollst du sicher sein."

Da sandt er seine Heiden   zum Burggraben hin:
"Den sollt ihr mir stellen,   und lasst ihn nicht entfliehn."
Da ließen sich die Heiden   nieder in den Klee:
Sie schlugen und stachen   und taten Elberich nicht weh.

Hinter des Helden Rücken   barg sich das Zwergelein:
"Gebeut nun, dass die deinen   das Werfen lassen sein.
Vor Schlägen und vor Würfen   zu bergen weiß ich mich:
Wenn sie nach mir nun zielen,   so treffen sie, König, dich."

"Lasst es," sprach der König,   "mit Wurf und mit Schlag:
"Wie wollt ihr den wohl treffen,   den niemand schauen mag?
Was er nun klaffen möge,   das muss man ihm vertragen."
Da sprach der Kleine wieder:   "Was soll ich dem König sagen?

Möge Gott mir richten   über euer Leben!
Ich will dir nicht glauben:   Du musst mir Briefe geben."
"Da ich Botenbriefe   nicht übergeben mag,
Hiebei gedenke seiner!"   Da gab er ihm einen Schlag:

Die Leute hörtens alle,   so laut scholl seine Hand.
Unsinnig ward der Heide,   dass man ihn wütend band.
Niederfiel da Mutter   und Tochter zum Gebet:
Sie klagten ihre Schande   Apollen und Machmet.

Da hatte wohl geworben   die Botschaft Elberich:
Aus dem Graben hob er   zu Ortniten sich.
Wie viel sie nach ihm warfen,   so war er anderswo.
Von Ortnits Abenteuern   das dritte endigt so.

Ü   Þ

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