Drittes Abenteuer
Wie Ortnit über Meer fuhr
"Wer gab dir all die Waffen,"
sprach die Mutter da.
Nun sagt' ihr Ortnit alles, wie es ihm geschah.
"Ich will vor dir nicht leugnen," sprach das schöne Weib:
"Ich ergebe deiner Gnade Ehre, Leben und Leib."
Mit Halsen und mit Küssen
erwarb sie seine Huld. -
Nun naht es seiner Meerfahrt. Er erharrte mit Geduld
Auf Garten, seiner Veste, das wechselnde Jahr.
Die ihm da helfen wollten, die kamen alle dar.
Er befahl dem Markgrafen
die Mutter und das Land.
Ihm schwuren all die Herren. Da schied er zuhand
Mit seinen Schargenossen von der Königin.
Er fuhr mit seinen Holden in den Hafen von Messin.
Da empfing ihn gütlich der
heidnische Mann.
Die Kielen lagen fertig: Da fuhr er bald hindann.
Ihm waren auf drei Jahre die Kiele voll geladen.
Da löste man die Anker, sie flossen von den Gestaden.
Fröhlich fuhr von dannen
der König und sein Heer.
An dem zwölften Morgen, da kam er über Meer.
An des Mastbaums Höhe ein Schiffer oben trat:
Er sah die Burg zu Suders, des Heiden oberste Stadt.
Er rief mit lauter Stimme:
"Nun mög uns wohl geschehn!
Ich habe da zu Syrien das weite Land gesehn
Und auch die Stadt zu Suders; sie kann nicht fern mehr sein:
Lasst uns behutsam fahren, dass wir ohne Sorgen sei'n."
Da begann der Marner, der
ihm der Schiffe pflag:
"Leider dass ich gutes euch jetzt nicht raten mag -
Schlägt der Wind uns näher, so kehren wir nicht wieder." -
Er sprach zu seinen Knechten: "Lasst gleich die Segel nieder!"
Da sprach der Lamparter:
"Ist dir kund das Land?
Sind wir recht geflossen gen Suders an den Strand?
Und sagst du nicht die Wahrheit, ich nehme dir das Leben;
Sonst will ich dir zu Botenbrot zwölf goldne Spangen geben."
"Gen Syrien in den Hafen
sind wir geflossen wohl;
Doch will ich euch nicht raten, dass man hier ankern soll.
Mich dünkt, wir sind zu nahe getrieben schon der Stadt,
Da Suders die Veste manche Raubgaleere hat."
Da sprach der Lamparter:
"Hier kenn ich mich nicht wohl:
Wie gern ich weiter führe, ich weiß nicht ob ich soll.
Den ich auf der Reise zum Meister hatt erkoren,
Und der mich lehren sollte, den hab ich leider verloren.
Ich sollte wieder kehren:
Was hilft mich meine Fahrt?
Ich bin auf der Reise gar übel nun bewahrt."
Mit traurigem Mute der Held umfangen saß.
"Du musst uns nicht untrösten," sprach den Reußen Ilias.
Ich möcht euch gerne trösten,
weh, dass ichs nicht vermag!
Nun mög es Gott erbarmen, dass ich erlebt den Tag.
Der mir aus den Sorgen ein Helfer sollte sein,
Der ist mir allzu ferne, vergessen hatt ich sein."
Da sprach der Reußenkönig:
"Du hast doch alle hier:
Die dir helfen wollten, die siehst du auch bei dir.
Zu Sturm und zu Streite sind sie gar wohl bewahrt:
Achtzigtausend Helden stehen in den Ringen geschart."
"Und vergaß jedoch des Besten,"
sprach er und wandte scih
Mit Sorgen um: Zur Seite stand ihm da Elberich.
Da ward der Lamparter so wonnereich, so froh;
Er vergaß der Sorgen; laut rief der König so:
"Lieber Herr und Vater, wer
hat dich hergebracht?
Nun will ich fröhlich lachen: Das hatt ich nicht gedacht."
Er zog ihn in die Arme; er küsst' ihn auf den Mund.
Mit Züchten sprach der Kleine: "Es ist dir, Held, nicht kund,
Wie große Treu ich hege zu
dir: Was ist mein Lohn?
Du hast von mir gelassen; ich ließ dich nicht, mein Sohn.
Du hattest mich vergessen, doch nicht vergaß ich dein.
Empfang mich wie du wolltest: Ich will doch bei dir sein."
Da sprach der Lamparter:
"Um Gott, bescheide mich:
Sag mir auf meine Treue, wo verbargst du dich?"
Er sprach: "In der Keibe dort auf dem Mastbaum hoch.
Ich mochte mich nicht zeigen, versuchen wollt ich dich noch."
Da sprach der Lamparter:
"Nun sei mir willkommen:
Dass ich dich wiederhabe, das muss mir immer frommen.
Mir war gar weh zu Mute, weil ich dich nicht besaß."
"Wer ists, mit dem du raunest?", sprach von Reußen Ilias.
"Du verlierst nun diese Reise
Leben nun und Leib:
Wehe sei gerufen über das schöne Weib!
Dass ich je von ihr gesprochen, das will ich Gott nun klagen!"
Da sprach der Lamparter: "Ich will dir gute Märe sagen."
"Sag ihm, auf seine Treue,"
sprach der kleine Mann,
"Dass ich dir will gewinnen das Mägdlein wohlgetan.
Sein Herz ist dir gewogen, er trägt dir keinen Hass.
Wen ihr mich beide wisset, desto besser dünkt mich das."
Da sprach der Lamparter:
"Oheim, komm hieher,
Du wirst mir immer danken, ich weiß dir gute Mär.
Glaube nicht, ich habe geraunt mit mir allein.
Willst du mehr erfahren, so tritt hieher zu uns zwein."
Da sprach der Reußenkönig:
"Wer kann da bei dir sein?
Mit solcher Ansprache machst du mich grau vor Pein."
Wie schwer der Lamparter den Oheim erbat,
Dass er zu dem Kleinen und zu dem Großen trat!
Da sprach der Schiffsführer:
"Nun gebt euch selber Rat.
Mich wundert, wie dem König so wenig Sorge naht.
Wollt ihr mit den Heiden streiten auf dem Meer,
So bereitet euch zum Kampfe: Dort naht ein mächtig Heer.
"Mit griechischem Feuer
(der Streit ist uns nicht gut)
Verbrennen sie die Schiffe: Wir müssen in die Flut."
Da standen sehr in Sorgen die beiden Könge reich.
"Ich weiß euch wohl zu raten," sprach Elberich sogleich.
"Getreuer Freunde Lehre war
stets in Nöten gut."
Sich segnete der Reuße, erschreckt war ihm der Mut.
"Wer ist, der uns die Lehre und seine Räte beut?
Willst du dich nicht segnen, reicher König Ortneit?
Von zweien ist es eines,
der Teufel oder Gott.
Sag an, bist du geheuer, so leist ich dein Gebot."
Da sprach der Lamparter: "Es ist ein wild Gezwerg;
Ihm dient in den Landen manch Tal und mancher Berg."
Da sprach der Reußenkönig:
"Das sprichst du überlaut;
Doch kann ich es nicht glauben, ich hab es denn geschaut."
Da sprach der Lamparter: "Hörst du es denn nicht?" -
"Ich weiß nicht was es sein mag, ich schau es denn von
Angesicht.
"Es mag mit Zauberlisten
ein Gespenst wohl sein."
Willst du es gerne schauen, so nimm dies Ringelein,
Und stoß es an den Finger, so wird es dir bekannt."
Der Reuße laut erlachte, da er den Kleinen fand.
Er sprach mit süßen Worten:
"Von wannen kommst du, Kind?
O weh, dass deine Freunde dir doch so ferne sind!"
"Und dünk ich dich so kleine, doch glaube mir fürwahr,
Ich trag auf meinem Rücken mehr denn fünfhundert Jahr.
Folget meinem Rate, das ist
euch beiden gut:
Wer nach des Freundes Räten und seiner Lehre tut,
Misslingt ihm dann, so hat er keine Schuld daran;
Es lehrt ein Freund den andern was er von selber nicht kann.
Ein König darf auch lügen,
gebeut des Lebens Not;
Gefüge Rede hilfet manchem vor dem Tod.
Fragt man euch um Märe woher ihr kommen sei't,
So sprich, du wärst ein Kaufmann, und bätest um ihr Geleit."
Der König sprach: "Wie wenig
der Rat mir Heil verspricht!
Ich spräche gern mit ihnen, ich kann die Sprache nicht;
Sie können nicht die meine," so sprach der König reich.
"So muss ich dich sie lehren," sprach Elberich sogleich.
Du wirst mirs immer danken:
Hier hast du einen Stein,
Der lehrt dich alle Sprachen, wie fremd sie immer sei'n.
Wenn du ihn verborgen trägst in deinem Mund,
Was man zu dir redet, das ist dir alles kund."
"Wie soll ich das glauben?",
sprach König Ortneit,
"Dass Gott einem Steine solche Kraft verleiht,
Dass man aller Völker Sprache mag durch ihn vernehmen:
Du willst mich nur betrügen, des solltest du dich schämen."
"Schweig," sprach der Kleine,
"du strafst mich allzuviel.
Gott tut mit Steinen und Kräutern was er will.
Ihm ist nichts unmöglich, das glaube sicherlich,
Er wirkt alle Wunder," so sprach da Elberich.
Er ließ den Stein sich geben:
Der galt wohl manches Pfund.
Da sprach der Lamparter: "Das ist ein süßer Fund."
Da wollt ihn behalten der edle König hehr,
bis die wilden Heiden ihm begegneten auf dem Meer.
Als er den Stein so heimlich
verbarg in seinen Mund,
Er sprach: "Lass mich versuchen, tu deine Kraft mir kund."
Da trat der Lamparter hin an des Kieles Bord,
Da deucht' ihn, er vernehme schon aller Leute Wort.
Da rief der Schiffsführer:
"O weh dieser Not!
Vierzig Raubgaleeren seh ich mit Bannern rot.
Was sie damit auch meinen, sie steuern auf uns her:
Wer reden kann mit ihnen, der bescheide sie der Mär."
Die wilden Heiden schifften
schnell auf der wilden See;
Laut klangen ihre Segel, weiß wie der Schnee,
Beiderseits der Kiele; gern sah es Ortneit.
Da rief ein wilder Heide: "Nun saget an, wer ihr seid."
Da sprach der Lamparter:
"Ich bin ein Kaufmann,
Der reichen Kaufschatz führet und großes Gut gewann."
Er winkte seinen Leuten, das Volk verbarg sich da
Mit Helmen und mit Schilden, dass man es nicht mehr sah.
Unterm Decke bargen sich
die Herren so;
Dass er die Sprache konnte, des waren alle froh.
Das kam ihm von dem Steine, den ihm das Kind gegeben:
Man sah den Lamparter in vollen Freuden leben.
"Wer hieß euch so nahe zu
dieser Veste fahren?
Ihr hättet," sprach der Heide, "davor euch sollen wahren."
"Ich will noch näher führen mich selber und mein Gut:
Ich weiß, die Kaufschatz bringen, dass ihr denen doch nichts
tut.
"Von Kerlingen bring ich
das köstliche Gewand,
Das ich zu kaufen in welschen Landen fand.
Damit hab ich die Kiele gefüllt und beladen:
Nun gebt mir Geleite, und helft mir zu den Gestaden.
"Das schafft diesem Lande
Frommen immerdar:
Helft mir in die Mauern, dabei ist nicht Gefahr."
"Wer solche Schätze bringet, der soll willkommen sein,"
Sprachen da die Städter, und fuhren wieder hinein.
Da kam der Stadtrichter an
das Gestad heran.
Da fragte sie um Märe der mächtige Mann.
Sie sprachen: "Herr, von Kaufschatz sind ihre Kiele voll,
Sie bitten um Geleite: Ob man es gewähren soll?"
Er sprach: "Wer Kaufschatz führet,
dem tue niemand Zwang,
Das will ich gebieten bei Hals und bei Strang."
So sprach der Stadtrichter: "Ich kann sie wohl bewahren:
Dass niemand sie beschädige, will ich selbst mit ihnen
fahren."
Da hieß er sich bereiten
eine kleine Raubgaleer,
Vierzig Posauner darin oder mehr.
Eine Fahne mit dem Kreuze er an den Mastbaum band,
Damit die Christen sähen, sie hätten Frieden im Land.
Da rief der Schiffsführer,
der auf dem Mastbaum stand:
"Gehabt euch wohl, da unten: Es ist nun wohl bewandt:
Wir fließen mit den Kielen schön in den Hafen ein:
Der Stadtmeister selber will unser Geleite sein."
Da fuhr der Stadtrichter
vor allen Heiden her;
Viel Posaunen klangen von seiner Raubgaleer.
Er brachte sie zum Hafen und hieß sie willkomm sein.
Er sprach: "Wenn ihr nun wollet, so fahrt in Barken herein."
Da blieb er auf dem Wasser
den Tag bis an die Nacht,
Bis er seine Kiele zusammen all gebracht.
"Nun gib mir Rat und Lehre, lieber Elberich, sogleich,
Wie wir die Stadt gewinnen," so sprach der König reich.
Die Pforte steht offen, und
niemand tut uns Wehr:
Wir dringen, wenn sie schlafen, herein mit unserm Heer,
Und lassen sie's entgelten, dass sie Heiden sind:
Wir schlagen in der Veste sie zu Tod mit Weib und Kind."
Im Zorne sprach der Kleine:
"Wer lehrte dich die List?
So wär es gar übel, dass du ein König bist.
Willst du ihn so erzürnen, der dich empfangen hat,
Nicht erst ihm wider sagen, das wär unlöbliche Tat.
Da sprach der Lamparter:
"Das muss man mir vertragen:
So zornig ist der Heide, wer wollt ihm wider sagen?
Ich schick ihm keinen Boten auf seine Gnade dar:
Tu ich ihm was zu Leide, er wird es so wohl gewahr."
"In Treuen," sprach der Kleine,
"so wär die Schande dein.
Eh man dich ewig schelte, wollt ich der Bote sein.
Gedenke doch der Ehre; wie bist du so verzagt?
Willst du mir es danken, so hab ich bald ihm wider sagt."
Da sprach der Lamparter:
"So wär ich immer froh.
Ich will dir wieder dienen, fügt es sich einmal so.
Soll ich dich hier erwarten?", sprach der König reich.
"Ich komme morgen wieder." Da fuhr er hin sogleich.
Da ließ alsbald ihn schauen
das wilde Gezwerg,
Dass er wohl Kunde hatte hier von Tal und Berg,
Von jeder Burg, wie ferne sie bei den Heiden lag.
Er kam gen Montabauer, bevor es wurde Tag.
Er setzte bei der Mauer
sich hin auf einen Stein:
Da musst er lange harren, bis an des Tages Schein,
Wollt er die Botschaft werben, die man ihn werben bat.
Der Heid am frühen Morgen ob ihm an die Zinne trat.
Er dachte sich zu kühlen da
oben an der Luft:
Er hatte vor der Hitze geräumt der Kammer Gruft.
Mit Züchten sprach der Kleine: "Wer ists, der oben steht?
Ich bäte gern um Kunde, wenn er es nicht verschmäht.
"Wo ist der Herr des Hauses?"
Da sprach er: "Das bin ich."
Er sah nicht den Kleinen und fürchtete sich.
"Was ists, das zu mir redet, das ich nicht sehen kann?"
Er sprach: "Bist du der Teufel? Was willst du? Sage mir an."
"Nein," sprach der Kleine,
"ein Bote kam ich her:
Von Gott und meinem Meister künd ich dir gute Mär."
"Nach deines Gottes Märe frag ich nicht fürwahr:
Was er mag mir entbieten, das acht ich nicht ein Haar.
Mich kümmert auch gar wenig
seine Bitte, sein Gebot.
Ich fürchte nur Apollen und Machmet, meinen Gott.
Denen dien ich gerne, sie gebieten mir allein."
Im Zorne sprach der Kleine: "Wie lang willst du unselig sein?
Dass du an den nicht glaubest,
der Höh und Tiefe misst,
Und dass du ihn nicht fürchtest, der allein gewaltig ist,
Der alles hat erschaffen, und dich ihm selber gleich.
Machmet und Apollo, wo ist ihr Himmelreich?"
"Es sei wo es wolle," der
Heide sprach da so,
Mich und meine Gesellen machen sie alle froh."
Im Zorne sprach der Kleine: "Du bist an Witz ein Kind:
Ich bin wohl selber stärker als alle deine Götter sind."
Da sprach der Heide wieder:
"Nun mache mir bekannt,
Was sollst du bei mir werben, wer hat dich ausgesandt?"
Er sprach: Mich hat gesendet zu dir der Meister mein:
Einem reichen König geben sollst du die liebe Tochter dein."
"O weh," rief der Heide:
"Dass ich je geboren ward!"
Vor Zorn und vor Leide rauft' er sich den Bart.
"Nie um meine Tochter warb ein Mann, das glaubt,
Ich ließ ihm niederschlagen zur Stelle gleich das Haupt."
Da sprach der Kleine wieder:
"Das lassen wir nun stehn:
Es hat sich oft begeben, was nie mehr wird geschehn.
Ich sags auf meine Treue, gibst du ihm nicht die Magd,
Mit Gewalt wird er sie nehmen: Dir sei von ihm wider sagt."
Laut schrie der Heide, mit
Weinen sprach er da:
Dass mir so große Schande im Leben je geschah!
Nie durfte noch auf Erden ein Mann mir wider sagen:
Dass ich es nun muss hören, das will ich meinen Göttern
klagen.
"Das glaube wahrlich, hätt ich
dich in meiner Hand
Und wäre dein der Himmel, ich schlüg dich um die Wand."
Einen Stein so ungefüge stieß er in den Graben:
Damit wollt er zu Tode den kleinen geworfen haben.
Im Zorne sprach der Kleine:
"Was hilft dir deine Wehr?
Gib ihm deine Tochter, sonst nimmt sie dir sein Heer.
Wenn du sie ferne meinest, so brechen sie hervor:
Er nimmt sie dir zum Trotze und hängt dich auf vor dem Tor.
So laut schrie der Heide,
es schallte Berg und Tal,
Dazu die Burg, die weite, von seiner Stimme Schall.
Die Heiden in der Veste erwachten von dem Schrei:
Sie kamen all verwundert zu schauen was da sei.
Da sprach die alte Heidin:
"Du musst von Sinnen sein."
"Nicht doch," sprach der Heide, "man begehrt die Tochter mein.
Jetzt hat mir eine Stimme so Frevel wider sagt,
Dass ich es nicht rächen kann, das sei Machmet geklagt."
Die alte Heidin weinte
darüber zornesvoll:
"Nun helfet meinem Herren, Machmet und Apoll!
Sollt ich so verlieren mein herzliebes Kind,
Darüber müsst ich weinen, dass meine Augen würden blind."
Da tröstete die Heidin der
heidnische Mann:
"Von Machmet und Apollo wird uns schon Hilfe nahn.
Du sollst dich wohl gehaben, liebe Herrin mein,
Ich will ihn bald bezwingen, das sollst du sicher sein."
Da sandt er seine Heiden
zum Burggraben hin:
"Den sollt ihr mir stellen, und lasst ihn nicht entfliehn."
Da ließen sich die Heiden nieder in den Klee:
Sie schlugen und stachen und taten Elberich nicht weh.
Hinter des Helden Rücken
barg sich das Zwergelein:
"Gebeut nun, dass die deinen das Werfen lassen sein.
Vor Schlägen und vor Würfen zu bergen weiß ich mich:
Wenn sie nach mir nun zielen, so treffen sie, König, dich."
"Lasst es," sprach der König,
"mit Wurf und mit Schlag:
"Wie wollt ihr den wohl treffen, den niemand schauen mag?
Was er nun klaffen möge, das muss man ihm vertragen."
Da sprach der Kleine wieder: "Was soll ich dem König sagen?
Möge Gott mir richten über
euer Leben!
Ich will dir nicht glauben: Du musst mir Briefe geben."
"Da ich Botenbriefe nicht übergeben mag,
Hiebei gedenke seiner!" Da gab er ihm einen Schlag:
Die Leute hörtens alle, so
laut scholl seine Hand.
Unsinnig ward der Heide, dass man ihn wütend band.
Niederfiel da Mutter und Tochter zum Gebet:
Sie klagten ihre Schande Apollen und Machmet.
Da hatte wohl geworben die
Botschaft Elberich:
Aus dem Graben hob er zu Ortniten sich.
Wie viel sie nach ihm warfen, so war er anderswo.
Von Ortnits Abenteuern das dritte endigt so.
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