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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Zweites Abenteuer

Wie Ortnit das Geschmeide von Elberichen empfing

Da sprach der Lamparter:   "Nun bin ich bereit:
Wenn jetzt der Mai erschiene,   das wäre mir nicht leid.
Wir sollen mit der Vögel   Gesang über Meer.
Ich ruhe nicht, mir werde   denn das Mägdelein hehr."

Mit Zucht sprach seine Mutter,   das minnigliche Weib:
"Lass ab, Sohn, du gefährdest   das Leben und den Leib.
Du solltest billig hören   der nächsten Freunde Rat:
Es ging gar selten eben   was man ohne sie noch tat."

"Mutter und Herrin,"   sprach König Ortneit,
"Du sollst mir nicht verwehren   den Willen noch den Streit.
Was du mir sonst gebietest,   das ist alsbald getan;
Doch hätt ich tausend Mütter,   so führ ich dennoch hindann.

Ihr habt mich erzogen   bis auf den heutgen Tag:
Ich will auch Freude suchen   so lang ich leben mag.
Ich will gen Montabauer   nach der edeln Königin,
Und will auch nimmer ruhen   bis ihr Kuss wird mein Gewinn."

"So soll man dich nicht irren,"   sprach die Königin reich,
"Du mein Herr und Vater,   Mann und Sohn zugleich.
Da dichs so sehr gelüstet,   soll es dir niemand wehren:
Der reiche Gott vom Himmel   mag dir Heil dazu bescheren."

Die Mutter sprach: "Ich habe   nur dich, mein liebes Kind,
Da alle meine Freunde   bis auf dich geschwunden sind,
Und auf meinen Bruder,   deinen Oheim Ilias,
Der nimmer dein in Güte,   der Reußenkönig, vergaß."

"Mir träumt' ein Abenteuer:   Vor einer Felsenwand
Da sollt ich gewinnen   ein gutes Sturmgewand."
Mit klagenden Worten   sprach das edle Weib:
"Sohn, willst du das nicht lassen,   so verlierst du Leben und Leib."

Da sprach der Lamparter:   "Frau und Mutter mein,
Es mag ohn alles Unglück   ein Mann wohl nimmer sein.
Dem ich mich befehle,   der möge mich bewahren,
Geruht hab ich mich lange,   ich will wieder irre fahren.

Ich bin auf Abenteuer   nun lange nicht geritten:
Frau und liebe Mutter,   ihr sollt mir Heil erbitten.
Ich hab euch nie erzürnet;   doch also steht mein Sinn:
Und wehrt ihr mir die Reise,   so will ich gleichwohl dahin.

Bringt mir meine Ringe,"   sprach der kühne Mann,
"Ich muss auf Abenteuer   reiten in den Tann.
Mir ist so leicht zu Mute,   gewiss gelingt mir wohl;
Auf alle Weis' ein Biedrer   sein Heil versuchen soll."

Da sprach seine Mutter:   "Willst du in Sorgen leben
Und Abenteuer suchen,   ein Ding will ich dir geben,
So wert, dass du mir immer   musst desto holder sein:
Wenn du von hinnen reitest,   so nimm dies Ringelein.

Ich gebe dir das Ringelein,   das lichte rote Gold;
Gibst du es anders jemand,   so werd ich nie dir hold."
Da sprach der Lamparter:   "Ich schwör euch einen Eid,
Ich geb es anders niemand:   Ich seh, es wär euch Leid."

Als er das kleine Ringelein   empfing und recht besah,
Er schaut' es an gar lange,   mit Lachen sprach er da:
"Nun nimmt mich immer Wunder,   liebe Mutter mein,
Warum ihr also liebet   dieses kleine Ringelein?"

Sie sprach: "Du weist noch wenig   von dem kleinen Ringelein;
Gib es nicht weg und würden   auch alle Reiche dein.
Das Gold ist wenig nütze,   doch ist der Stein so stark,
Es frommt in diesem Jahre   dir wohl achtzigtausend Mark.

Das Ringlein ist so kleine,   es dünkt dich wenig wert;
Doch suchst du Abenteuer   wie es dein Herz begehrt,
Wenn du von hinnen reitest,   so lass es nicht zu Haus;
Du findest Abenteuer,   die wirkt der Stein dir aus.

Wenn du von Garten reitest,   so kehr zur linken Hand,
Durch Wälder und Gebirge   zu Tal die Felsenwand
Und merke wo die Linde   auf einem Anger steht
Und gar ein kühler Brunnen   aus der Steinwand geht.

Grün ist die Linde,   der Anger ist nicht schmal,
Fünfhundert Rittern schattete   der Baum wohl auf Mal.
Und kommst du zu der Linden,   so magst du selbst gestehn,
Sollst du Abenteuer finden,   so muss es hier geschehn."

Mit Dank schied der Werte   da von der Mutter sein.
Sie sprach: "Du sollst nicht bergen,   Sohn, das Ringelein.
Wohin du immer reitest,   so blink es offenbar:
Du findest Abenteuer,   es weist der Stein dich dar."

Da schied der Lamparter   gar unverzagt hindann
Von der Burg zu Garten   und seinem ganzen Bann.
Das war den Getreuen   und den Biedern leid,
Dass er das verschmähte,   dass ihm jemand gab Geleit.

Da mied er das Gefilde,   wie ihn die Mutter bat,
Und wandte sich zur Wilde   wohl ohne Straß und Pfad.
Stets hielt er vor die Sonne   das Gold an seiner Hand,
Und ritt durch Dick und Dünne   zu Tal die Felsenwand.

Er kam in eine Aue   dort an dem Gartensee,
Da entsprangen auf der Heide   Blumen und süßer Klee.
Die Vögel sangen lieblich,   ihr Schallen wurde groß:
Die Nacht war ihm vergangen,   des Reitens ihn verdross.

Am Morgen über Berge   die Sonne warf den Schein;
Er besah an seinem Finger   das Gold und auch den Stein.
Da fand er auf dem Anger   das grüne Gras geknickt,
Und sah mit kleinen Füßen   einen schmalen Pfad gedrückt.

Dem Pfade folgt er immer   zu Tal die Felsenwand,
Bis er den kühlen Brunnen   und auch die Linde fand,
Dazu die breite Heide   unter dem Lindenast:
Da saß auf grünem Reise   so mancher werte Gast.

Die sangen laut zur Wette   und kürzten sich die Zeit.
"Ich bin schon recht geritten,"   sprach König Ortneit.
Da freute sich sein Herze,   dass er die Linde fand;
Er stieg von seinem Rosse   und nahm es an die Hand.

Den Baum beschaut' er lange,   sein Mund mit Lachen sprach:
"Das weiß wohl Gott im Himmel,   du hast ein schönes Dach.
Es ging von einem Baume   nie so süßer Wind."
Unter der Linde,   da sah er ein kleines Kind.

Das hatte sich gar artig   hier in das Gras geschmiegt:
"Was für ein Kindlein ist es,"   gedacht er, "das da liegt?"
Es trug an seinem Leibe   Gewand so wunderschön,
An keinem Fürstenkinde   wirds in der Welt gesehn.

Mit Gold und mit Gesteine   geziert war sein Gewand.
Als er das Kind alleine   unter der Line fand:
"Weh, wo ist deine Mutter,"   sprach König Ortnit,
"Dass man dich unbehütet   unter diesem Baume sieht?

Du trägst an deinem Leibe   Gewand, das ist so gut,
Ich darf dich nicht erwecken,   ich habe nicht den Mut.
Deiner Kindesschöne willen   wag ich dir nichts zu tun;
Gern hätt ich dich zum Sohne,   wollt es nur Gott geruhn.

In kindlicher Weise    vier Jahre scheinst du alt;
Führt' ich dich von hinnen,   was helfe die Gewalt?
Mir brächt es wenig Ehre,   niemand hütet dein:
Wo ist nun deine Mutter,   viel liebes Kindelein?"

Von Gold und von Gesteine   war das Gewand ihm gar;
Der König stund und schaute   seinen Leib und auch sein Haar.
Sein Leib und seine Hülle   schien ihm gar zu schön.
Es kam von einem Steine,   dass er es mochte sehn:

Den trug er allerwegen   mit dem Ring an seiner Hand.
Er stand mit sich im Streite,   da er es liegen fand.
Er sprach: "Du bist so lieblich,   auch ist dein Kleid so gut:
Find ich dich gleich alleine,   du bist nicht ohne Hut.

Ich bin auf Abenteuer   geritten all die Nacht,
Nun hat mich Gott der gute   zu der Linde hier gebracht.
Da ich Abenteuer suchend   hieher geritten bin,
Und nichts anders finde,   so musst du mit mir hin."

Sein Ross band der König   an den Lindenast;
Er sprach: "Ich muss versuchen   ob du wen bei dir hast.
Wie lange willst du schlafen?",   der Lamparter rief.
Der Kleine ließ ihn schauen,   dass er so fest doch nicht schlief.

Er wollt in Kindesweise   zu seinem Ross ihn tragen:
Da ward nach seinem Herzen   ein starker Schlag geschlagen.
"Wie schlägst du ungefüge,"   sprach der König hehr,
"So große Leibesstärke,   wo nimmst du, Kind, sie her?

Du willst mir entrinnen,   das geht nicht so geschwind."
Es verdross den Großen,   dass er rang mit einem Kind.
Doch half dem seine Stärke,   dass er nicht weit es trug:
Wie stark das Kind den Großen   mit seinen Fäusten schlug!

Da sprach der Lamparter:   "Wer seien Feinde spart
Und seinen Freund erzürnet,   der ist nicht wohl bewahrt.
Er mag von ihnen beiden   wohl großen Schaden nehmen:
Kleiner Feinde, schmaler Wunden   darf sich ein Mann nicht schämen.

"Wie bist du ungefüge,"   sprach er, "kleiner Gast?
Wie kommt dir solche Stärke,   Kind, wie du sie hast?
Du willst mir entrinnen;   ich halte dich mit Zwang."
Sich segnet' oft der Große,   da er mit dem Kleinen rang.

"Wie dünk ich dich so wenig,"   sprach da Elberich,
"Ich hieß ein reicher König   eh ich gesehen dich.
Gesteint ist meine Krone,   das wisse nur, so reich,
Du magst sie nicht bezahlen   mit deinem Königreich."

Da sprach der Lamparter:   "Dem siehst du wenig gleich,
Dass deine Krone besser   wär als mein Königreich.
Wie du auch prahlen mögest,   es hilft dir jetzt nicht mehr,
Ich nehme dir das Leben,"   so sprach der König hehr.

Der Große war im Zorne,   der Kleine sah es froh;
Der Kleine laut erlachte;   dem Großen war nicht so.
Ihm schuf zuletzt die Größe,   die Länge doch Gewinn:
Da betrog den Kleinen   sein allzu hoch fährtger Sinn.

Seines Spottens willen   ward ihm der Preis genommen:
Er wär, wenn er nicht lachte,   nicht so zu Fall gekommen.
Der Große nahm den kleinen   und warf ihn in das Gras:
Dem ward des Sieges Ehre,   weil er zu spotten vergaß.

Zwölf Männer Stärke   hatte der große Mann;
Doch zwang er kaum den Kleinen,   dass er ihm nicht entrann.
Da so er auf der Erde   vor ihm bezwungen lag,
Da griff er nach dem Schwerte,   und wollt ihm geben einen Schlag:

Der Schlag hätt ihm genommen   Leben und Leib.
Der Kleine sprach: "Du schlügest   besser wohl ein Weib.
Du pfändest mich zu teuer,   willst du mich erschlagen:
Du magst mich lieber fangen,   wenn du Ehre willst erjagen."

Da sprach der Lamparter:   "So bin ich nicht gesinnt:
Wie brächt es mir wohl Ehre,   dass ich dich fing, ein Kind?
Wollt ich dich gefangen   mit mir führen hin,
Des spotteten die Leute,   weil ich der größere bin.

"Will mein Schwert dich schneiden,   so ist es dein Tod;
Ich kam von einem Manne   nie in so große Not.
Du möchtest mich verraten,   ließ' ich dich länger leben."
"In Treuen," sprach der Kleine,   "ich will mich dir gefangen geben."

Da fiel er ihm zu Füßen   und fleht' ans Herzenskraft:
"Lass mich leben, Ortnit,   bei deiner Ritterschaft!
So geb ich dir zu Lohne   das beste Sturmgewand,
Das jemals auf Erden   jung oder alt wohl fand.

"Wohl achtzigtausend Marken   ist die Brünne wert.
Zu diesem Halsberge   geb ich dir ein Schwert,
Das jeden Panzer schneidet   als wär er nicht von Stahl;
Wie fest ein Helm auch wäre,   es schlüg ihm manch ein Mal.

Ich wähne, dass auf Erden   kein besser Schwert nun sei.
Ich bracht es aus dem Lande,   das heißet Almarei.
Es ist geziert mit Golde,   und lauter wie ein Glas;
Ich schufs in einem Berge,   der heißet Kaukasas.

Das Schwert will ich dir geben:   Seine Farbe die ist licht;
Wie viel du mit ihm streitest,   gewinnt es Scharten nicht.
Es ist geheißen Rose,   den Namen hat das Schwert;
Wo es Schwerter gilt zu ziehen,   da bist du wohl bewehrt.

Zu dem Halsberge   gehört ein Beingewand,
All seine Ringe wirkt' ich   mit meiner eignen Hand.
Und geb ich dir die Ringe,   so wirst du ihnen hold:
Da ist kein Falsch zu finden,   es ist das lautre Gold.

Zu den lichten Ringen   wird dir ein Helm so schön,
Dass man auf Kaisers Häupten   noch bessern nie gesehn.
Der solchen Helm darf tragen,   wie selig ist der Mann!
Da man in Meilenbreite   sein Haupt erschauen kann.

Zu allem dem Geschmeide   geb ich dir einen Schild,
So festen und so starken,   gewiss, du nennst mich mild,
Den kein Geschoss verwundet   und keines Schwertes Schlag;
Auch keines Feuers Hitze   ihn je durchdringen mag."

Da sprach der Lamparter:   "Wie reiche Gab es ist,
Ich lasse dich doch nimmer,   du sagst denn, wer du bist."
Mit Züchten sprach der Kleine:   "Ich bin ein wild Gezwerg;
Mir dient in Lamparten   manch Tal und mancher Berg."

"So muss du dich doch nennen,"   sprach der König reich.
"Du magst mich Elbrich rufen,   so komm ich zu dir gleich."
Da sprach der Lamparter:   "Noch lass ich dich nicht frei:
Dir hilft nicht dein Halsberg,   dein Schwert, wie gut es sei,

Noch was du sonst verheißen   mir hast und denkst zu geben,
Es kann dir wenig helfen,   ich nehme dir das Leben.
Unter der grünen Linden   enthaupt ich dich sogleich,
Du hilfst mir denn gewinnen   die edle Königin reich."

"Wer ist sie," sprach der Kleine,   "die da meint dein Mut?
Eine edle Königstochter   an Leib und auch an Gut?
Mag sie wohl mit Ehren   geheißen sein dein Weib?
Ich gewinne dir die Hehre,   oder nimm mir Leben und Leib."

"Ihr Vater hat viel Lande   jenseits an dem Meer;
Ich kann sie nicht erwerben,   ihn suche denn mein Heer.
Der unreine Heide   will sie niemand geben,
Niemand darf um sie bitten,   man nähm ihm denn das Leben.

Der König ist gewaltig   über all die Heidenschaft,
Überm Meer dienen   viel Könge seiner Kraft.
Er wohnt zu Montabauer,   das glaube sicherlich."
"Ei, wie wohl ich ihn kenne!",   sprach wieder Elberich.

"Willst du mich nun lassen,"   sprach der kleine Mann,
"Was ich verheißen habe,   das wird zumal getan."
"Ich wähne," sprach der König,   "du scheidest nicht von mir
Bis du mir Bürgen setzest:   So lang behalt ich dich hier."

"Du treibst mich in die Enge,"   sprach der kleine Wicht,
"Du solltest doch bedenken,   ich habe Bürgen nicht.
Lass mich um Gottes Willen,"   sprach der kleine Knabe;
"Dir wird wohl geleistet   was ich verheißen habe."

Da sprach der Lamparter:   "Das tu ich nicht fürwahr,
Ich sehe denn mit Augen   die lichten Ringe klar."
"Im Treuen," sprach der Kleine,   "sie werden nimmer dein,
So lang von deinen Händen   ich muss gefangen sein."

"Nun rate gut uns beiden,"   hub der König an.
"Des will ich dich bescheiden,"   sprach der kleine Mann:
"Lass mich auf meine Treue,   dir mag lieb von mir geschehn.
"Nein," sprach der Lamparter,   "erst muss ich die Ringe sehn."

"Lass mich auf meine Treue:   So geht dir Freude zu.
Du magst mich gerne lassen,   der ein König bin wie du.
Meine Genossen wissen   mich allzumal getreu;
Wie viel du hast der Lande,   so hab ich mehr als deiner drei.

Hast du auf der Erde   der Gewalt so viel,
So hab ich darunter    alles das ich will.
Ich gebe wem mich lüstet   Silber und Gold:
Ich könnt ihn reich wohl machen,   dem ich getreu wär und hold.

"Nun lass mich," sprach der Kleine,   "Ich schwöre dir den Eid,
Gebe mir meine Treue   und meine Sicherheit,
Dass ich die Wahrheit spreche,"   sprach der kleine Mann.
"Ich wags auf deine Treue,"   hub da der König an.

Da ließ er frei den Kleinen:   Vor ihm stand er nun
Mit Furcht und schönen Züchten   wie die Gefangnen tun.
Da sprach der Lampartner:   "Ich halte dich nicht mehr:
Was du mir hast versprochen,   wohlan, das bringe mir her."

Mit Züchten sprach der Kleine:   Ein Ding gewähre mir
Bei aller Fürsten Ehre,   eh du mich lässt von dir."
Da sprach der König Ortnit:   "Was soll die Bitte sein?"
"Gleichviel," sprach der Kleine,   "dein Schade wird es nicht sein."

"Nein, erst lass mich vernehmen   was du zu bitten hast."
"Ich bin nun so gesonnen,"   sprach der kleine Gast,
"Dass ich all mein Leben   dir will zu Diensten sein.
Bei aller Frauen Ehre,   gib mir dies Ringelein."

Da sprach der Lamparter:   "O weh, das darf ich nicht:
Ich gäbe dir es gerne,   doch wehrt es mir die Pflicht.
Was du sonst verlangest,   des will ich dich gewähren;
Das Ringlein gäb ich gerne,   doch kann ich sein nicht entbehren."

Da sprach der Kleine wieder:   "Wozu ist es dir gut?
Was soll ein reicher König,   hat er nicht milden Mut?
Da dich so sehr erbarmet   das kleine Ringelein,
Wenn ich dein Ross erbäte,   es würd auch nimmer mein."

"Mein Ross gäb ich dir eher,   eine Burg und ein Land,
Als dass ich dir gäbe   das Gold von meiner Hand.
Da dir das Herz so heftig   nach diesem Golde tobt,
Ich gäbe dir es gerne;   doch hab ichs nicht zu tun gelobt.

Mir gab es meine Mutter,   der hab ichs zugeschworen:
Gäb ich es dir, so hätt ich   ihre Huld verloren."
"Pfui," sprach der Kleine,   "was soll dein großer Leib,
Und zwölf Männer Stärke,   dass du fürchtest ein Weib?

Darf ich König scheuen   eines Weibes Gertenschlag?
So zweifl ich, ob vor Wunden   dein Leib genesen mag."
Er sprach: "Ich bin wohl lange   mit Ruten nicht geschlagen:
Doch lieb ich so die Mutter,   ich wollt es gern ihr vertragen.

Ich sähe Kummer ungern   in ihrem Angesicht:
Nun lache oder zürne,   das Ringlein wird dir nicht."
"In Treuen," sprach der Kleine:   "Da sieht man sicherlich,
Wenn du mir es gäbest,   deine Mutter schlüge dich.

Ward jemals einem König   so lieb ein Ringelein?
Lass mich es nur beschauen   bei aller Tugend dein."
Er sprach: "Da du so heftig   nach diesem Golde strebst,
So gib mir deine Treue,   dass du mirs wiedergebst."

Er wollt es ihm nicht lassen,   erst sollt es Eide schwören;
Es griff ihm nach dem Finger,   er konnt es ihm nicht wehren.
Als es ihm das Ringlein   gezogen von der Hand,
Er sah nicht mehr den Kleinen,   mit dem Ringlein er verschwand.

Da sprach der Lamparter:   "O weh, wo kamst du hin?
Da sprach der Gast, der Kleine:   "Gleichviel wo ich bin.
Dass du mich hast bezwungen,   dass du mich mochtest sehn,
Von diesem Stein, dem kleinen,   ist dir die Ehre geschehn."

Er sprach: "Du hast ein Ringlein   aus deiner Hand gegeben,
Ein solches wird dir nimmer,   dieweil du hast das Leben.
Ich musste Kraft des Ringes   dein Diener ewig sein;
Nun fahr, wohin du wollest,   so wird es nie wieder dein."

Da sprach der Lamparter:   "Nun ist mir Recht geschehn:
Nun mög es Gott erbarmen,   dass ich dich nicht mag sehn,
Und dass ich muss vernehmen   deinen Spott und auch dein Dreun:
Bis ich an dir mich räche,   kann sich mein Herz nicht mehr freun."

Da lachte der Kleine;   die Rede deucht ihn gut.
Er sprach zu dem König:   "Du hast doch Mannesmut.
Noch manchem wird geschehen,   was dir geschehen ist,
Dass man sein Gut, sein bestes,   ihm abgewinnt mit List."

Des erschrak der König,   sein Herz groß Leid erlitt.
"Nun mög es Gott erbarmen,   dass ich je von Garten ritt!
Als du bezwungen lagest,   nahm ich dir da das Leben,
So war mir wohl gelungen   und große Ehre gegeben."

Der Kleien sprach: "Du dünkst mich   noch keines Weibes wert,
Noch dass du solltest führen   solchen Halsberg und solch Schwert.
Ich kann mich nicht verlassen   auf deinen großen Leib:
Du lässt dich ja erbitten   recht wie ein armes Weib."

Da sprach der Lamparter:   "Es wär jedoch mein Rat,
Dass du die Treue löstest,   die dein Mund verpfändet hat,
Und mir wiedergäbest   mein kleines Ringelein."
Mit Zorne sprach der Kleine:   "Wohl wird es nimmer dein."

Da sprach der Lamparter:   "So bist du treulos,
Und wirst all dein Leben   keines Biedermanns Genoss.
Ich hätt es wissen sollen - deine Rede klang so fein -
Nie hätt ich dir gegeben   mein golden Ringelein."

Noch sprach von Lamparten   der König Ortneit:
"Nun lasst mich des genießen,   dass ihr ein König seid,
Und dass ich so getreulich   nach euerm Rat getan:
So will ich mit euch teilen   was ich je Gutes gewann."

Mit Züchten sprach der Kleine:   "Du hast nicht weisen Mut;
Was Vater oder Mutter   dir raten, das ist gut.
Was gabst du aus den Händen   je solch gewonnen Spiel?
Der Stein ist mir so nütze,   dass ich ihn dir nicht geben will."

Da sprach der Lamparter:   "So bleib ich ungewährt.
Willst du mir aber bringen   den Halsberg und das Schwert?
Was du mir hast verheißen,   das mache mir doch wahr."
"An deine Rede kehr ich mich,"   sprach der Kleine, "nicht ein Haar."

Da sprach der Lamparter:   "Übel ist mir geschehn.
Könnt ich dich erlaufen   oder möcht ich dich nur sehn,
Du müsstest das Verheißne   mir her zur Seite tragen,
Oder würdest mit den Beinen   hier um die Felswand geschlagen."

"Was sollten dir die Ringe?",   sprach Elberich sogleich:
"Was frommt einem Thoren   wohl solch ein Königreich?
Die Ringe geb ich einem,   der ihrer mehr bedarf."
Mit ungefügen Steinen   er nach dem Könige warf.

Sein Ross begann zu gürten   Ortnit der König gut,
Das hatt er bald beschritten   mit grimmigem Mut:
Von dannen wollte scheiden   im Zorn der König reich.
"Guter Mann verbleibet,"   rief Elberich sogleich.

"Wem wolltest du nun lassen    dein liebes Ringelein?
Wer soll dir Huld gewinnen   bei der lieben Mutter dein?
Du darfst es nicht verlieren,   der Stein der ist so gut:
Wie erbarmen mich die Schläge,   die deine Mutter dir tut!"

Da sprach der Lamparter:   "Ich mag davor genesen:
Ich bin bei meiner Mutter   so manchen Tag gewesen,
Die ich darum soll leiden,    ich dulde gern die Not:
Wir sind so gute Freude,   sie schlägt mich schwerlich zu Tod."

"Ich will dich besser trösten,"   sprach Elberich sogleich.
"Gib mir deine Treue,   biedrer König reich,
Dass du mir nicht zürnest,   was von der Mutter dein
Ich immer möge sprechen:   So geb ich dir das Ringelein."

Da sprach der Lamparter:   "Eh ließ' ich dir das Gold:
Du möchtest so viel reden,   dass ich dir nie würd hold,
Möchtest so übel schelten   das tugendreiche Weib,
Könnt ich dich ergreifen,   ich nähm dir Leben und Leib."

Mit Züchten sprach der Kleine:   "O wohl dir, selig Kind:
Du hast die Treu, die immer   Glück und Heil gewinnt."
Da sprach der Lamparter:   "Ich muss es dir vertragen
Was du auch von ihr redest:   Wohlan, so magst du es sagen."

"Von deiner Mutter sag ich   dir nur die Wahrheit;
Du zürnst wohl eine Weile;   hernach ist dirs nicht leid.
Ich mach es dir so süße,   dass du es hören musst:
Doch gib mir deine Treue,   dass du mir drum nichts tust."

Da sprach der Lamparter:   "Mein Wort will ich dir geben,
Dass ich dir nicht zürne   so lang mir währt das Leben.
Ein Mann darf der Wahrheit   sagen noch so viel;
Du darfst so lange reden   bis ich nicht weiter hören will."

Mit Züchten sprach der Kleine:   "Du gabst die Treue dein:
Darauf will ich vertrauen:   Nimm hin dein Ringelein."
Da sprach der Lamparter:   "So bin ich dir hold:
Nicht frag ich was du klaffest,   wird mir nur wieder mein Gold."

Groß war die Stärke   und die List, die er besaß.
Das Gold musst er ihm bieten,   da warf er ihn ins Gras
Und bog sich zu ihm nieder:   "Nun sage, böser Geist,
Eh ich dich heute lasse,   sag mir alles was du weist."

Das Gold der Lamparter   sich an den Finger stieß:
Er sah den Kleinen wieder,   den er nicht von sich ließ.
Da sprach der Zwerg, der Weise:   "Herr König, wie ihr tobt!
Hütet eurer Ehre:   Was habt ihr mir gelobt?"

Da sprach der Lamparter:   "Zu Leid dir nichts geschieht:
Es freut sich nur mein Herze,   dass dich mein Auge sieht.
Du bist mir viel lieber   als das Ringelein:
Sag was du wissen mögest   von der lieben Mutter mein."

"Nun sag ich deine Mutter   alles Falsches frei,
Und dass in ganz Lamparten   so werte Frau nicht sei.
Sie hat in ihren Tagen   jedoch ein Ding getan:
Nun sieh, wer ist dein Vater?   Sie hatte mehr als einen Mann."

Da griff er nach dem Messer,   da griff er nach dem Schwert:
Er hätte nun die Freiheit   dem Kleinen nicht gewährt.
Er wechselte die Farbe,   man sah ihn bleich und rot.
Er sprach: "Nun sprich nicht weiter   und lass mich ohne Not."

"Ich fürchte mich gar wenig,"   sprach Elberich sogleich;
"Nun hüte deiner Treue,   biedrer König reich.
Du wechselst oft die Farbe,   so wechselst du den Mut;
Doch ist so treu dein Herze,   dass deine Hand mir nichts tut.

Wie klein ich dich dünke,   wie groß du bist vor mir
(Du gleichst vor allen Königen   einen Riesen schier),
Wie nach des Leides Gliedern   wir zwei so ungleich sind,
Wie groß du dich auch dünkest,   so bist du doch mein Kind."

Da sprach der Lamparter:   "Nun hast du gelogen:
Bräch ich nicht meine Treue,   und wär nicht ungezogen -
Das Herz ist mir grimmig,   gern zahlt' ich dir den Lohn."
Er sprach aus zorngem Munde:   "Und bin ich denn dein Sohn?"

Mit Züchten sprach der kleine:   "Du bist mein Kindelein."
"So werd auf einer Hürde   verbrannt die Mutter mein,
Dass bei ihr ein andrer   noch als mein Vater lag;
Ergreif ich sie zu Garten,   so lebt sie keinen Tag."

Mit Zorne sprach der Kleine:   "So hast du Thorensinn:
Du bist davon nur werter,   dass ich dein Vater bin.
Dein Heil und deine Ehre,   die sind dir unbekannt:
Du hast von meiner Lehre   jetzo Burgen und Land.

Da ich zum ersten Male   bei deiner Mutter lag,
Das geschah im grünen Maien   um einen mitten Tag.
Sie weinte heiße Tränen,   als ich mich Zwangs vermaß:
Du darfst ihr drum nicht zürnen,   ohn ihren Willen geschahs.

Deinen Vater, deine Mutter   hört ich flehn und bitten
Nach ihrer alten Weise   mit trauriglichen Sitten,
Dass ihnen Gott vom Himmel   verlieh' ein Kindelein:
Sehr bat darum dein Vater   und die liebe Mutter dein.

Wie lieb sich beide hatten,   so will ich dir doch sagen,
Es mochte diesem Manne   kein Kind die Fraue tragen;
Doch kor sie keinen andern,   weil sie die Treue band.
Sie klagten stets aufs neue,   dass erblos bleib ihr Land.

Ich dacht in meinem Mute:   Stirbt ihr nun der Mann,
So wird alsbald verstoßen   die Fraue wohlgetan;
Das Reich muss ohne Erben   in großen Sorgen schweben.
Da gewann ich sie zum Weibe:   Das soll mir Gott vergeben.

An ihrem schönen Bette   sie eines Tages saß,
Nach einem Kinde weinend,   ihre Augen wurden nass.
In ihrer Kemenate   saß die Frau allein:
Wenn sie weinen wollte,   so ließ sie niemand herein.

Ich stand vor ihrem Bette,   ich hörte was sie sprach:
Bald hatt ich sie bezwungen,   ihre Wehr war allzu schwach.
Wie sehr sie widerstrebte,   so ward sie doch mein Weib:
Denn wiss, ich habe Kräfte   für dreier Könige Leib.

Ich mag mehr bezwingen   als du und all dein Heer:
Kein reicher König setzte   sich wider mich zur Wehr."
Da sprech der Lamparter:   "So muss ichs übersehn:
Was ich darum ihr täte,   es ist nun doch geschehn."

"Nun harr eine Weile:   Behalt das Ringelein;
So will ich dir leisten   all die Gelübde mein.
Ich will auf meine Treue   dir keine Lüge sagen:
Ich will dir her die Ringe   auf deinem Schilde tragen."

So schied von ihm der Kleine   und hob sich in den Berg.
Da nahm er aus der Essen   ein wonnigliches Werk,
Lichtgoldner Panzerringe   einen neuen Schildrand voll,
Wie sie ein Held zu Nöten   im Streite tragen soll.

Lauter wie ein Brunnen,   licht wie ein Spiegelglas
Schüttet' er die Ringe   vor ihn auf das Gras.
Zu dem Halsberge   einen festen Helm so licht,
So stark und so gehärtet,   ein Schwert verschnitt' ihn nicht.

Sich freute der Lamparter   der schönen Ringe sein;
Kaum mocht er sie beschauen,   so licht war ihr Schein.
Er sprach: "Es ist ein Wunder   allhier vor mir geschehn:
Ich kann vor lichtem Glanze   diese Ringe nicht besehn."

Als er sie recht beschaute,   sie waren nicht von Strahl,
Von dickem, starkem Golde,   wohl fingersgroß zumal.
Er hatte sie betrachtet,   nun legt' er sie sich an:
Gerecht war ihm der Harnisch:   Des freute sich der Mann.

Er war von rechtem Maße,   zu kurz noch zu lang,
Zu weit noch zu enge,   dass er drin fröhlich sprang.
Am Helme das Gespänge   gab lichten goldnen Schein;
An jeglichem Ende   lag ein Karfunkelstein,

Aber mitten inne   stand ein Adamant;
Die Kette war von Golde.   Den Helm er überband.
"Gott lohne dir die Gabe,"   hub der König an.
"Sind dir gerecht die Ringe?",   so frug der kleine Mann.

"Mir ward bei meinen Zeiten   nie so gemäße Tracht."
"Eh ich dich je gesehen,   hatt ich sie dir gemacht.
Nun hab ich wohl gezieret,   Lamparter, deinen Leib:
Willst du, dass ich dir diene,   so erzürne nicht das Weib.

Bei meiner Treu, erzürnst du   darum die Mutter dein,
So müssen voneinander   wir zwei geschieden sein."
Da sprach der Lamparter:   "Gern leist ich dein Gebot:
Eh dass ich die erzürnte,   ich erzürnte lieber Gott.

Gott lohne meiner Mutter,   die Gaben dank ich ihr!
Auf Gnad in allen Dingen   ergeb ich nun mich dir.
Mein Herz und mein Gemüte   soll wider dich nicht streben;
Dein genieße meine Mutter   so lang ihr währt das Leben."

Da griff er nach dem Rosse   mit frohem Ungestüm;
Der Kleine war behende:   Den Bügel hielt er ihm.
Da sprach der Lamparter:   "Hier steh ich einen Tag,
Wenn ich dir nicht anders   Den Dienst erwehren mag."

Das Ross zu gürten eilt' er   gar vermessentlich;
Bis dass er saß im Sattel,   der Zwerg ihm nicht entwich.
Da sprach der Lamparter:   "Den Schild nun reiche mir."
"Ich sehe," sprach der Kleine,   "du willst nun fort von hier."

Eh er den Schild empfangen,   besah er recht das Schwert:
Er sprach: "Ich bin zum Streite   für alle Not bewehrt.
Wer mit der Rose fliehet,   wie mag der Ehre lieben?"
Er fand zu beiden Seiten   seinen Namen geschrieben.

Die Scheide war von Golde;   was die Fessel sollte sein,
War eine Seidenborte   mit Gold durchschlagen fein.
Oben am Gehilze,   wo der Knauf zu stehen pflegt,
Da war ein Karfunkel   zwei Fäuste groß eingelegt.

Er nahm den Schild zu Halse   und wollte nun hindann.
"Dich gesegne Gott im Himmel,"   sprach der kleine Mann.
"Du sollst mich nicht vermeiden,   bedarfst du künftig mein;
Du magst mich nicht verlieren,   hast du das Ringelein."

Da ritt der Lamparter   in einen grünen Wald
Mit fröhlichem Gemüte;   seine Lust war mannigfalt.
Er sprach: "Ich bin zum Streite   für alle Not bewehrt;
Wie soll ich nun versuchen   meinen Halsberg und mein Schwert?"

Er ritt den Pfad zurücke   hin an der Felsenwand
Und ritt viel wilde Pfade,   dass er nicht Streitens fand.
"Ich bin," sprach er im Zorne,   "ein unselger Mann,
Dass ich nach meinem Willen   keinen Streit finden kann."

Da sucht' er Abenteuer   bis an den dritten Tag,
Dass er im Übermute   keiner Ruhe pflag:
"Soll ich denn die Wunder,   die Rose tut, nicht sehn?
Kann ich anders Streit nicht finden,   es muss vor meiner Burg geschehn."

Da hob sich auf Garten   Jammer und Not;
Es wähnten alle Leute,   ihr Herr wäre tot.
Die liebe Mutter weinte   und klagte so um ihn,
Dass niemand trösten konnte   die edle Königin.

Die sein nicht gern entbehrten,   denen fiel es schwer;
Die ihm abhold waren,   verschmerzten ihn wohl ehr.
Da klagte so und weinte   das tugendreiche Weib,
Wär er nicht bald gekommen,   verlor sie Leben und Leib.

Da ritt am vierten Morgen   der Ritter kühn im Streit
Vor die Burg zu Garten   in eine Aue breit,
Da schon durch finstre Wolken   brach der Morgenstern:
Seinem Helm und Schilde   schien gleicher Schimmer nicht fern.

Dem Wächter war auf Garten   der Gast gar unbekannt:
Gleich dem Morgenlichte   glänzte sein Gewand.
Vom Sattel sprang der König   in einem grünen Hag;
Als er sein Ross gefestigt,   da ward es eben Tag.

Da lief der Lamparter   an den Burggraben,
Als wollte der Kühne   die Maur erstürmet haben.
Von Garten sprach der Wächter:   "Wie feurig ist eur Schein,
Dazu wie sehr ihr dränget,   doch lässt euch niemand herein."

Da sprach der Lamparter:   "Nun schließt mir auf das Tor
Und sagt den Besten allen,   ihr Herr sei davor."
Laut rief der Wächter:   "Was schlaft ihr all im Haus!
Es ist heut der vierte Morgen   seit unser Herr ritt hinaus.

Nun hält da vor der Mauer   ein freislicher Mann,
Vom Haupt bis zu Füßen   brennt er wie ein Spann.
Er spricht, er sei mein Herre,   das hab ich wohl vernommen.
Er ist dem Teufel entronnen,   und aus der Hölle gekommen."

Da erwacht in Sorgen   die edle Königin:
Sie sah durch das Fenster   den Mann wie licht er schien.
Sie sprach: "Sieh, der brennet   gleich einer Kerze licht;
Meines Sohnes Ringe   glühten so lauter nicht."

In der Burg erwachten   nun alle, Weib und Mann,
Sie traten an die Zinnen   des Wunders halb heran.
Da sprach zu ihm der Burggraf:   "Sagt Herr, wer mögt ihr sein?
Ihr müsst euch erst uns nennen,  sonst kommt ihr nicht herein."

Da verkehrt' er seine Stimme,   tät seiner Rede Zwang:
Da gewann er unterm Helme   einen ungefügen Klang.
Da sprach der Burggraf wieder:   "Nun saget, wer ihr seid?"
Da sprach der Lamparter:   "Ich bins, dein Herr Ortneit."

"Wer gab euch diese Brünne   und diesen Helm so licht,
Dazu den Schild, den neuen:   Den trug mein Herr doch nicht."
Da sprach der kühne Degen:   "Ich will dir Wahrheit sagen:
Ich bin ein wilder Heide   und habe deinen Herrn erschlagen.

Nun sind auf dieser Veste   zweiundsiebzig Mann:
Wollt ihr die Schmach nicht rächen,   die ich euch angetan?
Er hat sie mir gerechnet   all und vorgezählt:
Hier harr ich an der Pforten,   ob ihrs zu rächen erwählt."

Da sprach der Burggraf wieder:   "In Wahrheit, das soll sein."
Da schlug sich an die Brüste   die edle Königin rein.
Auch tät den Getreuen   des Herren Schade weh:
Sie legten ihre Ringe   sich an weiß wie der Schnee.

Wie blad man auf die Tore   bis an den Angel warf!
Sie zogen auf der Brücke   zwo lichte Klingen scharf.
Der Wirt war ganz von Eisen,   ihn erzürnte doch der Gast:
Er schnitt von ihm die Ringe,   als wärs nur fauler Bast.

Gern wehrte sich der Burggraf,   doch frommte nicht sein Schwert
Auf seines Herren Ringen:   Die blieben unversehrt.
Er fiel ihm vor die Füße;   er hätt ihn leicht erschlagen.
Da sprach der Lamparter:   "Heißt den von hinnen tragen."

Ihm ward aus Erbarmen   das Leben nicht genommen.
Nun war der andre Bruder   gewaffnet auch gekommen.
Da sprach der Lamparter:   "Des Streites ist genug.
Nun mög es Gott erbarmen,   dass ich heut den einen schlug.

Hiermit wollt ich versuchen,   ob ihr getreu mir seid:
Vergebet mir die Unart:   Ich bin eur Herr Ortneit."
Als sie ihn nun erkannten,   da ließen sie ihn ein.
Da sprach der Lamparter:   "Wo ist die Mutter mein?"

Da empfingen den König   die Degen allzumal
Und wiesen zu der Mutter   den Herren in den Saal.
sie mocht ihn nun erkennen,   das Haupt war ihm bloß.
Da war erst vor Freuden   der Frauen Weinen groß.

Da ging er zu dem Wunden,   den er so schwer geschlagen:
"O weh, dass ich heute   dir einen Schlag geschlagen:
Das möge Gott erbarmen:   Du sollst es mir vergeben,
Ich will es dir vergelten   so lang uns währt das Leben."

"Nun sage," sprach die Mutter,   "wer gab dir das Gewand?"
"Ich ritt nach deiner Lehre   zu Tal die Felsenwand:
Mir hat dein Ring geholfen,   dass ich hin gekommen bin."
Von Ortnits Abenteuern   ist nun das andre hin.

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