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            VII. Hugdietrich

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VI. König Ortnits Meerfahrt und Tod

Erstes Abenteuer

Wie König Ortnit die Seinen bat, ihm treulich zu raten, wie er nach Ehren ein Weib nehmen sollte

Es ward ein Buch gefunden   zu Suders in der Stadt,
Da war geschrieben Wunder   gar viel auf manchem Blatt.
Die übeln Heiden hatten   es in den Grund vergraben;
Wir sollen von dem Buche   gute Kurzweile haben.

Wer mit vollen Freuden   Kurzweil haben will,
Der mag sich aus dem Buche   lesen lassen viel
Von einem reichen König,   der Ortneit war genannt;
Er trug die Krone herrlich   dort in Lampartenland.

Es wuchs in Lamparten   ein König hehr und reich,
Ihm war zu seinen Zeiten   kein andrer König gleich
In allen welschen Landen,   das glaubet sicherlich;
So lang der König lebte,   saß er gewaltiglich.

Gar weit gefürchtet wurde   der König und sein Heer:
Das Land hatt er bezwungen   vom Gebirge bis zum Meer.
Sie brachten ihm zu Zinse   das Silber und das Gold;
Auch waren ihm die Seinen   um manche Tugend hold.

Man gab dem edeln König   gar wohl verdienten Preis:
Seine Milde bracht ihm Ehre,   er war in Stürmen weis.
Breisach und Berne   war ihm untertan;
Ihm dienten von Garten   zweiundsiebenzig Mann.

Als er nach Königswürden   in seiner Jugend rang,
Da halfen ihm die Seinen,   dass er die Lande zwang.
Zwölf Mannsstärke hatte   der wunderkühne Mann;
In Furcht ihm untertänig   war Rom und Lateran.

Als dem jungen Fürsten   so weit erwuchs der Leib,
Da rieten ihm die Seinen,   er sollte frein ein Weib,
Die einem reichen König   möchte wohl behagen
Und die mit Ehren dürfte   bei den Lamparten Krone tragen.

Der König sprach: "Nun ratet,   ihr all in meinem Bann,
Die Treusten die ich immer   in meinem Land gewann,
Wo ich die Frau mag finden,   die mir Genossin sei,
Dass ich von ihren Sippen   aller Schanden bleibe frei."

Da gingen sie zu Rate   wohl fünf Tage lang
Und konnten ihm nicht sagen,   nicht eher das gelang,
Wo er die Fraue fände,   die er möchte nehmen,
Dass sie sich ihres Rates   nicht hernach noch müssten schämen.

Da sprach der Markgraf   Helmnot von Tuskan:
"Die Fürsten in der Nähe   sind all uns untertan.
Wir finden keinen diesseits   des Meers in allem Land,
Wie reich er immer wäre,   der nicht diente deiner Hand."

Da sprach sein Ohm von Reußen,   der König Ilias,
Der nach Ortniten   die meiste Macht besaß:
"Eine edle Jungfrau weiß ich,   die ist gar hoch geboren,
Die jemals um sie warben,   haben all den Leib verloren."

Da sprach der König Ortnit:   "Nun sage mir fürbass:
Warum ist das geschehen,   mein Oheim Ilias?
Von wannen ist die Jungfrau?   Ist ihr Geschlecht so hehr,
Dass sie hier mit Züchten   Königin geheißen wär?"

"Ihren Vater lass dir nennen:   Der heißet Nachaol;
Er sitzt zu Montabauer,   ist alles Mordes voll.
Ihm dienen mehr der Heiden   als dir der Christenheit,
Jerusalem das ferne   ist seiner Krone dienstbereit.

In Syrien zu Suders   ist seine Hauptstadt.
Wer als Bote jemals   ihn um das Mägdlein bat,
Verlor das Leben immer   um die Königin.
Was willst du nach ihr fragen?   Es bringt dir nimmer Gewinn.

Sie leuchtet aus den Frauen   hervor wie Gold so klar
Neben bleichem Bleie:   Das glaube mir fürwahr.
Sie strahlt vor allen Maiden   wie die lichte Rose tut:
Nie war ein Kind noch schöner;   sie ist auch, sagen sie, gut."

Da sprach von Lamparten   der König Ortneit:
"Nun lasst mich erfahren   ob ihr getreu mir seid.
Ich will mich getrösten   des Reichs, das ich gewann,
Und will den Leib verlieren   um das Mägdlein wohlgetan."

Da sprach der Reußenkönig:   "Nun sei es Gott geklagt,
Dass ich von diesen Mären   dir heute hab gesagt,
Die dir zu frühem Tode   nun Ursache sind:
Ich widerriet' es gerne:   Du bist meiner Schwester Kind."

"Der mir es widerriete,   dem würd ich nimmer hold;
Gespart hab ich so lange   mein Silber und mein Gold:
Mit diesem Schatz gewinnen   mag ich ein kräftig Heer,
Es ergeh nach Gottes Willen,   doch fahr ich über Meer."

"Kommst du gen Montabauer,   so sieh die Zinnen an:
Zweiundsiebzig Häupter   siehst du gesteckt daran,
Die sind der Jungfrau willen   den Boten abgeschlagen:
Dass ich von ihr gesprochen,   das will ich Gott nun klagen."

Da sprach der Lamparter:   "Ich lasse nicht von ihr:
Ich will gen Montabauer,   was auch gescheh an mir.
Ich will die Burg zerbrechen   und wagen meinen Leib
Und will auch nimmer ruhen,   mir werde das schöne Weib.

"Der von deiner Rede   bald großes Leid gewinnt,"
So sprach der Lamparter,   "wie liebt er so sein Kind?
Nach väterlichem Rechte   sollt er löblich tun,
Sie einem Manne geben:   So hätt er Tochter und Sohn."

"Das ist gar bald geraten;   doch anders steht sein Mut.
Ich will dich auch berichten   warum er das nicht tut:
Er hat sich vorgenommen,   des mag er sich wohl schämen,
Wenn ihm die Mutter sterbe,   so woll er die Tochter nehmen.

Er säh auch gerne sterben   wohl ihrer Mutter Leib,
Dass er die schöne Jungfrau   gewänne sich zum Weib."
"Das soll ihm Gott verbieten!",   sprach der König hehr:
"Bevor ich sie gewinne   ruh ich nun nimmermehr.

"Nun will ich ihrem Vater   Feind sein all mein Leben.
Gott lass uns wohl gelingen   und wolle Glück uns geben,
Dass wir dem Heiden wehren   die Ungerechtigkeit
Und bald die edle Jungfrau   bringen in die Christenheit.

"Ihr lieben Schargenossen,   wir wollen über See;
Uns wolle Gott geleiten,   wie es uns dort ergeh.
Wer da erstirbt der Christen,   der tröste sich damit,
Dass seiner edeln Seelen   er ewges Heil erstritt."

Da sprach der Reußenkönig,   der Degen unverzagt:
"Niemand kann erwerben   die kaiserliche Magd.
Wohl wird deine Reise   manches jüngster Tag;
Jedoch will ich dir helfen   so gut ich immer vermag."

"Wer mir zur Reise hilfet,   dem bin ich immer hold,
Ich will auch mit ihm teilen   mein Silber und mein Gold,
Das Land und die Burgen,   die Leute wie das Gut,
Und will ihm immer danken,   der es williglich tut."

So sprach von Lamparten   der König Ortneit:
"Die mir nun helfen wollen,   die rüsten sich bei Zeit.
Lasst es euch nicht verdrießen,   fahrt willig mit mir dar:
Wir sollen überfließen   mit ritterlicher Schar,

Dass wir die Heiden taufen,   die keine Christen sind."
Da sprach der Reußenkönig:   "Du bist mein Schwesterkind:
Ich wage für dich billig   den Leib und das Leben:
Ich will dir tausend Ritter,   dazu mich selber geben."

"Gott lohne dir, mein Oheim,   der Gab in kurzer Frist:
Du hast mir wohl erzeiget   was du mir schuldig bist.
Freundes Rat und Hilfe   war immer wonniglich;
So Gott mich wieder sendet   will ich auch streiten für dich."

Da begann von Garten   der Burggraf Engelmann:
"Du hast hier auf Garten   zweiundsiebzig Mann,
Denen du zum Vogte   gesetzt bist und geboren:
Sie klagten es von Herzen,   wärst du ihnen verloren."

Mit Zorn sprach sein Bruder,   der Markgraf Helmnot:
"Was wollt ihr um Frauen   reiten in den Tod?
Ihr solltet hier verbleiben,   das brächt uns mehr Gewinn:
Eines reichen Fürsten Tochter   ziemte wohl zur Königin."

Da sprach der Lamparter:   "Du kannst es mir nicht wehren:
Bangt dir vor der Reise,   so sollst du mir nicht schwören.
Du hast doch wohl vernommen,"   sprach Ornit der Held,
"Biedermannes Erbe   liegt allwärts in der Welt."

Da sprach der beiden Vater,   der Truchsess Hüteger:
"Wir sehen deinen Willen   und säumen dich nicht mehr.
Ihr habt hier auf Garten   zweiundsiebzig Mann,
Gibt jeder hundert Ritter;   es geht doch anders nicht an."

Da sprach der Lamparter:   "Das heiß ich Freundesrat!
Da diese Burg zu Garten   so manchen Ritter hat,
Die immer in den Nöten   zuvorderst stehn im Streit,
So hütet mir der Marke,"   sprach der König Ortneit.

"Ihr edeln Fürsten, Grafen,   Dienstmannen oder Frein,
Die ohne die zu Garten   in meinem Lande sei'n,
Die sollen mich der Reise   willig gewähren,
Ich muss in die Fremde,   ich kann des nicht mehr entbehren."

Da begann der Markgraf   Helmnot von Tuskan:
"So nimm von mir zur Steuer   fünftausend kühner Mann:
Die will ich mit dir senden,   Herr, auf das wilde Meer,
Und fahr ich selber mit euch,   vielleicht wird ihrer mehr."

"Gott lohne dir der Gabe,"   sprach König Ortneit:
"Ihr habt mir wohl gesteuert   zu löblichem Streit.
Was ich die andern flehe,   das tust du ungemahnt:
So befehl ich deiner Treue   meine Burgen und mein Land.

Das ist, milder Markgraf,   in dir gar wohl bewahrt:
Wenn ich von hinnen reite   mit lieber Heerfahrt,
Garten und all mein Erbe   soll dir befohlen sein,
Ich befehl auch meine Mutter   dir auf die Treue dein."

Wieder sprach der Markgraf   Helmnot von Tuskan,
"Gnade, lieber Herre,   zu viel hätt ich daran.
Ich kann dir ganz alleine   behüten nicht dein Land:
Gibst du mir nicht Hilfe,   zu schwach ist meine Hand."

Da begann von Troje   der Herzog Gerwart:
"Ich will dir reichlich steuern   zu deiner Heerfahrt:
Mit fünftausend Helden;   und dünkt es dich Gewinn,
So fahr ich selber mit dir   nach der edeln Königin."

Da sprach der Lamparter:   "Das begehr ich nicht:
Ihr sollt mir hier vermehren    meines Herzens Zuversicht.
Ihr habt mir verheißen   so manchen stolzen Degen:
Ihr selbst sollt hier verbleiben,   meine guten Vesten pflegen."

Da sprach von Sizilien   der Herzog Zachareis:
"Ich sitz in deinem Lande,   du bist mein höchstes Reis.
Wes du die andern bittest,   das tu ich ungebeten:
Ich will dir reichlich steuern,   wenn du den Kiel sollst betreten.

"Wenn du mit deiner Reise   willst fahren vom Gestade,
So will ich dir zwölf Kiele   mit guter Speise laden,
Und mit dem besten Weine,   den man noch Köngen trug:
Wohin du fährst, ich gebe   dir auf drei Jahre genug.

Ich will dir reichlich steuern,   Herr König Ortneit:
Für zwanzigtausend Helden   Samt- und Seidenkleid,
Wie man es reich mit Golde   durchschlagen mag und weben,
Des will ich dir die Fülle   mit zwanzigtausend Helden geben."

"Gott lohne dir der Hilfe,"   sprach König Ortneit:
"Du hast mir wohl gesteuert   zu dem Heldenstreit.
Ich will dirs immer danken   wie ich billig soll:
So lang wir beide leben   lohn ich der Gabe dir wohl."

Da sprach der Lamparter:   "So führ ich auf das Meer
Achtzigtausend Helden   oder wohl noch mehr.
Wenn ich mit meiner Reise   soll von Lande fahren,
Die hier daheim verbleiben,   die möge Gott bewahren.

"Ihr edeln jungen Fürsten,   nun seit um Gott gemahnt,
Wen ich soll mit mir führen,   der habe Sturmgewand,
Ob er nun Ritter heiße,   ob Rittersgenoss:
Ich nähm ihn nicht zur Reise,   wär ihm ein Finger bloß."

Da sprach der Reußenkönig:   "Ich bringe dir an die See
Fünftausend Helden   weiß wie der Schnee:
Die sind mit Eisenringen   alle wohl bewehrt;
Sie entweichen mir nimmer,   wohin mein Banner sich kehrt."

Da sprach zu Ortniten   Helmnot der Markgraf wert:
"Ich bringe dir zur Reise   manch hoch kastilisch Pferd.
Fünftausend kühner Helden,   das war mein erster Gruß:
Versage mir die Treue,   so einem bleckt ein Fuß."

Da begann von Troje   der Herzog Gerwart:
Gern helf ich dir, König   zu deiner Meerfahrt.
Lion und Provenze,   die sind mir untertan:
Daraus will ich dir bringen   kühne fünftausend Mann

In lichten Stahlringen,   die Degen wohlgeboren,
Die ich in meinem Lande   für die besten hab erkoren.
Die magst du gerne führen,    das wisse sicherlich:
Nimmer in den Nöten,   Herr König, lassen sie dich."

"Gott lohn euch eure Hilfe,"   sprach König Ortneit,
"Ihr habt mir wohl gesteuert   zu der argen Heiden Streit.
Fänd ich noch hunderttausend,   wohl allen gäb ich Gold;
Die hinter mir verbleiben,   denen werd ich nimmer hold.

Einen Turm hab ich auf Garten,   der ist gemauert wohl,
Von Gold und von Silber   ist er übervoll:
Mit diesem Schatz gewinnen   mag ich ein kräftig Heer;
Es geh nach Gottes Willen,   so will ich doch über Meer."

Da sah man manchen drängen   um Hab und großes Gut,
Und machen sah man eilen   aus hohem Übermut.
Sie halfen alle gerne   dem reichen König hehr;
Darum sahen manche   Lampartenland nimmermehr.

Ross und goldne Ringe   wurden hingegeben;
Um des Gutes willen   wagten sie das Leben:
Viel junge Knappen nahmen   aus seiner Hand das Schwert.
"Wohl mir," sprach der König,   "dass einer mein Gut begehrt."

"Es steht ein Turm auf Garten,   darinnen liegt mein Hort,
Er ist gefüllt mir Schätzen   vom Boden bis zum Bord.
Ich hab es lang behalten:   Was hilfet mir das Gut,
Wenn ich dabei gedenke   an die Königin hochgemut!"

Da gab er also lange,   dass wenig drin verblieb.
Die seiner Kammer pflagen,   die schufen, dass man schrieb
Achtzigtausend Helme   und auch so manchen Schild.
Sie hatten kein Gebrechen,   das schuf der König mild.

"Oheim und Herre,"   sprach König Ilias,
"Da du des reichen Gutes   so große Fülle hast
Und köstlicher Gezierde,   so wähle dir den Mann,
Der dir zu raten wisse   und vertraue dich ihm an."

Da sprach der Lamparter:   "Ich bin dein Schwesterkind:
Da unter meiner Fahne   die Fürsten alle sind,
So wähl ich dich zum Vater,   du bist der Oheim mein:
Das Heer und auch dich selber   befehl ich der Treue dein."

Da sprach der Reußen König:   "Kommst du auf das Meer,
Da magst du wohl ertränken   dich selbst und all dein Heer:
Der Segelwind ist böse,   noch ist nicht Fahrens Zeit."
"Ich fahre, wenn du gebietest,"   sprach der König Ortneit.

"Wenn uns der Mai erscheinet   mit seinen lichten Tagen,
So bitte deine Freunde,   dass sie den Helden sagen,
Sie sollens ich bereiten,   wie es uns dort ergeh:
Lass uns mit Vogelsange   fließen über die See."

"So merkt, ihr werten Ritter,   wes ich euch bitten will:
Die bei der Fahrt mir helfen,   es ist kein Kinderspiel,
Zu allen Zeiten sollen   die also sein gesinnt,
Dass sie zurück nicht denken,   nicht an Weib noch an Kind."

Noch sprach von Lamparten   der König Ortneit:
"Daran mag ich erkennen,   ob ihr getreu mir seid,
Und ob ihr wollet leisten   worauf das Wort ihr gabt:
Ich wills um euch verdienen   so lang ihr das Leben habt."

Das gelobten sie ihm alle   zu leisten williglich;
Dass sie es gerne taten,   das freut' ihn inniglich.
Doch ward ihm bald der Winter   mit den kurzen Tagen lang:
Das schuf, dass ihn die Minne   und des Mägdleins Schöne zwang.

Sie taten alles willig   wes er sie mochte bitten.
Als sie nun Urlaub heischten,   eh sie von Garten ritten,
Mit minniglichem Mute   er allen Urlaub gab;
Es folgte Zucht und Ehre   dem König in sein Grab.

Mit freundlichen Grüßen   schieden all die Herren
Bis auf den Reußenkönig;   Ortnit ließ ihn nicht gern,
Noch auch den reichen Heiden:   Die hatt er auserwählt;
Sie waren in dem Lande   zu den Besten auch gezählt.

Da sprach der Lamparter:   "Gott lasse mich erleben,
Dass ichs um euch verdiene   was ihr mir habt gegeben,
Getreuer werter Heide,   wes ich euch niemals bat:
Ließet ihr euch taufen,   ich hielt' euch an Bruders Statt."

"Und bin ich gleich ein Heide,   meine Treue die ist gut:
Ich helfe dir noch treulich   wenn es kein Christ mehr tut.
Meine Treu ist unzerbrochen,   wenn es den Ängsten naht;
Ich diene dir so gerne   als wer die Tauf empfangen hat."

Da sprach der Reußenkönig:   "Wir nahen bald den Tagen,
Dass wir uns rüsten sollen:   Lass dir den Heiden sagen,
Wo du die Kiele findest,   die er dir geben will:
Dass wir darnach uns richten,   heiß dir geben ein Ziel."

Da sprach der reiche Heide:   "Wo wär ein bessrer Ort,
Dass ihr die Kiele findet,   als zu Messina dort
In meinem Königreiche:   Da ist der Hafen gut;
Die Seeleute sitzen   da auf und ab von der Flut."

Da sprach der reiche Heide:   "Ich will von hinnen nun,
Die Kiele zu bereiten,   und sonst was Not zu tun,
Dass du gerüstet findest   was ich dir leisten soll."
Da sprach der Lamparter:   "Das vergönn ich dir wohl."

"Nun will auch ich gen Reußen,"   sprach da Ilias:
"Seit ich mein haus gemieden,   schier ein Jahr ist das.
Mich verlangt zu Hause   zu sehen Weib und Kind;
Ich muss auch schaun die Helden,   die dir verheißen sind."

"Gott gesegn euch beide,"   sprach König Ortneit,
"Und lass euch des genießen,   dass ihr getreu mir seid,
Und so gerne leistet   meine Bitt und mein Gebot;
Ich will euch nicht behindern,   euer beider pflege Gott."

So gab er ihnen beiden   Urlaub und Dank,
Den nur von Hörensagen   des Mägdleins Schöne zwang.
Es hätt ihm benommen   ihre Minne schier den Sinn.
Von Ortnits Abenteuern   ist jetzt das erste hin.

Ü   Þ

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