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      Karl Simrock
         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            II. Alphart
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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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               9. Abenteuer
            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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               Wolfdietrich
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Zwölftes Abenteuer

Wie die Berner Helden heimkehrten

Nun wisst ihr wie den Brüdern   versprach der Mönch Ilsan
Zweiundfünfzig Kränze,   die sollten sie empfahn.
Demnach sprang in den Garten   der Mönch auf schnellem Ross:
"Wo sind nun Zweiundfünfzig?   Ich besteh allein den Tross."

Zweiundfünfzig Recken   mussten auf den Plan:
Die bestand alleine   der kühne Mönch Ilsan.
Er bezwang sie nacheinander   und gab ihnen seinen Segen;
Von den zweiundfünfzig   waren zwölf im Tod erlegen.

Die andern bracht er alle   in Angst und große Not:
Sie mussten sich ergeben,   sie fürchteten den Tod.
Darnach sah man ihn traben   zu der Königstochter hehr:
"Nun heißt sie begraben,   und übt keine Hochfahrt mehr.

Ich hab sie zugerüstet,   gab ihnen meinen Segen,
Des sie nicht mehr gelüstet;   ein Teil ist mir erlegen.
Gedenkt nun meiner Rede,   Königstochter hehr,
Als ihr mein Kränzlein brachtet,   ich brauchte der Rosen mehr.

Zweiundfünfzig Kränze,   soviel der Brüder sind,
Zweiundfünfzig Recken   bestand ich hier geschwind."
Da ging Kriemhild und holte   der roten Rosen Schein,
Ihm gab die Königstochter   zweiundfünfzig Kränzelein.

Er sprach: "Soviel der Küsse   lasst mich auch noch empfahn;
Glaubt mir auf meinen Orden,   es geht nicht anders an."
Wenn sie ihn küssen wollte,   den Mönch Ilsan,
Er rieb mit seinem Barte   die Königin wohlgetan.

In die Rosen sah man fließen   das rosenfarbne Blut:
Sie mocht es wohl verdrießen;   den Bruder deucht es gut:
"Es soll man billig küssen   eine unbescheidne Maid.
Wär euer Will ergangen,   fürwahr, es wär mir leid."

Da sprach Frau Brunhilde:   "Wo bist du, Königin?
Der Berner will dir dienen,   ist es nach deinem Sinn.
So hast du heut gesprochen,   als er mit Siegfried stritt;
Mich dünkt, es ward gerochen   was er von dem erlitt."

"Mein darf niemand spotten,"   sprach die Königin hehr,
"Ich trage Leid im Herzen   und grimmige Beschwer.
Es ist nicht so gegangen   wie ich es hatt erdacht:
Mein Vater, meine Brüder   sind in Dienstbarkeit gebracht."

Da hub der Vogt von Berne   zu der Königstochter an:
"Euer Vater Gibich   wird mir nun untertan.
Die Burgen und die Städte,   die Leute wie das Land
Muss er zu Lehn empfangen   von meiner freien Hand."

Da sprach der König Gibich:   "Wohlan, ich geh es ein,
Ich will euch gerne dienen   mit den Helden mein,
Mit Gunther und Gernot   und dem von Niederland."
"Damit soll uns genügen,"   sprach Meister Hildebrand.

Da sprach der Vogt von Berne:   "Viel edle Königin,
Wir siegten in den Rosen:   Lasst uns mit Urlaub ziehn."
"Nun fahrt mit Gott," sprach Kriemhild,   "ihr unverzagter Mann;
Wer Spott kauft darf den Schaden   nicht klagen, den er gewann."

Urlaub nahm Herr Dietrich   und mancher Weigand:
Sie wollten heim gen Berne   zu ihrem eignen Land.
Sie hatten Ehr erworben   am Rhein in manchem Streit;
Keinen Garten hegte mehr   Kriemhild die schöne Maid.

Da nun in Freundschaft schieden   die Degen allzumal,
Da hörte man im Garten   rufen überall:
"Nun zieht herbei die Rosse,   die Herren wollen fahren;
Die daheim verbleiben,   die möge Gott bewahren.

Die da sind erschlagen,   deren Seelen pflege Gott."
Den Mönch Ilsan deuchte   das allzumal ein Spott:
"Ihr mögt euch wohl freuen,   dass ich Beichte hören kann,
Ich vergeb euch eure Sünden   und entschlag euch dem Bann.

Ich bin ein guter Bruder   und mach euch sündenfrei;
Mir wohnt von dem Kloster   so große Gnade bei,
Sollt ich bei den Frauen   im Rosengarten leben,
Ich wollt ihnen für die Sünden   geringe Buße geben."

Da saßen sie zu Rosse,   ihre Freude die war ganz:
Sie führten aus dem Lande   so manchen Rosenkranz.
Da sie zum Rheine kamen,   der Ferge stand bereit:
Da traten in die Schalde   viel Helden kühn im Streit.

Hildebrand der Alte   tat seine Milde kund,
Nun ließ er hier am Rheine   des Goldes dreißig Pfund:
Dem Fergen wards zum Lohne,   dazu viel gut Gewand.
"Er hat es wohl verdienet,"   sprach Meister Hildebrand.

Von dannen fuhr vermessen   mancher Degen gut,
An den Zwölfen fehlte keiner,   die man zum Rheine lud.
Da sie gen Berne kamen,   diese kühnen Degen,
Sie wurden wohl empfangen   von den Leuten allerwegen.

In hohen Ehren lebten sie,   nach ritterlichen Sitten;
Des freuten sich die Herren,   dass sie am Rhein gestritten.
Stecken und Turnieren   und ander Ritterspiel,
Das trieben die Recken   noch ferner bis an das Ziel,

Dass sie Urlaub nahmen   von dem Fürsten gut.
Ein jeder fuhr zu Lande   von dannen wohlgemut.
Da sprach wohl gezogen   der Mönch Ilsan:
"Edler Fürst von Berne,   nun lasst mich Urlaub empfahn.

Ich muss in meinen Orden   gen Isenburg zurück:
Ich gelobte meinen Brüdern,   hätt ich im Streite Glück,
So wollt ich jedem bringen   ein Rosenkränzelein:
Sie sollten für mich singen   und auch zur Mette sein."

Da sprach der Vogt von Berne,   ein Degen unverzagt:
"Mein Dienst und meine Habe,   die ist dir unverzagt,
Die teil ich mit dir gerne,   du werter kühner Mann;
Du hast in diesen Tagen   mir Liebes viel getan."

Er segnete den Berner   und den alten Hildebrand,
Und kam in großer Eile   gen Isenburg gerannt.
Da er ans Kloster klopfte,   das hörten drin die Zagen:
Da erschraken seine Brüder,   dass er nicht war erschlagen.

Da ließ er vor sich kommen   die Brüder allzumal.
"Die Rosenkränze bring ich,   zweiundfünfzig an der Zahl.
Die will ich euch geben,   ihr lieben Brüder mein,
Dass eure Häupter alle   gekrönet sollen sein."

Aufsetzt' er da den Brüdern   die Rosenkränzelein:
Sie mussten alle schreien,   so drückt' er sie hinein
Jeglichem in die Platte;   die Herrn bekreuzten sich:
Was sie gebeten hatten   ging alles hinter sich.

Über Stirn und Ohren   rann ihnen rotes Blut.
"Ich musst auch Not erleiden,   wenn es euch wehe tut,
Da wir Gebrüder heißen,   wohl billig dünkt es mich,
Dass ihr auch Pein erduldet   um die Kränze so wie ich.

Nähmt ihr sie ohne Schmerzen,   die Rosenkränzelein,
Es wär euch große Sünde,   ihr lieben Brüder mein.
Nun seid ihr hübsche Knaben,   die Krone steht euch fein;
Wer mehr begehrt zu haben,   der hole sie sich am Rhein.

So wird er wohl inne,   was solch ein Kränzlein wert.
Mir hat sie für mein Fechten   die Königin verehrt.
Der Abt und der Prior,   und der ganze Konvent,
Die wurden hold dem Mönche,   den man da Ilsan nennt.

Tat er ihnen wehe,   gar schmerzlich Ungemach,
Sie durftens nicht gestehen,   ihm keiner widersprach.
Im Zorne zu den Brüdern   sprach der Mönch Ilsan:
"Nun helft mir die Sünden   büßen, die ich getan."

Das mussten ihm geloben   die Brüder lobesam,
Dass er nicht sollte toben,   und wieder würde zahm.
Doch waren etliche,   die wollten nicht daran;
Er sprach im großen Zorne:   "Ihr sollt den Lohn empfahn.

Habt ihr die Kränz empfangen   und treibt nun solch ein Wesen,
Ich häng euch über Stangen,   will euch andre Vesper lesen."
Er knüpfte sie zusammen   mit ihren Bärten greis,
Und hing sie an die Stange:   "Da hängt ihr reihenweis."

Die Brüder in dem Orden,   sie schrieen alle laut:
"Er wird uns noch ermorden,   das böse Teufelskraut."
Ihr Schreien half mitnichten,   er kehrte sich nicht daran,
Sie mussten sich verpflichten   zu beten für den Mann.

Zur Vesper und zur Metten   mussten sie für ihn gehn,
Wollten sie sich retten,   sonst wars um sie geschehn.
Sie bogen ihre Knie   mit Singen und mit Lesen,
Und büßten seine Sünden:   Da ließ er sie genesen.

Sie sprachen: "Lieber Herre,   es muss euch sicher frommen,
Wir haben eure Sünden   zumal auf uns genommen.
Des freut sich unser Herze,   dass es euch so geriet."
Hiermit so hat ein Ende   das Rosengartenlied.

Ü   Þ

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