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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Elftes Abenteuer

Wie Dietrich in Zorn geriet und Siegfried besiegt ward

Da ritt in den Garten   der Berner allzuhand:
Ihm kam alsbald entgegen   Siegfried von Niederland
Auf einem guten Rosse,   so hören wir sagen;
Es hatt ihn oft in Streiten   zu hohen Ehren getragen.

"Wo wart ihr so lange?",   sprach der von Niederland,
"Ihr mögt nicht wohl genesen   vor meiner starken Hand."
"Ich komme dir zu früh noch,   drum lass deinen Dreuen sein;
Die Zeit, die wir verloren,   bring ich bald wieder ein.

Du und die Königstochter   wisst kluger Listen viel,
Was ich auf meine Treue   euch nicht vertragen will.
Den Helm zu Häupten binde,   es ist nun an der Zeit:
Ich will dir wider sagen,   deine Hochfahrt wird dir leid."

Da sprach der edle Siegfried:   "Wohl, edler Vogt von Bern:
Ich hört in meinem Leben   nie einen Gruß so gern."
Den Helm zu Häupten banden   die Degen wohlgetan:
Im Rosengarten rannten   die zwei einandern an.

Sie trieben ihre Rosse,   dass sie zusammen flogen,
Ihre Speere beide brachen,   sich ihre Schilde bogen.
Sie sprangen von den Rossen   herab zu gleicher Zeit:
Da hob im Rosengarten   sich erst ein grimmer Streit.

Sie sprangen zu einander   wohl auf den Platz der Wahl,
Sie zogen von den Seiten   zweier Klingen lichten Stahl,
Sie bargen hinterm Schilde sich:   Ein Fechten hub da an,
Dass ihnen durch die Ringe   der Schweiß geronnen kam.

Vermessentlich die Helden   zwei scharfe Schwerter zogen,
Dass spannenlange Scherben   von ihren Schilden flogen.
Um die Späne von den Schilden   weinte manches Weib:
"Sollen zwei Fürsten milde   verlieren Leben und Leib,"

Sprachen sie, "der Königin   zu Lieb, das ist zu viel!"
"Lasst sie fechten," sprach Kriemhilde,   "es ist mir nur ein Spiel."
Da fochten miteinander   die beiden kühnen Degen
Mit ungefügen Sprüngen,   dazu mit großen Schlägen.

Da mehrten sie sich beide   des heißen Kampfes Not,
Dass ihre lichten Helme   von Feuer wurden rot,
Es sprang zu beiden Seiten   aus ihres Helmes Wand:
Wie der Schmied an der Esse,   so schürten sie den Brand.

Der Küsse dachte Siegfried,   die er bei Kriemhild empfing;
Da kam zu neuen Kräften   der kühne Jüngling;
Man sah ihn mordlich fechten,   das will ich euch sagen.
Da begann er im Kreiße   Dietrichen umzujagen.

Da sprach die schöne Kriemhild:   "Nun schaut, ihr Frauen mein,
Das ist der kühne Siegfried,   der Held vom Niederrhein.
Wie treibt er den Berner   umher auf grünem Feld!
Noch trägt mein lieber Siegfried   das Lob vor aller Welt.

Nun mag ich wohl mich freuen,   so hatt ichs mir erdacht:
Es wird der Vogt von Berne   noch heut dazu gebracht,
Dass er mir muss dienen   dieweil er hat das Leben:
Dazu zwingt ihn Siegfried,   dieser auserwählte Degen."

Siegfried der Edle   war ein starker Mann,
Jetzt lief er gewaltig   Dietrichen an:
Er schlug ihm eine Wunde   durch seinen Eisenhut,
Dass man hernieder rinnen   ihm sah das rote Blut.

"Wie hält sich unser Herre?",   frug heimlich Hildebrand.
"Er ficht leider übel,"   sprach Wolfhart allzuhand:
"Eine tiefe Wunde hat er   durch seinen Eisenhelm,
Er ist mit Blut beronnen,   er ficht recht wie ein Schelm."

"Er ist noch nicht im Zorne,"   sprach da Hildebrand.
"Nun ruf in den Garten,   du kühner Weigand,
Und sag ich sei gestorben,   er habe mich erschlagen:
Wenn das ihn nicht erzürnet,   dann mögen wir wohl klagen."

Wolfhart rief in den Garten   dass weit die Luft erscholl:
"O weh mir meines Leides,   das ist so groß und voll!
Hilbrand ist erstorben,   wir müssen ihn begraben:
O weh, du Vogt von Berne,   was hast du ihn erschlagen!"

"Ist Hildebrand gestorben,"   rief der Berner gleich,
"So findet man an Treue   keinen, der ihm gleich.
Nun hüte deines Lebens,   Siegfried, kühner Mann,
Es ist mein Scherz gewesen   was ich noch stritt bis heran.

Wehr dich aus allen Kräften   es tut dir wahrlich Not.
uns beide scheidet niemand   als des einen Tod.
Ich hab um deinetwillen   verloren einen Mann,
Den ich bis an mein Ende   nimmer verwinden kann."

Da sprach der kühne Siegfried:   "Des Dreuens treibt ihr viel.
Was ihr mit mir streitet,   das ist mir nur ein Spiel.
Der hat zuletzt den Schaden,   der sein am Haupt entgilt."
Da liefen wieder beide   gegeneinander wild.

Wie ein Haus das dampfet,   wenn man es zündet an,
So musste Dietrich rauchen,   der zornige Mann.
Eine rote Flamme sah man   gehn aus seinem Mund:
Siegfrieds Horn erweichte:   Da ward ihm Dietrich erst kund.

Er brannte wie ein Drache,   Siegfrieden ward so heiß,
Dass ihm vom Leibe nieder   durch die Ringe floss der Schweiß.
Den edeln Vogt von Berne   ergriff sein grimmer Zorn,
Er schlug dem kühnen Siegfried   durch Harnisch und durch Horn,

Dass ihm das Blut, das rote,   herab sprang in den Sand:
Siegfried musste weichen,   wie kühn er eben stand.
Er hatt ihn hin getrieben,   jetzt rieb ihn Dietrich her:
Das sah die schöne Kriemhild,   die begann zu trauern sehr.

Da sprach Frau Brunhilde:   "Herr Dietrich ist im Zorn,
Siegfrieden mag nicht helfen   sein Harnisch noch sein Horn.
Ich seh die Ringe stieben   von dem kühnen Mann,
Sein Blut seh ich fließen,   um den Helden ists getan."

Der Berner schnitt die Ringe   als wär es faules Stroh;
Zum ersten Mal im Leben   sah man dass Siegfried floh.
Da jagt' ihn durch die Rosen   der Berner unverzagt.
Nun säumte sich nicht länger   die kaiserliche Magd.

Sie sprang von ihrem Sitze,   ein Kleid sie von sich schwang,
Kriemhild in großer Eile   hin durch die Rosen drang.
Da rief mit lauter Stimme   die Königstochter hehr:
"Nun lasst von euerm Streite,   Dietrich, ich fleh euch sehr,

Steht ab um meinetwillen,   und lasst das Kämpfen sein:
Euch ist der Sieg geworden   zu Wormes an dem Rhein."
Da tat der Vogt von Berne   als hätt ers nicht gehört,
Er schlug mit dem Schwerte,   schier hätt er ihn betört.

Er hörte nichts von allem   was die Königstochter sprach,
Bis er dem kühnen Siegfried   vollends den Helm zerbrach.
Wie viel man der Stühle   zwischen die Streiter warf,
Die zerhieb der Berner   mit seinem Schwert so scharf.

Da warf sie ihren Schleier   über den kühnen Degen:
So dachte sie dem Gatten   zu fristen Leib und Leben.
Da sprach die Königstochter.   "Bist du ein Biedermann,
So lass ihn des genießen,   dass er meine Huld gewann."

Da sprach der Held von Berne:   "Die Rede lasset sein:
Wessen ihr mich bittet,   zu allem sag ich nein.
Euch Ritter und euch Frauen,   ich bring euch all in Not,
Ihr müsst vor mir ersterben,   da Hildebrand ist tot."

Alles was im Garten war   wollt er erschlagen,
Dietrich in seinem Zorne,   wie wir es hören sagen.
Hildebrand der Alte   tat als ein Biedermann,
Er sprang in den Garten   und rief seinen Herren an.

Er sprach: "Lieber Herre,   lasst ab von euerm Zorn:
Ihr habt den Sieg gewonnen,   nun bin ich neu geborn."
Dietrich der Kühne   sah Hilbranden an,
Da erweicht' ihm sein Gemüte,   da er stehen sah den Mann.

Der Berner ließ sein Toben,   er küsst' ihn auf den Mund:
"Gott will ich heute loben,   dass du noch bist gesund!
Sonst hätte nichts verfangen,   ihr Flehen insgemein:
Um Siegfried wars ergangen:   Das schuf das Sterben dein.

Nun lass ich von dem Harme,   denn Hilbrand ist gesund."
Da schlug die Königstochter   sich selber auf den Mund.
Da sprach Frau Kriemhilde:   "Ihr seid ein biedrer Mann,
Dem man seines Gleichen   in der Welt nicht finden kann."

Auf setzte sie dem Berner   ein Rosenkränzelein,
Ein Halsen und ein Küssen   gab ihm das Mägdelein.
Sie sprachen einhellig:   "Das mag man euch gestehn,
Es ward in allen Reichen   kein Mann wie ihr gesehn."

Siegfried dem Kühnen   man da zu Hilfe kam,
Sie führten ins Gestühle   den Degen lobesam.
Man zog ihm ab den Harnisch,   dem kühnen Weigand:
Da verbanden ihm die Wunden   die Frauen allzuhand.

Ü   Þ

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