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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Zehntes Abenteuer

Wie der Berner Siegfrieden nicht bestehen wollte

Da sprach Meister Hildebrand:   "Herr Dietrich, hört ihr das?
Euch schilt der edle Siegfried   und trägt euch großen Hass.
Ich hab euch aufbehalten   den hoch berühmten Held:
Es bringt euch große Ehre,   wenn eure Hand ihn fällt.

Nun lasst es ihn entgelten,   dass er euch übel spricht,
Er sagt, ihn zu bestehen,   so kühn wärt ihr nicht.
Ihr habt ihm doch im Leben   nichts zu Leid getan:
Wie darf er euch denn schelten,   dieser hochfährtge Mann?"

Da sprach der Held von Berne:   "Wär dir Treue kund,
Siegfrieden zu bestehen,   mir riet' es nicht dein Mund.
Ihr ratet mir auch immer   zu aller Fahr und Not:
Du und auch Wolfhart,   ihr säht mich gerne tot.

"Bringt ihr mich ums Leben,   so schilt euch alle Welt;
Auch weiß ich dass mein Bruder   mein Erb euch vorenthält."
Da sprach Meister Hildebrand:   "Ihr verleumdet uns daran:
Ich rat euch stets das Beste,   und Wolfhart der kühne Mann.

Wir raten allerwegen   euch nur nach Würdigkeit,
Damit sich eure Ehre   mehre weit und breit.
Bestehst du Siegfrieden,   den Held von Niederland,
So magst du Ruhm erwerben   und Preis in jeglichem Land."

Da sprach der Berner: "Meister,   lass dein Spotten sein,
Ich bestünde lieber viere   der Besten an dem Rhein.
Willst du mich verraten   an den gehörnten Mann?
Wer sollte mit ihm fechten,   den kein Schwert verschneiden kann?

Der den Drachen hat erschlagen   auf dem Drachenstein,
Der mag allen Königen   wohl überlegen sein.
Man weiß so viel der Recken,   die seine Hand erschlug;
Dann sind noch drei der Dinge,   die erschrecken mich mit Fug:

"Er trägt der Schwerter Bestes,   das auf dem Stein er fand,
Es schrotet harte Helme,   Balmung ist es genannt.
Das andre ist ein Panzer,   der ist so fest und hart:
Aus Stahlringen schuf ihn   Mimes Schüler Eckhart.

Der wirkt' ihn wohl mit Fleiße,   mit Kunst und Meisterschaft;
Er wusste wohl, er sollte   gewinnen große Kraft.
Goldes und Gesteines   verwirkt' er viel daran:
Kein Schwert war je so schneidig,   das ihn zerhauen kann.

Zum dritten ist er hörnern,   drum schafft kein Schwert ihm Pein,
Er mag wohl ohne Sorge   vor allen Recken sein.
Und wollt ich mit ihm fechten,   ich wär ein dummer Mann:
Der will mich verraten,   der mir das mutet an."

Da sprach der alte Meister,   ein Held so lobeswert:
"Besteht ihn ein Zager,   der fällt vor seinem Schwert;
Ist er aber bieder   und heißt er Dieterich,
Der schlägt ihm tiefe Wunden,   das wisset sicherlich."

"Ich will ihn nicht bestehen,   ich weiß, dass ichs nicht kann.
Bringt mir in den Garten   einen andern kühnen Mann,
Der Fleisch hat und Gebeine   an seinem Leib wie ich:
Mit dem will ich streiten,"   so sprach Herr Dieterich.

Hildebrand der Alte   ließ seinen Herren stehn,
Er war in großem Zorne,   so war ihm nie geschehn.
Die hellen Tränen liefen   ihm auf den grauen Bart;
"Warum weint ihr, Oheim?",   so frug ihn Wolfhart.

"Willst du mir helfen, Wolfhart?",   sprach da Hildebrand.
"So wappne dich geschwinde   und komm uns nachgerannt.
Wir reiten aus der Ebne   in einen tiefen Grund:
Mir und meinem Herren   wird da großes Zürnen kund.

"Doch siehst du ihn im Zorne    noch nicht so sehr wie mich;
Doch bald werd ich erbosen   von Herren Dieterich.
So bin ich der erste,   der auf die Erde fällt:
Hörst du sein Schwert erklingen,   so hilf mir, junger Held."

Da ging er zu dem Berner   zurück so trauriglich:
"Wie ist euch nun zu Mute,   edler Dieterich?"
Der Berner sprach: "Ich habe   mich anders nicht bedacht:
Hast du mir in den Garten   einen andern Kämpen gebracht?"

"Wo sollt ich den finden?",   sprach Meister Hildebrand:
"Niemand ist mehr übrig   als der Held von Niederland.
Ein jeder stand dem seinen:   Steht ihr dem euern nicht?"
"Ich kämpfe nicht mit Siegfried,   was einer auch tut und spricht."

Er sprach: "Lieber Herre,   so folgt mir in den Tann:
Vielleicht, dass ich euch beiden   einen Frieden finden kann.
Da ihr den Niederländer    nicht zu bestehen wagt,
So sagt, ihr wäret ungesund;   ich beschwöre was ihr sagt."

"O weh," sprach der Berner,   "was ritt ich her zum Streit?
Beschwört es, lieber Meister,   ich büße für den Eid."
"Nun wohl denn," sprach der Alte,   "ihr seid ungesund:
Lasst uns zu Walde reiten   in einen tiefen Grund."

Sie ritten miteinander   einen Weg, der war so schmal:
Sie sahn zu beiden Seiten   nur Berg und tiefes Tal.
"Lasst uns absitzen,"   sprach Meister Hildebrand.
Herr Dietrich sprang vom Rosse   und gab es ihm an die Hand.

"Sagt mir auf eure Treue,   seid ihr Herr Dieterich,
Dem Dietmar ließ sein Erbe,   seid ihr es sicherlich?"
"Wohl bin ich derselbe,   der Berner Dieterich;
Was soll das, guter Meister,   du fragst so wunderlich."

"Hilf mir Gott, ihr lüget,"   sprach Meister Hildebrand:
"Es gibt der Leute viele,   die Dietrich sind genannt.
Ihr wurdet nie mein Herre,   verzagter Dieterich,
Ihr gleicht nicht dem von Berne,   dem Fürsten tugendlich.

Den sah ich immer gerne   nach hoher Ehre streben;
Ihr dürft vor wilden Tieren   wohl wagen euer Leben:
Oft allein im Walde   wart ihr der Mannheit voll;
Ihr fechtet nicht vor Frauen,   wo man Preis erwerben soll.

Ich will euch nicht mehr dienen,   ihr ehrloser Mann;
Und wollt ihr nicht fechten,   ich greif euch selber an."
Da sprach der Vogt von Berne:   "So trügt dich dein Sinn:
Es mag dich wohl gereuen,   wie verzagt ich auch bin."

"Besteht ihr nicht den euern,   ich mach euch ungesund."
"Wie willst du das verrichten?"   "Das tu ich dir kund."
Da zwang die Faust zusammen   der edle Meister gut,
Er schlug den Herrn ins Antlitz   in seinem zürnenden Mut.

Er schlug ihn so gewaltig,   er fiel auf das Land:
Dietrich begann zu zürnen:   Da entgalt es Hildebrand.
Das Schwert mit dem Knaufe   der Held zu Händen nahm:
Da schlug er so geschwinde   auf seinen Dienstmann:

Mit dem flachen Schwerte   gab er ihm Schläge viel;
Schier kam der alte Meister   an seines Lebens Ziel.
Mit Eckesachs dem Schwerte   gab er ihm einen Schlag,
Dass niederfiel der Alte   und gestreckt am Boden lag.

"Du gebartest stets, als möge   niemand dich besiegen."
Er konnt ihn nicht ertöten:   Da ließ er ihn liegen.
Als Wolfhart erhörte,   dass sein Schwert erklang,
Da ritt er ihnen näher;   um den Meister war ihm bang.

Er rief: "Mein Herre Dietrich,   erschlagt ihr euern Mann,
Und wagt dem fremden Recken   vor den Frauen nicht zu nahn?
Ihr streitet mit den euern,   die stehn in eurer Pflicht;
Siegfried den Niederländer,   den besteht ihr aber nicht."

"Es schien mir große Thorheit,   das wisse sicherlich;
Doch nun bin ich erzürnet,"   sprach Herr Dieterich.
"Wer weiß was in dem Garten   noch heut von mir geschieht;
Soll es auch dir geraten   wie es diesem hier geriet?"

"Davor will ich mich hüten,"   sprach da Wolfhart,
"Dass ich mit euch stritte:   Es wird von mir gespart.
Ich weiß wohl, lieber Herre,    dass ich euch meiden soll;
Wärt ihr in rechtem Zorne,   das vergönnt ich euch wohl."

Da sprach der Held von Berne:   "Nun lass das, junger Mann,
Ich hab in meinem Leben   nicht so verzagt getan.
Nun bring mir meinen Falken,   das gute Ross, daher:
Er wird von mir bestanden    und wenn er stählern wär."

Er bracht ihm seinen Falken;   er gürtete nicht lang:
Ohne Stegreifen   er in den Sattel sprang.
Der Degen war im Zorne,   er fasste seinen Schild:
Bald sah den Degen kommen   die Königin Kriemhild.

Ü   Þ

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