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      Karl Simrock
         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            II. Alphart
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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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               Wolfdietrich
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                  14. Abenteuer

Neuntes Abenteuer

Wie der letzte Teil der Kämpfe, mit vier Königen, anhub

"O weh dieser Schande!",   sprach König Gernot,
"Eh ich bescholten lebte,   lieber wär ich tot."
Da ließ er sich reichen   einen goldfarbnen Schild:
"Uns bringt zu Unehren    meine Schwester Kriemhild."

Da sprach sein Vater Gibich:   "Mein Sohn Gernot,
Nun sei dir befohlen   unsre Schmach und unsre Not.
So schaffe, biedrer Degen,   kühn und unverzagt,
Dass man von deiner Stärke   immer singet und sagt."

"Ich will gerne fechten,   lieber Vater mein.
Hätte meine Schwester    ihre Hochfahrt lassen sein,
Uns lägen nicht erschlagen   Ritter und Riesen tot,
Man säh uns nicht im Garten   hier stehn vor Scham so rot.

Dass du ihr das verhängtest,   davon ward sie so los;
Das mag man an ihr schauen,   ihre Hochfahrt ist zu groß.
Sie ist der Rut entwachsen,   und hört nicht mehr auf dich."
Da sprach König Gibich:   "Mein Sohn, das reuet mich."

Da sprang in den Garten   der König Gernot:
"Wer mit mir will fechten,   spring in die Rosen rot."
Da sprach der Recke Helmschrot:   "Siehst du das, Hildebrand,
Wie Gernot der König   durch die Rosen kommt gerannt?

Soll ich nicht zu ihm springen   hin in den grünen Klee,
So geschah mir all mein Leben   nie so von Herzen weh."
"So greife nach dem Schilde   und säume dich nicht lang;
Sieht das Frau Kriemhilde,   um den Bruder wird ihr bang."

Da sprach der kühne Helmschrot:   "Wohlan, ich greif ihn an."
Er fasste nach dem Schilde   und sprang hin auf den Plan.
Durch die Rosen watete   der Held gar ritterlich:
Das sahen schöne Frauen,   die lachten inniglich.

Da schlugen sie zusammen,   die Degen wohlgetan:
Wie mordlich sie stritten   auf dem grünen Plan!
Ihr  Blut vergossen beide   wohl auf dem Anger weit:
Von den kühnen Helden   hob sich ein fährlicher Streit.

Da kam zu großem Zorne   Helmschrot der Degen:
Anlief er Gernoten   mit grimmigen Schlägen.
Nie kam der König Gernot   zuvor in solche Not:
Da rief er zu den Frauen,   denn er fürchtete den Tod.

Da säumte sich nicht länger   die Königin Kriemhild,
Helmschroten gab sie   ein Rosenkränzlein mild,
Ein Halsen und ein Küssen   gab sie dem kühnen Mann;
Wohl empfing ihn der von Berne   und die in seinem Bann.

Da sprach der König Gunther,   ein Ritter ausersehn:
"So stark ist unser keiner,   den Wölfingen zu stehn.
Er muss vor ihnen fliehen   oder fallen auf den Plan.
Doch lass ichs drum mitnichten,   den meinen greif ich an.

Mein Bruder tiefe Wunden   empfing, das schafft mir Not,
Ich fürcht er müsse sterben,   der junge Gernot.
Reicher Gott vom Himmel,   lass dir geklaget sein,
Dass wir Kriemhilden folgten,   der lieben Schwester mein."

Auf sprang der König Gunther,   seinen Harnisch legt' er an:
Darob begann zu trauern   jeder rheinische Mann.
Den Helm im Zorn der Degen   sich zu Häupten band:
"Mit wem soll ich streiten?   Das ist mir noch unbekannt."

Er nahm den Schild zum Arme,   sein Ross beschritt er schnell,
Eine Krone rot von Golde   schien ihm von Helm so hell.
Da sprengt' in den Garten   der König unverwandt:
"Meines Bruders tiefe Wunden   sollen rächen meine Hand."

Da sprach Meister Hildebrand:   "Hörst du das, Alphart?
Wie er klagt, der König,   der dein zum Streite harrt,
Dass den Wölfingen   niemand möge stehn:
Du bists von Vater und Mutter:   Das lass den König sehn."

"Ich besteh ihn gerne,"   sprach der junge Mann.
"Nun schaue der von Berne,   ob ich wohl streiten kann.
Wolfhart und Siegstab,   meine Brüder hatten Eil:
Sie stritten wider Riesen;   mir wird ein König zuteil."

Da griff nach dem Schilde   der unverzagte Degen,
In den Garten sprengte   der junge Held verwegen.
Des erschrak gar wenig   Gunther der König hehr,
Er säumte sich nicht länger,   auf den Jüngling sprengt' er her.

Da sie zusammen kamen,   die Helden unverzagt,
Da ward von ihnen beiden   kühnlich widersagt.
Zwei Speere sie verstachen   mit ritterlicher Hand:
Da griffen zu den Schwertern   die Recken unverwandt.

Sie sprangen von den Rossen   nieder in den Klee:
Da geschah von tiefen Wunden   den beiden Kämpen weh.
König Gunther von dem Rheine,   der Degen wohlgemut,
Zog von seiner Seiten   eine Waffe, die war gut.

Er schwang sie auf den Wölfing   mit zornigem Schwung:
Das Blut schoss durch die Ringe   dem kühnen Degen jung.
Den Schlag vergalt ihm wieder   der Jüngling allgemach:
Er lockt' ihm aus dem Panzer   einen blutigen Bach.

Die goldfarbnen Schilde   hieben sie von der Hand.
Von Helm und Harnisch flogen   die Splitter in den Sand.
Alphart der junge,   seine Kraft war gut:
Er lief den König Gunther   jetzt an mit zornigem Mut

Und schlug ihn durch die Krone,   der Jüngling lobesam,
Dass ihm aus dem Helme   das Blut geronnen kam
Über Stirn und Augen,   dass er nicht mehr sah.
Auf sprang die Königstochter:   Wie eilte sie sich da!

Sie fristete dem Bruder   das Leben und den Leib;
Und doch zu spät gekommen   wär schier das edle Weib.
Auf setzte sie Alpharten   ein Rosenkränzelein,
Ein Halsen und ein Küssen   musst ihm die Königin leihn.

Alphart ging aus dem Garten,   der Sieg erfreut' ihn sehr:
Der Junge sprach: "Nun hab ich   gesalbt den König hehr."
Darob begann zu lachen   der alte Hildebrand;
Wohl empfing ihn der von Berne   und mancher kühne Weigand.

Da sprach König Gibich:   "Was soll unser Leben?
Mit allen unsern Recken    muss ich in Schanden schweben.
Wir haben hier im Garten   weder Glück noch Heil.
Ich selbst will in die Rosen   was mir auch wird zu Teil."

Da fuhr in die Rosen   der König Gibich;
Man sah ihn guter Dinge:   Versuchen wollt er sich.
"Da fährt der König Gibich!",   sprach Meister Hildebrand.
"Nun geht mir mein Geräte,   ich besteh ihn allzuhand."

Der Alte ward gewappnet,   er kam gegangen dar;
Man nahm im Rosengarten   der beiden Alten wahr.
Wie schnell König Gibich   da seinen Kämpen fand!
Ihm trat alsbald entgegen   der alte Hildebrand.

Da sprach König Gibich   zu dem Recken sturmbereit:
"Ich habe viel vernommen   von eurer Weisheit."
"Dem ist nun so wie Gott will,"   sprach Meister Hildebrand;
"Es mag zu früh euch kommen,   kühner Weigand.

Niemand lobe selber   seine Mannheit, seinen Sinn:
Wenn ihm hernach misslänge,   Spott hätt er zum Gewinn.
Es kommt mancher in sein Alter,   der solchen Brauch nicht hat,
Und dem wohl nütze wäre,   vernähm er weisen Rat."

Da sprach König Gibich   aus ungefügem Zorn:
"Nun soll euch widersagt sein,   ihr Recke hochgeborn."
Da sprach der alte Hildebrand,   der Meister unverzagt:
"Das ist gar unnötig,   dass ihr mir widersagt.

Was wir zwei einander   zu Leide je getan,
Das schlichten wir mit Schwertern;   was soll viel Redens dann?"
Die Zwiesprach ging zu Ende   der Fürsten sturmbereit:
Sie griffen zu den Schwertern;   ihre Schilde waren breit.

Da stritten miteinander   die greisen Herrn mit Macht;
Auf ihren Helmen sah man   ein Feuer hell entfacht.
Der König Gibich dachte   zu rächen all sein Leid;
Hildebrand der alte   musste fliehen seinen Streit.

Da sprach der Vogt von Berne:   "Hilbrand, du kühner Degen,
Erschlägt dich König Gibich,   Frau Uten will ich geben
Einen Mann in jungen Jahren:   Des ist die Frau wohl wert.
Nein, Hildebrand, du alter,   versuche besser dein Schwert."

Er sprach: "Nein, Vogt von Berne,   und würd ich erschlagen,
So hörte man Frau Uten   jammern und klagen.
Sie nähme keinen andern:   Ihre Treue, die ist groß
Gegen mich gewesen   seit uns die Minne beschloss.

Seit sie mir gegeben   ward zu rechter Eh,
Ihrem roten Munde tat sie   mit Küssen immer weh.
Sollte sie dann nehmen   einen andern Mann für mich,
So will ich lieber streiten   um die Fraue minniglich."

Er schlug dem König Gibich   durch Harnisch und durch Schild:
Der Rede Dietrichens   der König nun entgilt.
Da sprach der kühne Wittich:   "Seht, Herr Dieterich,
Hildebrand der Alte   ficht kühn und listiglich."

Die alten Künste suchte   der Meister jetzt heraus
Und gab dem König Gibich   einen Schlag, der fuhr im Saus:
Er musste vor ihm nieder   fallen auf den Plan.
Da erschrak seine Tochter   und die ihm untertan.

Kriemhild die Königstochter,   die sprang empor zuhand:
"Bei aller Frauen Ehre,   getreuer Hildebrand,
Schlagt mir nicht zu Tode   den lieben Vater mein."
Da sprach Hilbrand der Alte:   "Wo ist mein Kränzelein?"

Ein Kränzlein von Rosen   gab ihm die schöne Maid;
Da wollte sie auch küssen   den Recken kühn im Streit.
Da sprach Hilbrand der Alte:   "Die Unzucht soll nicht sein:
Den Kuss will ich verwahren   der lieben Frauen mein.

"Um Treu ist sie gepriesen   und auch um Frömmigkeit:
Was sollt ich denn küssen   eine unbescheidne Maid?
Des hätt ich wenig Ehre,   das will ich euch sagen.
Nun heißet euern Vater   zu der Herberge tragen."

Da ging aus dem Garten   der Meister lobesam;
Wohl empfing ihn der von Berne   und die in seinem Bann.
"Wer sich an alte Kessel reibt,   der wird leicht schwarz davon:
Herr Gibich hats erfahren;   er empfing nun seinen Lohn."

Noch sollten sich bestehen   zwei Fürsten auserkannt,
Dietrich von Berne   und der Held von Niederland.
Siegfried der König,   der sprang da auf den Plan:
"Wo ist denn der meine,   der mir zum Kampf soll nahn?

Fürcht er sich also,   er lässt sich ja nicht schaun?
Das bringt ihm wenig Ehre   hier vor den schönen Fraun.
Wir beiden hätten billig   die ersten sollen sein;
Ich sehe wohl, er traut sich   vor mir nicht zu gedeihn.

Ich hört ihn immer rühmen,   den Fürsten hochgeboren:
Dass er so zage wäre,   das hätt ich wohl verschworen.
Was säumt er nun so lange?   Er hat nicht Reckensinn.
Kann ich es immer fügen,   es bringt ihm Ungewinn."

Ü   Þ

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