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         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Achtes Abenteuer

Fortsetzung der Kämpfe, zunächst mit vier Recken

Da sprach König Gibich:   "Unser Streiten hilft nicht viel,
Wir haben im Garten   kein Glück bei diesem Spiel:
Stutfuchs vom Rheine,    du werter Jüngling,
Nun wappne dich geschwinde   und komm her in den Ring."

Da sprach der kühne Stutfuchs:   "Bei der Treue mein,
Ich sollte der erste    billig gewesen sein.
Das hätt uns frommen mögen,   das will ich euch sagen,
So wären uns im Garten   die Riesen nicht erschlagen."

Stutfuchs vom Rheine   sich in den Garten hob,
Wie ritterlich der Degen   durch die Rosen stob!
Er sorgte, ihn getraue   sich niemand zu bestehn:
Gar übermütig sah man   ihn durch die Rosen gehn.

"Werter König Hartung,"   hub da Hilbrand an,
"Siehst du den Helden   dort durch die Rosen nahn?
Er ist geheißen Stutfuchs,   ein Degen auserkannt:
Mit dem sollst du fechten,   König von Reußenland."

"Gerne," sprach der Reuße,   "des bin ich wohlgemut:
Ich will für den Berner   wagen Leib und Gut!"
Da sprengt' in den Garten   der Held von Reußenland.
Er frug den Widersacher:   "Wie seid ihr genannt?"

Er sprach: "Ich heiße Stutfuchs,   aus rheinischem Land."
Einander widersagten   die beiden allzuhand.
Hartung von Reußen   ritt da einher mit Kraft,
Er führt' in seiner Rechten   einen Speer mit langem Schaft."

Jedweden sah man neigen   auf seinen Feind den Speer:
Sie wollten Kraft erzeigen,   sich zürnten beide schwer.
Zwei Speere sie verstachen   mit ritterlicher Hand;
Da griffen zu den Schwerten   die Recken auserkannt.

Sie sprangen zu der Erde   nieder auf den Grieß;
Ein Wunder wars, dass einer   den andern leben ließ.
Sie stritten beide grimmig,   doch half es nicht zum Sieg;
Lebendig hoffte keiner   zu kommen aus dem Krieg.

Herr Hartung schwang die Klinge,   die war so scharf und gut:
Er schlug ihm durch die Ringe,   dass niederfloss das Blut.
Durch Helm und durch Halsberg   gab er ihm einen Schlag,
Dass der Helm mit dem Haupte   vor seinen Füßen lag.

Stutfuchs war erschlagen:   Da säumte sich nicht mehr
Mit ihrem Rosenkranze   die Königstochter hehr.
Ein Halsen und ein Küssen   gab sie dem Sieger da:
Den König Hartung freut' es,   als ihm der Gruß geschah.

Wohlgemut der Degen   sich in den Sattel schwang,
Sein Ross mit großen Sprüngen   aus dem Garten sprang.
Den Stutfuchs ließ er liegen   und trabte durch das Feld:
Wohl empfing ihn der von Berne   und mancher freudige Held.

Da sprach König Gibich:   "Was frommt mir nun zu leben,
Da ich keinem meiner Helden   hier den Preis soll geben?
Doch weiß ich einen Recken,   wenn ich mich recht besann,
Der mag uns wohl rächen,   es ist ein kühner Mann.

Er ist geheißen Walther   von dem Wasgenstein,
Der kühnsten Recken einer   wohl auf und ab am Rhein.
Nun räche meinen Kummer,   du Degen auserkannt,
So will ich mit dir teilen   meine Burgen und mein Land."

Da sprach der kühne Walther:   "Ich sagt' es euch vorher:
Ihr aber wähntet immer,   ich fürchtete mich sehr.
Ich wusste wohl, der Berner   habe manchen kühnen Mann;
Doch lass ichs drum mitnichten,   den meinen greif ich an."

Hilbrand sah ihn kommen,   da rief er allzuhand:
"Wo bist du nun, Dietleib,   du Held von Steierland?"
Er hielt an Dietrichs Seite   bei einem Banner rot:
Das führte der von Steier   mit Kraft in aller Not.

"Ich will mit ihm streiten,"   sprach der junge Mann,
"Hat er bei seinen Zeiten   viel Großes gleich getan."
Des dankt' ihm der von Berne   und Meister Hildebrand.
Da griff er nach dem Schilde,   den Helm er überband.

Da sprang in den Garten   der unverzagte Degen;
Der vom Wasgensteine   kam ihm alsbald entgegen.
Da sprach der schnelle Walther:   "Bist du Biterolfens Spross?
Wer hat dich mir erkoren   zu einem Streitgenoss?

Du bist noch erwachsen   zum Mann nicht völliglich:
Wie willst du einen Recken   im Streit bestehn wie ich?"
"Des bring ich euch wohl inne,"   sprach der junge Mann;
"Nun schonet meines Lebens nicht;   auch ich tu was ich kann."

Da sprach er: "Jungen Thoren   hilft weiser Rat nicht viel."
Da sprangen sie zusammen   zu einem grimmen Spiel.
Sie schlugen aufeinander   so manchen schnellen Schlag:
Sie hatten Kraft und Stärke,   das kam wohl an den Tag.

Ihr Helm und ihr Harnisch,   die ließen ihren Schein,
Da beider Blut sie trübte;   Kriemhilden schufs nicht Pein.
Di goldfarbnen Schilde   hieben sie von der Hand,
Dass sie mit kleinen Stücken   hinstoben auf das Land.

Von ihrem Schirmen ließen   die Degen wohlgetan,
Helm' und Schilde hieben   sie nieder auf den Plan.
Da sprach Meister Hildebrand:   "Seht ihr, Frau Königin,
Wie diese Recken streiten?   Ihr Leben fährt dahin.

Einer wird dem andern   Meister nimmermehr;
Sie schlagen tiefe Wunden,   sie schirmen sich nicht mehr."
Da sprach die Königstochter:   "Nun sage, weiser Mann,
Wie soll ich sie nun scheiden,   diese Recken lobesam?"

"Gebt gewonnen beiden,   edle Königin,
Ein Rosenkränzlein werde   jedwedem zum Gewinn."
Kriemhild die Königstochter   verzog nicht lange da:
Mit zweien Rosenkränzen   trat sie den Helden nah.

Sie sprach: "Dank habet beide,   ihr Degen ausersehn,
In den Rosen ist das Beste   von jeglichem geschehn.
Nun lasst von euerm Streite,   ihr sollt Gesellen sein,
So geb ich jedwedem   ein Rosenkränzelein."

Abbanden sie die Helme   von Stahl so fest und gut:
Kriemhild gab ihnen beiden   der roten Rosen Blut,
Ein Halsen und ein Küssen   gab sie jedwedem Mann:
Da wurden Schwurgesellen   die Recken wohlgetan.

Da sprach der von Berne:   "Ihr habt beide wohl gestritten
Hier im Rosengarten,   nach ritterlichen Sitten.
Der Anger ist bekleidet   mit euer beider Blut;
Kriemhild die Königstochter   ist wieder wohlgemut."

Hildebrand der alte   hub da zu rufen an:
"Wie säumt nun so lange   der Mönch Ilsan?
Was fürchtet er sich also?   Darf er nicht auf dem Plan
Den Schnee mit Blut begießen   wie die andern auch getan?

Dazu ihn überdecken   mit seiner Kutte weit,
Bis ihm die Königstochter   einen Kämpen leiht?"
"Ja, lieber Bruder,"   sprach der Mönch Ilsan,
"Was ihr nur gebietet,   das soll sein getan.

Dazu bin ich zum Streite   fertig und bereit!"
So froh trat in die Rosen   der Mönch zur selben Zeit.
Eine graue Kutte hatt er   auf dem Harnisch an,
Ein Schwert in seiner Rechten   trug der Mönch Ilsan.

"Da die Königstochter   trägt nach Streit Begehr,
Dass man vor ihr streite,   dazu kam ich her.
Sie geb einen Kämpen   mir in die Rosen licht,
Denn ich will sie all zertreten,   es bleibt ihr keine nicht."

Da sah man sich wälzen   den Mönch Ilsan
In dem Rosengarten - niemand griff ihn an -
In den lichten Rosen   vertrieb er sich die Zeit:
Das war der Königstochter   gar ausermaßen leid.

Man sah den Bruder Ilsan   die Rosen all zertreten;
Die Königstochter hatt ihn   mitnichten drum gebeten.
Er trieb in dem Garten   so großen Übermut:
Das deuchte Kriemhilden   in ihrem Sinn nicht gut.

Da sprach die Königstochter:   "Lieber Vater mein,
Nun lass dir befohlen   meine Klage sein.
Was hier im Garten treibet   der Mönch Ilsan,
Hast du so kühnen keinen,   der ihm das wehren kann?

Dass ihm die graue Kutte   stets geschändet sei!"
Darob begann zu lachen   Ilsan der Bruder frei:
Er sprach aus klugem Sinne:   "Edle Königin klar,
Fluchen ist verboten,   das sag ich euch fürwahr.

Ich weiß wohl um den Orden;   ich bin ein Klostermann."
Da sprach die Königstochter:   "Es ist nicht recht getan,
Hast du dich unterwunden,   dass du willst dienen Gott,
Dass du mir hier erzeigest   so übermütigen Spott."

"Ich halte meinen Orden:  sieh meinen Predgerstab,
Den mir in dem Kloster   der Abt selber gab.
Er hat mich ausgesendet,   ich soll euch Beichte hören."
Da sprach die Königstochter:   "Der Mönch will uns hier tören.

Ich fürcht, uns will betrügen   der alte Bösewicht;
Mich verdrießt sein Reden,   sein Spott gefällt mir nicht.
Ein scharfes Schwert er führet   als einen Predgerstab.
Der Abt war nicht bei Sinnen,   der dirs in die Hände gab."

"Edle Königstochter,   er hatte Witz genug,
Dazu auch gute Kunde,   wie ichs mit Ehren trug
In Stürmen stets und Streiten,   nach des grauen Ordens Recht."
"Nun geleite dich der Teufel   in die Hölle, Sündenknecht!

Ich sage dir in Wahrheit,   er lässt von dir nicht ab:
Du dinest ihm allzu fleißig   mit deinem Predgerstab."
"Frau, das Höllenfeuer,   das schafft mir keine Pein;
Doch freut es mich zu schauen   manch rotes Mündelein

Hier im Rosengarten   mit meinen Augen klar,
Sollt ich auch im Kampfe   verlieren Haut und Haar.
Die Märe kam ins Kloster,   das wollt ich gerne schaun,
Im Garten gäb es Küsse   von schönen jungen Fraun."

Da sprach zu dem Bruder   die Königstochter zart:
"Nun küsse dich der Teufel   an deinen rauen Bart."
Mit Hass und mit Zürnen   die Königstochter sprach:
"Dir wird mit scharfen Schwerten   gegeben mancher Schlag."

"Das ist all mein Verlangen   in meiner Bruderschaft,
Dass auf mich geschlagen werde   mit harten Schwertes Kraft.
So will ich so mich biegen   im wollenen Gewand,
Dass es dort zu Berne   Frau Uten werde bekannt,

Und auch mit roten Mündlein   so manchem schönen Weib.
Wie sehr auch meine Kutte   mir hemmen mag den Leib,
Ihr sollt doch alle sprechen,   eh dieses Spiel zerrinnt,
Der stärkste eurer Helden   sei gegen mich ein Kind."

Da rief König Gibich:   "Wo bist du, Volker?
Ich will dir heute klagen   des großen Leids Beschwer,
Das mir hier erzeigte   der Mönch Ilsan:
Kühner Degen edel,   den sollst du greifen an

Mit deinem guten Schwerte,   Degen unverzagt.
Hörst du, wie er höhnisch   meiner Tochter sagt,
Wir alle hier im Garten   seien ihm ein Spott?
Möchtest du ihn zwingen,   vergönnt' es dir Gott,

Wir hätten dessen immer   Ehr und großen Ruhm."
Da sprach der kühne Spielmann,   er wollt es gerne tun.
Alles was er könnte   tät' er mit guter Art,
Dass er dem frechen Mönche   zerzausen möchte den Bart.

Volker der Spielmann   sich bald zum Streit erbot.
Auf seinem Schilde führt' er   eine Fiedel goldesrot.
Da sprang in die Rosen   Volker der Fiedelmann:
Wie die wilden Teufel,   so griffen die zwei sich an.

"Wozu hat uns der Berner   seinen Schalksnarrn hergesandt?
Es wär unterblieben,   hätt er mich recht erkannt."
Da sprach Bruder Ilsan,   er hatte Reckensinn:
"Ich will dich inne bringen,   ob ich ein Schalksnarr bin."

Sie schlugen aufeinander, es war ein grimmes Spiel;
Schneller starker Schläge   gab ihm der Bruder viel.
Dabei nach schönen Frauen   blickt' er unverwandt;
Darob musst ihn schelten   der alte Hildebrand.

"Pater noster! Bruder:   Kommt das dem Mönch wohl zu,
Nach schönen Frauen schielen?"   "Schweig, lass mich in Ruh.
Meine Augen müssen schießen   nach süßer Minne Ziel.
Dazu bin ich ein Kämpe   und spiele dieses Spiel."

"So wehr dich wacker, Moosbart,"   sprach Meister Hildebrand,
"Wir sind der Ehre willen   gekommen in dies Land:
Die lass an dir alleine   nicht verloren sein."
Da gab es harte Schläge   von den erzürnten zwein.

Nun sah man erst im Zorne   den Mönch Ilsan:
Mit ungefügen Schlägen   lief er den Spielmann an.
Volker der Fiedler   des Mönchs auch nicht vergaß:
Mit seinen Fiedelbogen   manchen Hieb er ihm maß.

Benetzt ward der Anger,   vom Blute ward er rot,
Sie brachten beid einander   in große Angst und Not.
Sie schufen durch die Helme   wohl ihren Schwertern Bahn;
Mit feindlichen Blicken   sahn sie beid einander an.

Volker dem Bruder   einen Streich über zog,
Dass sein guter Predgerstab   seiner Hand entflog.
"Du zahlst mir den Geigenstreich,   den du mir hast getan:
Ich verschrote dir die Saiten,"   sprach der Mönch Ilsan.

Herr Volker sprach: "Ein Fiedler   will ich noch immer sein,
Ich weiß wohl zu streichen   mit dem Fiedelbogen mein.
Was ich damit erreiche   muss auseinander gehn."
Anliefen sichs aufs neue   die Degen ausersehn.

Sie schlugen aufeinander   Schläger sonder Zahl,
Es klangen Schild und Harnisch   mit ungefügem Schall.
Die Harnischringe sprangen   in die Rosen hin:
Zerstreut sah man sie liegen   als wären sie gesät darin.

Da schlug der Bruder Ilsan   einen ungefügen Schlag,
Dass ihm vor den Füßen   der mit der Fiedel lag.
Doch lag er nicht lange,   der kühne Fiedelmann,
Er sprang empor geschwinde   und lief den Bruder an:

Doch trieb ihn auf der Heide   der Mönch die Kreuz und Quer:
Er trieb ihn hin mit Schlägen   und trieb ihn wieder her,
Dass ihm der Schweiß und auch das Blut   durch den Harnisch rann:
So musste vor ihm weichen   Volker der Fiedelmann.

Dem kühnen Fiedelspieler   ward ein Schlag getan,
Dass das Blut ihm stromweis   über die Augen rann.
Auf sprang die Königstochter,   die wunderschöne Magd,
Und schied sie voneinander,   die Helden unverzagt.

Sie sprach: "Herr Mönch, ich will es   euerm Abte sagen,
Ich will ihm Briefe senden,   und euch darin verklagen,
Dass er euch zu fasten   setzt ein langes Ziel."
"Das tu ich alles gerne,"   sprach der Mönch, "wenn ich will.

Wohl mögt ihr euch beklagen,   es tut euch wahrlich Not:
Wir haben euch geschlagen   Riesen und Ritter tot.
Ich hörte sie hier Beichte:   Doch ist die Buße schwer,
Die sie empfangen haben,"   so sprach der Prediger.

"Das Kloster mag verbrennen,"   sprach der Fiedelmann,
"In das du bist gegangen,   du alter grauer Mann;
Dem Teufel sollst empfohlen   mit deinen Brüdern sein:
Du gabst mit deinem Stabe   mir Streiche groß und klein."

"Nun mög uns Gott behüten   (mit Fluchen schweige still),
Mich und meine Brüder,   wie ich dir sagen will.
Mein Predgerstab schlägt kräftig   und unterweilen scharf;
Ich kann ihn selber führen,   keines andern ich bedarf.

Das hab ich heut erwiesen   hier in den Rosen rot."
"Das dir dein Abt gesetzt hat,   nicht schwer ist das Gebot.
Du möchtest statt der Kutte   wohl klare Seide tragen:
Was soll man dich zu holen   erst nach dem Kloster jagen?"

"Ich mag das Fleisch wohl missen,   doch nicht so leicht das Blut:
Es ist mir angeboren,   des bin ich wohlgemut,
Von den Wölfingen,   die habens stets geübt:
Zu Stürmen und zu Streiten   zog keiner je betrübt.

Das übt' ich heute wieder,   der Jugend nur zum Bild,
Damit sie lernen kämpfen   wie ich im Kampfgefild.
In Stürmen und in Streiten   ich stets nach Ehren rang;
Komm ich zurück ins Kloster,   so fast' ich wieder lang."

Da hatte Bruder Ilsan   großen Übermut
Begangen in dem Garten;    sein Predgerstab war gut.
Er hatte da zertreten   die Blumen und den Klee:
Das tat dem König Gibich   und seiner Tochter weh.

Doch säumte sich nicht länger   Kriemhild die Königin;
Mit einem Kranz von Rosen   trat sie zum Mönch dahin.
Ein Halsen und ein Küssen   gab sie dem Degen hehr.
Er sprach: "Edle Königin,   ich brauche der Rosen mehr."

Da sprach König Gibich:   "Unsre Schande wird zu groß.
Keiner Kurzweile   mich je so sehr verdross!
Ach reicher Gott vom Himmel,   das will ich dir klagen:
Ist niemand, der sie räche,   die uns im Garten sind erschlagen?"

Hagen von Tronje   kam da hervor gerannt;
Eine silberweiße Fahne   führt' er in der Hand
Und auf dem Helm gedoppelt   ein goldnes Wisenthorn.
So sprengt' er in den Garten   und rief aus großem Zorn:

"Ich will sie alle rächen,   lieber Herre mein,
Die uns hier sind erschlagen;   mein Ende müsst es sein.
Wohlauf denn, von Berne   getreuer Hildebrand:
Mit wem soll ich streiten?   Das tu mir nun bekannt."

Da sprach Meister Hildebrand:   "Hier mit Eckhart;
Du getreuer Degen,   hebe dich auf die Fahrt.
Mit Hagen sollst du fechten:   Du bist ein starker Mann
Und hast bei deinen Zeiten   große Dinge getan."

Da sprach wohl gezogen   der treue Eckhart:
"Unser beider Streiten   wird länger nicht gespart."
Da griff nach seinem Schilde   Eckhart der treue Mann:
Er säumte sich nicht länger,   er sprang wohl auf den Plan.

Da stob durch die Rosen   der treue Eckhart,
Bis Hagen ihm entgegen   kam in schneller Fahrt.
Sie grüßten sich einander,   die Recken unverzagt;
Alsbald ward nach dem Gruße   der Frieden aufgesagt.

Da hob im Rosengarten   sich ein hartes Spiel:
Sie traten in den Anger   der lichten Rosen viel.
Sie stritten beide kräftig,   Eckhart und Hagen,
Tiefe Wunden wurden   mit den Waffen geschlagen

Durch Helm und durch Harnisch,   so haben wir vernommen:
Zwei kühne Degen waren   zusammen hier gekommen.
Nun erst begann zu streiten   der treue Eckhart:
Den grimmen Hagen lief er   jetzt an in schneller Fahrt.

Er schlug ihm eine Wunde,   dem mordgiergen Mann.
Hagen musste fliehen   vor ihm auf dem Plan.
Da kam die Königstochter   wohl zu derselben Stund,
Und hätte sie gesäumet,   so ward ihm Sterben kund.

Auf setzte sie Eckharten   ein Rosenkränzelein;
Auch wollte sie ihn küssen;   er sprach: "Das mag nicht sein.
Wenn mir das widerführe,   das wär mir immer leid:
Ich lasse mich nicht küssen   eine ungetreue Maid."

Da ging aus dem Garten   Eckhart hindann;
Wohl empfing ihn der von Berne   und die in seinem Bann.
Er umschloss ihn mit Armen   und küsst' ihn auf den Mund:
"Gott sei Lob und Ehre,   dass wir dich sehn gesund."

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