Sechstes Abenteuer
Wie sie zu Worms empfangen wurden
Kriemhild die Königstöchter
hin ging sie allzuhand
Mit fröhlichem Mute, wo sie den Vater fand.
Sie sprach: "Lieber Vater, hast du nicht vernommen?
Von Bern der junge König ist uns ins Land gekommen.
Du riet ihm nun entgegen,
das steht dir löblich an,
Mit manchem werten Recken, den Degen zu empfahn."
"Du hast mir wohl geraten, liebe Tochter mein:
Fünfhundert kühne Ritter sollen mit mir sein.
Gut Gewand von Scharlach
sollen alle tragen:
Wir wollen dem von Berne mit Hochfahrt nichts vertragen."
Da war zu allen Ehren Herr Gibich bald bereit
Mit fünfhundert Rittern; sie trugen herrliches Kleid
Von Hermelin und Scharlach
schön und wohlgetan:
Sie empfingen den von Berne und die in seinem Bann.
Auch umschloss er mit den Armen den edeln Dieterich;
Dem König Gibich stund es fürwahr gar ritterlich.
Der Berner sprach: "Wir müssen
euch zum Gespötte sein,
Dass wir der Rosen willen sind kommen an den Rhein,
Und ich um solche Dinge herführte meinen Schild.
Mich bringt dazu die Hochfahrt eurer Tochter Kriemhild.
Dass sie vor edeln Recken
sich überheben will!
Ihr werdet sie verziehen, schweigt ihr zu allem still.
Wollt ihr so ihr folgen, so verliert ihr manchen Mann;
Es ist wohl endlich selber um euer Leben getan."
Er sprach: "Sie mags vollbringen:
Sie hat der Recken viel,
Die alle gerne fechten: Streiten ist ihnen Spiel;
Wenn sie fechten sollen, so sind sie wohlgemut.
Sie wollen es nicht lassen, was einer auch sagt und tut."
Da sprach der Vogt von Berne:
"Ihr habt der Helden viel,
Drum schmäht ihr alle Könige so ohne Maß und Ziel.
Ich muss die meinen bringen, zählt Recken noch mein Lehn;
Ihr redet ja, als dürfe mit Streit auch niemand bestehn."
Da legten sich die Helden
zu Wormes auf das Feld.
Auf schlug man dem von Berne manch herrliches Gezelt,
Dass ihm in Wahrheit musste männiglich gestehn,
Dass sie so reiche Zelte wohl nie zuvor gesehn.
Nicht vergaß der Hochfahrt
die Königstochter hehr:
Sie sprach zu ihren Jungfraun: "Nun ziert euch desto mehr.
Ich muss zu dem von Berne wohl auf den grünen Plan:
Ihn und seine Recken will ich mit Gruß empfahn."
Da zierte sich geschwinde
manche schöne Magd
Und viel der schönen Frauen, so hat man uns gesagt,
Mit Gold und mit Gesteine, das um die Wette schien;
Dreihundert Frauen stunden vor der edeln Königin.
Da ward auch wohl gezieret
die Königstochter hehr:
Ihr Haupt trug eine Krone, die war von Golde schwer,
Dazu von edeln Steinen gab sie lichten Schein.
Da sprach der kühne Wolfhart: "Da tritt die Königin ein.
Ihrer großen Hochfahrt werd
ich nimmer hold:
Sie wähnt, wir sahen nimmer noch Gestein und Gold.
Komm ich ihr so nahe, ich geb ihr einen Schlag,
Dass sie bis an ihr Ende mein wohl gedenken mag."
Da sprach Hilbrand der weise:
"Nein lass den dummen Zorn:
Schlügst du die Königstochter, deine Ehre wär verlorn.
Räch es an ihren Recken, hat sie dir was getan,
So wird man dich loben als einen Biedermann."
Da sprach der Vogt von Berne:
"Ihr hoch gelobten Degen,
Ihr sollt edler Sitte vor den Frauen pflegen,
So wird euch wohl gesprochen vor der edeln Königin,
Dass sie nicht alle wähnen, wir hätten Thorensinn."
Das gelobten ihm die Recken;
sie waren unverzagt.
Da kam die Königstochter und manche schöne Magd.
"Willkommen, Herr von Berne, ein König allbereit,
Und alle diese Degen; die sind wohl kühn im Streit.
Von deiner Kühnheit hör ich
singen viel und sagen,
Du habst bei deinen Zeiten der Recken viel erschlagen.
Des freut sich mein Gemüte," sprach die Königin:
"Ihr tragt wohl unter Fürsten den allerkühnsten Sinn."
"Ich bin nicht der kühnste,
viel edle Königin;
Obwohl ich unter Recken auch nicht der zagste bin.
Wenn ihr das nicht glaubet, das ist mir sicher leid;
Eurer Hochfahrt wird entgelten mancher Ritter kühn im Streit."
So sprach der von Berne,
der kühne Weigand:
"Ich bin auf Abenteuer gekommen in dies Land.
Ihr sehet gerne morden die Recken unverzagt:
Euer hab ich kein Erbarmen, ihr kaiserliche Magd.
Ihr entbotet euern Übermut
mir und manchem Mann,
Die euch all ihr Leben noch kein Leid getan.
Eh ich euch das vertrüge, das will ich euch sagen,
Ich und meine Recken würden eh zu Tod erschlagen."
Sie sprach: "Nun habet guten Mut,
ihr unverzagten Degen.
Ich will euch diese Woche noch steten Frieden geben,
Dass ihr euch ruhen möget und die in euerm Lehn.
Wer dann von euch will fechten, den sollen unsre bestehn."
Ein Friede ward gegeben bis
nach dem achten Tag;
Wie herrlich unterdessen man dort der Gäste pflag!
Mit Trinken und mit Essen, das brachte man genug;
Den klaren Wein den Gästen die Königin selber trug.
So waren sie mit Frieden
bis an den neunten Tag,
Derweile mancher Ritter guter Kurzweil pflag.
Da sprach Siegstab der junge: "Mich peinigt Streitbegier."
Da sprach der kühne Wolfhart: "Also tut sie auch mir.
Senden wir einen Boten,
dass sie nicht mehr so lang
Verzeihn den Streit im Garten: Das red ich ohne Wank."
"Wen sollen wir denn senden," sprach der Held von Bern.
Da sprach Alphart der junge: "Das sag ich euch gern.
Wir sollten ihnen senden
den alten Hildebrand:
Dem sind am Rhein die Recken alle wohl bekannt."
Da rief den guten Meister herbei der Held von Bern:
Da kam der alte Hildebrand alsbald zu seinem Herrn.
Da sprach der edle Dietrich
zu Meister Hildebrand:
"Reit hin zu König Gibich und mach ihm das bekannt:
Wir hätten dich erkoren darum zu diesem Gang,
Dass er den Streit im Garten nicht mehr verzeihe lang.
"Wenn er uns suchen wolle
zwölf kühne Degen,
So wählen wir ihm zwölfe der unsern auch dagegen."
Da säumte sich nicht lange der alte Hildebrand:
Er ritt alsbald zu Hofe, wo er den König fand.
Da ward er wohl empfangen
von dem König in dem Saal;
Ihn grüßte wohl gezogen der Meister auch zumal.
Da fragt' ihn um die Märe Gibich der König hehr:
"Warum hat euch gesendet der Vogt von Bern zu mir her?"
Da sprach in seinen Züchten
Meister Hildebrand:
Edler König Gibich, ich bin zu euch gesandt,
So ihr aus euern Recken suchen wollt zwölf Degen,
So wählen wir euch zwölfe der unsern auch dagegen.
Da sprach der König Gibich:
"Ich will der erste sein
Zu streiten in dem Garten zu Lieb der Tochter mein.
Es ist wohl all mein Leben gar gern von mir geschehn:
Nun will ich hier im Garten der Kämpen einen bestehn."
So ist mir auch zu Mute;
ich zähle hundert Jahr,
Sprach Hildebrand der alte; ich besteh euch selbst fürwahr.
"Wer besteht aber Siegfried, den Held von Niederland?
Er führt der Schwerter schärfstes, das Balmung ist genannt.
Er ficht um meine Tochter,
das wisset sicherlich."
Den besteht mein Herre, von Bern Herr Dieterich.
"Wer besteht mir einen Riesen, der Pusold ist genannt?"
Den soll bestehen Wolfhart, der Degen auserkannt.
"Wer besteht uns dann den Riesen,
der sich Ortwein nennt?
Der ist von allen Riesen der stärkste, den man kennt.
Er lässt sich nimmer halten, sieht er wo Streit geschehn."
Siegstab der schnelle soll euch den Riesen bestehn.
"Wer besteht denn König Gunther,
meinen kühnen Sohn?"
Alphart der junge, der führt die Waffen schon.
"Wer besteht seinen Bruder, den König Gernot?"
Das will ich euch sagen, den besteht euch Helmschrot.
"Wer besteht denn meinen Riesen,
der heißet Struthan?
Dem sind die wilden Preußen bis ans Meer hin untertan.
Ich hab ihn hier am Hofe vierzig Jahr erzogen."
Den besteht euch Heime, der hat vier Ellenbogen.
"Wer besteht meinen Riesen,
der heißet Asprian?
Zwei Schwerter trägt in einer Scheide der kühne Mann.
Es ist ein langer Riese, dass ihr es wohl erwägt!"
Den besteht euch Wittich, der da Mimunen trägt.
"Wer besteht denn Hagen?
Der muss auch an die Fahrt."
Den besteht von Breisach der getreue Eckhart.
"Wer besteht denn Stutfuchs, den Recken auserkannt?"
Den besteht euch Hartung, der König von Reußenland.
"Wer besteht denn Volker,
von Alzei genannt,
Frau Brunhildens Schwestersohn, als Fiedeler bekannt:
Glaubt mir in der Wahrheit, das ist ein kühner Mann."
Den besteht mein Bruder, der gute Mönch Ilsan.
"Wer besteht denn Walther,
den Held vom Wasgenstein,
Der kühnsten Recken einen wohl au fund ab am Rhein?"
Den besteht euch Dietleib, der Held von Steierland;
Wir haben ihn zu holen einen Boten hingesandt.
Urlaub von dem Könige nahm
Meister Hildebrand.
Da kam er zu den Zelten, wo er die Recken fand.
Sie riefen ihm entgegen: "Hilbrand, getreuer Mann,
Nun rat uns in Treuen, wie greifen wir es an?"
"Die Rede lasst nun bleiben,"
sprach Meister Hildebrand,
"Und schickt euch bald zum Streite, ihr Recken auserkannt,
Dass Ross und Harnisch immer in eurer Nähe sei:
Mich dünkt, es wird im Garten wohl bald ein Königreich frei.
Seit Morgen Kampfs gewärtig,
ihr Recken kühn im Streit.
Es halten sich im Garten schon ritterlich bereit
Zwölf der kühnsten Recken, die je erstritten Lob;
Doch getrau ich Gott vom Himmel, wir siegen alle ob.
Wenn ich einen rufe, der
soll zum Streite gehn;
Ein Ritter nach dem andern soll dort den Feind bestehn.
Dabei sollt ihr nur trachten, dass unser bleibt der Ruhm."
Da sprachen all die Herren, sie wollten es gerne tun.
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