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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Fünftes Abenteuer

Wie der Mönch Ilsan und der Ferge miteinander stritten

"Die Rede lasst nun bleiben,"   sprach Meister Hildebrand.
"Und säumt nicht euch zu rüsten,   ihr Recken auserkannt,
Dass wir den Preis gewinnen   an den Fürsten tugendlich."
"Wohlauf, lasst uns von hinnen,"   so sprach Herr Dieterich.

Nach Amelolt gen Garten   ein Bote ward gesandt:
Den empfing wohl mit Ehren   sein Schwager Hildebrand.
Er führt' ihn vor Frau Uten:   "Die lass dir befohlen sein."
"So befehl ich dir," sprach Amelolt,   "die lieben Kinder mein."

"So befehl ich dir hinwieder,"   sprach Meister Hildebrand,
"Des Berners ganzes Erbe,   die Leute wie das Land;
Und Diether, seinen Bruder,   den lieben Herren mein,
Und auch die Harlungen   lass dir befohlen sein."

Da säumte sich nicht länger   von Bern Herr Dieterich:
sich rüsteten zur Reise   die Helden tugendlich.
Bald sah man wohl gewappnet   manchen kühnen Mann:
Da wollten diese Helden   alle fahren hindann.

Urlaub war genommen:   Man blies das Heerhorn.
Da hob sich von dannen   mancher Recke wohl geborn.
Die Fahne ward befohlen   dem Meister Hildebrand;
Der leitete die Herren   mit Freuden durch das Land.

Da eilten nach dem Rheine   die Herrn mit solcher Macht,
Dass sie in zwanzig Tagen   bei sinkender Nacht
Hin zum Rheine kamen,   da Worms genüber lag.
Da hob sich bald im Garten   das große Ungemach.

Da Hildebrand der alte   ersah des Rheines Flut,
Vermessen zu den Herren   sprach der Degen gut:
"Nun merket meine Worte,   ihr Recken auserkannt,
Dass ihr euch weislich haltet   in König Gibichs Land!"

Da stieß er in den Acker   das Banner aus der Hand
Und sprach zu den Herren,   der alte Hildebrand:
"Nun steigt von den Pferden   ihr Recken alle hie:
Solchen großen Fergen   sahn eure Augen noch nie

Als diesen hier am Rheine;   ich kenn ihn lange wohl.
Wer wider seinen Willen   überfahren soll,
Der bedarf wohl guten Glückes,   sonst bleibt er nicht am Leben.
Zu dem will ich reiten,   ob er uns Frist will geben.

Nun ist derselbe Ferge   gar ein großer Mann;
Er hat auch zwölf Söhne,   die sehn sich schrecklich an.
Wen er soll überführen,"   sprach Meister Hildebrand,
"Von dem heischt der Ferge   einen Fuß und eine Hand."

Da sprach der Vogt von Berne:   "Das wär ein schwerer Sold.
Wir gäben ihm wohl gerne   Silber und Gold;
Eh ich solch Pfand ihm ließe,"   so sprach der kühne Mann,
"Das wisst auf meine Treue,   eh griff' ich selber ihn an."

Da sprach der starke Ilsan:   "So will ich Bote sein
Zu dem langen Riesen   bei Wormes an dem Rhein.
Er wähnt, ich sei ein Bruder,"   sprach der Mönch Ilsan,
"Wenn meinen Bart ersiehet   derselbe große Mann."

"Das sind seltsame Dinge,"   der kühne Wolfhart sprach.
"Wie mag es sich fügen,   dass solches Ungemach
Allen diesen Recken   schafft ein einzger Mann!
Wie wollt ihr in dem Garten   Zwölfen erst zum Streite nahn?

"Wir wollen ihn so flehen   wie man den Esel tut,
Will er nicht Säcke tragen,   mit einem Knüttel gut.
Wir wollen zu ihm sprechen:   Nun führ uns übern Rhein,
Dass dir der Teufel lohne,   der liebe Herre dein."

Sie waren lange Tage   geritten und gerannt,
Die kühnen Amelungen;   bald ward es hier bekannt,
Wie unverzagt sie wären   in Sturm und Streitesnot.
Da sah man auf dem Felde   manches Banner rot.

Aus der Stadt zu Wormes   nahm man der Gäste wahr:
Die Ritter und die Frauen   blickten alle dar.
Man sah von den Helmen   erglänzen manchen Stein.
Da sprachen sie: "Es mögen   wohl edle Fürsten sein.

Sie tragen reich Geschmeide,   mit Golde wohl durchgraben.
Nun wird in kurzen Stunden   wohl der Streit erhaben
In dem Rosengarten   mit den Helden hie;
Sie wären sonst zum Rheine   hieher gekommen nie.

Wer hier nun wird erschlagen,   die Freunde die er hat,
Wenn die ihn rächen wollen,   so büßt unsre Stadt
Mit Raub und mit Brande   der edeln Fürsten Tod.
Uns bringt mit solchen Gästen   Kriemhilde noch in Not.

Nun schände sie der Teufel   um ihren Übermut:
Mit ihrem Briefe senden,   das sie gen Berne tut!
Sie hat mit ihren Helden   erhoben manchen Streit.
Sein Haus bewahre jeder!   In Wahrheit, es ist Zeit!"

Zu derselben Stunde   ging der Mönch zuhand
Diesseits an dem Rheine   bis er den Fergen fand.
Er rief: "Willst überführen   der Brüder elf und mich?
Das wollen wir dir lohnen,   das wisse sicherlich."

Jenseits an dem Rheine   sprach der Ferge da,
Als er den Mönch Ilsan   mit langem Barte sah:
"Ich will dich Gott zu Liebe,  Bruder, überführen."
Da begann er mit dem Ruder   das Schiff geschwind zu rühren.

Da er nun kam herüber   und ward den Mönch gewahr,
Er sprach: "Du alter Lecker,   ich seh, du sprachst nicht wahr.
Reitet ihr als Brüder,   in euerm Lande so,
So wird der leidge Teufel   wohl eures Gefährtes froh.

"Dient ihr so gewaffnet   unserm Herregott
In Harnisch und in Ringen,   das ist der größte Spott!
Ihr habt mich betrogen   bei dieser Überfahrt:
Warum hast du gelogen,   du alter Ziegenbart!"

Der Ferge hob das Ruder   und nach dem Bruder schlug!
Doch verstand der Listen   der bärtge Mann genug.
Er untersprang dem Fergen   das breite Ruder lang:
Sie schlugen aufeinander   da manchen harten Schwang.

Der Mönch ergriff das Schifflein   und zog es ans Gestad;
Da schufen sie darinne   mit Streichen solch ein Bad,
Dass das Blut dem Fergen   auf die Füße fiel;
Sie schlugen mit den Fäusten   einander in den Giel.

Der Mönch gab dem Fergen   einen ungefügen Stoß,
Dass er im Schiff sich streckte   so lang er war und groß.
"Nomine domine Amen,"   sprach er da zuhand,
"Kein solcher starker Teufel   ward mir noch je bekannt.

In Stürmen und in Streiten   ward ich nie zu Fall gebracht:
Nun hat er mich bezwungen   so gar mit seiner Macht,
Als zählt' ich sieben Jahre   und wär ein kleiner Wicht."
Da sprach der Bruder Ilsan:   "Dein Wehren hilft dir nicht.

Mich wundert wo dir Fergen   wohl die Stärke blieb.
Sieh manchem Helden gab ich   den tödlichen Hieb
Mit diesem guten Schwerte,   das ich trag in meiner Hand:
Lässt du dir nicht raten,   es wird dir auch noch bekannt."

"Nun lasst euer Streiten,"   sprach der Ferge da,
"So willkommne Gäste   ich nimmer noch ersah
Als die Amelungen   mit ihren Helden gut.
Sie werden manchen wecken,   der noch liegt in guter Hut.

"Sollt ich mich nun setzen   wider diese Helden schnell,
Das wäre große Thorheit,   mir tagts im Kopf noch hell.
Da Frau Kriemhilde selber   eur Kommen hat begehrt,
Was ihr verlangen möchtet,   des sollt ihr sein gewährt."

Da schob er zum Gestade   das Schiff geschwind genug:
Hinein trat vermessen   mancher Recke klug
Mit gekröntem Helme   fröhlich gleich zur Stund.
Ruprecht hieß der Ferge   und sprach mit höfischem Mund:

"Willkommen all, ihr Recken   aus Amelungenland;
Ich hatt euch in der Wahrheit   früher nicht erkannt.
Hab ich euer einem   zu Leide was getan,
Der soll nicht mit mir zürnen,   ich bin nicht Schuld daran."

Da sprach diese Herren,   sie wolltens gerne tun.
Eine stete Sühne   schuf sich der Ferge nun:
Er führte bald hinüber   manchen stolzen Gast.
Von Helmen und von Schilden   ging ein lichter Glast.

Da sprachen viel der Frauen   zu Wormes in der Stadt:
"Ob je in unsern Zeiten   ein Aug ersehen hat,
Dass so viel stolzer Helden   fuhren über Rhein?
Kriemhild die schöne   mag wohl in Nöten sein.

Kommen sie in den Garten,   so weiß ich, da geschieht
Davon man hier noch lange   wohl singen mag ein Lied.
Sie erschlagen Kriemhilden   die besten Helden hie:
Also großen Schrecken   sah eine Königin nie."

Als hinüber waren   die Recken tugendlich,
"Nun merke meine Rede,"   sprach Herr Dieterich.
"Ich gebe, stolzer Ferge,   dir jetzo nicht den Sold,
Wenn wir wiederkehren   geb ich dir Silber und Gold.

Bring ich dann zurücke   meine Recken heil
Von Kriemhildens Helden,    so soll dir solch ein Teil
Meines Gutes werden,   dass du mir sagst den Dank:
Nun lass dich bei dem Rheine   die Zeit nicht dünken lang."

"Ach lieber Fürst und Herre,"   alsbald der Ferge sprach,
"Geschäh im Rosengarten   euch ein Ungemach
Von Kriemhildens Helden,   das wär mir höchlich leid.
Nun kommt wann ihr wollet,   ihr findet mich bereit.

Ü   Þ

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