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               Hildebrand
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Sechstes Abenteuer

Wie der Wurm gefahren kam und Niblungs Söhne den Hort aus dem Berge trugen

Da nun der Degen Siegfried   den obern Stein gewann,
Da trat er wohl gezogen   wohl vor die Magd heran:
"Du schönste aller Frauen,   dein Weinen lass nun sein:
Ich bin jetzund genesen   durch dich, schön Mägdelein.

Nun helf ich dir auch balde   aus dieser großen Not,
Oder deinetwillen   erleid ich hier den Tod."
"Nun lohne Gott dir, Siegfried,   ein Ritter unverzagt;
Ich fürcht auf meine Treue,   dass uns groß Leid noch plagt."

Da sprach der Degen Siegfried:   "Naht uns denn neuer Streit,
Das ist mir in der Wahrheit   von ganzem Herzen leid.
Nun bin ich doch gewesen   bis an den vierten Tag
Ohn Trinken und ohn Essen,   dass ich der Ruh nicht pflag."

Darum erschrak da Eugel,   der gute Zwerg so klein,
Und auch die hehre Jungfrau,   um Siegfrieds große Pein.
Da sprach der Zwerg zu Siegfried:   "Ich bring euch gute Speis
Her nach dem hohlen Steine,   die beste, die ich weiß.

Ich geb euch Essen und Trinken   auf vierzehn Tag genug."
Her aus dem hohlen Berge   er ihm das Essen trug.
Ihm dienten dazu Tische   viel kleine Zwerglein gut;
Dazu nahm auch die Jungfrau   Siegfrieden wohl in Hut.

Eh sie gegessen hatten,   vernahm man lauten Schall
Als fiele das Gebirge   rings über sie zutal.
Darob erschrak da heftig   das schöne Mägdelein.
Sie sprach: "Ach lieber Herre,   nun wirds eur Ende sein.

Und wenn uns beiden dienstbar   auch wär die ganze Welt,
Wir wären doch verloren,   das wisse, kühner Held."
Da sprach der edle Siegfried:   "Wer nähm uns wohl das Leben,
Das uns Gottes Güte   auf Erden hat gegeben?"

Da wischt' er ihr vom Antlitz   die Tränen und den Schweiß,
Der minniglichen Jungfrau;   der war vor Ängsten heiß.
Er sprach: "Du sollst nicht trauern,   dieweil ich bei dir bin."
Die Zwerge, die bei Tische   gedient, die flohen hin.

Als so die zwei Herzlieben   in ihrem Gespräche waren,
Da kam von dreien Meilen   der Drach einher gefahren.
Das sah man an dem Feuer,   das von ihm fuhr so schnell:
Wohl dreier Spieß lang brannte   vor ihm das Feuer hell.

Das macht' er war verfluchet   in teuflische Art;
Auch musst er allzeit dulden   des Teufels Gegenwart
In Gestalt eines feurigen Drachen;   doch schuf es ihm nicht Pein
An Seel', Vernunft und Sinnen:   Die mussten willig sein.

Die konnt er alle brauchen   wie sonst nach Menschenart,
Einen Tag und auch fünf Jahre,   bis er zum Menschen ward,
Ein schöner Jüngling wieder,   wie man vergebens sucht.
Von Buhlschaft wars gekommen,   ihn hatt ein Weib verflucht.

Der Drache hielt sie menschlich   um ihren schönen Leib,
Wenn die fünf Jahr vergingen,   dass er sie nähm zum Weib.
Derweil wollt er sie halten,   dass er ein Drache wär,
Dass er sie dann möcht freien;   es geschäh sonst nimmermehr.

Da ihm Herr Siegfried jetzo   die Jungfrau nehmen wollt,
Die er so lang gespeiset   und sie zu Worms geholt,
Da kam er also grimmig   hin an den Stein gefahren:
Mit Hitz wollt er verbrennen   die auf dem Steine waren.

Nun trug die Jungfrau Sorge;   den Rat sie Siegfried gab:
Sie sollten sich verbergen   (dass er sie nicht hinab
Im Fluge beide stieße)   in eine Höhle dort,
Die unterm Drachensteine   ging im Gebirge fort,

Sich vor dem Wurm zu fristen   und auch vor seiner Hitz.
Da kam der Ungeheure   nach teuflischem Witz
Mit Feur zum Stein gefahren:   Der Stein erbebte gar,
Dass er, so lang die Welt stand,   nicht so zerrüttet war.

Nun hatte mitgenommen   Siegfried des Drachen Schwert,
Das ihm Kuperan gewiesen   und seinen Tod begehrt:
Hoch auf dem Drachensteine   der Held sich bücken sollt
Zum Schwert, weil er vom Steine   ihn niederstoßen wollt.

Nun sprang her aus der Höhlen   Siegfried mit diesem Schwert:
Mit großen, grimmen Schlägen   der Held des Wurms begehrt.
Der Wurm mit scharfen Krallen   den Schild ihm niederreißt,
Dass ihm vor großen Ängsten   das Wasser heiß entfleußt.

Der Stein ward über allen   so heiß wie eine Glut,
Wie man ein glühig Eisen   wohl aus der Esse tut.
Der Wurm der ungeheure    die Hitze schuf so groß,
Und immer auf Siegfrieden   das höllische Feuer schoss.

So hatten sie auf dem Steine   und auf dem hohlen Berg
Ein ungestümes Wesen,    dass mancher wilde Zwerg
Herauslief nach dem Walde:   Die Angst schuf ihnen Not,
Der Berg fiel' zusammen,   so stürben sie den Tod.

Nun waren Niblungs Söhne   zwei in dem Berge dort,
Das waren Eugels Brüder;   die hüteten den Hort
Ihres Vaters Niblung:   als den Berg sie schwanken sahen,
Die beiden Könge ließen   hinaus die Schätze tragen

Nach einer großen Höhle   dort in der Felsenwand
Unter dem Drachensteine,   wo ihn dann Siegfried fand,
Wie ihr hernach sollt hören.   Nur Eugel wusst, der Zwerg,
Nicht ab von ihrem Fliehen,   wie sie geleert den Berg,

Und wie sie in der Höhle   des Vaters Schatz verborgen.
Er hatte sich getragen   des Wurmes halb mit Sorgen.
Denn alle mussten fürchten,   dass er Siegfried brächt in Nöten,
So würde dann die Zwerge   der Wurm zumal ertöten,

Weil er mit ihrer Hilfe   das Frauenbild verlor.
Denn es kannte wohl der Drache   Steig und Felsentor:
Wenn er sich kühlen wollte,   so lag er in dem Gang,
Dieweil sie war entschlafen.   Er bleib von ihr nicht lang,

Als wenn er Speise holte.   War es dann Winterszeit,
So saß sie unterm Steine   wohl fünfzig Klafter weit,
Und er lag vor dem Loche   und hielt ihr auf die Kält.
Wir müssens neu beginnen,   wenn euch das Lied gefällt.

Der Stein ward ganz erleuchtet:   Da musst am End Siegfried
Die große Hitze fliehen,   die er vom Drachen litt:
Der trieb ihm stets entgegen   die Flammen blau und rot.
Der Held musst sich verbergen,   des zwang ihn große Not.

Die Jungfrau mit Siegfrieden   floh in den Berg hinab,
Bis sich des Drachen Hitze   derweil gemindert hab.
Er trat in eine Kammer   und fand den großen Schatz.
Er meint', der Drache hätt ihn   gesammelt auf dem Platz.

Den Schatz hielt er geringe;   da sprach das Mägdelein:
"Herr Siegfried, edler Degen,   uns naht erst große Pein.
Er ist bei sechzig Jungen,   die haben alle Gift;
Sind sie noch auf dem Steine,   eure Kraft es übertrifft."

"Nun hab ich stets vernommen,"   so sprach der Held erkoren,
"Wer sich auf Gott verlasse,   der sei noch nicht verloren.
Und sollen wir beide sterben,   so sei es Gott geklagt,
Dass ich dich schützen wollte,   du auserwählte Magd."

Ü   Þ

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