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         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            II. Alphart
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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Zwölftes Abenteuer

Wie Alphart gerochen ward

Stutfuchs vom Rheine   war vor den Kaiser kommen;
Der falsche Sibich hatte   seine Märe wohl vernommen.
Er sprach: "Wohlauf vor Berne!   Lieber Herre mein:
Kommen sie zur Pforte,   so wird die Stadt nimmer dein."

Sie jagten durchs Gefilde,   über die Heide breit,
Mancher kühne Ritter,   viel Degen sturmbereit.
Ein großer Teil des Heeres   kam auf das Feld;
Dem Kaiser aufgeschlagen   ward manches reiche Gezelt.

Als Wolfhart der Kühne   die Feinde dort ersah,
Aus zornigem Mute   sprach der Degen da:
"Fürst der Amelungen,   edler Vogt von Bern:
Groß Leid hat dich bezwungen,   das helf ich dir rächen gern."

Da sprach Eckhart der kühne:   "Es dünkt mich wohlgetan,
Dass wir die Scharen zählen   all in unserm Bann,
Die uns aus den Stürmen   entweichen nimmerdar."
Sie hatten elftausend,   das war eine edle Schar.

Die edeln Burgmänner   traten in den Saal,
Je zwei miteinander,   und wieder aus zumal:
Da waren's zwanzigtausend   Degen ausersehn.
Da sprach der alte Hilbrand:   "Wir mögen wohl den Feind bestehn.

Nun hab ich in Wahrheit   eine gute List ersehn:
Wir lassen Bruder Nere   vor der Pforte stehn
Als müssten wir entweichen,   lieber Herre mein,
Vor Ermenrich dem Kaiser;   er lässt uns bald wieder ein."

"Nun ist hier kein Entweichen,"   sprach Nudung der Degen;
"Gebet mir die Fahne,   ich selbst will ihrer pflegen.
Ich weiß euch wohl zu führen   in des Sturmes Not:
Uns muss der Kaiser weichen,   oder alle liegen wir tot."

Da gab man Walderichen   das Banner in die Hand;
Sein Geleite wurde   der kühne Siegeband.
Sie führten es von Berne   und steckten's auf den Plan
Bis der allerletzte   stand bei dem vordersten Mann.

Als der ungetreue Siebich   das Banner dort ersah,
Er jagte vor den Kaiser;   der Falsche sagte da:
"Uns will der Vogt von Berne   hier mit Streit bestehen:
Bereitet euch zum Kampfe,   das rat ich, Degen ausersehn.

Wittich und Heime,   euch ist der Kaiser hold,
Er gibt euch gar willig   sein Silber und sein Gold:
Daran sollt ihr gedenken,   ihr auserwählten Degen,
Ihr sollt in seinem Dienste   kühnlich wagen Leib und Leben."

"Willst du streiten, Sibich,"   sprach Wittich der Degen,
Du und der reiche Kaiser,    unser Leib und Leben
Wollten wir mit euch wagen   in des Sturmes Not,
Ich und der starke Heime,   oder finden hier den Tod."

"Wohl will ich mit euch streiten,"   sprach Herr Ermenrich,
"Hier an eurer Seiten,   das wisset sicherlich."
"So bereitet euch zum Sturme   und euer Heer so breit;
Den kühnen Wölfingen   ist Alphartens Sterben leid."

Da wurde Rottenmeister   Reinhold von Milan;
Er sollte drum zu Lohne   die selbe Stadt empfahn.
Da berief der reiche Kaiser   den Degen allbereit:
Seine Sturmfahne   befahl er ihm in dem Streit.

Die Scharen und Geschwader   bereiteten sich schnell
Unter grünem Banner   mit lauterm Golde hell;
Acht Banner, unter jedem   zehntausend Mann.
Nur dreißigtausend zählte   der Vogt von Bern in seinem Bann.

Da sprach von Kerlingen   Walther der Degen:
"Ich will mit meinen Leuten   heut der Vorhut pflegen
Herrn Dieterich zu Liebe,   dem Fürsten auserkannt:
Ich tu es wohl so willig   als ein Held aus deutschem Land."

"Das verhüte Gott vom Himmel!",   sprach Wolfhart der Degen.
"Ich will des Vorstreiters   heute selber pflegen.
Ich lass es keinem andern,   mich zwingt dazu die Not:
Alphart mein Bruder,   den muss ich rächen im Tod."

Er sprengte bei den Worten,   es stund nicht länger an,
Zu Bern aus der Pforten,   Wolfhart der kühne Mann.
Ihm ritt ein Graf entgegen,   von Tuskan geboren:
Von Wolfhartens Händen   hatt er das Leben bald verloren.

Er stieß ihn von dem Rosse   hernieder auf das Land.
Da kam ihm nachgedrungen   der alte Hildebrand,
Von Kerlingen Walther   und der Mönch Ilsan.
Von beiden Seiten sahen   die Heere sich einander an.

Da sprach der Vogt von Berne:   "Nun schauet unverwandt
Auf Wittich und Heime,   die Helden auserkannt,
Ermenrich und Sibich:   Würden die vier erschlagen,
So wollt ich nicht länger   den jungen Alphart beklagen."

Der edle Vogt von Berne   ließ seine Tugend sehn;
Man sah auf seinem Helme   Greins Karfunkel stehn.
Er suchte seine Feinde   allwärts auf dem Plan,
Wittich und Heime,   die ihm den Schaden getan.

Als Wittich und Heime   beide das erkannt,
Die Zeichen von den Helmen   brachen sie zuhand;
Auf den Rücken schwangen   sie den festen Schild,
Damit sie nicht verriete   das gemalte Wappenbild.

Hildebrand und Hache,   die Helden kühn und gut,
Hieben aus den Ringen   das fließende Blut.
Sie waren in dem Streite   mit Zorn überladen:
Da tat dem reichen Kaiser   an Leuten niemand größern Schaden.

Walther von Spanien   und Hug von Dänemark
Denen musste wohl gelingen,   es waren Helden stark.
Sie hieben aus den Helmen   das fließende Blut:
Es lag vor ihren Händen   darnieder mancher Ritter gut.

Da stritt gar vermessen   der Mönch Ilsan:
Da sprach der reiche Kaiser:   "Was hab ich dem getan?
Der ich Klosterleuten   mich stets getreu erwies.
Sie singen üble Töne   und fällen manchen in den Grieß."

Da stritt Nudung der werte,   der der Fahne pflag,
Mit seinem guten Schwerte   tat er manchen Schlag:
Er hieb eine Straße   durch die weite Schar.
Zu beiden Seiten nahmen   die Scharen sein mit Schrecken wahr.

Wolfhart der sturmbereite   und Meister Hildebrand,
Die standen vorn im Streite;   das Leben ließ zu Pfand
Mancher junge Ritter   um Alphartens Tod.
Da wurden doch gescheiden   die zwei in des Sturmes Not.

Berchtram von dem Berge   manchen Mann erschlug,
Und Seewart der alte   schuf großen Ungefug.
Zu denen kam geritten   Wolfhart der kühne Mann:
Er wähnte sie gefunden,   die ihm den Schaden getan.

Da rannten diese beiden   wider den kühnen Degen:
Sie dachten ihn zu scheiden   vom Sieg und von dem Leben.
Da wollte nicht entweichen   der kühne Wolfhart,
Ob ihm auf grüner Heide   sein gutes Ross erschlagen ward.

Da stand zwischen beiden   Wolfahrt der kühne Degen:
Nun wollten sie ihn scheiden   vom Sieg und von dem Leben.
Ein scharfes Schwert ertönte   Wolfharten an der Hand:
Das vernahm im Streite   sein Ohm der alte Hildebrand.

Hildebrand der alte   kam zu ihm gerannt,
Wo er Wolfharten   in großen Nöten fand.
Er sprach: "Neffe Wolfhart,   nimm du den einen Mann,
Und lass mir den andern:   Das dünkt mich rätlich getan."

Berchtram von dem Berge,   den schlug da Hildebrand.
Ein Schwert von großer Schwere   trug Wolfhart in der Hand:
Er nahms zu beiden Händen   und maß einen Schlag
Auf Seewart den alten,   dass er ihm ohne Schand erlag.

Hildebrand der Alte   ein schönes Ross ihm fing,
Das herrenlos im Streite   hin und wieder ging.
Darauf war bald gesessen   Wolfhart der Held erkoren:
Wen er erlangen mochte,   dem ging das Leben verloren.

Eckhart der milde,   ein kühner Weigand,
Durch die grünen Schilde   fällt' er auf das Land
Manchen starken Ritter,   das will ich euch sagen:
Von Eckhartens Händen   wurden tausend Mann erschlagen.

Da sah man erzürnet   Roschlin das Ross genug:
Wie das vor Eckharten   biss und um sich schlug!
Mit den Hinterfüßen   vertriebs dreihundert Mann.
Den ungetreuen Sibich   sucht' es, der den Rat getan.

Als der falsche Sibich   Eckharten sah,
Wie schnell von seinem Helme   das Zeichen brach er da!
Auf den Rücken schwang er   geschwind den festen Schild,
Damit ihn nicht verriete   das gemalte Wappenbild.

Wittich und Heime,   die beiden Helden gut,
Hieben aus den Ringen   das fließende Blut.
Sie waren in dem Streite   mit Zorn überladen:
Da tat dem Vogt von Berne   an Leuten niemand größern Schaden.

Von Kerlingen Walther   und Hug von Dänemark,
Denen musste wohl gelingen,   es waren Helden stark.
Hildebrand der alte   und der Mönch Ilsan,
Die viere sah man alle   den beiden Recken sich nahn.

Hug vom Dänenlande   ein scharfes Waffen trug,
Womit er ohne Schande   auf Wittichen schlug.
Sein fester Helm hieß Glimme,   der hub zu tosen an:
Da kehrte zu dem Schalle   Eckhart sich, der kühne Mann.

Nagelring die Waffe   gab auch lauten Klang;
Um Wittich und Heime   ward so groß der Drang,
Dass aus den lichten Helmen   das wilde Feuer brach;
In Wittichs Hand schlug Mimung   manchen schneidigen Schlag.

Siegstab der junge,   durch zehntausend Mann
Schlug eine weite Straße   der Degen wohlgetan.
Als er den Vogt von Berne   von ferne streiten sah,
Aus zornigem Mute   nun vernehmt, wie sprach er da:

"Edler Vogt von Berne,   viel lieber Herre mein,
Ich kann sie nirgend finden,   des muss ich traurig sein,
Wittich und Heime,   die den Mord getan:
Kann ich es aber fügen,   um ihr Leben ists getan."

Der edle Vogt von Berne,   durch zehntausend Mann
Hieb eine weite Straße   der Fürst lobesam.
Wittich und Heime,   die den Streit erhaben,
Ermenrich und Sibich,   die vier entrannen gen Raben.

Man sagte Reinholden   alsbald die Märe,
Wie Ermenrich mit Sibich   entronnen wäre:
"So halt ich allzu lange!   Die Fahne senkt bei Zeit!"
Nicht mehr denn dreißigtausend   folgten ihm aus dem Streit.

Fünfzigtausend lagen   auf dem Felde tot;
Dass die andern flohen,   das tat ihnen Not.
Da verfolgten sie die Berner   wohl eine Meile weit
Und kehrten dann zurücke:   Da war zergangen der Streit.

Als sie nach dem Sturme   zusammen waren kommen,
Der edle Vogt von Berne   hätte gern vernommen
Wie viel er Leute hätte   in dem Streit verloren;
Leid war um die Helden   diesem Fürsten auserkoren.

Als sie das vernahmen   und ihren Schaden dann
Um und um besahen,   da erkannte man,
Dass zweitausend waren   dem von Bern erlegen.
Die musste kläglich klagen   dieser auserwählte Degen.

Da sprach Hilbrand der alte:   "Lieber Herre mein,
Lasst so sehr nicht trüben   der lichten Augen Schein.
Ihr wisst doch wohl selber,   Degen lobesam,
Dass niemand ohne Schaden   so großen Sieg noch gewann."

Da ließ auch Ilsan blasen,   der Mönch, sein Heerhorn:
Da hatt er der Seinen   nicht einen Mann verlorn.
Er sammelte der Brüder   elftausend Mann,
Die über lichte Ringe   legten schwarze Kutten an.

Als der Vogt von Berne   trat in des Kaisers Zelt,
Da fand dort hinterlassen   großen Hort der Held,
Silber und Gesteine,   dazu das rote Gold:
Da bot er seinen Helden   den unermesslichen Sold.

Das lobte man im Lande   den edeln Vogt von Bern.
Da kam ohne Schande   manche Witwe zu dem Herrn
Auf die grüne Heide,   hören wir noch sagen
Da hub sich von den Frauen   großes Weinen und Klagen.

Da sprach der edle Dietrich:   "Es soll verstattet sein
Dass man zu Lande führe   die noch vielleicht gedeihn;
So möge man die Toten   alle hier begraben:
Freunde wie Feinde   sollen des Urlaub haben."

Da räumten sie die Walstatt   und ritten heim gen Bern.
Die minniglichen Frauen   empfingen wohl die Herrn.
Sie gingen mit Frau Uten,   der edeln Herzogin,
Und begrüßten ihre Männer   daheim mit fröhlichem Sinn.

Köstliche Speise   war da viel bereit,
Man pflag der Streitmüden   fleißig nach dem Streit.
Frau Ute die reiche   vor die Tische schritt,
Den edeln Helden teilte   sie die Gaben reichlich mit.

Das Gut war gespendet    den Helden lobesam,
Eckhart sprach: "Nun lasst uns   Urlaub empfahn."
Der edle Vogt von Berne   sein lichtes Gold so rot
Wie freundlich und gerne   er das den Breisachern bot!

Urlaub erbaten   die Helden lobesam:
Auch Eckhart der milde   Urlaub gewann.
Den gab der Vogt von Berne   mit Treue gleich zuhand;
Er misst' ihn doch nicht gerne,  noch der alte Hildebrand.

Da gab der alte Dietrich   ihm freundlich das Geleit:
Er ritt mit ihm des Weges   wohl eine Meile weit.
Dass er nach Breisach eilte,   das war dem Degen not.
Hie hat dies Buch ein Ende   und heißet Alphartens Tod.

Ü   Þ

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