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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Neuntes Abenteuer

Wie Alphart verraten ward

Also sprach da Alphart:   "Mir stünd es übel an,
Schlüg ich als ein Zager   den wehrlosen Mann.
Es würde mir verwiesen."   Als das Heime sah,
Aus dem Schatten eilt' er   zu Hilfe Wittichen da.

Da lag vor ihm und schirmte   sich Wittich auf dem Plan
Mit dem grünen Schilde,   vor dem kühnen Mann.
Er hat ihn auf die Erde   gestürzt, ins grüne Gras.
Mit Schweiß und Blut war Wittich   sehr beronnen und nass.

"Nun entblößet euch des Helmes,"   sprach ihn Wittich an.
"Nein," sprach da Alphart,   "das wird nicht getan."
Er dacht in seinem Mute:   "Wenn sie mich ersehn,
So fliehen sie mich beide,   ich muss allein hier bestehn.

"Nun sage mir, Heime,   wie scheidest du den Streit?"
"Ihr sollt gen Berne reiten   von dieser Heide breit;
So reiten wir zum Kaiser   und wollen Ermrich sagen,
Ihr wärt uns entwichen,   wir hätten nicht mit euch geschlagen."

"Das verhüte Gott vom Himmel,"   sprach da Alphart,
"Das hieße schmählich räumen   meines Herren Wart.
Du musst mir Wittichen   lassen hier zu Pfand,
Oder mich bezwinge   deine tugendhafte Hand."

"Hörst dus, Geselle Heime?",   sprach Wittich der Degen.
"Uns kann hier niemand scheiden   als allein mein Leben.
Ich mahne dich der Eide,   Degen wohlgeboren,
Und deiner steten Treue,   die du mir, Held, hast geschworen,

Die du mir verhießest   bis an deinen Tod,
Und dass du mich nicht ließest   in aller Fahr und Not.
Daran sollst du gedenken,   du auserwählter Degen,
Wie ich dir kam zu Hilfe   und fristete dir das Leben.

Das tat ich zu Mantaren,   da half ich dir aus Not.
Da müsstet ihr in Wahrheit   den schwertgrimmen Tod,
Du und der von Berne,   beide gestorben sein,
Wenn ich euch nicht von Ferne   zu Hilfe kam in der Pein."

"Das ist wahr," sprach Heime;   "doch stünd uns übel an,
Schlügen wir nun beide   den kindischen Mann.
Wenn wir ihn bezwängen,   und würd er hier erschlagen,
Von unsrer Untren müsste   man immer singen und sagen;

Aller Untreu Spiegel   müssten wir immer sein,
Vor keinem Biedermanne   könnten wir gedeihn.
Die Männer und die Frauen   schälten uns mit Recht:
Wie hätten wir zwei Degen   dann unsre Ehre geschwächt!"

"Du sagst von Untreue:   Soll ich den Tod erschaun,
Mir wäre lieber, schälten   mich alle werten Fraun."
Also sprach Herr Wittich:   "Werd ich, Heim, erschlagen,
"So stehst du wehrlos vor ihm,   er schlägt dich ohne seinen Schaden."

Heime sprang vom Rosse   nieder auf das Land:
"Werter Ritter edel,   ergib dich meiner Hand.
Ich will dir, Degen, sagen,   wie meine Sitte ist:
Zieh ich das Schwert, so geb ich   keinem Manne vor mir Frist.

Den ich mit Streit bestehen,   mit dem Schwert ergreifen kann,
Lebendig mir entgehen   nie lass ich einen Mann."
Also sprach Herr Heime:   "Du sollst dich mir ergeben:
Willst du das nicht leisten,   so entgilt es, Held, dein Leben,"

"So wollen wirs versuchen,"   sprach da Alphart,
"Will es Gott geruhen   hier auf dieser Wart,
So mögt ihr mich nicht scheiden   von ritterlicher Wehr;
Ich sags euch Recken beiden,   mich erschreckt nicht ein Heer."

Des erschrak da Heime,   Adelgers Sohn, fürwahr:
"Säh ich an deinem Schilde   den Leuen mit dem Aar,
Oder Dietrichs Wappen,   ich griffe dich nicht an."
Darüber schalt ihn Wittich:   "Das hast du mehr mir getan.

Da brachest stets die Treue,   so tust du auch nun.
Wo ich mit Feinden hatte   in hartem Sturm zu tun,
Da pflagst du stets der Sühne,   so tust du nun auch hier.
Heim, werd ich erschlagen,   ewge Schande bringt es dir." -

"Nun mag uns wohl misslingen,   Wittich, Wielands Sohn:
Er ist ein Wölfinge,   er wägt uns übeln Lohn.
Das sollst du wissen, Wittich,   es ist mir wahrlich leid,
Dass ich dir zu helfen   auf die Warte ritt zum Streit."

Also sprach da Heime:   "Nun sagt mir wer ihr seid,
Des dürft ihr euch nicht schämen,   Ritter kühn im Streit,
Da ich euch an Wappen   und Schild nicht kennen kann;
Seid ihr Herr Dietrich selber,   oder wer aus seinem Bann?"

Alphart der junge   hub da zu rufen an:
"Wittich und Heime,   ihr Recken lobesam,
Ihr habt in mancher Heerfahrt   des Besten viel getan:
Des soll ich nicht genießen   hier auf diesem grünen Plan.

Besteh mich jeder einzeln;   mein Tod sei euch vergeben.
Es ist wohl nicht ein Wunder,   nehmt ihr mir das Leben.
Gedenkt an Ritters Ehre,   ihr stolzen Helden gut,
Ich will euch nicht entweichen;   nur habet Biedermanns Mut.

Ich will nach Ehren wagen   meinen jungen Leib:
Darum wird mich beklagen   jedes werte Weib
Der großen Untreu willen,   die ihr wollt an mir begehn.
Euch und keinem frommen   Recken mag es löblich stehn.

Würd ich von euer einem   ehrlich erschlagen,
Meine reichen Freunde   dürften mich nicht klagen."
"Hörst du's, Geselle Wittich,"   sprach Heim gar unverzagt,
"Schon wollt ich dich drum bitten,   er hat die Wahrheit gesagt."

Er sprach: "Wittich und Heime,   ihr Degen tugendlich,
Schlagt ihr mich selbander,   ihr beschimpft euch ewiglich.
Wo sie es von euch sagen   wohl auf der Erde weit,
Da schilt man euch, es wird euch   vor allen frommen Recken leid.

Wollt ihr mich ermorden   als einen armen Knecht,
Wittich und Heime,   so brecht ihr Gottes Recht.
Es hat sich nie gegeben,   dass einen schlügen zwei:
Soll es mit mir anheben,   ihr werdet nie der Schande frei."

Da sprach der starke Heime,   der Degen unverzagt:
"Hörst du's, Geselle Wittich,   er hat uns wahr gesagt.
Du sollst von mir entweichen,   ich greif allein ihn an."
"O weh," sprach da Wittich,   "du erkennst nicht recht den Mann.

Wenn unser Zwölfe wären,   mit Streit ihn zu bestehn,
Mit Schlägen, stark und schweren,   es müsst uns schlimm ergehn.
Seine Kraft und Kühnheit   wurden mir wohl kund:
Von dem Gebirge nieder   stapft' er zu mir in den Grund;

Da fragt ich ihn um Märe,   ob er mir wolle sagen,
Ob er der Recke wäre,   der die Helden hätt erschlagen?
Da sprach er unerschrocken:   Ja, ich bin der Mann.
Größre Sorg ich nimmer   von einem einzelnen gewann."

Wieder sprach da Wittich,   Wielands Sohn:
"Wenn wir ihn sparen, Heime,   das bringt uns übeln Lohn.
Wir büßen es, Geselle,   mit unser beider Leben.
Du willst mir stets entweichen;   es ist ein auserwählter Degen."

Anliefen wieder beide   den kindischen Mann
Auf der grünen Heide;   der rief sie wieder an:
"Besteht mich nacheinander,   ihr Ritter hochgemut."
Da gelobte das ihm Wittich,   er hatte zornigen Mut.

"Du sprichst, man soll dich einzeln   bestehn, des bist du wert.
Es tu denn Gott ein Wunder,   so wirst du Streits gewährt.
Heime, lass mich ruhen,   laufe du ihn an."
Alphart der junge   das Schwert zu beiden Händen nahm,

Damit er Heim dem starken   eine tiefe Wunde schwang;
Das Blut sprang durch die Ringe   wohl eine Elle lang.
Der Degen musste nieder   straucheln auf das Land.
"Weh," sprach da Wittich,   "du hast den Tod an der Hand.

Du wolltest mir nicht glauben,   und ihn allein bestehn:
Soll ich dir nun helfen,   Degen ausersehn,
So will ich wider sagen,   der Fried ist aufgegeben."
"Nein," sprach Heime, "ehrlich   lass mich verlieren das Leben."

Des erschrak da Wittich;   er trat ihm auf den Sporn;
Wittich schlug von hinten,   Heim bestund ihn voran.
Alphart der junge   nahm Heimes eben wahr,
Da schlug ihm Wittich   eine fährliche Wunde dar.

Als Wittich an dem Helden   meineidig wollte sein,
IN einem steten Frieden   schlug er ihm durch ein Bein
Eine tiefe Wunde,   dass er kaum mochte gehn;
Man sah sie beide fliehen,   da der Mord war geschehn.

Alphart der junge   rief mit lautem Schrei:
"Pfui, ihr bösen Zagen,   ihr ehrlosen zwei,
Wittich und Heime,"   rief er ihnen nach,
Wollt ihr auf einem Beine   mich fliehn, das bringt euch ewig Schmach."

Alphart der junge   zu springen nun begann:
In eines Leuen Mute   lief er Heimen an,
Zwo tiefe Brustwunden   er noch dem Helden schlug
Mit dem guten Schwerte,   das in den Händen er trug.

Da rief der starke Heime   Wittichen wieder an:
"Nun hilf mir aus den Nöten,   bist du ein frommer Mann.
Willst du das nicht leisten,   so gilt es, Held, mein Leben."
Da sprach der schnelle Wittich:   "Ich will dir meine Hilfe geben."

Anliefen sie ihn beide,   wie sie zuvor getan;
Da hub sich an zu röten   der Klee im grünen Plan.
Wie gut auch das Geschmeide   war, das Wittich trug,
Eine tiefe Wunde   der junge Weigand ihm schlug.

So litten alle dreie   das bittre Ungemach:
Durch die lichten Ringe   floss des Bluts ein Bach.
Noch konnte Hilfe haben   der Degen unverzagt,
Hätt er die rechte Märe   selber dort zu Bern gesagt.

Er warf den Schild zu Rücken,   den seine Linke trug.
Wie rasch sie Alphart beide   vor sich niederschlug!
Welchen er mocht erlangen,   der musst ihm auf den Plan
Von dem Schlage fallen,   so stark war der junge Mann.

Da sie jetzt zusammen sprangen,   noch härtrer Streit war das;
Dass Schild und Helm erklangen,   solche Schläge Alphart maß.
Mit seinem guten Schwerte   schlug er manch schädlich Mal
Durch ihrer Schilde Härte;   auch ihm ward schartig der Stahl.

Sie stunden gen einander   wie Feind vor Feinden tut:
Sie brachten in die Nöte   den Ritter hochgemut.
Da begonnte laut zu rufen   der kindische Degen:
"Besteht mich nacheinander;   mein junger Tod sei euch vergeben.

Geruht nach Ritters Ehre   mich einzeln zu bestehn,
Wittich und Heime,   ihr Degen ausersehn;
Ward einer mild, so springe    der andre in den Streit:
Des habt ihr immer Ehre;   ich vergeb euch meine letzte Zeit."

Da sprach der starke Wittich:   "Es wird dir nicht so gut:
Bestünd ein Heer dich einzeln,   vergießen müsst es Blut."
Anliefen sie im Zorne   den kindischen Mann;
Von Heim dem Mordrecken   er großen Schaden gewann.

So lang in seinem Helme   noch die Leiste lag,
Und des Schwertes Schärfe   hindurch nicht schlug den Schlag,
Da focht ohne Sorge   Alphart der junge Held.
Da lösten sich die Nägel   und fielen von der Kron aufs Feld.

Alphart der junge   gab Wittich einen Schlag,
Dass er ihm vor den Füßen   auf grüner Heide lag.
Heim das Schwert entblößte   mit kraftvoller Hand,
Und schlug ihm durch das Helmband,   dass es auf der Leiste stand.

Durch Helm und durch Haube   schlug er den Ritter gut
Und durch das Helmes Spangen,   dass das rote Blut
Herab begann zu fließen   auf den jungen Mann.
Es mocht ihn wohl verdrießen,   als es ihm vor die Augen rann.

Wie jämmerlich er blickte   durch des Blutes Bach!
Dem edeln jungen Recken   nahte sein Ungemach.
Anliefen sie ihn beide   mit kraftvoller Hand:
Sie fällten ihn darnieder   mit den Wunden auf das Land.

Sie hatten ihn ermüdet,   dass er wehrlos lag
Und auf der grünen Heide   des Streits nicht länger pflag.
Nun weiß ich nicht das Wittich   rächt an dem jungen Mann,
Dass er ihm durch die Schlitzen   ein Schwert zu stechen begann.

Er wandt es ihm im Leibe   und schnitt ihm ab das Leben.
Noch einmal konnte rufen   der kindische Degen:
"Pfui, ihr bösen Zagen,   ihr ehrlosen zwei!"
Da war es mit dem Leben   des edeln Alphart vorbei.

Sie konnten ihn zu Berne   nie genug beklagen.
Wär er in rechtem Streite   ritterlich erschlagen,
So verschmerzten sie ihn gerne;   das wär der Helden Trost.
Dietrich von Berne   war Heimen grimmig erbost.

Ü   Þ

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