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      Karl Simrock
         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            II. Alphart
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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Achtes Abenteuer

Wie Wittich auf der Warte Alpharten bestand

"O weh dem Herzeleide!",   sprach Kaiser Ermenrich.
"Hab ich niemand auf der Heide,   der rächen wolle mich?
Soll ich euer nicht genießen,   ihr auserwählten Degen?"
Man sah den reichen Kaiser   in einem trauriglichen Leben.

Ich klag euch all imgleichen   mein großes Ungemach."
Die Armen zu den Reichen,   keiner ein Wörtchen sprach,
Sie schwiegen alle stille,   wollt keiner auf die Wart.
Noch immer bei der Linde   hielt der junge Alphart.

Zu denselben Zeiten   galt immer dieses Recht:
Wer die Warte suchte,   wars Ritter oder Knecht,
Der pflag der Wart mit Ehren   bis der Tag ein Ende nahm.
Also tat auch Alphart   als ein Degen lobesam.

"Nun schweigen alle stille,   die sonst mir gaben Rat,
Sie achten nicht des Kummers,   wie viel mein Herz auch hat.
Deiner Treue lass dich mahnen, Wittich, kühner Held,
So will ich mit dir teilen   Land und Leute, Gut und Geld."

Da sprach der kühne Wittich,   er war ein werter Degen:
"Ihr ließt mir eurer Gaben   oft die Fülle wägen,
Des sollt ihr nun genießen,   edler Kaiser hehr."
Da ließ er bald sich bringen   Ross und Harnisch, Schild und Speer.

Zu dem Rosse ging in Wappen   der Degen lobesam,
Da saß er auf, den Schildrand   der Held zu Arme nahm,
Den Speer in seine Rechte,   der Degen unverzagt:
Wie ritterlich Herr Wittich   da zu Alphart kam gejagt!

Er kam auf das Gefilde   von dem Heer hindann:
Da hub sehr an zu grausen   den auserwählten Mann.
Es drückten ihn die Ringe,   dem Helden ward so heiß,
Dass ihm auf der Heide   durch die Ringe drang der Schweiß.

Er sprach: "Gott vom Himmel,   wie ist dem Herzen mein,
Oder wer mag auf die Warte   wohl heut gekommen sein?
Die Reise sollt ich lassen,"   dachte der werte Mann.
Das Ross warf er zurücke   und sah das Heer wieder an.

Er dacht in seinem Herzen   hinwieder als ein Held:
"Du musst nun leiden Schmerzen:   Es schickte dich ins Feld.
Aus achtzigtausend Mannen   der Kaiser lobesam:
Hier wird Ehre nun begangen,   wärs um mein Leben getan!"

Über das Gefilde   war Wittichen jach.
Da kam auch Heim zu Rosse   und ritt dem Freunde nach.
Er dachte sich zu rächen   an dem kindischen Mann.
Heime hielt im Schatten   bis Wittich Umsieg gewann.

Da kam der kühne Wittich   geritten an den Ort;
Viel der Toten liegen   sah er allwärts dort.
Als Alphart der junge   von fern ihn kommen sah,
"Da kommt des Kaisers Diener:   Fürwahr, mir lieber nie geschah."

Den Helm zu Haupte band er   in derselben Stund,
Er stapft' ihm schön entgegen   in einen tiefen Grund.
Herr Wittich frug um Märe,   ob er ihm wolle sagen,
Ob er der Ritter wäre,   der die Helden hätt erschlagen?

"Der bin ich," sprach da Alphart;   "sagt mir, Degen hehr,
Wie dürft ihr gegen Recken  noch leiten euern Speer?
Es ist euch zu verweisen,   ihr seid ein falscher Mann:
Nicht wüsst ich was zu Leide    mein Herr euch hätte getan.

Ihr schwuret ihm vor Jahren,   Degen, euern Eid,
Den habt ihr jetzt gebrochen:   Das ist allen Recken leid.
Euch hat doch der von Berne   und die in seinem Bann
Bisher zu allen Zeiten   viel guter Dienste getan.

Dir war der Vogt von Berne   stets in Treuen hold,
Er gab dir herzlich gerne   sein Silber und sein Gold,
Er ließ dich sein gewaltig   über Leut und Land,
Die Wölflinge dienten   dir stets mit williger Hand.

Die Red ist ungelogen,"   sprach Alphart der Held,
"Gern oder ungern,   du folgst mir aus dem Feld,"
Zu Wittich sprachs vermessen   Alphart der junge Degen,
"Oder musst zu Geisel   mir dein Haupt noch heute geben.

Hast du wohl erwogen,   wie ziemt eim Recken das,
Wenn man ihn hießt meineidig:   Er gewinnt der Leute Hass,
Dass ihn alle schmähen,   der da bricht den Eid:
Glaub mir auf meine Treue,   es wird der Seele dort noch leid.

Du bist an deiner Ehre   vor allen Recken tot,
Und musst auch vor den Frauen   vor Scham oft werden rot."
Also sprach vermessen   Alphart der junge Mann,
"Für einen werten Recken   sieht dich niemand mehr an."

Da sprach der kühne Wittich:   "Fürwahr, das wär mir leid
Und müsste mich gereuen,   spräch so von mir der Neid.
Von meinen ersten Zeiten,   von meiner Kindheit Tagen
Hab ich in Sturm und Streiten   den Preis noch ritterlich getragen.

Ihr seid alleine dorten,   ich bin alleine hie;
Mit also scharfen Worten   ward ich gestraft noch nie
Bei allen meinen Tagen,   so lang ich denken kann:
Sollt ich euch das vertragen,   ich hieße wahrlich kein Mann."

Also sprach Herr Wittich,   der Degen ausersehn:
"Wie lang auf dieser Heide   soll ich dir Beichte stehn?
Einer muss entgelten   nun des andern Streit:
Saget, kühner Recke,   werter Ritter, wer ihr seid."

"Was hast du nun zu fragen   nach dem Namen mein?
Du solltest lieber fragen   nach dem Herren dein,
Für den ich Leib und Leben   will wagen als ein Degen;
Will es Gott geruhen,   so werd ich heut der Warte pflegen.

Wärst du bei guten Sinnen,   du liest dein Fragen sein,"
Sprach Alphart der junge,   "nach dem Namen mein.
Wenn meine Hand mit Kräften   dich auf die Erde fällt,
So wirst du mich erkennen,"   sprach Alphart der junge Held.

Noch sprach aus freiem Mute   Alphart der junge Mann:
"Wem Gott des Heiles gönnet,   der lebt so lang er kann.
Uns beide scheidet niemand   als des einen jüngster Tag,
Es tus denn Gott vom Himmel,   der alle Dinge schlichten mag."

"Wer wider Recht will sprechen,   der hat nicht rechten Sinn,
Man sprach von mir das Beste   wohin ich kommen bin.
Das Lob will ich behalten,"   sprach Wittich der Held,
"Da mich der reiche Kaiser   aus achtzigtausend hat erwählt.

Der kühnste und der beste   soll ich unter ihnen sein:
Desto lieber will ich wagen   heut das Leben mein.
Es gilt des Kaisers Ehre:   Da er mir selbst gebot,
So setz ich auf die Waage   mich gern für ihn in den Tod."

Die Frage nahm ein Ende,   der Fried ist aufgegeben,
Zusammen tiostierten   die beiden kühnen Degen.
Es war die größte Ehre,   die Herrn Wittich da geschah,
Dass er sein Schwert in Stücke   auf Alpharts Brust zerbrechen sah.

Da ward von ihnen beiden   kräftiglich gestritten,
Sie stachen auf der Heiden   mit ritterlichen Sitten.
Alphart der junge   mit tugendhafter Hand
Stach den kühnen Wittich   aus dem Sattel auf das Land,

Dass der edle Degen   fern hinterm Rosse lag.
Er sprach: "O weh der Schande!   Was erlebt ich diesen Tag!
Nun müss es Gott erbarmen,   dass ich je ward geboren,
Soll ich so geschwinde   mein Leben haben verloren."

Da sprach Alphart der junge:   "Es ist ein Anfang;
Kann ich es aber fügen,   so wird dein Leben krank.
Du musst den Sold verdienen, den dir dein Herr gegeben;
Von meiner Hand alleine   geht es dir, Ritter, ans Leben.

"Du sprichst, von achtzigtausend   wählte der Kaiser dich:
Desto lieber will ich streiten,"   sprach Alphart, "wider dich.
Wir teilen auf der Heide   deinen Sold von Gold so rot:
Gott richte zwischen beiden,   und wer dann fällt, der ist tot."

Auf richtete vom Falle   sich Wittich aus dem Gras,
Von hinnen lief sein Schimming,   dass er die Kräuter aß:
Er achtete des Falles nicht,   den sein Herr getan.
Als sich aufgerichtet   Herr Wittich hatt auf dem Plan,

Da sprang zur andern Seite   Alphart von seinem Ross
Zu einem neuen Streite;   seine Tugend die war groß.
Da sprach der Held vermessen   zu dem kühnen Degen:
"Lass uns die Schwerter messen,   so du länger denkst zu leben."

Sie zuckten von den Seiten   zwei scharfe Waffen lang,
Sie schlugen aufeinander,   dass es laut erklang.
Sie trieben sich im Kreise   wohl auf der Heide breit;
Zwischen den zweien Helden   hub sich ein ungefüger Streit.

Alphart war ein junger   Ritter kühn und mild,
Er wusste wohl zu leiten   sein Schwert und seinen Schild
Nach allem Preis: Das musst ihm   Herr Wittich zugestehn;
Er wär ihm gern entwichen,   möcht es mit Ehren geschehn.

Er sprach: "Gott vom Himmel,   wie ist mir geschehn?
Welchen übeln Teufel   soll ich hier bestehn?
Wie mir auch gelinge,   so bleibt der Sieg mir fern:
Wollte Gott ich wäre   geblieben dort bei meinem Herrn.

"Doch will ichs noch versuchen."   Nun erst geschah ihm weh,
Sich begonnten rot zu färben   Gras und grüner Klee.
Als das wilde Feuer   sprang aus Helm und Haupt
(Zagheit war da teuer).   des Sinns ward Wittich beraubt.

Da schlug ihm der Gewaltge   auf des Helmes Wand,
Das Haupt er ihm erschallte,   dass all sein Hirn erklang,
Der Degen musste straucheln   nieder auf den Plan.
Wittich wollte fallen   vor Alphart dem jungen Mann.

Er sprang aus dem Gefilde   wieder auf den Plan,
Und schirmte mit dem Schilde   sich vor dem kühnen Mann.
Er dacht in seinem Mute:   "Wie soll ich von ihm kommen?"
Alphart der junge   hatt ihm die Sinne gar benommen.

"Wie lang soll ich dein schonen?   Du musst dich mir ergeben;
Kann ich es aber fügen,   es geht dir an das Leben
Ob der großen Unbill,"   sprach er in zorngem Mut,
"Die ihr unverschuldet   dem edeln Vogt von Berne tut."

Alphart der Degen   gab Wittich einen Schlag,
Dass der Held verwegen   auf grüner Heide lag
Ganz in der Gebärde,   als ob er wäre tot.
Aus Nasen und aus Ohren   sah man ihm fließen das Blut.

Über ihm stand Alphart   und sah den Degen an:
"So haben meine Freunde   bisher noch all getan,
Dass man sie weit hört preisen   in der Christenheit:
Sollt ich das nicht beweisen,   das wär mir heut und immer leid."

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