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            III. Hörn. Siegfried
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Siebtes Abenteuer

Wie Kaiser Ermenrich keinen finden konnte, der auf die Warte ritt

Da sprang er von dem Rosse,   und nahm den Speer zur Hand,
Saß wieder auf und stapfte   wohl über Gras und Sand
Einer Lind entgegen:   Der Degen unverzagt,
Alphart der junge,   kam um den Schatten hin gejagt.

Als Alphart der junge   unter die Linde kam,
Den Rauch sah er fliegen   über den weiten Plan.
"Wollte Gott, ich hätte   nur tausend Degen hier,
Streits nicht erlassen würde   der reiche Kaiser von mir.

"Ja hätt ich nur Wolfharten,   den lieben Bruder mein,
Und auch den Vogt von Berne,   des sollt ihr sicher sein,
Dazu den alten Meister,   meinem Oheim Hildebrand,
Und sie hätten mein Gemüte,   dem Feind verböt ich das Land."

Er entblößte sich des Helmes,   wie ein müder Ritter tut,
Und kühlte sich im Winde,   der Degen hochgemut.
Da kamen unterdessen   die achte heimgerannt:
Sie sprangen mit den Wunden   vor den Kaiser auf den Sand.

Mit ihren tiefen Wunden   kamen sie gerannt,
Vor des Gezeltes Schnüren   sprangen sie aufs Land.
Ihnen war Schild und Helme   von dem Blute nass.
Sie gingen zu dem Zelte,   wo der reiche Kaiser saß.

Als sie der reiche Kaiser   kommen sah von fern,
Aus trauriglichem Mute   begann er zu den Herrn:
"Willkommen hier, ihr Recken;   wo sind der Helden mehr,
Die mit zur Warte ritten?   Eure Wunden schmerzen mich sehr.

Wo ist der Herzog Wolfing   und seine achtzig Mann?"
Sie sprachen: "Tot, Herr Kaiser,   er und sein ganzer Bann.
Die Red ist nicht erlogen,   edler Kaiser hehr,
Wir sahen es mit Augen,   fragt nach ihnen nimmermehr.

Unser waren achtzig,   acht sind herwieder kommen;
All die andern haben   ihr Ende dort genommen.
Sie liegen auf der Heiden   all zu Tod erschlagen."
Da begonnen diese Recken   den Herzog Wolfing zu klagen.

Da sprach der reiche Kaiser:   "Nun sage, Biedermann,
Wie viel der Recken waren,   die euch schlugen auf dem Plan?"
"Die sind geschwind zu zählen:   Es war ein einzger Degen:
Einen nach dem andern   sah man im Streit ihn niederlegen."

Der Kaiser sprach: "Nun tue   so wohl und sag mir an:
Wer war derselbe Recke,   der solchen Sieg gewann?
Was führt' er im Schilde,   kannst du mir das sagen?
Damit ich ihn erkenne,   wenn ich ihn seh das Wappen tragen.

Oder hast du Kunde,"   sprach Herr Ermenrich,
"Vielleicht, dass es gewesen    mein Neffe Dieterich,
Oder seiner Diener einer?   Das sage, Freund, mir an."
Da sprach derselbe Recke: "Herr,   das wird euch kund getan.

Er ritt auf dem Gefilde,   der Degen unverzagt;
Er ist uns unterm Schilde   lange nachgejagt,
Der den guten Helden   die Wunden hat geschnitten:
Ich weiß ihn so gemutet,   er kommt alsbald hieher geritten."

Die sich bereitet hatten   zu streiten auf dem Feld,
Die rückten da zusammen   zu Hütten und Gezelt,
Als sie die starke Märe   von dem Helden hörten sagen:
Sie eilten vor den Kaiser   und gebahrten wie die Zagen.

Als Alphart die Scharen   zusammen rücken sah,
Da hub er an zu lachen;   wohl sprach der Degen da:
"Reicher Gott vom Himmel,   wohin ist doch so jach
Den Dienern des Kaisers:   Ich denk, ich jag ihnen nach."

Er nahm das Ross beim Zaume   und wollte schon voran:
Da gedacht in seinem Mute   der Ritter wohlgetan:
"Wenn ich zu ihnen reite,   und würd ich dann erschlagen,
Man spräch, es wär ein Übermut   und niemand dürfte mich klagen."

Unter der grünen Linde   hielt er und sah zu Tal.
Da sprach der reiche Kaiser:   "Lasst bleiben solchen Schall.
Noch sage, welche Wappen   trug derselbe Mann?"
"Herr, ich will euch sagen,   so viel ich vermelden kann.

Von dem eure Recken   erschlagen sind zu Tod,
Er führt' im weißen Schilde   einen Leun von Golde rot,
Darauf die goldne Krone:   So sah ich ihn fahren:
Kein ander Wappen Dietrichs   konnt ich ja an ihm gewahren.

Den ich gar wohl erkenne,   den lichten Hildegrein,
Der gab da zu Felde   keinen lichten Schein:
Von dem Vogt von Berne   sind wir gewesen frei;
Doch machte sich so furchtbar   der Held, als wären seiner drei.

Er ist ein Gast im Lande,   das mag ich wohl gestehn,
Denselben Helden hab ich   nie zuvor gesehn,
Von dem wir auf der Heide   den Schaden heut genommen:
Er ist dem Vogt von Berne   von fern zu Hilfe gekommen.

Ihm mag der Vogt von Berne   seinen Sold wohl geben,
Er kann die Helme hauen   den Helden durch ihr Leben."
Da hub von den Verwundeten,   der achte einer an:
"Bei allen meinen Jahren   sah ich nie stärkern Mann.

Ich setz euch meine Treue   zu Pfand und all mein Gut,
Er führt in seiner Rechten   ein Schwert, das schneidet gut;
Er selbst hat große Stärke,   der wunderkühne Held:
Mit seiner Kraft alleine   bezwäng er die halbe Welt."

Als er die Rede hörte,   das war dem Kaiser leid.
Er sprach: "Weh meiner Ehre!   Meine Schande wird so breit;
Kommt er zu meinen Recken,   er verderbt mir all das Heer;
Dieweil er lebt, ich rücke   fürwahr gen Bern nimmermehr."

Da saß in den Zelten   macher Degen wohlgetan,
Da man die Märe hörte   von dem kühnen Mann.
Da saß mit großen Ehren   der Herzog Reinold
Und Randold sein Bruder;   denen gab der Kaiser Sold.

Dazu der alte Sewalt,   gar ein starker Mann,
Bertram der Herzog   und der Herzog von Tuskan,
Wittich und Heime,   die beiden starken Degen;
Man sah den reichen Kaiser   in einem trauriglichen Leben.

Da ließ der Kaiser bringen   sein Silber und sein Gold:
"Wer will die Warte suchen,   der nehme reichen Sold,
Gold und Edelsteine,   was auf dem Schild mag liegen."
Die kühnen Weigande   alle gar stille schwiegen.

Was man der edeln Steine   vor die Herren trug,
Sie sprachen einhellig:   "Wir haben selbst genug.
Was sollten wir denn wagen   unser Leib und Leben?
Das Gold, die Edelsteine   mögt ihr den fremden Recken geben."

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