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      Karl Simrock
         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            II. Alphart
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            III. Hörn. Siegfried
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            IV. Rosengarten
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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               Wolfdietrich
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Viertes Abenteuer

Wie Alphart der junge sich auf die Warte erbot

Zurück gekommen waren   nun die beiden Degen,
Die dem starken Heime   das Geleit gegeben.
Sie hatten auf dem Hügel,   wie ich euch kund getan,
Ersehn bei Ermenrichen    wohl an achtzigtausend Mann,

Die mit dem reichen Kaiser   zu Felde waren kommen:
Herrn Dietrich von Berne   war Freude viel benommen.
Er war ihr aller Herre,   der Kaiser Ermenrich.
Da ging der Vogt von Berne   vor seine Recken lobelich.

Er ging die Not zu klagen   in einen weiten Saal:
(Da saßen junge Recken,   man hörte lauten Schall.)
Da saß mit großen Ehren   der alte Hildebrand
Und viel der werten Recken,   die euch hier werden genannt.

Da saß der junge Hache,   Bange und Rotwein,
Berchter der starke,   und einer, hieß Volkwein,
Ritschart und Gerbart   und der kühne Witzschach,
Helferich und Helmschrot,   denen nie der Mut gebrach.

Da saß Eckhart und Humbrecht,   Hartung und Helmnot,
Bottel und Haunolt,   bereit zur Fahr und Not,
Branker und Wolfing,   von Brisen Amelger,
Und Wolfhart der kühne;   doch war der Recken noch mehr,

Die ich all mit Namen   hier nicht benennen kann.
Die kühnen Wölfinge   in Herrn Dietrichs Bann,
Es war ein weit Geschlechte:   Da sie in dem Saal,
Die jungen Recken saßen,   da vernahm man lauten Schall.

Da saß Friedrich der junge,   Wikher und Wiknant,
Walderich der kühne,   und einer, hieß Siegband.
Alphart und Siegstab,   die beiden kühnen Degen,
Wolfbrand und Wolfhelm,   zu allen Nöten verwegen.

Da saß Amlolt und Nere,   die Degen lobesam,
Von Kerlingen Walther   und Helmnot von Tuskan,
Die der Vogt der Amelungen   zur Not sich hatt erkoren.
Da saßen beieinander   viel der Recken hochgeboren.

In der Ecke saß da einer,   der ohne Gesellen blieb,
Über die Beine legt' er   ein Schwert, das war ihm lieb.
Er war geheißen Nudung,   und war von Brüsten weit;
Wenn er begann zu zürnen,   so gab er Hunderten Streit.

Er war aus deutschem Lande   ein Herzog hoch geboren,
Alle falsche Rede hatt sein Herz verschworen.
Er war getreu und bieder,   ein Degen auserkannt;
Ihm diente Schwanefelden   und alles Nürnberger Land.

Der hoch gelobten Recken   saßen da noch mehr,
Schildbrand und Wolfwein   und der kühne Siegeher.
Der Vogt der Amelungen   zu dem Saale ging,
Aufsprangen all die Recken,   als man den Fürsten empfing.

Da sprach der Vogt von Berne:   "Nun sitzt und höret an,
Dass ich die Not euch klage,   die mein Herz gewann:
Dass mich will vertreiben   mein Oheim Ermenrich.
Wüsst ich vor ihm zu bleiben!",   sprach von Bern Herr Dieterich.

"Der ungetreue Sibich   hat solchen Rat gegeben
Meinem Oheim Ermenrich:   Er riet mir an das Leben.
Wollte Gott vom Himmel,   ich sollt ihn nur bestehn!
Da dürften falsche Räte   nie mehr von Sibich geschehn."

Sie schwiegen alle stille,   keinen Laut vernahm man dort,
Es tröstete den Fürsten   keiner mit einem Wort.
Als der Vogt von Berne   vollsprach was er begann,
In herziglichem Leide   sah einer den andern an.

Sie sprachen all imgleichen:   "Herr, gehabt euch wohl,
Wir wollen euch nicht entweichen,   wie man dem Herrn nicht soll.
Wir wollen für euch wagen   unser Leib und Leben."
Von seinen reichen Freunden   ward ihm guter Trost gegeben.

Des freute sich von Herzen   der edle Dieterich:
Er sprach: "Ich wüsste gerne,   wes zeiht mich Ermenrich?
Ohne meine Verschulden   verderbt er Leut und Land:
Wohlauf, bei Gott ermahn ich   euch kühne Helden auserkannt.

"Ihr sollt daran gedenken,"   sprach der kühne Mann,
"Ob euch mein Vater Dietmar   je Gutes hat getan.
Ihr strecktet ihm die Hände,   habt ihm die Treu gegeben:
Daran sollt ihr gedenken,   dieweil euch währen mag das Leben.

Der mir in diesen Röten   sich getreu erwies,
Mit dem will ich teilen   was mir mein Vater ließ."
Da sprachen sie gemeinlich,   die auserwählten Degen:
"Wir wollen bei euch wagen   unser Leib und unser Leben."

"Nun lohn euch Gott vom Himmel,   und gebt mir euern Rat
In meinem großen Kummer,   da die Gefahr uns naht:
Wie soll ich mich gebärden?"   Da sprach Alphart:
"Da sollt ihr gen ihn senden   einen Recken auf die Wart."

"Wen soll ich gen ihn senden?",   sprach Herr Dieterich.
"Das sollt ihr mich," sprach Alphart:   "Ich bewähr es sicherlich,
Ich weiß wohl auszufinden   alle Gelegenheit."
Die Warte wollt er suchen:   Das war den Wölfingen leid.

Da sprach der kühne Wolfhart:   "Lieber Bruder mein,
Lass einen andern Recken   heute Wartmann sein,
Aus den Wölfingen   einen versuchten Degen:
Du bist ein Kind an Jahren,   einen andern lass der Warte pflegen."

Da gab mit Zorn ihm Antwort   der junge Alphart:
"Du gönnst mir wenig Ehre,   Bruder Wolfhart.
Ich soll daheim verbleiben   wie eine arme Maid;
So hält man euch für Recken   und achtet mein zu keiner Zeit.

"Ich will zur Warte reiten,"   sprach der kühne Mann,
"Wisse, dass mich niemand   des erwenden kann.
Ich will mein Heil versuchen,"   sprach der kühne Held,
"Noch heute will ich sterben,   oder Mannheit zeigen der Welt."

Da sprach Alphart der junge:   "Wozu hieß' ich ein Degen,
Was sollt ich auf der Erde,   wagt' ich nicht Leib und Leben?
Ich mag wohl Gott vertrauen,   dass nirgend lebt ein Mann,
Der einen wider einen   mich im Streit bezwingen kann."

Und weiter sprach der Kühne:   "Ich hab es unternommen,
Da auf die Heide grüne   die Feinde sind gekommen,
Des Kaisers Diener will ich   bestehen auf dem Plan.
Ihr Kommen freut mich billig,   da ich den Leib zu Lehn gewann.

"Sie mögen mich nicht schrecken,"   sprach Amlolts Kind, "fürwahr;
Heißet mir verdecken   den Leuen und den Aar,
Dass mich niemand kenne,"   sprach er kampfbereit:
"Wenn ich den Feind anrenne,   dass mein Preis werde breit."

Herrn Dietrichens Wappen   an dem Schild verdecket ward:
"Nun fürcht ich niemands Strafen,"   sprach da Alphart,
"Auf die Warte will ich reiten   getrost und unverzagt;
Keinem wird mein Namen   aus Furcht noch Liebe gesagt."

Also sprach der Kühne:   "Ihr Freunde, wisset das,
Ich steh noch unbezwungen   und red es ohne Hass,
Komm ich auf die Warte,   ich dringe bis aufs Ziel,
Niemand ist so tapfer,   dem ich davon entweichen will."

Da sprach der Vogt von Berne:   "Viel lieber Alphart,
Ich lasse dich nicht gerne   allein ziehn auf die Wart,
Da dir aller Recken   Gebärden unkund sind;
Der Sinne wie der Jahre   bist du leider noch ein Kind.

Wer in harten Stürmen   zu lange fechten soll,"
Sprach der Vogt von Berne,   wird ihm die Zahl zu voll,
Witz und gute Sinne   wären ihm wohl Not:
Es verwundet leicht ein Alter   den stärksten Jüngling auf den Tod."

Da sprach Alphart der junge:   "Herr Dietrich, hört mich an:
Soll einer nach dem andern   mit mir zu kämpfen nahn,
Wie es seit alten Zeiten   ist immer Recht gewesen,
In Stürmen und in Streiten   getrau ich wohl zu genesen.

"Ich will die Warte suchen,   so wahr ich bin ein Degen,
Wer mich daran verhindert,   der kränkt mich allerwegen."
Also sprach der Kühne:   "Meine Stärk ich nie befrug;
Einem nach dem andern   geb ich Tausenden Streits genug."

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