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      Karl Simrock
         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            III. Hörn. Siegfried
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Zwölftes Abenteuer

Wie der Kampf zu Ende kam und die Helden Sühne tranken

Schier fühlt' er von der Sorge   sein starkes Herz berührt.
Er sprach: "Wenn andre Wege   nicht bald das Glück uns führt,
So täuschen ihre Listen   zuletzt mich müden Mann."
Mit lauter Stimme sprach er   alsbald zu Gunthers Untertan:

"O Hagedorn, du grünest,   damit du stechen mögst.
Wie gern mit schlauen Sprüngen   du Falscher mich betrögst!
Doch will ichs schon betreiben,   dass du mir näher kommst.
Mit deinen Kräften weiß ich   wie große Dinge du frommst;

Doch bin ichs müd, vergebens   in solcher Not zu stehn."
Er sprach es und entsandte   den Speer wie Sturmeswehn.
Der fuhr durch Hagens Schildrand   und durch sein Eisenkleid;
Doch tat er ihm am Leide   kein übermäßiges Leid:

Zu gut Geschmeide trug er   am Harnisch und am Rand.
Allein dem Speer im Fluge   kam Walther nachgerannt
Mit rasch entblößter Klinge,   die er auf Gunther schwang.
Der Hieb war ungeheuer,   der da dem Helden gelang.

Der Schild war weg geschlagen   und durch die Hüfte glitt
Der Stahl und nahm dem König   den ganzen Schenkel mit,
Dass er zu Boden stürzte   und lag auf seinem Schild
Dem Schrecklichen zu Füßen,   der es zu nutzen gewillt.

Der Dienstmann sah erbleichend   dem Herrn das Ende drohn.
Die blut'ge Klinge wieder   erhob schon Alpkers Sohn
Den Liegenden zu töten,   der unbehütet war;
Doch Hagen lief nicht achtend   der eignen Lebensgefahr

Herbei, dem Streich zu wehren   mit seinem eignen Haupt.
Jetzt war noch einzuhalten   Walthern nicht mehr erlaubt:
Die Klinge fuhr hernieder   auf Hagens Eisenhut.
Da sprühten helle Funken,   doch war der Helm allzu gut

Geschmiedet und gehärtet,   er brach nicht von dem Schlag:
Gebrochen war die Klinge,   die halb am Boden lag,
Halb in der Luft noch blinkte.   Unwillig sah der Held
An Hagens starker Helmzier   die gute Klinge zerspellt.

Er vergaß im Zorn der Vorsicht   den einen Augenblick
Und musst es teuer büßen:   So wollt es das Geschick.
Da er die Klinge misste,   verschmäht' er auch das Heft;
Es aus der Hand zu werfen,   das war ihr letztes Geschäft.

Das künstliche Getriebe,   hinflogs zu Boden weit.
Das sah der grimme Hagen   und nutzte wohl die Zeit:
Er schlug im Wurf ihm jubelnd   herab die rechte Hand,
So weit durch Siegestaten   der Erde Völkern bekannt.

Da lag der Könge Schrecken,   des Helden starke Faust.
Herr Walther sahs betroffen,   doch ohne dass ihm graust.
Er konnt auch link nicht weichen;   dazu sein Geist blieb hell:
Da schob er in den Schildrand   den Stumpf, den blutenden, schnell

Und zuckte mit der Linken   das kurze Heunenschwert,
Das ihm die rechte Hüfte,   wie ihr vernahmt, bewehrt.
Grausame Rache nahm er   an seinem Feind damit,
Das ihm die Lippe spaltend   die rechte Schläfe durchschnitt,

Sechs Backenzähne ausriss,   dazu das Aug entstieß.
Da trug die Wund ein jeder,   die ihn wohl ruhen hieß.
Sie streckten hin die Waffen,   des grimmen Kampfes satt
Mit heilen Gliedern keiner   verließ die blutige Statt,

Wo zwei gewaltge Helden,   an Mut und Kräften reich,
Sich maßen, zwein Gewittern,   die sich begegnen, gleich;
Ein drittes stand nicht ferne,   das war kaum halb so schwer.
Sie kämpften gerne länger;   sie konnten aber nicht mehr.

Da schlossen sie den Frieden   und jeder gab sein Pfand
Hier lag des Königs Schenkel,   hier Walthers rechte Hand,
Dort Hagens zitternd Auge:   Nun redet unverweilt,
Hatten sie nicht brüderlich   die Heunenschätze geteilt?

Die beiden saßen aufrecht,   der dritte war zu schwach,
Und trockneten mit Blumen   des Blutes heißen Bach.
Herr Walther rief der Jungfrau:   Sie kam mit bleichem Mund:
Mit linden Linnentüchern   verband sie alles was wund.

Darauf gebot ihr Trauter   dem schönen Mägdelein:
"Kredenz uns jetzt zur Sühne   den kühlen Labewein.
Der erste trinke Hagen,   das ist ein guter Held,
Wenn er, die er geschworen,   die Schwüre redlich auch hält.

Dann reiche mir den Becher,   der mehr als alle litt;
Des Trankes Neige teile   dem Frankenkönig mit:
Bei unsern Heldenspielen   vergoss er wenig Schweiß;
Wie nun die Wund ihn kühle;   vom Kämpfen ward ihm nicht zu heiß."

In allem ihm willfahrte   die Tochter Herrichs.
Obwohl des Tranks begierig,   verbat der Franke sichs:
"Nicht mir gebührt die Ehre,   erst bring ihn deinem Herrn:
Er ist mir überlegen,   der Braut gesteh ich es gern.

Nicht über mich nur ragt er,   über alle hoch hinaus."
Da begann der dornge Hagen   mit Walthern neuen Strauß.
Mit unbezwungnem Mute,   wiewohl am Leibe krank,
Sah man die Helden scherzen   bei des Weines heiterndem Trank.

Wie sie zuvor die Hiebe   gewechselt und den Speer,
So tauschten sie nun Worte,   der Witz flog hin und her.
Der Franke sprach: "In Zukunft,   wenn du den Hirsch erjagst,
Von dessen Leber Handschuh'   du zahllos gewinnen magst,

So fülle dir den rechten   mit des Hirschen zartem Haar:
So glaubt man dich zweihändig   und doch ist es nicht wahr.
Es war so viel Gerede   von deiner starken Faust;
Es kann geschehn, dass manchem   noch vor dem Scheinbilde graust.

Bald gilt an deinem Hofe   ein angelneuer Brauch:
Du fichtst nun mit der Linken,   die Goten werdens auch,
Und wer noch mit der Rechten   sein Weib umarmt und küsst,
Der ist ein Hochverräter,   der zappeln muss am Gerüst."

Nun war die Reih an Walther,   dass er die Lanze warf:
"Wie blickst du in die Zukunft   mit einem Aug so scharf!
Ich kann mit meinen beiden   doch besser prophezein:
Vernimm, du sollst ein König   unter Blinden künftig sein.

Du wirst auf einer Seite   dem Dienervolk misstraun,
Beim Gruß mit queren Blicken   auf deine Helden schaun.
Wenn ich den Hirsch erjage,  verfehlt die Sau dein Spieß.
Aus alter Freundschaft raten   will ich, Trojaner, dir dies:

Sobald du heim kommst, hole   dir Milch und Mehl herbei:
Die lass zusammen kochen,   so gibt es einen Brei.
Dein Auge wird dich schmerzen,   da kommt der Brei dir recht;
Beginnt dich dann zu hungern,   so schmeckt die Pappe nicht schlecht."

So erneun sie unter Scherzen   im Blut die Brüderschaft,
Und immerdar bewährte   sie fürder ihre Kraft.
Den lahmen König hoben   die beiden dann aufs Pferd,
Bevor gen Worms die Franken,   der Held zur Heimat sich kehrt.

Da empfing man wohl den Kühnen   mit seiner schönen Braut;
Auch ward ihm Hildegunde   bald festlich angetraut.
Sie liebten ihn im Lande,   wo nach des Vaters Tod
Er dreißig Jahre glücklich   dem Volk der Goten gebot.

Was seine Kraft vollbrachte   seitdem in manchem Streit,
Davon ist viel gesungen   in deutschen Landen weit;
Die Mär hat hier ein Ende:   Uns sagt das Waltherslied
Nur wie er mit Hilgunden   aus der Heunen Lande schied.

Was man vor tausend Jahren   in deutschen Wäldern sang,
Ein Mönch, dem in der Zelle   die Weile wurde lang,
Hat es uns aufgeschrieben   in römscher Sprache Laut,
Ein Sänger jüngst aufs neue   der deutschen Zunge vertraut.

Ü   Þ

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