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            III. Hörn. Siegfried
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Neuntes Abenteuer

Wie Walther die letzten vier Helden besteht

Das schreckte nicht die Franken,   die jetzt auf Helmnot baun,
Dem ungefügen Neunten;   man durft ihm wohl vertraun:
Er warf den mächtgen Dreizack   am dreifachen Seil
Gewaltig durch die Lüfte,   und wen er traf, der ward nicht heil.

Des Seiles Enden sollten   ihm der Gefährten drei
Im Rücken stehend halten:   wenn es gelungen sei
Und die geworfnen Haken   fest säßen in dem Schild,
Dass sie aus Kräften zögen   den Feind hinab ins Gefild.

Von solcher List erhofften   sie den gewissen Sieg.
Herr Helmnot ohne Säumen   das Leichenfeld erstieg,
Und wie er sich die Arme   mit aller Kraft durchgoss,
Wägt' er mit beiden Händen   das ungewisse Geschoss:

"Dies Eisen lehrt dich sterben,   Kahlkopf," rief er aus.
Da flog die Lüfte teilend   der Dreizack hin im Saus,
So schießt die Schlange zischend   vom Baum auf ihren Raub,
Dem lang sie aufgelauert   aus dicht verhüllendem Laub.

Was weiter? Nicht verfehlte   der Wurf das nahe Ziel:
Das Schildgehäuse dröhnte,   in das der Dreizack fiel,
Tief bohrt' es in die Buckel   sich mit den Haken ein:
Vom Siegsgeschrei der Franken   erscholl der Berg und der Hain.

Sie werfen Schild und Waffe   zu Boden unbedacht
Und ziehen an den Seilen   zumal mit ganzer Macht,
Dass von den Stirnen triefend   der Schweiß zu Boden fällt;
Der König hatte selber   sich solcher Arbeit gesellt.

Doch an den Boden wurzelnd   stand Walther als ein Baum,
Der stolz die Krone breitet   in freiem Himmelsraum.
Zur Wette zogen jene   und mahnten sich: "Den Schild
Nur erst herab! So fangen   wir uns lebendig das Wild."

Die an den Seilen zogen,   die sei'n euch jetzt benannt:
Herr Helmnot der Neunte,   der ist euch schon bekannt.
Der zehnte war von Straßburg   Drogo, der schnelle Mann,
Tannast von Speyer der elfte,   ein starker Ast aus dem Tann.

Der Zwölfte war Herr Gunther,   dem Hagen zum Ersatz.
Die Vier am Seile mühten sich ab in großer Hatz.
Sie zogen all an einem   und schrieen und lärmten laut.
Verächtlich hatt er lange   das eitle Mühen geschaut;

Jetzt währt' es ihm zu lange:   Er ließ, des Helmes bloß,
Auf Schwert und Panzer trauend,   den Schildrand plötzlich los:
Da stürzten sie zu Boden,   die Vier am schnöden Seil.
Frohlockend sah es Walther:   Da sprang er näher in Eil.

Den er zuerst erreichte,   wer war es? Helmnot:
Dem ward der Helm gespalten,   und zu noch größrer Not
Durch Haupt und Nacken sauste   der mörderische Stahl.
Das Blut entfloss in Strömen   und Leid und Leben zumal.

Da wandt er sich zu Drogo,   der fest im Seile hing
Und dem des Freundes Sterben   zu Herzen schreckvoll ging.
Doch größer war der Schrecken,   als jetzt der grimme Feind
Da stand mit bloßem Schwerte,   ihn selbst zu treffen gemeint.

Im Seil verstrickt versucht' er   zu fliehn und Schild und Schwert
Zu holen: Also hätt er   des Helden sich erwehrt;
Doch schneller war Herr Walther;   auch stärker mocht er sein,
Er schwang das Schwert und hieb ihm   die Wade nieder vom Bein.

Dann lief er dem Gelähmten   voraus, der schnelle Gast,
Und eh ihn der erreichte   hatt er den Schild gefasst.
Der wunde Drogo sah es;   doch war er nicht so wund,
Einen ungefügen Feldstein   riss er empor aus dem Grund

Und warf ihn, dass in Stücke   sein eigner Schildrand ging
Und nur noch an der Stierhaut   das Holzgestelle hing.
Dann kniet' er rasch zur Erde,   ergriff sein Schwert und schwang
Es aus der grünen Scheide,   dass hell die Luft ihm erklang.

Und konnt er nicht bewähren   der Seele heißes Glühn,
Doch zeigte sein Gebaren   wie stolz er war und kühn.
Ob ihn der Tod anlachte,   er übersah es wild.
"Dass mir der Freund nun käme,   oder hätt ich noch meinen Schild!

Der Zufall hat den Sieg dir,   nicht die gepriesne Kraft
Über Drogos Stärke,"   rief er ergrimmt, "verschafft.
Nun hole zu dem Schilde   dir auch mein gutes Schwert."
"Ich komme," rief er lachend,   vom jenem Wurf unversehrt.

Herr Walther kam und schlug ihm   den hoch geschwungnen Arm
Darnieder samt dem Schwerte:   So schuf es ihm nicht Harm.
Doch jetzt zum andern Hiebe   sprang der Gewaltge vor:
Der scheidenden Seele   wollt er erschließen das Tor.

Da kam, ihn zu beschirmen,   der Freund, den er verlangt
(Er hatte mit dem König   nach Schwert und Schild gelangt),
Herr Tannast kam und deckte   den Freund vor Walthers Streich.
Doch auf den Schirmer kehrte   den Zorn der Schreckliche gleich

Und hieb ihm aus der Achsel   heraus das Schulterblatt;
Dann fuhr, die Flanke spaltend,   die Klinge scharf und glatt
Ihm tief ins Eingeweide:   Da fiel er auf den Plan.
"Lebwohl!", so grüßt' er scheidend   den Freund und blickt' ihn zärtlich an.

Da fleht' ums liebe Leben   Herr Drogo nicht, er schalt
Und reizte noch den Sieger,   ders mit dem Tod vergalt:
Er drückt' ihm um die Kehle   der Kette Goldgeflecht:
"Der Hölle spar's und melde   wie du die Brüder gerächt."

Da wälzte sich im Staube   das Freundespaar gesellt
Und schlug mit beiden Füßen   das blutge Leichenfeld.
Mit Seufzen sahs Herr Gunther:   Er sprang zu Ross und maß
Den kurzen Weg zu Hagen,   der abseits trauernd noch saß.

Ü   Þ

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