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               Hugdietrich
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Fünftes Abenteuer

Wie ihnen Gunther nachsetzte

Herr Walther nahm die Nächte,   wie ihr schon wisst, zum Fliehn;
Die Tage bracht er ruhend   in tiefen Wäldern hin:
Da lockt' er wilde Vögel   herbei und fing genug
Bald mit der Leimrute   und bald mit anderm Betrug.

Und wo er an die Ufer   gekrümmter Flüsse kam,
Die schlanke Rute reichte   die Jungfrau wonnesam;
Die Angel tauchte nieder   und bald empor geschnellt
Lag zappelnd auf dem Grünen   der Fisch zu Fischen gesellt.

So hatten sie zwei Wochen   gestillt des Hungers Pein,
Als sie zu später Stunde   gelangten an den Rhein,
Und jenseits überglommen   vom letzten Abendrot
Lag Worms, die Stadt der Franken,   wo König Gunther gebot.

Ein Ferge fuhr sie über:   Da wurden ihm zum Lohn
Zwei Fische, die Herr Walter   fing an der Donau schon.
Der Degen eilte fürder   mit der erhabnen Maid;
Der Ferg am andern Morgen   lief hin gen Worms bei guter Zeit.

Des Königs Küchenmeister   bot er die Fische feil -
Der nahm und briet sie beide   dem Herrn in großer Eil.
Als Gunther sie gekostet   und näher dann beschaut,
Von seinem hohen Sitze   verwundert sprach der König laut:

"Woher sind diese Fische?   Der Rhein ernährt sie nicht.
Wo hast du sie verhandelt?   Sag an, bei deiner Pflicht."
Herr Rumold sprach: "Sie brachte   ein Schiffer heut herein."
"Lass mir den Schiffer kommen,   er hat sie nicht aus dem Rhein."

Der Schiffer kam: Da ward er   von Gunthern selbst befragt;
Nun möchtet ihr vernehmen   was er dem Herrn gesagt:
"Spät lag ich gestern jenseits   am Rhein mit meinem Kahn,
Da kam in blankem Harnisch   ein hoher Wandrer heran.

Der war so voll gerüstet,   als gält es heut noch Streit,
Zur Wehre und zum Angriff   mit Schild und Spieß bereit.
Er glich wohl einem Helden,   der wunderstarke Gast:
Mit gleichem Schritte trug er   der Waffen drückende Last.

Und hinter ihm ein Mägdlein   viel mehr als eine Frau;
Es folgte seinen Schritten   das hohe Bild genau.
Ein starkes Streitross führte   sie lose nach am Zaum:
Das trug zwei Reiseschreine,   so schwer, ich hübe sie kaum.

Und wenn die Mähne schüttelnd,   die gelbe, schritt das Ross,
Da klang es in den Schreinen   so lauter unterm Schloss
Wie eitel Edelsteine   und lichtes, rotes Gold.
Mir gab die beiden Fische   der selbe Held zum Fergensold."

Als Hagen das erhörte,   der mit am Tische saß,
Da sprach er, der vor Freuden   der Klugheit vergaß:
"Nun freut euch mit, ihr Freunde,   die Märe bringt uns Glück:
Herr Walther, mein Geselle   kehrt von den Heunen zurück."

Glück wünschend jauchzten alle   die Helden rings umher;
Nur Gunther nicht, der König,   doch freut' er sich noch mehr.
"Mir wünschet Glück," begann er,   "dass ich den Tag erlebt!
Denn mein sind all die Schätze,   die er in Schreinen begräbt.

Den Zins, den einst mein Vater,   den Heunen hat gesandt,
Den schickt nun Gott vom Himmel   zurück ins Frankenland."
Um stieß er mit den Füßen   den Tisch und sprang empor:
"Geschwind mir aus dem Stalle   den Hengst, ihr Knappen, hervor!

Zwölf meiner besten Recken,   bewährt in manchem Strauß,
Ziehn diesen Schatz zu heben   mit mir zum Tor hinaus."
Er nannte sie mit Namen,   den Hagen in der Zahl.
Der war gewohnt zu leisten   was ihm der König befahl;

Doch dacht er alter Treue   und war ihm unbereit
Zum Kampf mit dem Gesellen;   auch hofft' er von dem Streit
Den König abzumahnen: Da verlor er nur sein Wort.
Zu Rosse trieb die Helden   der König Gunther sofort:

"Die Schwerter umgegürtet,   den Harnisch angeschnallt,
Eh mit den Schätzen Walther   entkommt zum Wasgenwald!
Was zaudert ihr so lange?   Hier ist dein Schild, dein Helm:
Darf solchen Hort entführen   uns kühnen Franken der Schelm?"

Da ritten aus den Toren   die Helden ungesäumt,
Herrn Walther zu erreiten   eh er das Land geräumt.
Ihnen wollt es nicht erlassen   Gunther der König hehr;
Sie selber auch verlangte   nach Gold und Edelsteinen sehr.

Wenn sie den Flüchtling fänden,   sie dachten insgesamt,
Den Hort ihm abzunehmen,   das wär kein schweres Amt,
Denn Zwölfe gegen einen,   da währt nicht lang der Krieg.
Was will denn wohl Herr Hagen,   dass er uns zweifelt am Sieg?

Herr Hagen ritt mit ihnen:   Zwar nicht auf Kampf bedacht,
Vielmehr vom Kampf zu mahnen;   doch ward er nur verlacht.
Auch wollt er den Genossen   der Jugend wieder schaun.
So ritten diese Zwölfe   durch die Nacht sonder Graun.

Ü   Þ

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