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      Karl Simrock
         Das kleine Heldenbuch
            I. Walter / Hildegunde
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            V. Hildebrandslied
               Hildebrand
            VI. Ortnit
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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Drittes Abenteuer

Wie Walther mit Hildegunden zu sprechen kam

Nun kam gewisse Märe   in Etzels Königsstadt,
Ein Grenzvolk, das erst neulich   sein Schwert bezwungen hat,
Steh wieder in den Waffen   empört zu offnem Streit.
Das schien den Ruhm zu mehren   Walthern gelegene Zeit.

Er sammelte die Scharen   und musterte sein Heer;
Vom mutgen Rosse grüßend   schwingt er die blanke Wehr,
Nennt jeglichen mit Namen,   der einst schon mit ihm focht
Und spricht beredte Worte,   bis allen Mut im Herzen pocht:

"Gedenkt der alten Siege   und lasst sie uns erneun,
Den Feind, den oft geworfnen,   den dummen Trotz bereun.
Wir müssen ihn vertilgen,   der so Treue bricht:
Den Heunen zu gehorchen   ist allen Erdenvölkern Pflicht."

Da galt kein länger Säumen,    die Scharen saßen auf
Und ritten durch die Fluren   in ungehemmtem Lauf.
Bald sahen sie die Feinde   gelagert auf dem Feld:
Da ordnete das Treffen   Walther der siegreiche Held.

Schon stehen sich gegenüber   die Scharen dicht gedrängt,
Der Marschall gibt das Zeichen,   mit lautem Feldruf sprengt
Die Schar der Schar entgegen   und hin und wieder fliegt
Der Wurfspieße Regen,   dem mancher Weigand erliegt.

Die wilde Kirsche kreuzte   sich mit dem Eschenschaft,
Das Speereisen blitzte   beschwingt von Heldenkraft,
Und wie im Winde wirbelnd   die Flocken niederschnein,
So flogen die Geschosse   dicht auf die feindlichen Reihn.

Wie nun in beiden Heeren   die Spieße sind versandt,
Da fährt zur linken Seite   geschwind die rechte Hand
Und reißt aus der Scheide   das leuchtende Schwert:
Sie sprengen aufeinander   zu neuem Kampfe bewehrt.

Da birst vom jähen Anlauf   manch guter Mähre Brust,
Viel kühner Streiter stürzen   zu Boden unbewusst,
Vom harten Schild getroffen   und von des Buckels Knauf.
Da ritt der starke Walther   all seinen Helden vorauf.

Eine breite Gasse brach sich   der Recke lobesam
Und mähte siegreich nieder   was ihm zu nahe kam:
Zur Rechten und zur Linken   schlug er viel Wunden rot;
Bald scheuten ihn die Feinde   wie den leibhaftgen Tod.

Schon wars mit ihrem Mute,   mit ihrem Trotz vorbei.
Sie wandten sich und gaben   dem Ross die Zügel frei;
Die Schilder auf dem Rücken   enteilten sie der Schlacht.
Da folgten ihm die Heunen,   der solche Gasse gemacht.

Sie fielen ungestümer   in die gebrochnen Reihn
Und jagten die noch standen   den andern hinterdrein.
Dann setzten sie den Fliehenden   so lange mordend nach
Bis nichts zum vollen Siege   dem Heunenvolke gebrach.

Wie das nun beutelustig   sich auf die Leichen stürzt,
Und manchem Wunden grausam   des Lebens Hoffnung kürzt,
Da rief mit krummen Horne   der Feldherr sie vom Raub
Und kränzte sich die Stirne   zuerst mit grünendem Laub,

Darauf die Fahnenträger,   das reisge Volk alsbald
Mit Reisern und mit Maien,   als wandelte der Wald.
So kehrten sie mit Singen   zurück ins Heunenland.
Da hat zur lieben Heimat   sich jeder Kämpe gewandt;

Herr Walther aber eilte   zu Etzels festem Haus.
Wie sie ihn sahen, sprangen   die Diener froh heraus
Und hielten ihm den Bügel,   als er vom Rosse stieg.
Sie fragten ihn, ob glücklich   geendet wäre der Krieg?

Mit kurzen Worten gab er genügenden Bescheid,
Und trat ins Haus zu ruhen   vom mühselgen Streit.
Da fand er Hildegunden   allein im Königssaal,
Die einst ihm Anverlobte   und noch die Maid seiner Wahl.

Da drückt' er auf die Lippen   ihr einen süßen Kuss:
"Gib mir zu trinken," bat er,   "eh ich verdursten muss."
Da ließ sie ihn nicht warten,   sie war dem Kühnen hold:
Mit goldnem Weine füllte   sie schnell den Becher von Gold

Und reicht' ihn hin dem Sieger,   der ihn bekreuzend nahm,
Der Jungfrau Hand in seine   dann schloss, die sonder Scham
Es ließ geschehn und schweigend    nur las in seinem Blick.
Herr Walther trank und reichte   den leeren Becher zurück.

Sie wusste sich dem Jüngling   verlobt in alter Zeit.
Da sprach der edle Degen   zu der erwünschten Maid:
"Wir heimatlosen beide,   die langes Elend hält,
So fern den lieben Eltern,   doch uns so nahe gesellt,

Die wir Verlobte waren   nach unsrer Väter Rat,
Wie oft ist dir der Jüngling,   o Jungfrau, schon genaht,
Und nie ein Wort vergönnte   mir deiner Lippen Rund,
Nie einen Laut gesprochen   hat dir von Liebe mein Mund.

Warum uns das verschweigen   was Elend mildern kann,
Da wir doch Trost bedürfen   hier in der Fremde Bann?"
Noch traute nicht die Gute   des Jünglings ernstem Wort;
Erst schwieg sie eine Weile,   dann sah sie auf und sprach sofort:

"Wie heuchelt deine Zunge   was nicht empfand dein Herz?
Mit süßem Munde sprichst du    mir Hohn mit bittern Scherz.
Zum Minnebunde laden   dich Königinnen ein:
Wie dächtest du Hildgunden,   die niedre Magd, dir zu frein?"

Da gab der Jungfrau Antwort   und sprach der weise Held:
"O lass von solcher Rede,   sprich mit mir unverstellt.
Auch ich sprach unverhohlen   wie ichs im Herzen trug:
Es ist die lautre Wahrheit,   ich weiß von keinem Betrug.

Wir dürfen offen sprechen,   wir beide sind allein.
Wüsst ich gewiss, du könntest   mir noch gewogen sein
Und aller Welt verhehlen,   was ich dir will vertraun,
Ich ließe dich zur Stunde   meines Herzens Tiefe schaun."

Da stürzt' ihm vor die Füße   und sprach die schöne Magd:
"Gebiete mir, ich leiste   was dir, mein Herr, behagt,
Und niemand soll mich hindern,   was du befiehlst, zu tun:
O wolle Hildegunden   nur zu gebieten geruhn."

Da hob sie von der Erde   Herr Walther auf und sprach:
"So wisse, lange widert   mir der Gefängnis Schmach:
Mit Sehnen denk ich immer   an meiner Heimat Land;
Auch hätt ich heimlich fliehend   mich schon von hinnen gewandt,

Oft war die Stunde günstig;   doch ohne Dich, mein Lieb -
Wie konnt ich Heunland meiden,   wenn Hildegunde blieb?
Nun sprich, willst du mir folgen?   Ich lasse nicht die Braut."
Da blickt' ihn an die Jungfrau   und sprach mit herzlichem Laut:

"Gewiss, das ist mein Wille,   ich begehr es besser nicht:
Willst du mich fliehen lehren,   gern leist ich jede Pflicht.
Ob ichs im Tode büße,   ob es zum Heil gereicht,
Ich lebe deiner Liebe,   mit dir zu sterben wird mir leicht."

Da raunte seinem Mägdlein   der edle Held ins Ohr:
"Dich setzten ihren Schätzen   die Heunenfürsten vor;
So merke was ich sage:   Des Königs eisern Kleid,
Der Helm und der Harnisch   sei zu der Flucht mir bereit.

Dreidrähtig hat den Panzer   gewirkt ein weiser Schmied.
Dann nimm zwei mäßge Schreien   und tu was ich dir riet:
Mit goldnen Spangen fülle   sie beide bis zum Rand,
Dass du sie an dem Busen   kaum heben magst mit der Hand.

Dann fertige zur Reise   mir vier Paar starke Schuh;
Vier Paar gebrauchst du selber:   Die schaffe dir dazu.
Lass dir auch heimlich schmieden   gekrümmter Angeln zwei,
Dass unterwegs an Fischen   und Vögeln uns kein Mangel sei.

Ich selber will dir fischen   wenn andre Kost gebricht;
Auch muss ich Vögel fangen:   Das ist ein gut Gericht.
Dies suche zu vollbringen   in einer Woche Frist.
Du weist nun was zu haben   uns Not den Fliehenden ist;

Wie wir von hinnen kommen   mach ich dir jetzt bekannt:
Wenn nach den sieben Tagen   der achte geht ins Land,
Zum Siegesfest bereiten   lass ich ein köstlich Mahl
Dem König und der Königin   und all den Helden im Saal.

In goldnen Schalen reich ich   den Fürsten Met und Wein,
Den Rittern und den Knechten   schenk ich tapfer ein
Und fülle sie, bis alle   vom Übermaß berauscht
Im Saale schnarchend liegen,   die Flucht uns keiner belauscht.

Du rühre kaum beim Mahle   den trügerischen Saft;
Ich selber will nur nippen,   so wahr ich Sinn und Kraft.
Eh jene sich erheben   enteile du dem Schmaus:
Was zu beschicken nötig,   das richte fleißig uns aus.

Wenn dann die üppgen Zecher   des Weines Kraft bezwingt,
So flehen wir die Götter,   dass uns die Flucht gelingt
Aus langem Elende   ins liebe Heimatland."
So ward es abgesprochen,   verbürgt mit Mund und mit Hand.

Ü   Þ

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