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            VII. Hugdietrich

               Hugdietrich
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Zweites Abenteuer

Wie Hagen entrann und Frau Helke Etzeln warnte

Herr Etzel, da er wieder   in seinem Reiche saß,
Für seine edeln Geisel   zu sorgen nicht vergaß.
Die Knaben pflegt' er selber,   als wärs sein Fleisch und Blut;
Die Jungfrau befahl er   in seiner Königin Hut.

Er ließ nicht aus den Augen   die jungen Fürsten wert,
Alle Friedenskünste   hat er sie selbst gelehrt,
Noch mehr was man zu wissen   bedarf im Schlachtgetös:
Sie waren sehr gelehrig   und schnell zu Hieb und zu Stoß.

Man sah sie bald erwachsen   an Kräften und an Sinn,
Schon warfen sie im Ringen   die Allerstärksten hin.
Die Weisen und die Alten   bezwang ihr Witz im Spiel:
Die sie bestanden hätten,   der Heunen warne nicht viel.

Als Etzel das erkannte,   zog er sie andern vor,
Zu seinen Scharmeistern   der König sie erkor.
Das mochten sie verdienen:   Wenn es zum Kampfe kam
Und sie das Beste taten,   war ihnen niemand mehr gram.

So fügt' es Gott vom Himmel,   dass sie gefangne Maid
Frau Helkens Gunst erlangte   durch treue Dienstbarkeit.
Sie ließ es nimmer fehlen   an Klugheit noch an Fleiß,
Tät alles frei und harrte   nicht auf der Herrin Geheiß.

Da durft ihr wohl Frau Helke   die Schlüssel anvertraun,
Des Kämmreramts zu walten   vor allen ihren Fraun.
Man ließ sie tun und schaffen   wie eine Königin:
Der war sie gleich; ihr fehlte   nichts als der Freiheit Gewinn.

Derweile war gestorben   Gibich der König hehr.
Die Krone nahm da Gunther:   Dem fiel gehorchen schwer:
Da wollt er nicht den Heunen   mehr zinsen, noch dem Bund
Seines Vaters halten:   Das ward an Etzels Hofe kund.

Herr Hagen auch erfuhr es,   der dort vergeiselt war,
Wo er als Meister diente   der kühnen Helden Schar.
Da sehnt' er sich nach Hause   und sieh, er war entflohn
An einem frühen Morgen;   nur Walther wusste davon.

Da sprach zu König Etzel   Helke die Königin;
Sie zog zu weisen Räten   aus Hagens Flucht Gewinn:
"Nun sieh dich vor, o König,   der Gott so viel verdankt,
Dass deines weiten Reiches   gewaltge Säule nicht wankt.

Der junge Geisel Walther,   dem du dein Heer vertraut,
In dem der Feind die Stärke   der Heunenmacht erschaut,
Dass der dir nicht entfliehe,   wie Hagen dir entrann:
Ihn treibt dazu, besorg ich,   seines Freundes Beispiel an.

"Beherzge meine Warnung   und tu nach meinem Rat:
Sobald dein junger Zögling   dir heute Morgen naht,
So sprich mit holden Worten   zu ihm: Mein lieber Freund,
Wie hat des Krieges Arbeit   dein junges Antlitz gebräunt!

Du warst ein zarter Knabe,   da du gen Heunland kamst
Und unter meiner Pflege   zuerst die Waffen nahmst.
Mir ist an dir gelungen,   du bist ein starker Mann,
Ich zähle viel der Lande,   die deine Kraft mir gewann.

Du hast in meinem Dienste   dein Leben nie gespart,
Dich als ein Held erfochten   in mancher Heeresfahrt.
Das denk ich dir zu lohnen,   damit die Tat sofort
Dir unsre Gunst erweise   mehr als das trügliche Wort.

Wohlan denn, so erwähle   dir eine holde Braut,
Die reichste die du findest,   die sei dir angetraut.
Junger Königinnen   sind bei den Heunen viel:
Bekenne mir, ob keine   noch deinen Blicken gefiel?

Die geb ich dir zu Lohne,   dazu ein weites Land,
So ist dir all dein Leben   die Sorge fern gebannt.
Wenn er das eingeht," sprach sie,   "dass er die Heunin minnt,
So mögen wir ihn fesseln,   dass er uns nimmer entrinnt."

Der Rat gefiel dem König:   Da war es bald getan:
Herrn Walthern ließ er kommen   und trug die Braut ihm an.
Da sprach der junge Degen,   der schon im Sinne trug
Was er hernach vollbrachte;   der Held war höfisch und klug:

"Herr, eure Güte schafft es   und nicht mein eigner Wert,
Dass ihr mir so viel Gnade   für mäßgen Dienst gewährt.
Ich kann es nie vergelten,   dass ihr so hoch es schätzt,
Wenn ich für euch mein Leben   je auf die Waage gesetzt.

Dem Herrn getreulich dienen   geziemt allein dem Knecht:
Wollt er noch Lohn begehren,   so bräch er selbst sein Recht.
Die ihr mir, Herr, geboten,   die reiche Heunenbraut -
Wär ich nach euerm Willen   der allerschönsten getraut,

Ich müsst an ihren Blicken   nur hängen all die Frist,
Die euer Reich zu mehren,    mein Fürst, gewidmet ist.
Sollt ich mein haus bestellen   und hinterm Pfluge gehn,
So wär es um den Helden   und um den Feldherrn geschehn.

Ich will mich nicht verliegen   und kosten süße Ruh,
Der Arbeit mich entwöhnen,   es ist zu früh dazu.
Noch lüstet mich zu kämpfen,   noch schwellt mir Kraft den Arm;
Ich weiß mir keine Freude   als kühne Tat im Feindesschwarm.

Auch mag ich Frauenwinken,   ich hab es keinen Hehl,
So gerne nicht gehorchen   als meines Herrn Befehl.
Wohin ihr mich auch rufet,   es sei bei Tag, bei Nacht,
Ich folg euch gern zu Hofe   und gern zur blutgen Schlacht.

Mich zieht zum weichen Bette   zurück kein liebes Weib,
Noch flehn mich zarte Kinder   zu sparen meinen Leib.
So lasst mich immer bleiben   zu euerm Dienst bereit,
Der mehr als Herr und König   ein treuer Vater mir seid.

Wenn ihr vom Krieg einst rastet,   nicht mehr der Schlacht gedenkt,
Da schon der Welt die Heunen   gebieten unbeschränkt,
So mag auch ich wohl feiern   und frein ein hold Gemahl;
Mich früher zu beweiben,   das wäre Walthern zur Qual."

So sprach der junge Degen   und täuschte seinen Herrn;
Von seines Volkes Größe,   die Rede hört' er gern.
So ließ er sich berücken   und drang nicht mehr in ihn:
Der fromme Walther, dacht er,    wird seinem Herrn nicht entfliehn.

Ü   Þ

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