Elfter Auftritt
Vorige. Kürassiere.
Erster Kürassier.
Friede! Was gibt’s mit dem Bauer da?
Erster Scharfschütz.
’s ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!
Erster Kürassier.
Hat er dich betrogen etwa?
Erster Scharfschütz.
Ja, und hat mich rein ausgezogen.
Erster Kürassier.
Wie? Du bist ein Friedländischer Mann,
Kannst dich so wegwerfen und blamieren,
Mit einem Bauer dein Glück probieren?
Der laufe, was er laufen kann.
(Bauer entwischt, die andern
treten zusammen.)
Erster Arkebusier.
Der macht kurze Arbeit, ist resolut,
Das ist mit solchem Volke gut.
Was ist’s für einer? Es ist kein Böhm.
Marketenderin.
’s ist ein Wallon! Respekt vor dem!
Von des Pappenheims Kürassieren.
Erster Dragoner (tritt dazu).
Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt führen,
Den haben sie sich aus eigner Macht
Zum Oberst gesetzt in der Lützner Schlacht,
Al der Pappenheim umgekommen.
Erster Arkebusier.
Haben sie sich so was ’rausgenommen?
Erster Dragoner.
Dies Regiment hat was voraus,
Es war immer voran bei jedem Strauß.
Darf auch seine eigene Justiz ausüben,
Und der Friedländer tut’s besonders lieben.
Erster Kürassier (zum andern).
Ist’s auch gewiss? Wer bracht’ es aus?
Zweiter Kürassier.
Ich hab’s aus des Obersts eignem Munde.
Erster Kürassier.
Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.
Erster Jäger.
Was haben die da? Sind voller Gift.
Zweiter Jäger.
Ist’s was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?
Erster Kürassier.
Es hat sich keiner drüber zu freuen.
(Soldaten treten herzu.)
Sie wollen uns in die Niederland’ leihen;
Kürassiere, Jäger, reitende Schützen,
Sollen achttausend Mann aufsitzen.
Marketenderin.
Was? Was? Da sollen wir wieder wandern?
Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.
Zweiter Kürassier (zu den
Dragonern).
Ihr Buttlerischen, sollt auch mitreiten.
Erster Kürassier.
Und absonderlich wir Wallonen.
Marketenderin.
Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!
Erster Kürassier.
Den aus Mailand sollen wir hin begleiten.
Erster Jäger.
Den Infanten! Das ist ja kurios!
Zweiter Jäger.
Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.
Erster Kürassier.
Wir sollen von dem Friedländer lassen,
Der den Soldaten so nobel hält,
Mit dem Spanier ziehen zu Feld,
Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?
Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.
Trompeter.
Was, zum Henker, sollen wir dort?
Dem Kaiser verkauften wir unser Blut
Und nicht dem hispanischen roten Hut.
Zweiter Jäger.
Auf des Friedländers Wort und Kredit allein
Haben wir Reitersdienst genommen;
Wär’s nicht aus Lieb’ für den Wallenstein,
Der Ferdinand hätt’ uns nimmer bekommen.
Erster Dragoner.
Tät uns der Friedländer nicht formieren?
Seine Fortuna soll uns führen.
Wachtmeister.
Lasst euch bedeuten, hört mich an.
Mit dem Gered’ da ist’s nicht getan.
Ich sehe weiter, als ihr alle,
Dahinter steckt eine böse Falle.
Erster Jäger.
Hört das Befehlbuch! Stille doch!
Wachtmeister.
Bäschen Gustel, füllt mir erst noch
Ein Gläschen Melnecker für den Magen,
Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.
Marketenderin (ihm
einschenkend).
Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.
Es wird doch nichts Böses dahinter stecken!
Wachtmeister.
Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,
Dass jeder das Nächste bedenken tut;
Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,
Man muss immer das Ganze überschlagen.
Wir nennen uns alle des Friedländers Truppen.
Der Bürger, er nimmt uns ins quartier,
Und pflegt uns und kocht uns warme Suppen.
Der Bauer muss den Gaul und den Stier
Vorspannen an unsre Bagagewagen,
Vergebens wird er sich drüber beklagen.
Lässt sich ein Gefreiter mit sieben Mann
In einem Dorfe von weitem spüren,
Er ist die Obrigkeit drin und kann
Nach Lust drin walten und kommandieren.
Zum Henker! Sie mögen uns alle nicht,
Und sehen des Teufels sein Angesicht
Weit lieber, als unsre gelben Koletter.
Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land? Potz Wetter!
Sind uns an Anzahl doch überlegen,
Führen den Kittel, wie wir den Degen.
Warum dürfen wir ihrer lachen?
Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!
Erster Jäger.
Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!
Der Friedländer hat das wohl erfahren,
Wie er dem Kaiser vor acht – neun Jahren
Die große Armee zusammenbracht.
Sie wollten erst nur von Zwölftausend hören:
Die, sagt’ er, die kann ich nicht ernähren;
Aber ich will Sechzigtausend werben,
Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.
Und so wurden wir Wallensteiner.
Wachtmeister.
Zum Exempel, da hack’ mir einer
Von den fünf Fingern, die ich hab’,
Hier an der Rechten den kleinen ab.
Habt ihr mir den Finger bloß genommen?
Nein, beim Kuckuck, ich bin um die Hand gekommen!
’s ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.
Ja, und diese achttausend Pferd,
Die man nach Flandern jetzt begehrt,
Sind von der Armee nur der kleine Finger.
Lässt man sie ziehn, ihr tröstet euch,
Wir seien um ein Fünftel nur geringer?
Pros’t Mahlzeit! Da fällt das Ganze gleich.
Die Furcht ist weg, der Respekt, die scheu,
Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,
Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei
Den Quartier- und den Küchenzettel,
Und es ist wieder der alte Bettel.
Ja, und wie lang wird’ stehen an,
So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann –
Sie sind ihm am Hofe so nicht grün,
Nun, da fällt eben alles hin!
Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?
Sorgt, dass man uns die Kontrakte hält?
Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,
Den schnellen Witz und die feste Hand,
Diese gestückelten Heeresmassen
Zusammen zu fügen und zu passen?
Zum Exempel – Dragoner – sprich:
Aus welchem Vaterland schreibst du dich?
Erster Dragoner.
Weit aus Hibernien her komm’ ich.
Wachtmeister (zu den beiden
Kürassieren).
Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon;
Ihr ein Wälscher. Man hört’s am Ton.
Erster Kürassier.
Wer ich bin? Ich hab’s nie können erfahren,
Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.
Wachtmeister.
Und du bist auch nicht aus der Näh?
Erster Arkebusier.
Ich bin von Buchau am Federsee.
Wachtmeister.
Und ihr, Nachbar?
Zweiter Arkebusier.
Aus der Schwitz.
Wachtmeister (zum zweiten
Jäger).
Was für ein Landsmann bist du, Jäger?
Zweiter Jäger.
Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.
Wachtmeister (auf den
Trompeter zeigend).
Und der da und ich, wir sind aus Eger.
Nun! Und wer merkt uns das nun an,
Dass wir aus Süden und aus Norden
Zusammen geschneit und geblasen worden?
Sehn wir nicht aus, wie aus einem Span?
Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,
Recht wie zusammengeleimt und gegossen?
Greifen wir nicht, wie ein Mühlwerk, flink
In einander auf Wort und Wink?
Wer hat uns so zusammen gschmiedet,
Dass ihr uns nimmer unterschiedet?
Kein andrer sonst, als der Wallenstein!
Erster Jäger.
Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,
Dass wir so gut zusammen passen;
Hab’ mich immer nur gehen lassen.
Erster Kürassier.
Dem Wachtmeister muss ich Beifall geben.
Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben;
Den Soldaten wollen sie niederhalten,
Dass sie alleine können walten.
’s ist eine Verschwörung, ein Komplott.
Marketenderin.
Eine Verschwörung? Du lieber Gott!
Da können die Herren ja nicht mehr zahlen.
Wachtmeister.
Freilich! Es wird alles bankrott.
Viele von den Hauptleuten und Generalen
Stellten aus ihren eignen Kassen
Die Regimenter, wollten sich sehen lassen,
Täten sich angreifen über Vermögen,
Dachten, es bring’ ihnen großen Segen,
Und die alle sind um ihr Geld,
Wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.
Marketenderin.
Ach, du mein Heiland! Das bringt mir Fluch!
Die halbe Armee steht in meinem Buch.
Der Graf Isolani, der böse Zahler,
Restiert mir allein noch zweihundert Taler.
Erster Kürassier.
Was ist da zu machen, Kameraden?
Es ist nur eins, was uns retten kann,
Verbunden können sie uns nichts schaden;
Wir stehen alle für einen Mann.
Lasst sie schicken und ordenanzen,
Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,
Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.
Zweiter Jäger.
Wir lassen uns nicht so im Land ’rum führen
Sie sollen kommen und sollen’s probieren!
Erster Arkebusier.
Liebe Herren, bedenkt’s mit Fleiß,
’s ist des Kaisers Will’ und Geheiß.
Trompeter.
Werden uns viel um den Kaiser scheren.
Erster Arkebusier.
Lass er mich das nicht zweimal hören.
Trompeter.
’s ist aber doch so, wie ich gesagt.
Erster Jäger.
Ja, ja, ich hört’s immer so erzählen,
Der Friedländer hab’ hier allein zu befehlen.
Wachtmeister.
So ist’s auch, das ist sein Beding und Pakt.
Absolute Gewalt hat er, müsst ihr wissen,
Krieg zu führen und Frieden zu schließen,
Geld und Gut kann er konfiszieren,
Kann henken lassen und pardonieren,
Offiziere kann er und Obersten machen,
Kurz, er hat alle die Ehrensachen.
Das hat er vom Kaiser eigenhändig.
Erster Arkebusier.
Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;
Aber er bleibt doch, schlecht und recht,
Wie wir alle, des Kaisers Knecht.
Wachtmeister.
Nicht, wie wir alle! Das wisst ihr schlecht.
Er ist ein unmittelbarer und freier
Des Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.
Sah ich’s etwa nicht selbst mit an,
Als ich zu Brandeis die Wach’ getan,
Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,
Zu bedecken sein fürstlich Haupt?
Erster Arkebusier.
Das war für das Mecklenburger Land,
Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.
Erster Jäger (zum
Wachtmeister).
Wie? In des Kaisers Gegenwart?
Das ist doch seltsam und sehr apart!
Wachtmeister (fährt in die
Tasche).
Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,
Sollt ihr’s mit Händen greifen und fassen.
(Eine Münze zeigend.)
Wes ist das Bild und Gepräg?
Marketenderin.
Weis’t her!
Ei, das ist ja ein Wallensteiner!
Wachtmeister.
Na! Da habt ihr’s, was wollt ihr mehr?
Ist er nicht Fürst so gut, als einer?
Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?
Hat er nicht eigenes Volk und Land?
Eine Durchlauchtigkeit lässt er sich nennen!
Drum muss er Soldaten halten können.
Erster Arkebusier.
Das disputiert ihm niemand nicht.
Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,
Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.
Trompeter.
Das leugn’ ich ihm, sieht er, ins Angesicht,
Wer uns nicht zahlt, das ist der Kaiser!
Hat man uns nicht seit vierzig Wochen
Die Löhnung immer umsonst versprochen?
Erster Arkebusier.
Ei was! Das steht ja in guten Händen.
Erster Kürassier.
Fried’, ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?
Ist denn darüber Zank und Zwist,
Ob der Kaiser unser Gebieter ist?
Eben drum, weil wir gern in Ehren
Seine tüchtigen Reiter wären,
Wollen wir nicht seine Herde sein,
Wollen uns nicht von den Pfaffen und schranzen
Herum lassen führen und verpflanzen.
Sagt’ selber! Kommt’s nicht dem Herrn zu gut,
Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
Wer anders macht ihn, als seine Soldaten,
Zu dem großmächtigen Potentaten?
Verschafft und bewahrt ihm weit und breit
Das große Wort in der Christenheit?
Mögen sich die sein Joch aufladen,
Die mitessen von seinen Gnaden,
Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.
Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer
Nichts als die Müh’ und als die Schmerzen,
Und wofür wir uns halten in unserm Herzen.
Zweiter Jäger.
Alle großen Tyrannen und Kaiser
Hielten’s so und waren viel weiser.
Alles andre täten sie hudeln und schänden!
Den Soldaten trugen sie auf den Händen.
Erster Kürassier.
Der Soldat muss ich können fühlen.
Wer’s nicht edel und nobel treibt,
Lieber weit von dem Handwerk bleibt.
Soll ich frisch um mein Leben spielen,
Muss mir noch etwas gelten mehr.
Oder ich lasse mich eben schlachten
Wie der Kroat – und muss mich verachten.
Beide Jäger.
Ja, übers Leben noch geht die Ehr!
Erster Kürassier.
Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,
Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.
Es grünt uns kein Halm, es wächst keine Saat
Ohne Heimat muss der Soldat
Auf dem Erdboden flüchtig schwärmen,
Darf sich an eignem Herd nicht wärmen,
Er muss vorbei and er Städte Glanz,
And es Dörfleins lustigen, grünen Auen,
Die Traubenlese, den Erntekranz
Muss er wandernd von Ferne schauen.
Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,
Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?
Etwas muss er sein eigen nennen,
Oder der Mensch wird morden und brennen.
Erster Arkebusier.
Das weiß Gott, ’s ist ein elend Leben!
Erster Kürassier.
Möcht’s doch nicht für ein andres geben.
Seht, ich bin weit in der Welt ’rum kommen,
Hab’ alles in Erfahrung genommen.
Hab’ der hispanischen Monarchie
Gedient und der Repbulik Venedig
Und dem Königreich Napoli;
Aber das Glück war mir nirgends gnädig.
Hab’ den Kaufmann gesehn und den Ritter
Und den Handwerksmann und den Jesuiter,
Und kein Rock hat mir unter allen
Wie mein eisernes Wamms gefallen.
Erster Arkebusier.
Will einer in der Welt was erjagen,
Mag er sich rühren und mag sich plagen;
Will er zu hohen Ehren und Würden,
Bück’ er sich unter die goldnen Bürden;
Will er genießen den Vatersegen,
Kinder und Enkelein um sich pflegen,
Treib’ er ein ehrlich Gewerb’ in Ruh.
Ich – ich hab’ kein Gemüt dazu.
Frei will ich leben und also sterben,
Niemand berauben und niemand beerben,
Und auf das Gehudel unter mir
Leicht wegschauen von meinem Tier.
Erster Jäger.
Bravo! Just so ergeht es mir.
Erster Arkebusier.
Lustiger freilich mag sich’s haben,
Über anderer Köpf’ wegtraben.
Erster Kürassier.
Kamerad, die Zeiten sind schwer,
Das Schwert ist nicht bei der Waage mehr;
Aber so mag mir’s keiner verdenken,
Dass ich mich lieber zum Schwert will lenken.
Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,
Aber nicht auf mir immer trommeln lassen.
Erster Arkebusier.
Wer ist dran Schuld, als wir Soldaten,
Dass der Nährstand in Schimpf geraten?
Der leidige Krieg und die Not und Plag
In die sechzehn Jahr’ schon währen mag.
Erster Kürassier.
Bruder, den lieben Gott da droben,
Es können ihn alle zugleich nicht loben.
Einer will die Sonn’, die den andern beschwert;
Dieser will’s trocken, was jener feucht begehrt;
Wo du nur die Not seihst und die Plag’,
Da schient mir des Lebens heller Tag;
Geht’s auf Kosten des Bürgers und Bauern,
Nun wahrhaftig, sie werden mich dauern;
Aber ich kann’s nicht ändern – seht,
’s ist hier just, wie’s beim Einhau’n geht:
Die Pferde schnauben und setzen an,
Liege wer will mitten in der Bahn,
Sei’s mein Bruder, mein leiblicher Sohn,
Zerriss mir die Seele sein Jammerton,
Über seinen Leib weg muss ich jagen,
Kann ihn nicht sachte bei Seite tragen.
Erster Jäger.
Ei, wer wird nach dem andern fragen!
Erster Kürassier.
Und weil sich’s nun einmal so gemacht,
Dass das Glück dem Soldaten lacht,
Lasst’s uns mit beiden Händen fassen,
Lang werden sie’s uns nicht so treiben lassen.
Der Friede wird kommen über Nacht,
Der dem Wesen ein Ende macht;
Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,
Eh man’s denkt, wird’s wieder das Alte sein.
Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
Wir haben’s Heft noch in der Hand.
Lassen wir uns auseinander sprengen,
Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.
Erster Jäger.
Nein! Das darf nimmermehr geschehn!
Kommt, lasst uns alle für einen stehn!
Zweiter Jäger.
Ja, lasst uns Abrede nehmen, hört!
Erster Arkebusier (ein
ledernes Beutelchen ziehend, zur Marketenderin).
Gevatterin, was hab’ ich verzehrt?
Marketenderin.
Ach, es ist nicht der Rede wert!
(Sie rechnen.)
Trompeter.
Ihr tut wohl, dass ihr weiter geht,
Verderbt uns doch nur die Sozietät.
(Arkebusiere gehen ab.)
Erster Kürassier.
Schad’ um die Leut’! Sind sonst wackre Brüder.
Erster Jäger.
Aber das denkt wie ein Seifensieder.
Zweiter Jäger.
Jetzt sind wir unter uns, lasst hören,
Wie wir den neuen Anschlag stören.
Trompeter.
Was? Wir gehen eben nicht hin.
Erster Kürassier.
Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!
Jeder geht jetzt zu seinem Korps,
Trägt’s den Kameraden vernünftig vor,
Dass sie’s begreifen und einsehn lernen.
Wir dürfen uns nicht so weit entfernen.
Für meine Wallonen sag’ ich gut.
So, wie ich, jeder denken tut.
Wachtmeister.
Terzka’s Regimenter zu Ross und Fuß
Stimmen alle in diesen Schluss.
Zweiter Kürassier (stellt sich
zum ersten).
Der Lombard sich nicht vom Wallonen trennt.
Erster Jäger.
Freiheit ist Jägers Element.
Zweiter Jäger.
Freiheit ist bei der Macht allein.
Ich leb’ und sterb’ bei dem Wallenstein.
Erster Scharfschütz.
Der Lothringer geht mit der großen Flut,
Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.
Dragoner.
Der Irländer folgt des Glückes Stern.
Zweiter Scharfschütz.
Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.
Erster Kürassier.
Also lasst jedes Regiment
Ein Pro Memoria reinlich schreiben:
Dass wir zusammen wollen bleiben,
Dass uns keine Gewalt noch List
Von dem Friedländer weg soll treiben,
Der ein Soldatenvater ist.
Das reicht man in tiefer Devotion
Dem Piccolomini – ich meine den Sohn –
Der versteht sich auf solche Sachen,
Kann bei dem Friedländer alles machen,
Hat auch einen großen Stein im Brett
Bei des Kaisers und Königs Majestät.
Zweiter Jäger.
Kommt! Dabei bleibt’s! Schlagt alle ein!
Piccolomini soll unser Sprecher sein.
Trompeter. Dragoner. Erster Jäger.
Zweiter Kürassier. Scharfschützen (zugleich).
Piccolomini soll unser Sprecher sein.
(Wollen fort.)
Wachtmeister.
Erst noch ein Gläschen, Kameraden!
(Trinkt.)
Des Piccolomini hohe Gnaden!
Marketenderin (bringt eine
Flasche).
Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb’ es gern.
Gute Verrichtung, meine Herrn!
Kürassier.
Der Wehrstand soll leben!
Beide Jäger.
Der Nährstand soll geben!
Dragoner und Scharfschützen.
Die Armee soll florieren!
Trompeter und Wachtmeister.
Und der Friedländer soll sie regieren!
Zweiter Kürassier
(singt).
Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
Ins Feld, in die Freiheit gezogen.
Im Felde, da ist der Mann noch was wert,
Da wird das Herz noch gewogen.
Da tritt kein anderer für ihn ein,
Auf sich selber steht er da ganz allein.
(Die Soldaten aus dem
Hintergrunde haben sich während des Gesangs herbeigezogen und machen den
Chor.)
Chor.
Da tritt kein anderer für ihn ein,
Auf sich selber steht er da ganz allein.
Dragoner.
Aus der Welt die Freiheit verschwundne ist,
Man sieht nur Herren und Knechte;
Die Falschheit herrschet, die Hinterlist,
Bei dem feigen Menschengeschlechte.
Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
Der Soldat allein ist der freie Mann.
Chor.
Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
Der Soldat allein ist der freie Mann.
Erster Jäger.
Des Lebens Ängsten, er wirft sie weg,
Hat nicht mehr zu fürchten, zu sorgen;
Er reitet dem Schicksal entgegen keck,
Trifft's heute nicht, trifft es doch morgen,
Und trifft es morgen, so lasset uns heut
Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
Chor.
Und trifft es morgen, so lasset uns heut
Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
(Die Gläser sind aufs neue
gefüllt worden, sie stoßen an und trinken.)
Wachtmeister.
Von dem Himmel fällt ihm sein lustig Los,
Braucht's nicht mit Müh' zu erstreben;
Der Fröhner, der sucht in der Erde Schoß,
Da meint er den Schatz zu erheben.
Er gräbt und schaufelt, so lang er lebt;
Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
Chor.
Er gräbt und schaufelt, so lang er lebt;
Und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
Erster Jäger.
Der Reiter und sein geschwindes Ross,
Sie sind gefürchtete Gäste.
Es flimmern die Lampen im Hochzeitschloss,
Ungeladen kommt er zum Feste,
Er wirbt nicht lange, er zeigt nicht Gold,
Im Sturm erringt er den Minnesold.
Chor.
Er wirbt nicht lange, er zeigt nicht Gold,
Im Sturm erringt er den Minnesold.
Zweiter Kürassier.
Warum weint die Dirn' und zergrämet sich schier,
Lass fahren dahin, lass fahren!
Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,
Kann treue Lieb' nicht bewahren.
Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
Seine Ruh lässt er an keinem Ort.
Chor.
Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort,
Seine Ruh läst er an keinem Ort.
Erster Jäger
(fasst die zwei nächsten an der Hand; die übrigen ahmen es nach; alle,
welche gesprochen, bilden einen großen Halbkreis).
Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt,
Die Brust im Gefechte gelüftet!
Die Jugend brauset, das Leben schäumt,
Frisch auf! Eh der Geist noch verdüftet!
Und setzet ihr nicht das Leben ein,
Nie wird euch das Leben gewonnen sein.
Chor.
Und setzet ihr nicht das Leben ein,
Nie wird euch das Leben gewonnen sein.
(Der Vorhang fällt, ehe der
Chor ganz ausgesungen.)
Ü
Þ |