Friedrich
Schiller

www.wissen-im-Netz.info

Werke - Gedichte

Homepage
   Literatur
      Schiller, Friedrich

         Werke
           
Gedichte

Der Pilgrim*

Noch in meines Lebens Lenze*
   War ich, und ich wandert’ aus,
Und der Jugend frohe Tänze
   Ließ ich in des Vaters Haus.

All mein Erbtheil, meine Habe
   Warf ich fröhlich glaubend hin,
Und am leichten Pilgerstabe*
   Zog ich fort mit Kindersinn.

Denn mich trieb ein mächtig Hoffen
   Und ein dunkles Glaubenswort,
Wandle, rief’s, der Weg ist offen,
   Immer nach dem Aufgang fort,

Bis zu einer goldnen Pforten
   Du gelangst, da gehst du ein,
Denn das Irdische wird dorten
   Himmlisch, unvergänglich seyn.

Abend ward’s und wurde Morgen,
   Nimmer, nimmer stand ich still;
Aber immer blieb’s verborgen,
   Was ich suche, was ich will.

Berge lagen mir im Wege,
   Ströme hemmten meinen Fuß.
Über Schlünde baut’ ich Stege,
   Brücken durch den wilden Fluß.

Und zu eines Stroms Gestaden
   Kam ich, der nach Morgen floß;
Froh vertrauend seinem Faden,
   Warf ich mich in seinen Schooß.

Hin zu einem großen Meere
   Trieb mich seiner Wellen Spiel;
Vor mir liegt’s in weiter Leere,
   Näher bin ich nicht dem Ziel.

Ach, kein Steg will dahin führen,
   Ach, der Himmel über mir
Will die Erde nie berühren,
   Und das Dort ist niemals Hier!


Bemerkungen

Mehr Informationen zu diesem Gedicht finden Sie im Lexikon.

 
Google
© 1999-2007 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.