Friedrich
Schiller

www.wissen-im-Netz.info

Werke - Gedichte

Homepage
   Literatur
      Schiller, Friedrich

         Werke
           
Gedichte

Nadowessiers Totenlied 1

Seht, da sitzt er auf der Matte,
   Aufrecht sitzt er da,
Mit dem Anstand, den er hatte,
   Als er’s Licht noch sah.

Doch wo ist die Kraft der Fäuste,
   Wo des Athems Hauch,
Der noch jüngst zum großen Geiste
   Blies der Pfeife Rauch?

Wo die Augen, falkenhelle,
   Die des Rennthiers Spur
Zählten auf des Grases Welle,
   Auf dem Thau der Flur?

Diese Schenkel, die behender
   Flohen durch den Schnee,
Als der Hirsch, der Zwanzigender,
   Als des Berges Reh?

Diese Arme, die den Bogen
   Spannten streng und straff?
Seht, das Leben ist entflogen!
   Seht, sie hängen schlaff!

Wohl ihm, er ist hingegangen,
   Wo kein Schnee mehr ist,
Wo mit Mais die Felder prangen,
   Der von selber sprießt;

Wo mit Vögeln alle Sträuche,
   Wo der Wald mit Wild,
Wo mit Fischen alle Teiche
   Lustig sind gefüllt.

Mit den Geistern speist er droben,
   Ließ uns hier allein,
Daß wir seine Thaten loben
   Und ihn scharren ein.

Bringet her die letzten Gaben,
   Stimmt die Todtenklag’!
Alles sey mit ihm begraben,
   Was ihn freuen mag.

Legt ihm unters Haupt die Beile,
   Die er tapfer schwang,
Auch des Bären fette Keule,
   Denn der Weg ist lang;

Auch das Messer scharf geschliffen,
   Das vom Feindeskopf
Rasch mit drei geschickten Griffen
   Schälte Haut und Schopf;

Farben auch, den Leib zu malen,
   Steckt ihm in die Hand,
Daß er rötlich möge strahlen
   In der Seelen Land.


Bemerkungen

Mehr Informationen zu diesem Gedicht finden Sie im Lexikon.

1 Frühere Überschrift: Nadowessische Totenklage. ^

 
Google
© 1999-2007 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.