Friedrich
Schiller

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Gedichte

Das Geheimnis

Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,
   Zu viele Lauscher waren wach;
Den Blick nur durft’ ich schüchtern fragen,
   Und wohl verstand ich, was er sprach.
Leis komm’ ich her in deine Stille,
   Du schön belaubtes Buchenzelt,
Verbirg in deiner grünen Hülle
   Die Liebenden dem Aug’ der Welt!

Von ferne mit verworrnem Sausen
   Arbeitet der geschäft’ge Tag,
Und durch der Stimmen hohles Brausen
   Erkenn’ ich schwerer Hämmer Schlag.
So sauer ringt die kargen Loose
   Der Mensch dem harten Himmel ab;
Doch leicht erworben, aus dem Schooße
   Der Götter fällt das Glück herab.

Daß ja die Menschen nie es hören,
   Wie treue Lieb’ uns still beglückt!
Sie können nur die Freude stören,
   Weil Freude nie sie selbst entzückt.
Die Welt wird nie das Glück erlauben,
   Als Beute wird es nur gehascht;
Entwenden mußt du’s oder rauben,
   Eh dich die Mißgunst überrascht.

Leis auf den Zehen kommt’s geschlichen,
   Die Stille liebt es und die Nacht;
Mit schnellen Füßen ist’s entwichen,
   Wo des Verräthers Auge wacht.
O schlinge dich, du sanfte Quelle,
   Ein breiter Strom um uns herum,
Und drohend mit empörter Welle
   Vertheidige dies Heiligthum!


Bemerkungen

Mehr Informationen zu diesem Gedicht finden Sie im Lexikon.

 
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