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Erste Szene

Juno (steigt aus ihrem Wagen von einer Wolke umgeben).
Hinweg den geflügelten Wagen,
Pfauen Junos, erwartet mein
Auf Cithärons wolkigtem Gipfel.
         (Wagen und Wolke verschwinden.)
H, sei gegrüßt, Haus meines grauen Zornes!
Sei grimmig mir gegrüßt, feindselig Dach,
Verhasstes Pflaster! - Hier also die Stätte,
Wo wider meinen Torus Jupiter
Im Angesicht des keuschen Tages frevelt!
Hier, wo ein Weib sich, eine Sterbliche,
Erfrecht, ein staubgebildetes Geschöpf,
Den Donnerer aus meinem Arm zu schmeicheln,
An ihren Lippen ihn gefangen hält!
Juno! Juno! Einsam
Stehst Du, stehst verlassen
Auf des Himmels Thron!
Reichlich dampfen Dir Altäre,
Und Dir beugt sich jedes Knie.
Was ist ohne Liebe Ehre?
Was der Himmel ohne sie?

Wehe, Deinen Stolz zu beugen,
Musste Venus aus dem Schaume steigen!
Götter betörte,
Menschen und Götter ihr zaubrischer Blick!
Wehe, Deinen Gram zu mehren,
Musst' Hermione gebären,
Und vernichtet ist Dein Glück!

Bin ich nicht Fürstin der Götter?
Nicht Schwester des Donnerers,
Nicht die Gattin des herrschenden Zeus?
Ächzen nicht die Achsen des Himmels
Meinem Gebot? Umrauscht nicht mein Haupt die olympische Krone?
Ha, ich fühle mich!
Kronos' Blut in den unsterblichen Adern,
Königlich schwillet mein göttliches Herz.
Rache! Rache!
Soll sie mich ungestraft schmähen?
Ungestraft unter die ewigen Götter
Werfen den Streit, und die Eris rufen
IN den fröhlichen himmlischen Saal?
Eitle! Vergessene!
Stirb und lerne am stygischen Strom
Göttliches unterscheiden von irdischem Staub!
Deine Riesenrüstung mag Dich erdrücken,
Nieder Dich schmettern
Deine Göttersucht!

Rachegepanzert
Steig' ich vom hohen Olympus herab.
Süße, verstrickende,
Schmeichelnde Reden
Hab' ich ersonnen;
Tod und Verderben
Lauren darin.

Horch, ihre Tritte!
Sie naht!
Naht dem Sturz, dem gewissen Verderben!
Verhülle Dich, Gottheit, in sterblich Gewand!
         (Sie geht ab.)

Semele (ruft in die Szene).
Die Sonne neigt sich schon! Jungfrauen, eilt,
Durchwürzt den Saal mit süßen Ambradüften,
Streut Rosen und Narzissen rings umher,
Vergesst auch nicht das goldgewebte Polster --
Er kommt noch nicht - die Sonne neigt sich schon -

Juno (In Gestalt einer Alten hereinstürzend).
Sollt' seien die Götter, meine Tochter!

Semele.
Ha! Wach' ich? Träum' ich? Götter! Beroe!

Juno.
Sollt' ihre alte Amme Semele
Vergessen haben?

Semele.
Beroe! Beim Zeus!
Lass an mein Herz Dich drücken - Deine Tochter!
Du lebst? Was führt von Epidaurus Dich
Hieher zu mir? Wie lebst Du? Du bist doch
Noch immer meine Mutter?

Juno.
Deine Mutter!
Eh' nanntest Du mich so.

Semele.
Du bist es noch,
Wirst's bleiben, bis von Lethe's Taumeltrank
Ich trunken bin.

Juno.
Bald wird wohl Beroe
Vergessenheit aus Lethe's Wellen trinken;
Die Tochter Kadmus trintk vom Lethe nicht.

Semele.
Wie, meine Gute? Rätselhaft war sonst
NIe Deine Rede, nie geheimnisvoll;
Der Geist der grauen Haare spricht aus Dir;
Ich werde, sagst Du, Lethe's Trank nicht kosten.

Juno.
So sagt' ich, ja! Was aber spottest Du
Der grauen Haare? - Freilich haben sie
Noch keinen Gott bestricket, wie die blonden.

Semele.
Verzeih' der Unbesonnenen! Wie wollt' ich
Der grauen Haare spotten? WErden wohl
Die meinen ewig blond vom Nacken fließen?
Was aber war's, das zwischen Deinen Zähnen
Du murmeltest? - Ein Gott?

Juno.
Sagt' ich, ein Gott?
Nun ja, die Götter wohnen überall!
Sie anzuflehn steht schwachen Menschen schön.
Die Götter sind, wo Du bist - Semele;
Was fragst Du mich?

Semele.
Boshaftes Herz! Doch sprich:
Was führte Dich von Epidaurus her?
Das doch wohl nicht, dass gern die Götter wohnen
Um Semele?

Juno.
Beim Jupiter, nur das!
Welch Feuer fuhr in Deinen Wangen auf,
Als ich das Jupiter aussprach? - Nichts anders
Als jenes, meine Tochter - Schrecklich rast
Die Pest zu Epidaurus, tötend Gift
Ist jeder Hauch, und jeder Atem würget;
Den Sohn verbrennt die Mutter, seine Braut
Der Bräutigam, die feuerflammenden
Holzstöße machen Tag aus Mitternacht,
Und Klagen heulen rastlos in die Luft;
Unüberschwänglich ist das Weh! - Entrüstet
Blickt Zeus auf unser armes Volk herab;
Vergebens strömt ihm Opferblut, vergebens
Zermartert am Altar seine Knie
Der Priester, taub ist unserm Flehn sein Ohr -
Drum sandt' zu Kadmus' Königstochter mich
Mein wehbelastet Vaterland, ob ich
Von ihr erbitten könnte, seinen Grimm
Von uns zu wenden - Beroe, die Amme,
Gilt viel, gedachten sie, bei Semele - bei Zeus
Gilt Semele so viel - mehr weiß ich nicht,
Versteh' noch weniger, was sie damit
Bedeuten: Semele vermag bei Zeus so viel.

Semele (heftig und vergessen).
Die Pest wird morgen weichen - sag's dem Volk!
Zeus liebt mich! Sag's! Heut' muss die Pest noch weichen!

Juno (auffahrend, mit Staunen).
Ha! Ist es wahr, was tausendzüngiges Gerücht
Vom Ida bis zum Hämus hat geplaudert?
Zeus liebt Dich? Zeus grüßt Dich in aller Pracht,
Worin des Himmels Bürger ihn bestaunen,
Wenn in Saturnia's Umarmungen er sinkt? -
Lasst, Götter, lasst die grauen Haare nun
Zum Orkus fahren - satt hab' ich gelebt -
In seiner Götterpracht steigt Kronos großer Sohn
Zu ihr, zu ihr, die einst an dieser Brust
Getrunken hat - zu ihr -

Semele.
O Beroe! Er kam,
Ein schöner Jüngling, reizender, als keiner,
Als Hesperus, wenn er balsamisch haucht,
In Ätherflut die Glieder eingetaucht,
Voll Ernst sein Gang und majestätisch, wie
Hyperions, wenn Köcher, Pfeil' und Bogen
Die Schultern niederschwirren, wie
Vom Ozean sich heben Silberwogen,
Auf Maienlüften hinten nach geflogen
Sein Lichtgewand, die Stimme Melodie,
Wie Silberklang aus fließenden Kristallen -
Entzückender, als Orpheus' Saiten schallen -

Juno.
Ha, meine Tochter! - Die Begeisterung
Erhebt Dein Herz zum helikon'schen Schwung!
Wie muss das Hören sein! Wie himmelvoll das Blicken!
Wenn schon die sterbende Erinnerung
Von hinnen rückt in delphischem Entzücken? -
Wie aber? Schweigst Du mir
Das Kostbarste? Kronions höchste Zier,
Die Majestät auf roten Donnerkeilen,
Die durch zerriss'ne Wolken eilen,
Willst Du mir geizig schweigen? - Liebereiz
Mag auch Prometheus und Deukalion
Verliehen haben - Donner wirft nur Zeus!
Die Donner, die zu Deinen Füßen
Er niederwarf, die Donner sind es nur,
Die zu der Herrlichsten auf Erden Dich gemacht. -

Semele.
Wie, was sagst Du? Hier ist von keinen Donnern
Die Rede. -

Juno (lächelnd).
Semele! Auch Scherzen steht Dir schön!

Semele.
So himmlisch, wie mein Jupiter, war noch
Kein Sohn Deukalions - von Donnern weiß ich nichts!

Juno.
Fi! Eifersucht!

Semele.
Nein, Beroe! Beim Zeus!

Juno.
Du schwörst?

Semele.
Beim Zeus! Bei meinem Zeus!

Juno (schreiend).
Du schwörst?
Unglückliche!

Semele (ängstlich).
Wie wird Dir? Beroe!

Juno.
Sprich's noch einmal, das Wort, das zur Elendesten
Auf Tellus ganzem großen Rund Dich macht! -
Verlorene! das war nicht Zeus!

Semele.
Nicht Zeus?
Abscheuliche!

Juno.
Ein listiger Betrüger
Aus Attika, der unter Gottes Larve
Dir Ehre, Scham und Unschuld wegbetrog! -
         (Semele sinkt um.)
Ja, stürz' nur hin! Steh' ewig niemals auf!
Lass ew'ge Nacht Dein Licht verschlingen, lass
UM Dein Gehör sich lagern ew'ge Stille!
Bleib' ewig hier, ein Felsenzacken, kleben! -
O Schande! Schande! Di eden keuschen Tag
Zurück in Hekate's Umarmung schlendert!
So, Götter! Götter! So muss Beroe
Nach sechzehn schwer durchlebten Trennungsjahren
Die Tochter Kadmus' wiedersehn! - Frohlockend
Zog ich von Epidaurus her; mit Scham
Muss ich zurück nach Epidaurus kehren! -
Verzweiflung bring' ich mit! O Jammer! O mein Volk!
Die Pest mag ruhig bis zur zwoten Überschwemmung
Fortwüten, mag mit aufgebäumten Leichen
Den Oeta übergipfeln, mag
Ganz Griechenland in ein Gebeinhaus wandeln,
Eh' Semele den Grimm der Götter beugt.
Betrogen ich und Du und Griechenland und Alles!

Semele (richtet sich zitternd auf und streckt einen Arm nach ihr aus).
O meine Beroe!

Juno.
Ermuntre Dich, mein Herz!
Vielleicht ist's Zeus! Wahrscheinlich doch wohl nicht!
Vielleicht ist's dennoch Zeus! Jetzt müssen wir's erfahren!
Jetzt muss er sich enthüllen, oder Du
Fliehst ewig seine Spur, gibst den Abscheulichen
Der ganzen Todesrache Thebens preis. -
Schau, teure Tochter, auf - schau Deiner Beroe
Ins Angesicht, das sympathetisch Dir
Sich öffnet - wollen wir ihn nicht
Versuchen, Semele?

Semele.
Nein, bei den Göttern!
Ich würd' ihn dann nicht finden -

Juno.
Würdest Du
Wohl minder elend sein, wenn Du in bangen Zweifeln
Fortschmachtetest - und wenn er's dennoch wäre -

Semele (verbirgt das Haupt in Junos Schoß)
Ach! Er ist's nicht!

Juno.
Und sich in allem Glanz,
Worin ihn der Olympus je gesehn,
Dir sichtbar stellte? - Semele! Wie nun?
Dann sollte Dich's gereuen, ihn versucht
Zu haben?

Semele (auffahrend).
Ha! Enthüllen muss er sich!

Juno (schnell).
Eh' darf er nicht in Diene Arme sinken -
Enthüllen muss er sich - Drum höre, gutes Kind!
Was Dir die redlich treue Amme rät,
Was Liebe mir itzt zugelispelt, Liebe
Vollbringen wird - sprich, wird er bald erscheinen?

Semele.
Eh noch Hyperion in Tethys' Bette steigt,
Versprach er zu erscheinen -

Juno (vergessen, heftig)
Wirklich? Ha!
Versprach er? Heut' schon wieder? (Fasst sich.) Lass ihn kommen,
Und wenn er eben liebestrunken nun
Die Arme auseinander schlingt nach Dir,
So trittst Du - merk' Dir's - wie vom Blitz
Gerührt, zurück. Ha! Wie er staunen wird!
Nicht lange lässest Du, mein Kind, ihn staunen;
Du fährst so fort, mit frost'gen Eisesblicken
Ihn wegzustoßen - wilder, feuriger
Bestürmt er Dich - die Sprödigkeit der Schönen
Ist nur ein Damm, der einen Regenstrom
Zurückepresst, und ungestümer prallen
Die Fluten an - Itzt hebst Du an zu weinen -
Giganten mocht' er stehn, mocht' ruhig niederschaun,
Wenn Typheus' hundertarmiger Grimm
Den Ossa und Olymp nach seinem Erbthron jagte -
Die Tränen einer Schönen fällen Zeus -
Du lächelst? - Gelt! Die Schülerin
Ist weiser hier als ihre Meisterin? -
Nun bittest Du den Gott, Dir eine kleine, kleine,
Unschuld'ge Bitte zu gewähren, die
Dir seine Lieb' und Gottheit siegeln sollte -
Er schwört's beim Styr! - Der Styr hat ihn gebannt!
Entschlüpfen darf er nimmermehr! Du sprichst:
"Eh' sollst du diesen Leib nicht kosten, bis
In aller Kraft, worin Dich Kronos' Tochter
Umarmt, Du zu der Tochter Kadmus' steigest!"
Lass Dich's nicht schrecken, Semele, wenn er
Die Grauen seiner Gegenwart, die Feuer,
Die um ihn krachen, Dir die Donner, die
Den Kommenden umrollen, zu Popanzen
Aufstellen wird, den Wunsch Dir zu entleiden:
Das sind nur leere Schrecken, Semele, -
Die Götter tun mit dieser herrlichsten
Der Herrlichkeiten gegen Menschen karg -
Beharre Du nur starr auf Deiner Bitte,
Und Juno selbst wird neidisch auf Dich schielen.

Semele
Die Hässliche mit ihren Ochsenaugen!
Er hat mir's oft im Augenblick der Liebe
Geklagt, wie sie mit ihrer schwarzen Galle
Ihn martere -

Juno (ergrimmt, verlegen bei Seite).
Ha! Wurm! Den Tod für diesen Hohn!

Semele.
Wie? Meine Beroe! - Was hast Du das gemurmelt?

Juno (verlegen).
Nichts - meine Semele! Die schwarze Galle quält
Auch mich - ein scharfer, strafender Blick
Muss oft bei Buhlenden für schwarze Galle gelten -
Und Ochsenaugen sind so wüste Augen nicht.

Semele.
O pfui doch, Beroe! Die garstigsten,
Die je in einem Kopfe stecken können!
Und noch dazu die Wangen gelb und grün,
Des gift'gen Neides sichtbarliche Strafe -
Mich jammert Zeus, dass ihn die Keiferin
Mit ihrer ekelhaften Liebe keine Nacht
Verschont und ihren eifersücht'gen Grillen,
Das muss Ixions Rad im Himmel sein.

Juno (in der äußersten Verwirrung und Wut auf und ab rasend).
Nichts mehr davon!

Semele.
Wie, Beroe! So bitter?
Hab' ich wohl mehr gesagt als wahr ist, mehr
Als klug ist? -

Juno.
Mehr hast Du gesagt
Als wahr ist, mehr als klug ist, junges Weib!
Preis' Dich beglückt, wenn Deine blauen Augen
Dich nicht zu früh in Charons Nachen lächeln!
Saturnia hat auch Altär' und Tempel
Und wandelt unter Sterblichen - Die Göttin
Rächt nichts so sehr als höhnisch Nasenrümpfen.

Semele.
Sie wandle hier und sei des Hohnes Zeugin!
Was kümmert's mich? Mein Jupiter beschützt
Mir jedes Haar, was kann mir Juno leiden?
Doch lass uns davon schweigen, Beroe!
Zeus muss mir heute noch in seiner Pracht erscheinen,
Und wenn Saturnia darob den Pfad
Zum Orkus finden sollte -

Juno (beiseit).
Diesen Pfad
Wird eine Andre wohl noch vor ihr finden,
Wenn je ein Blitz Kronions trifft! -
         (Zu Semele.)
Ja, Semele, sie mag vor Neid zerbersten,
Wenn Kadmus' Tochter, Griechenland zur Schau,
Hoch im Triumph zum Olympus steigt! -

Semele (leichtfertig lächelnd).
Meinst Du,
Man werd' in Griechenland von Kadmus' Tochter hören?

Juno.
Ha! Ob man auch Sidon bis Athen
Von einem andern hört! Semele!
Götter, Götter werden sich vom Himmel neigen,
Götter vor Dir niederknien,
Sterbliche in demutsvollem Schweigen
Vor des Riesentöters Braut sich beugen
Und in zitternder Entfernung - -

Semele (frisch aufhüpfend, ihr um den Hals fallend).
Beroe!

Juno.
         Ewigkeiten - grauen Welten
         Wird's ein weißer Marmor melden:
         Hier verehrt' man Semele!
         Semele, der Frauen schönste,
         Die den Donnerschleuderer
         Vom Olymp zu ihren Küssen
         In den Staub herunter zwang.
Und auf Fama's tausendfach rauschenden Flügeln
Wird's von Meeren schallen und brausen von Hügeln -

Semele (außer sich).
Pythia! Apollo! - Wenn er doch
Nur erschiene!

Juno.
Und auf dampfenden Altären
Werden sie Dich göttlich ehren.

Semele (begeistert).
         Und erhören will ich sie!
         Seinen Grimm mit Bitten söhnen,
         Löschen seinen Blitz in Tränen!
Glücklich, glücklich machen will ich sie!

Juno (vor sich).
Armes Ding. Das wirst Du nie -
         (Nachdenkend.)
Wald zerschmilzt - - - doch - garstig mich zu heißen! -
Nein! Das Mitleid in den Tartarus'
         (Zu Semele.)
Flieh' nur! Flieh' nur, meine LIebe,
Dass Dich Zeus nicht merke! Lass ihn lange
Deiner harren, dass er feuriger
Nach Dir schmachte -

Semele.
Beroe! Der Himmel
Hat erkoren Dich zu seiner Stimme!
Ich Glücksel'ge! Vom Olympus neigen
Werden sich die Götter, vor mir niederknien
Sterbliche in demutsvollem Schweigen - -
Lass nur - lass - ich muss von hinnen fliehn!
         (Eilig ab.)

Juno (siegjauchzend ihr nachblickend).
Schwaches, stolzes, leicht betrognes Weib!
Fressendes Feuer seine schmachtenden Blicke,
Seine Küsse Zermalmung, Gewittersturm
Seine Umarmung Dir! - Menschliche Leiber
Mögen nicht ertragen die Gegenwart
Deß, der die Donner wirft! - Ha!
         (In rasender Entzückung.)
Wenn nun ihr wächserner sterblicher Leib
Unter des Feuertriefenden Armen
Niederschmilzt, wie vor der Sonne Glut
Flockigter Schnee - der Meineidige,
Statt der sanften, weicharmigten Braut,
Seine eignen Schrecken umhalst - wie frohlockend dann
Will ich herüber vom Cithäron weiden mein Auge,
Rufen herüber, dass in der Hand ihm der Donnerkeil
Niederbebt! Pfui doch! Umarme
Nicht so unsanft, Saturnius!
         (Sie eilt davon.)

(Symphonie.)

Ü   Þ

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