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Dritter Aufzug

Ein Zimmer.

Erster Auftritt

Banquo allein.

Du hast's nun! Glamis! Cawdor! König! Alles,
Wie es die Zauberschwestern dir verhießen.
Ich fürchte sehr, du hast ein schändlich Spiel
Darum gespielt. – Und doch ward prophezeit,
Es sollte nicht bei deinem Hause bleiben,
Ich aber sollte der beglückte Stifter,
Die Wurzel eines Königsstammes sein.
Wenn Wahrheit kommen kann aus solchem Munde –
Und der erfüllte Gruß an dich beweist's –
Wie sollten sie nicht eben sowohl mein
Orakel sein, wie deins, und mich zur Hoffnung
Anfrischen? Aber still! Nichts mehr davon!


Zweiter Auftritt

Trompeten.

Macbeth als König. Lady Macbeth. Rosse. Angus. Lenox. Banquo. Gefolge.

Macbeth.
Sieh da! Hier ist der Erste unsrer Gäste!

Lady.
Blieb’ er hinweg, so war gleichsam ein Riss
In unserm Feste, und die Krone fehlt’ ihm.

Macbeth.
Banquo! Wir geben diese Nacht ein festlich Mahl,
Und bitten euch um eure Gegenwart.

Banquo.
Nach meines Herrn Befehl, dem zu gehorchen
Mir heil’ge Pflicht ist.

Macbeth.
Ihr verreist heut?

Banquo.
Ja, Sire!

Macbeth.
Sonst hätten wir uns euern Rat,
Der stets so weis’ als glücklich war, in heutiger
Versammlung ausgebeten. Doch das kann auch ruhn
Bis morgen. Geht die Reise weit?

Banquo.
So weit,
Dass alle Zeit von jetzt zum Abendessen
Drauf gehen wird. Tut nicht mein Pferd sein Bestes,
Werd’ ich in der Nacht verschuldet werden müssen
Für eine dunkle Stunde oder zween.

Macbeth.
Fehlt ja nicht bei dem Fest!

Banquo.
Gewisslich nicht.

Macbeth.
Wir hören, unsre blut’gen Vettern sind
Nach Engelland und Irland, leugnen dort
Frech ihren gräuelvollen Mord und füllen
Mit seltsamen Erdichtungen die Welt.
Doch hievon morgen nebst dem andern, was
Den Staat betrifft und unsre Sorgen heischt.
Lebt wohl bis auf de Nacht! Geht Fleance mit euch?

Banquo.
Ja, Sire! Wir können länger nicht verweilen –

Macbeth.
So wünsch’ ich euren Pferden Schnelligkeit
Und sichre Füße! Lebet wohl!

(Banquo geht ab. Zu den andern.)

Bis Anbruch
Der Nacht sei jedermann Herr seiner Zeit.
Die Freuden der Gesellschaft desto besser
Zu schmecken, bleiben wir bis dahin selbst
Für uns allein. Und damit Gott befohlen!

(Lady und Lords gehen ab.)


Dritter Auftritt

Macbeth zurückbleibend.

Macbeth (zu einem Bedienten).
Hört, Freund! Sind jene Männer bei der Hand?
Ja, Sire! Sie warten draußen vor dem Schlosstor.

Macbeth.
Führ’ sie herein.

(Bedienter ab.)

So weit sein, ist noch nichts;
Doch, es mit Sicherheit zu sein!
Vor diesem Banquo haben wir zu zittern.
In seiner königlichen Seele herrscht
Dasjenige, was sich gefürchtet macht.
Vor nichts erschreckt sein Mut, und dieser kecken
Entschlossenheit wohnt eine Klugheit bei,
Die ihm zum Führer dient und seine Schritte
Versichert. Ihm allein, sonst keinem fürcht’ ich.
Ihm gegenüber wird mein Geist gezüchtigt,
Wie Mare Antons vor Cäsars Genius.
Er schalt die Zauberschwestern, da sie mich
Zuerst begrüßten mit dem Königstitel,
Und forderte sie auf, zu ihm zu reden;
Und darauf grüßten sie prophetisch ihn
Den Vater einer königlichen Reihe!
Auf meine Stirne setzten sie
Nur eine unfruchtbare Krone, gaben
Mir einen dürren Szepter in die Hand,
Damit er einst von fremden Händen mir
Entwunden werde! Ist’s an dem, so hab’ ich
Für Banquo’s Enkelkinder mein Gewissen
Befleckt, für sie den gnadenreichen Duncan
Erwürgt, für sei – allein für sie – auf ewig
Den Frieden meiner Seele hingemordet
Und mein unsterbliches Juwel dem all-
Gemeinen Feind der Menschen hingeopfert,
Um sie zu Königen zu machen! Banquo’s
Geschlecht zu Königen! Eh dies geschieht,
Eh komme du, Verhängnis, in die Schranken
Und lass uns kämpfen bis aufs Blut!

(Bedienter kommt mit den Mördern.)

Wer ist da?
Geh vor die Tür und warte, bis wir rufen.


Vierter Auftritt

Macbeth. Zwei Mörder.

Macbeth.
War es nicht gestern, dass ich mit euch sprach?

Die Mörder.
Ja, königlicher Herr!

Macbeth.
Nun? Habt ihr meinen Reden nachgedacht?
Ihr wisst nun, dass es Banquo war, der euch
In vor’gen Zeiten so im Weg gestanden.
Ihr gabet fälschlich mir die Schuld! Doch aus
Der letzten Unterredung, die wir führten,
Habt ihr es sonnenklar erkannt, wie schändlich
Man euch betrog –

Erster Mörder.
Ja, Herr! Ihr überzeugtet uns.

Macbeth.
Das tat ich.
Nun auf den andern Punkt zu kommen. Sagt,
Seid ihr so lämmerfromm, so taubenmäßig
Geartet, dass ihr solches ungeahndet
Könnt hingehn lassen? So versöhnlichen Gemüts,
Dass ihr für diesen Banquo beten könnt,
Des schwere Hand euch und die eurigen
In Schande stürzte und zu Bettlern machte?

Erster Mörder.
Mein König, wir sind Männer!

Macbeth.
Ja, ja, ihr lauft so auf der Liste mit!
Die Dachs und Windspiel alle Hunde heißen;
Die eigne Rasse aber unterscheidet
Den schlauen Spürer, den getreuen Wächter,
Den flücht’gen Jäger. So auch mit den Menschen.
Doch wenn ihr wirklich Männer seid und zwar
An echter Mannheit nicht die allerletzten,
So zeigt es jetzo! Rächet euch und mich
An einem Feinde, der uns gleich verhasst ist.

Erster Mörder.
Ich bin ein Mann, Sire, den die harten Stöße
Der Welt so aufgebracht, dass ich bereit bin,
Der Welt zum Trotze jegliches zu wagen.

Zweiter Mörder.
Und mir, mein König, hat das falsche Glück
So grausam mitgespielt, dass ich mein Schicksal
Verbessern oder gar nicht leben will.

Macbeth.
Ihr wisset also, euer Feind war Banquo.

Die Mörder.
Ja, Sire!

Macbeth.
Er ist auch meiner, und er ist’s
Mit solchem blutig unversöhnten Hass,
Dass jeder Augenblick, der seinem Leben
Zuwächst, das meine mir zu rauben droht.
Zwar steht’s in meiner königlichen Macht,
Ihn, ohne alle andre Rechenschaft,
Als meinen Willen, aus der Welt zu schaffen;
Doch darf ich’s nicht um ein’ger Freunde willen,
Die auch die seinen sind, und deren Gunst
Ich ungern in die Schanze schlüge! Ja,
Die Klugheit will es, dass ich den beweine,
Auf den ich selbst den Streich geführt! Darum
Bedarf ich eures Arms zu dieser Tat,
Die ich aus ganz besonders wicht’gen Gründen
Dem öffentlichen Aug’ verbergen muss.

Erster Mörder.
Mein König, wer erwarten deinen Wink.

Zweiter Mörder.
Und wenn auch unser Leben –

Macbeth.
Eure Kühnheit blitzt
Aus euch hervor. Der Feind, von dem wir reden,
Wird diesen Abend hier zurück erwartet.
Im nächsten Holze kann die Tat geschehen,
Doch etwas fern vom Schloss, versteht ihr wohl,
Dass kein Verdacht auf mich geleitet werde.
Zugleich mit ihm muss, um nichts halb zu tun,
Auch Fleance, sein Sohn, der bei ihm ist,
An dessen Untergange mir nicht minder
Gelegen ist, als seinem eignen – hört ihr?
Das Schicksal dieser finstern Stunde teilen.
Habt ihr verstanden?

Mörder.
Wohl! Wir sind entschlossen,
Mein König!

Macbeth.
Nun, so geht auf euren Posten,
Vielleicht stößt noch der dritte Mann zu euch,
Dass nichts dem Zufall überlassen bleibe!

(Die Mörder gehen ab.)

Beschlossen ist’s! Banquo, erwartest du,
Zum Himmel einzugehn, siegst du ihm heut noch zu!


Fünfter Auftritt

Lady Macbeth. Macbeth.

Lady.
Wie, mein Gemahl? Warum so viel allein?
Was kann es helfen, dass ihr eure Träume
Zur traurigen Gesellschaft wählt und mit
Gedanken sprecht, die dem, an den sie denken,
Ins nicht’ge Grab hinab gefolgt sein sollten?
Auf Dinge, die nicht mehr zu ändern sind,
Muss auch kein Blick zurück mehr fallen! Was
Getan ist, ist getan und bleibt’s.

Macbeth.
Wir haben
Die Schlange nur verwundet, nicht getötet;
Sie wird zuheilen und dieselbe sein
Aufs neue; unser machtlos feiger Grimm
Wird, nach wie vor, vor ihrem Zahn erzittern.
Doch ehe soll der Dinge feste Form
Sich lösen, ehe mögen beide Welten
Zusammenbrechen, eh wir unser Brot
Mit Zittern essen und uns fernerhin
In ängstlich bangen Schreckensträumen wälzen.
Weit besser wär’ es, bei den Toten sein,
Die wir zur Ruh geschickt, uns Platz zu machen,
Als fort und fort in ruheloser Qual
Auf dieser Folterbank der Todesfurcht
Zu liegen. – Duncan ist in seinem Grabe,
Sanft schläft er auf des Lebens Fieberangst.
Verräterbosheit hat ihr Äußerstes
An ihm getan! Nun kann nicht Stahl noch Gift,
Nicht Krieg von außen, nicht Verräterei
Von innen, nichts den Schläfer mehr berühren!

Lady.
Kommt, kommt, mein König, mein geliebter Herr,
Klärt eure finstern Blicke auf! Seid heiter
Und hell heut’ Abend unter euren Gästen!

Macbeth.
Das will ich, liebes Weib! Und sei du’s auch
Und spare nicht die glatte Schmeichelrede.
Noch heischt’s die Zeit, dass wir uns unsers Ranges
Entäußern, zu unwürdiger Liebkosung
Heruntersteigen, unsrer Angesicht
Zur schönen Larve unsrer Herzen machen.

Lady.
Lasst das!

Macbeth.
O angefüllt mit Skorpionen
Ist meine Seele! Teures Weib, du weißt,
Noch lebet Banquo und sein Sohn!

Lady.
Doch keinem gab
Natur das Vorrecht der Unsterblichkeit.

Macbeth.
Das ist mein Trost, dass sie zerstörbar sind!
Drum guten Muts! Eh noch die Fledermaus,
Den ungesell’gen Flug beginnt, eh auf
Der bleichen Hekate der Käfer,
Im hohlen Baum erzeugt, die müde Nacht
Mit seinem schläfrigen Gesums einläutet,
Soll eine Tat von furchtbarer Natur
Vollzogen sein.

Lady.
Was soll geschehn?

Macbeth.
Sei lieber schuldlos durch Unwissenheit,
Mein trautes Weib, bis zu der fert’gen Tat
Zujauchzen kannst. – Steig’ nieder, blinde Nacht,
Des Tages zärtlich Auge schließe zu!
Mit deiner unsichtbaren blut’gen Hand
Durchstreiche, reiß’ in Stücken diesen großen
Schuldbrief, der auf mir lastend mich so bleicht!
– Schon sinkt der Abend, und die Krähe fliegt
Dem Dohlen wimmelnden Gehölze zu!
Einnicken alle freudigen Geschöpfe
Des Tags, indes die schwarzen Hausgenossen
Der traur’gen Nacht auf ihren Raub ausgehen.
Du kannst ob meiner Rede! Doch sei ruhig!
Was blutig anfing mit Verrat und Mord,
Das setzt sich nur durch blut’ge Taten fort!
Damit lass dir genügen! Folge mir!

(Sie gehen ab.)


Unter Bäumen.

Sechster Auftritt

Drei Mörder treten auf.

Erster (zum dritten).
Wer aber hieß dich zu uns stoßen?

Dritter.
Macbeth.

Erster (zum zweiten).
Wie? Sind wir beide ihm nicht Manns genug,
Dass er, besorgt, uns den Gehilfen sendet?
Was meint ihr? Dürfen wir ihm traun?

Zweiter.
Wir können’s dreist. Die Zeichen treffen zu,
Es ist der Mann, von dem der König sprach.

Erster.
So steh’ zu uns. Am abendlichen Himmel
Verglimmt der letzte bleiche Tagesschein.
Der Wandrer, der sich auf dem Weg verspätet,
Strengt seiner Schritte letzte Kraft noch an,
Die Nachtherberge zeitig zu erreichen,
Und der, auf den wir lauern, nähert sich.

Zweiter.
Still! Horch! Ich höre Pferde.

Banquo (hinter der Szene).
Licht! He da!

Erster.
Da ist er! Denn die andern, die beim Gastmahl
Erwartet wurden, sind schon alle da.

Zweiter.
Die Pferde machen einen Umweg.

Erster.
Wohl eine Vierteilmeile. Aber er
Pflegt, so wie jedermann, den Weg zum Schloss
Durch dies Gehölz zu Fuß zurück zu legen,
Weil es hier näher ist und angenehmer.


Siebenter Auftritt

Vorige. Banquo und Fleance mit einer Fackel.

Zweiter Mörder.
Ein Licht! Ein Licht!

Dritter.
Er ist es.

Erster Mörder.
Macht euch fertig!

Banquo (vorwärts kommend).
Es wird heut Nacht gewittern.

Zweiter Mörder.
Es schlägt ein.

(Sie fallen über ihn her.)

Banquo (indem er sich wehrt).
Verräterei! Flieh! Flieh, mein Sohn! Flieh! Flieh!
Du kannst mein Rächer sein! – O Bösewicht!

(Er sinkt tödlich getroffen nieder. Fleance wirft die Fackel weg; erster Mörder tritt darauf und löscht sie aus; jener entflieht.)

Dritter Mörder.
Wer löscht das Licht? –

Erster Mörder.
War es nicht wohl getan?

Zweiter Mörder.
Es liegt nur einer!
Der Sohn entsprang.

Erster Mörder.
Verdammt! Wir haben
Die beste Hälfte unsers Werks verloren.

Dritter Mörder.
Gut! Lass uns gehen und melden, was getan ist!

(Sie gehen ab.)


Festlicher Saal, erleuchtet.

Eine mit Speisen besetzte Tafel im Hintergrunde.

Achter Auftritt

Macbeth. Lady Macbeth. Rosse. Lenox. Augus und sechs andere Lords.

Macbeth.
Ihr kennet euren Rang. Setzt euch, ihr Herren.
Vom Ersten bis zum Untersten willkommen!

Rosse. Angus. Lenox.
Wir danken Eurer Majestät.

Macbeth.
Wir selber wollen uns bald hier, bald dort
In die Gesellschaft mischen und das Amt
Des aufwartsamen Hauswirts übernehmen,
Denn unsre Wirtin, seh’ ich, ist zu lässig
In ihrer Pflicht. Wir wollen sie ersuchen,
Geschäftiger zu sein um ihre Gäste.

(Alle setzen sich außer Macbeth.)

Lady.
Tut das, mein König, und erinnert mich,
Wofern ich was in meiner Pflicht versäumte.
Mein Herz zum wenigsten bewillkommt alle.

Der erste Mörder kommt an die Türe.

Macbeth.
Wie ihre Herzen dir entgegen wallen!
Gut! Beide Seiten, seh’ ich, sind besetzt,
So will ich dort mich in die Mitte setzen.
Nun, überlasst euch ganz der Fröhlichkeit;
Bald soll der Becher um die Tafel kreisen.

(Zu dem Mörder an der Türe.)

Auf deinem Kleid ist Blut.

Erster Mörder.
So ist es Banquo’s.

Macbeth.
Liegt er am Boden?

Erster Mörder.
Herr! Die Kehl’ ist ihm
Zerschnitten! Diesen Dienst erwies ich ihm.

Macbeth.
Du bist der erste aller Kehlabschneider!
Doch gleiches Lob verdient, wer seinem Sohn
Denselben Dienst getan! Bist du der auch,
So suchst du deines Gleichen.

Erster Mörder.
Gnäd’ger Herr!
Fleance ist entwischt!

Macbeth.
So kommt mein Fieber
Zurück! Sonst war ich ganz gesund, vollkommen
Genesen, fest wie Marmor, wie ein Fels
Gegründet, wie das freie Element,
Das uns umgibt, unendlich, allverbreitet.
Jetzt bin ich wieder eingeengt, gebunden
Und meinen alten Schrecknissen aufs neu’
Zum Raub dahingegeben. – Aber Banquo ist
Doch sicher –?

Erster Mörder.
Herr! Er liegt in einem Graben,
Mit zwanzig Hieben in dem Kopf, der kleinste
Schon eine Todeswunde. –

Macbeth.
Dank für das!
Dort liegt sie also, die erwachsne Schlange!
Der Wurm, der floh, hat das Vermögen, einst
Gift zu erzeugen, doch für jetzt noch keine Zähne!
Gut! Morgen wollen wir’s noch einmal hören!

(Mörder geht ab.)

Lady.
Mein König! Ihr verkürzet eure Gäste.
Das reichste Mahl ist freudenleer, wenn nicht
Des Wirtes Zuspruch und Geschäftigkeit
Den Gästen zeigt, dass sie willkommen sind.
Satt essen kann sich jeglicher zu Hause;
Geselliges Vergnügen, munteres
Gespräch muss einem Festmahl Würze geben.

Banquo’s Geist steigt empor und setzt sich zwischen Rosse und Lenox an den Platz, der für Macbeth in der Mitte des Tisches leer gelassen ist.

Macbeth.
Willkommene Erinnerung –

(Zu den Lords.)

Nun! Wohl
Bekomm’ es meinen viel geliebten Gästen!

Rosse.
Gefällt es meinem König, Platz zu nehmen?

Macbeth.
Hier wären alle unsre Edeln nun,
Die Zierden unsers Königreichs, beisammen,
Wenn unsers Banquo schätzbare Person
Zugegen wäre. – Möcht’ ich ihn doch lieber
Der Ungefälligkeit zu zeihen haben,
Als eines Unfalls wegen zu beklagen!

Rosse.
Sein Nichterscheinen, Sire, schimpft sein Versprechen.
Gefällt es meinem Könige, die Tafel
Mit seiner hohen Gegenwart zu zieren?

Macbeth (mit Entsetzen, indem er den Geist erblickt).
Die Tafel ist voll!

Lenox (ganz gleichgültig auf den Geist bedeutend).
Hier, Sire, ist noch ein aufbehaltner Platz!

Macbeth.
Wo?

Rosse (so wie Lenox).
Hier, mein König! Was setzt Eure Hoheit
So in Bewegung?

Macbeth (schauervoll).
Wer von euch hat das
Getan?

Rosse und Lenox.
Was denn, mein königlicher Herr?

Macbeth (zum Geiste).
Du kannst nicht sagen, ich war’s! Schüttle
Die blut’gen Locken nicht so gegen mich!

Rosse.
Steht auf, ihr Herrn, dem König ist nicht wohl.

Lady.
Bleibt sitzen, meine Lords. Der König ist
Oft so, und ist’s von Jugend auf gewesen;
Ich bitt’ euch drum, behaltet eure Plätze.
Der Anstoß währt nur einen Augenblick!
In zwei Minuten ist er wieder besser.
Wenn ihr so scharf ihn anseht, bringt ihr ihn
Nur auf und macht sein Übel länger dauren.
Esst fort und gebt nicht Acht auf ihn!

(Heimlich zu Macbeth.)

Seid ihr ein Mann, Sir?

Macbeth (immer starr auf das Gespenst sehend).
Ja, und ein beherzter
Dazu, der Mut hat, etwas anzuschauen,
Wovor der Teufel selbst erblassen würde!

Lady.
O schön! Vortrefflich! Das sind wieder
Die Malereien deiner Furcht! Das ist
Der in der Luft gezückte Dolch, der, wie
Du sagtest, dich zu Duncan hingeleitet!
Wahrhaftig, dieses Schaudern, dies Entsetzen,
So ganz um nichts, um gar nichts, passte gut
Zu einem Ammenmärchen, am Kamin
Erzählt, wofür Großmutter Bürge wird.
O schäme dich! Was zerrst du für Gesichter?
Am Ende stehst du doch nicht weniger,
Noch mehr, als einen Stuhl.

Macbeth.
Ich bitte dich!
Schau’ dorthin! Dorthin schaue! Nun! Was sagst du?

(Zum Geist.)

Wie! Was ficht’s mich an? Wenn du nicken kannst,
So red’ auch. – Schickt das Beinhaus und die Gruft
Uns die Begrabenen zurück, so soll
Der Bauch der Geier unser Grabmal werden.

(Der Geist erschwindet.)

Lady.
Ist’s möglich, Sir! So ganz unmännlich töricht?

Macbeth.
So wahr ich vor euch steh’! Er war’s. Ich sah ihn.

Lady.
O schämet euch!

Macbeth.
Es ist von jeher Blut
Vergossen worden, schon in alten Zeiten
Eh menschliche Gesetze noch die friedliche
Gemeinheit säuberten. – Ja, auch hernach
Geschahen Morde genug, zu grässlich schon
Dem Ohre. Sonst, wenn einem das Gehirn
Heraus war, starb der Mann, und so war’s aus.
Jetzt steigen sie mit zwanzig Todeswunden
An ihrem Kopfe wieder aus dem Grab
Und treiben uns von unsern Stühlen. – Das
Ist noch weit seltsamer, als solch ein Mord.

Lady.
Sire! Eure Gäste warten –

Macbeth.
Ich vergaß mich!
Kehrt euch an mich nicht, meine werten Freunde,
Ich bin mit einer wunderlichen Schwachheit
Behaftet; wer mich kennt, gewöhnt sich dran.
Kommt! Kommt! Auf eure Freundschaft und Gesundheit!
Hernach will ich mich setzen! Gebt mir Wein!
Voll eingeschenkt! Ich trinke auf das Wohlsein
Der ganzen gegenwärtigen Versammlung
Und unsers teuren Freundes Banquo auch,
Den wir vermissen. – Wär’ er doch zugegen!
Auf sein und euer aller Wohlergehn!

(Der Geist steht wieder da.)

Rosse. Lenox. Angus.
Wir danken untertänigst.

Macbeth (den Geist erblickend und heftig auffahrend).
Hinweg aus meinem Angesicht! Lass dich
Die Gruft verbergen! Dein Gebein ist marklos!
Dein Blut ist kalt! Du hast nicht Kraft zu sehn
In diesem Aug’, mit dem du mich anstarrest!

Lady.
Verwundert euch nicht, meine edeln Thans,
Nehmt es für etwas ganz Gewöhnliches.
Es ist nicht weiter, glaubt mir! Schade nur,
Dass es die Freude dieses Abends stört!

Macbeth.
Was einer wagt, das wag’ ich auch – Komm du
In der Gestalt des rauen Eisbärs auf mich an,
Des lib’schen Tigers, des geharnischten
Rhinozeros, in welcher andern Schreckens-
Gestalt du immer willst, nur nicht in dieser,
Und meine festen Nerven sollen nicht
Erbeben – oder lebe wieder auf
Und fordre mich aufs Schwert in eine Wüste.
Wenn ich mich zitternd weigere, dann schilt
Mich eine weib’sche Memme! Weg! Hinweg!
Furchtbarer Schatten! Wesenloses Schreckbild!

(Der Geist verschwindet.)

Ja – nun – Sobald du fort bist, bin ich wieder
Ein Mann.

(Zu den Gästen, welche aufstehen wollen.)

Ich bitt’ euch, Freunde, bleibet sitzen!

Lady.
Ihr habt durch diesen fieberhaften Anstoß
Den Schrecken unter eure edeln Gäste
Gebracht und alle Fröhlichkeit verbannt.

Macbeth.
Ich bitte dich! Kann man denn solche Dinge
Wie eine Sommerwolke vor sich weg
Ziehn lassen, ohne außer sich zu sein?
Du machst mich irr’ an meinem eignen Selbst,
Seh’ ich, dass du dergleichen Furchterscheinungen
Anschaun und den natürlichen Rubin
Auf deinen Wangen kannst behalten, wenn
Die meinen das Entsetzen bleicht.

Rosse.
Was für
Erscheinungen, mein König?

Lady.
Redet nicht,
Ich bitt’ euch! Es wird schlimmer stets und schlimmer.
Viel Fragen bringt ihn vollends ganz von Sinnen.
Gut’ Nacht auf einmal allen! Wartet nicht
Erst auf Befehl zum Aufbruch! Geht zugleich!

Rosse. Angus. Lenox.
Wir wünschen unserm König gute Nacht,
Und bessere Gesundheit!

Lady.
Allerseits gut’ Nacht!

(Die Lords gehen ab, von der Lady begleitet.)


Neunter Auftritt

Macbeth. Gleich darauf Lady Macbeth.

Es fordert Blut! Blut, sagt man, fordert Blut!
Man hat Erfahrungen, dass Steine sich
Gerührt, dass Bäume selbst geredet haben!
Wahrsager, die das tief verborgne Band
Der Dinge kennen, haben schon durch Krähen
Und Dohlen die geheimste Mördertat
Ans Licht gebracht – Wie weit ist’s in der Nacht?

Lady (ist indes zurückgekommen).
So weit, dass Nacht und Morgen schon im Streit
Begriffen, wer die Herrschaft führen soll.

Macbeth.
Und Macduff, sagst du, weigert sich zu kommen?

Lady.
Hast du ihn laden lassen?

Macbeth.
Nein, ich hört’ es
Nur vor der Hand; doch will ich nach ihm senden.
Es ist nicht einer unter diesen Thans,
In dessen Haus ich meinen Horcher nicht
Besolde – Morgen mit dem frühesten
Such’ ich die Zauberschwestern auf. Sie müssen
Mir mehr entdecken, denn ich muss nun schon
Das Ärgste wissen auf dem ärgsten Weg.
Ich bin so tief in Blut hinein gestiegen,
Dass die Gefahr dieselbe ist, ich mag
Zurücke schreiten oder vorwärts gehen.
– Seltsame Dinge wälzt mein Geist bei sich
Herum, die einen raschen Arm erfordern
Und Tat sein müssen, eh sie Worte sind.

Lady.
Euch mangelt die Erquickung aller Wesen,
Der Schlaf.

Macbeth.
Ja, komm! Wir wollen auch nun schlafen.
Mein Fehler ist nur eines Neulings Furcht,
Den die Gewohnheit noch nicht abgehärtet.
Wir sind in Taten dieser Art noch Kinder.

(Sie gehen ab.)

Ü   Þ

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