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Würde der Frauen (Gedicht)

Zum Gedicht Würde der Frauen.

Als Schiller dieses Gedicht schrieb, es war im Jahre 1795, war er bereits seit fünf Jahren glücklich verheirathet. Wenn auch zunächst das Gefühl der Dankbarkeit aus demselben spricht, so bemerkt man doch bald, wie er seiner ganzen Geistesrichtung gemäß, das, was ihn persönlich berührte, aus einem allgemeineren Gesichtspunkte zu betrachten wußte. Die Würde der Frauen konnte natürlich nur durch die Zusammenstellung mit ihrem Gegensatze ein wahrhaft lebendiges Colorit erhalten; deshalb sind die sechszeiligen Strophen mit dem leichter dahinhüpfenden daktylischen Metrum dem Lobe der Frauen gewidmet, während in den achtzeiligen mit dem ernsteren trochäischen Versmaß das Streben des Mannes charakterisirt wird. Die Frau, vor allem die deutsche, ist dem Dichter die Bewahrerin edler Sitte, ein Wesen, das der Natur näher und treuer geblieben, durch ihren religiösen Sinn auch innerlich reicher und zufriedener ist als der Mann. So erscheint sie ihm als eine der schönsten Zierden des gesellschaftlichen Lebens, als ein Geschenk des Himmels, das dazu bestimmt ist, unser irdisches Dasein durch seine Grazie zu verschönern und zu verklären. Der Mann dagegen erscheint ihm als die Personificirung leidenschaftlicher Kraft, welche die Grenzen des Wahren und Rechten nur allzuleicht überschreitet; als ein Wesen, das in seinem Streben nach dem Unerreichbaren nie Befriedigung findet, oft mit sich selbst in Streit geräth, und hart gegen sich selbst, auch leicht hart und streng gegen Andere wird. Nur durch Vereinigung mit einem weiblichen Wesen vermag er in eine enger begrenzte Sphäre zurückgeführt zu werden, in welcher er Ruhe und Lebensglück finden kann. Vergl. Tugend des Weibes; eben so ist eine Vergleichung dieses Gedichtes mit vielen Stellen in Goethe’s Torquato Tasso von besonderem Interesse.

 
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