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Urne

lat. urna; 1) ein krugartiges Wassergefäß; daher (Ged. D. Ideale):

„Wie aus des Berges stillen Quellen
Ein Strom die Urne langsam füllt.“

Sie wird von der bildenden Kunst besonders den Najaden als Attribut beigegeben, wie (Ged. D. Götter Griechenlands):

„Aus den Urnen lieblicher Najaden
Sprang der Ströme Silberschaum.“

außerdem wohl auch dem Neptun, von dem es (Ged. Hero und Leander) heißt:

– – – – – – „er gießt
Aus der unerschöpften Urne
Seinen Strom, der ewig fließt.“

2) das Gefäß, in welchem man im Alterthum die Asche der verbrannten Leichname aufzubewahren pflegte; daher (Sp. u. d. L.): „die Urne von Tibulls Asche“, wodurch sie dem Dichter zugleich zum Symbol des Todes wird, wie (Ged. D. Künstler):

„Und trafet das entflohne Leben
Jenseits der Urne wieder an.“

und (Br. v. M. 5, 498):

„Ein mächtiger Vermittler ist der Tod.
Da löschen alle Zornesflammen aus,
Der Haß versöhnt sich, und das schöne Mitleid
Neigt sich, ein weinend Schwesterbild, mit sanft
Anschmiegender Umarmung auf die Urne.“

3) ein Gefäß, welches zur Aufbewahrung von Loosen dient; daher (Wst. T. I, 4) bildl.:

„Nicht ohne Schauder greift des Menschen Hand
In des Geschicks geheimnißvolle Urne.“

Somit erscheint sie zugleich als Attribut des Minos (s. d.), von dem Phädra (Ph. IV, 6) sagt:

– – – – „Flieh’ ich in die Nacht
Des Todtenreichs hinunter. Wehe mir!
Dort hält mein Vater des Geschickes Urne.“

die ebendas. auch Schreckensurne genannt wird.

 
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