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Umschreibung

Der Ausdruck „bläulichte Göttin“, zu der sich die in der Br. v. M. vorkommende „blaue Göttin“ gesellt, gehört dem Gebiete der sogenannten poetischen Umschreibungen an. So wie es poetische Wörter giebt („Roß“, „Renner“, „Nachen“), welche die einfache Wirklichkeit gewissermaßen gleich im Feierkleide auftreten lassen, so strebte besonders die Poesie des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrh., wohl mit Nachahmung des Lateinischen, durch geistreiche und künstliche Umschreibungen den wirklichen Gegenständen ein höheres Lüstre zu geben. An und für sich entspricht die Umschreibung dem idealisirenden Zuge des dichterischen Geistes, der die Wirklichkeit verklären möchte oder den einzelnen Gegenstand umschreibend in seien Elemente zerlegt und diese in ihrer ursprünglichen Energie hervortreten läßt. So nannte schon der einfache Homer, der ein Künstler war in dem Sinne wie umgekehrt die Sonne mit tizianischem Farbenreichthume die Welt ausschmückt, das „Meer“: „die Feuchte“ oder „die feuchten Pfade“. Was aber bei ihm Natur war, wurde in dürftigeren Zeiten ein künstliches Spiel des Witzes, so daß man dahin gelangte, aus der Umschreibung eine Art anmuthigen und spannenden Räthsels zu machen. Sie bildet einen Charakterzug der lateinischen Poesie und ist aus dieser auch in die neuere Kunstpoesie übergegangen. Besonders blühte sie auch in der französischen Dichtung des 17. Jahrh. Kritiker zürnten dem Racine, daß er das Wort „pavé“ (Pflaster [s. d.], Steinfußboden) gebraucht hatte. Ein falscher Idealismus glaubte zu verschönern, wenn er die Dinge nicht bei ihrem Namen nannte. Die „Trompete“ wurde ein „airain menaçant“, aber konnte das nicht auch eine Kanone sein? So verfällt die Umschreibung in’s Unbestimmte und leicht selbst in’s Lächerliche. Auch in Deutschland herrschte sie in der ersten Hälfte des 18ten Jahrh. Man lese nur in Viehoff’s Handbuche einige Seiten aus Albrecht von Hallers „Alpen“ oder sehe Schlegel’s Arion durch. In diesem letzteren treffen wir nächst dem „krystallenen Hause“ „den glatten Spiegeln“ auch das „bläuliche Revier“, welches unserer „bläulichten Göttin“ gehört. In der Br. v. M. spricht Sch. von dem „grünen, krystallenen Felde“ und auch Platen singt: „Die ehernen Hengste, die durch salz’ge Schäume dahergeschleppt auf jener Kirche ragen“. Eine andere Art von Umschreibungen sind z. B. poetische Zeitbestimmungen, an denen Sch. wie alle Dichter, reich ist: „Nicht zweimal hat der Mond die Lichtgestalt erneut“. „So oft die Sonne sinkt zum Himmelsrande“. „Denn mit der nächsten Morgensonne Strahl“. „Kein Tag entstieg dem Meer“. „Eh dieses Tages Sonne sinkt“ (s. auch Wesenlenker und Sprache).

 
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