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Der Taucher (Gedicht)Zur Ballade Der Taucher. Schiller hat sich über die Quelle, welche ihm zu dieser Ballade aus dem Jahre 1797 zu Gebote gestanden haben mag, nicht ausgesprochen. Die Sage von einem Taucher, dessen kühne Wagestücke die allgemeinste Verwunderung erregten, findet sich bei mehreren Schriftstellern. Zunächst erzählt ein Neapolitaner Alexander ab Alexandro von einem Taucher Namens Colán (Nikolaus), der sich am liebsten im Meere aufhielt, so daß er von seinen zeitgenossen allgemein „der Fisch“ genannt wurde. Er übernahm es häufig, Botschaften schwimmend über das Meer zu bringen und setzte oft mitten auf demselben die Schiffer durch seinen Zuruf in Erstaunen. Bei einem Volksfeste in Messina warf der König eine goldene Schale in das Meer, die dem Colan als Preis angeboten wurde, wenn er sie aus dem Strudel herauf hole. Er stürzte hinunter, ward aber nie wieder gesehen. – Einem anderen Schriftsteller, Thomas Fazelli, zufolge soll er die Schale zweimal heraufgeholt haben, beim dritten Male aber verschwunden sein. – Ein Spanier Feyjoo (+1765), dessen Erzählung unserer Ballade noch näher kommt, bezeichnet den König mit dem Namen Friedrich, der über Neapel und Sicilien herrschte. Eben so thut dies der gelehrte Jesuit Athanasius Kircher (+1680 zu Rom), welcher seiner Angabe nach die Geschichte von einem Archivar aus den königlichen Akten erhalten hat. So groß die Uebereinstimmung seiner Erzählung mit dem vorliegenden Gedichte auch ist, so hat Schiller (einem Briefe an Goethe zufolge) diese Quelle doch nicht gekannt. Vielleicht aber hat ihm das bereits unter dem Artikel: „Kampf mit dem Drachen“ erwähnte Werk „E. G. Happelii Relationes curiosae“ zu Gebote gestanden, in welchem Vol. I, S. 83 bei Gelegenheit der Beschreibung der „gefährlichen Scylla und Charybdis“ eine Geschichte unter dem Titel „Der Verwunderungswürdige Teucher“ mittgetheilt wird. In diesem Bericht hat besonders die Beschreibung des unterirdischen Strudels mit der Schiller’schen Darstellung eine überraschende Aehnlichkeit. – „Der Taucher ist eine Ballade von hoher poetischer Schönheit. Schon das Versmaß, der mit munteren Anapästen (’_) gemischte Daktylus (’_), bringt eine äußerst lebendige Wirkung hervor. Zugleich offenbart sich in den vorherrschenden männlichen Reimen, mit denen die vier ersten Verse jeder Strophe schließen, eine dem Ganzen recht treffend angepaßte Kraft, während die beiden weiblichen Schlußreime dieselbe in wohlthuender Weise mildern und außerdem die Strophengliederung dem Hörer in recht gefälliger Weise bemerklich machen. Obgleich der Stoff an sich schon poetisch genug ist, zumal er uns in eine geheimnißvolle, unzugängliche Region versetzt, welche der Volksgeist so gern mit phantastischen Gebilden belebt, so hat doch die Sage unter der Hand des Dichters außerordentlich gewonnen. Zunächst ist der Grundgedanke der Verwegenheit des Menschen, der sich anmaßt, die von der Natur gesetzten Schranken zu durchbrechen, sehr schön in den Worten ausgedrückt: „und der Mensch versuche die Götter nicht“; außerdem aber treten statt der in der ursprünglichen Sage allein antreibenden Habsucht hier zunächst die Ehre und dann die Liebe als Triebfedern zu dem großen Wagestück auf. In Betreff der Ausführung ist aber vor allen Dingen die objective Haltung hervorzuheben, welche das Gedicht auch denen zugänglich macht, die nicht im Stande sind, den übersinnlichen Ideen zu folgen, die so häufig den Inhalt der Schiller’schen Dichtungen bilden. Endlich erscheint die Ballade in Betreff ihrer Diction als ein Meisterwerk ersten Ranges, indem die sinnlichen Vorstellungen, mit denen sie es zu thun hat, so unmittelbar in die sprachliche Hülle überfließen, daß man sich schwerlich einen höheren Grad von Vollkommenheit in der Darstellung denken kann. |
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