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Styx

(Ph. II, 1), od. der stygische Fluß (Ged. Hektors Abschied), od. der stygische Strom (Ged. Semele 1). Am Nordrande der Halbinsel Morea zieht sich der Achajische Gebirgszug entlang, eine öde, wild zerrissene, mit schwarzen Tannen oder Eichwald bedeckte Felsenkette. Etwa in der Mitte desselben nimmt der Styx seinen Ursprung. Der steile, schrecklich wüste Pfad, so wie die schaurig wilde Umgebung, welche zu dem herabstürzenden Wasser hinführen, sind noch jetzt ein Gegenstand des Schreckens für die dortigen Bewohner, deren Phantasie diese Gegenden mit Gespenstern bevölkert, und Unsterblichkeit als Folge des Genusses des Styxwassers bezeichnet. – Im Alterthum war Styx ursprünglich eine Nymphe, eine Tochter des Oceanus und der Thetis; sie sollte in der Gegend des Tartarus (s. d.) in einem abgesonderten Felsenpalaste wohnen, und hier zugleich das kalte Wasser hervorsprudeln, das weit unter der Erde ungesehen dahinfloß. Dieser Quell wurde als der zehnte Arm des Oceans betrachtet, während die 9 anderen Erde und Meer umflossen; daher (Ged. Hero u. Leander):

„Selbst der Styx, der neunfach fließet.“

und (Ged. D. Ideal u. d. Leben):

„Selbst der Styx, der neunfach sie umwindet,
Wehrt die Rückkehr Ceres Tochter nicht.“

Der zehnte Quell senkte sich in die Unterwelt hinab und bildete die eigentliche Stygische Fluth, bei deren Namen die Götter ihre unverbrüchlichen Eide ablegten; daher heißt es (Ged. Semele 1) von Zeus:

„Er schwört’s beim Styx. – Der Styx hat ihn gebannt!“

und (Ph. IV, 3) sagt Theseus:

„Denn bei dem Fluß, den selbst die Götter scheuen,
Gab mir Neptun sein Wort und hält’s.“

Daher auch (Br. v. M. 5, 390):

„Denn des gastlichen Hauses
Unverletzliche Schwelle
Hütet der Eid, der Erinnyen Sohn,
Der furchtbarste unter den Göttern der Hölle.“

Weil der Styx zur Unterwelt führte, so wird sein Name nicht selten für diese gebraucht, wie (Ph. II, 5):

„Der karge Styx giebt seine Staub nicht her.“

In gleicher Weise wird Pluto als Beherrscher der Unterwelt (Ged. Nenie) „der stygische Zeus“ genannt und (Ged. Kassandra) heißt es in Beziehung auf den dem Tode bereits verfallenen Choröbus:

„Doch es tritt ein styg’scher Schatten
Nächtlich zwischen mich und ihn.“

In symbolischer Bedeutung ist Sch. der Styx: 1) ein Bild des Todes, wie (Br. v. M. 5, 481):

„In sein stygisches Boot
Raffet der Tod
Auch der Jugend blühendes Leben!“

2) ein Bild der unter der Erdoberfläche wirksamen Kräfte, wie (Ged. Klage der Ceres), wo es in Beziehung auf die Pflanzen heißt:

„Gleich in ihre Pflege theilet
Sich des Styx, des Aethers Macht.“

3) ein Bild verhängnißvoller Entscheidung, wie (J. v. O. I, 5):

– – „diese Scheide deines Reichs;
Das styg’sche Wasser der Loire.“

indem von dem Uebergange auf die eine oder andere Seite dieses Flusses für Frankreich Leben oder Tod, d. h. Rettung oder Untergang abhängt.

 
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